Propagandakrieg: Gefälschte Terroristenfilme für eine halbe Milliarde Dollar

http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/propagandakrieg-gefaelschte-terroristenfilme-fuer-eine-halbe-milliarde-dollar.html

Von: Christoph Pfluger

 

Das Pentagon hat der britischen PR-Firma Bell Pottinger mehr als eine halbe Milliarde Dollar bezahlt, um gefälschte Terroristenvideos zu produzieren. Ein ehemaliger Angestellter der Firma, der Video-Editor Martin Wells, dokumentierte die Geschichte gegenüber dem britischen «Bureau of Investigative Journalism». Bis zu 300 Leute arbeiteten in dem Projekt, das von 2006 bis 2011 in Bagdad lief. Ein ähnliches Projekt wurde bereits 2005 durchgeführt und kostete 120 Mio. Dollar. Bell Pottinger ist bekannt für geheime Aufträge und problematische Kunden, darunter die Stiftung von Augusto Pinochet und die Regierung Saudi-Arabiens.

Die Aufträge umfassten drei Arten von Produkten. Zum einen ging es um Werbespots, die Al Kaida negativ darstellten. Dann wurden TV-Nachrichten produziert, die so aussehen mussten, als stammten sie von arabischen Sendern. Zu diesem Zweck machten TV-Teams an Orten mit Bombenanschlägen Aufnahmen in niedriger Auflösung, die dann zu Nachrichtenschnipseln zusammengeschnitten und an regionale Sender verteilt wurden, oft ohne Nennung der amerikanischen Quelle. Die dritte und heikelste Videokategorie bestand aus gefälschten Al Kaida-Propagandafilmen, die nach genauen Anweisungen hergestellt und dann von US-Marinesoldaten auf CDs mitgenommen und während der Aufregung einer Razzia unauffällig liegengelassen wurden. Die CDs waren mit «Real Player» so programmiert, dass sie nur mit Internet-Verbindung abgespielt werden konnten und automatisch ihre IP-Adresse an Google Analytics meldeten. Die Filme wurden von General Petraeus, dem späteren CIA-Chef und gelegentlich auch vom Weissen Haus direkt autorisiert.

Bell Pottinger arbeitete im Rahmen der Information Operations Task Force (IOTF) und war direkt der CIA unterstellt. Das Pentagon bestätigte die Zusammenarbeit mit Bell Pottinger, besteht aber darauf, dass alles veröffentlichte Material «truthful» gewesen sei.

Die Enthüllungen von Martin Wells und dem Bureau of Investigative Journalism betreffen Ereignisse, die nun zwischen fünf bis zehn Jahre zurückliegen. Über neuere geheime Propagandaaktionen, z.B. in Syrien oder im Zusammenhang mit dem IS, machen sie keine Angaben. Es ist aber schwer vorstellbar, dass sich derart aufwändige Propagandaaktionen auf den Irak beschränken.

Die ganze Geschichte mit Videobeispielen ist hier zu finden:

http://labs.thebureauinvestigates.com/fake-news-and-false-flags/

Donnerstag, 08. Dezember 2016

 

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