Der Fauxpas mit dem G20-Logo – Berlin knotet noch mal neu — (LUISE: SYMBOLIK)

http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/g20-der-fauxpas-mit-dem-falschen-knoten-als-logo-a-1150739.html

Bereitet die deutsche G20-Präsidentschaft die überraschende Auflösung der G20 vor? Diese Befürchtung legt das für das Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer gewählte Logo nahe!

Die Bundesregierung hat als Signet ihrer Präsidentschaft in der G20 einen maritimen Knoten, den Kreuzknoten, gewählt und preist diesen auf den Internetseiten der G20 geradezu euphemistisch: „Die Seefahrt, seit Menschengedenken sichtbares Zeichen von Handel, Wandel und Begegnung, kennt den Kreuzknoten als stabile und elastische Verbindung“. Und weiter: „Der Kreuzknoten verbindet besonders dann, wenn die Zugkräfte hoch sind …“.

Sachkenner beurteilen das völlig anders – so Clifford Ashley, Verfasser des Standardwerks über Knoten:

„Als Verbindungsknoten (um zwei Enden zusammenzubinden) hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen, als das Versagen eines halben Dutzends anderer Knoten zusammen.“

Experten sehen die Schwächen unter anderem darin, dass der Knoten im lockeren Zustand sowie bei wechselnden Belastungen nicht gut hält und bei modernem Kunstfasertauwerk ohnehin schnell durchrutscht. Viel besser geeignete Knoten gibt es sehr wohl – sie sind allerdings optisch nicht so gefällig, wie der symmetrische, harmonisch anmutende und bekannte Kreuzknoten: Effekt steht hier über Inhalt – eben auch beim Logo.

Leider läuft aber auch der Effekt beim Logo ins Gegenteil des Beabsichtigten: Denn der Agentur Scholz & Friends, die das Logo kreiert hat, ist in der Animation ein arges Missgeschick passiert.

Der abgebildete Knoten ist gar kein Kreuzknoten – er ist ein Diebesknoten. Und der taugt rein gar nicht als Symbol für Verbindung und Zusammenhalt, denn sein „Zweck“ ist so ziemlich das genaue Gegenteil: nämlich eine überraschende, unerwartete Trennung herbeizuführen!

Schon der Name deutet Ungemach an, und so ist es auch: Der Diebesknoten ist ein Scherzknoten, der sich bei Belastung löst. Verwendung findet er in Zaubertricks und für derbe Scherze mit unerfahrenen Matrosen, deren Hängematte man mit diesem Knoten „befestigte“; die Matrosen lernten so schmerzhaft, zukünftig genau hinzuschauen, auf was man sich verlässt.

Auch beim Logo der G20 muss man gut hinschauen: beim (statischen) Signet ist der falsche Knoten nicht zu erkennen, weil dort die „Enden“ verborgen werden – und genau dort unterscheiden sich der Kreuz- vom Diebesknoten; beim Kreuzknoten liegen die beiden losen Enden sich gegenüber, bei Diebesknoten dagegen – wie in der G20-Animation – sich diagonal gegenüber (siehe dazu offizielle Animation oben). Sobald Zug aufgebaut wird, löst sich der Diebesknoten.

Eine „Kleinigkeit“ macht den großen Unterschied! Dennoch kann der kundige und aufmerksame Betrachter den Trick durchschauen: Das Logo wird beim Aufrufen der Internetseiten der G20 animiert dargestellt – und eben diese Animation zeigt, dass ein Diebesknoten entsteht (siehe dazu auch oben; Anmerkung der Redaktion: Am Dienstagabend hat die Bundesregierung auf der G20-Internetseite die animierte Version durch eine statische ersetzt).

Nicht nur hier gilt: Verstehen, wovon geredet wird und immer sorgfältig hinschauen – so haben Fakes aller Art keine Chance!

Nur logisch also, dass sich auch die Bundesregierung noch mal an die Arbeit macht; am Dienstagnachmittag teilte ein Sprecher des Bundespresseamtes manager-magazin.de mit: „Vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Animation des G20-Logos ist nicht als Knüpfanleitung für einen bestimmten Knoten zu verstehen. Um aber Fehlinterpretationen auszuschließen, werden wir die Animation überarbeiten.“

Anmerkung der Redaktion: Am Dienstagabend hat die Bundesregierung auf der G20-Internetseite die animierte Version durch eine statische ersetzt.

Kreuzknoten / Diebesknoten

[m] wikipedia/Lucasbosch; mm
Kreuzknoten / Diebesknoten

Thorsten Grenz schreibt als MeinungsMacher für manager-magazin.de regelmäßig über Themen der Unternehmensführung und Corporate Governance. Er ist passionierter Hobby-Skipper und überzeugt, dass man sein Handwerk beherrschen muss – bei den Finanzen im Geschäft genauso wie bei Knoten an Bord.

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