Kritik der Psychiatrie

gesundbleibenblog

https://www.jungewelt.de/artikel/316657.kritik-der-psychiatrie.html

Textauszug:Gegen die Theorielosigkeit der psychiatrischen Zunft polemisierte bereits Wilhelm Dilthey in einer Denkschrift von 1894. Die Wissenschaften der Psyche, so der Philosoph, seien außerstande, ihr eigenes Subjekt zu bestimmen. Trotz dieser harschen Kritik dauerte es ein weiteres Vierteljahrhundert, bis sich der erste Psychiater Diltheys Kritik zu eigen machte. Arthur Kronfeld bezeichnete im Jahr 1920 die Psychiatrie als »nur geborgte Wissenschaft«. Er war überzeugt, dass eine »psychiatrische Grundlegung«, eine Definition seelischer Störungen aus den eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten menschlicher Bewusstheit und sozialer Interaktion, möglich sei. Seine brillante Analyse »Das Wesen der psychiatrischen Erkenntnis« lasen damals viele, heute ist sie vergessen. Von den Nazis 1933 verbrannt, wurde sein Buch nie wieder publiziert. Der Sozialist und Antifaschist Kronfeld floh ins Moskauer Exil und starb 1941. Die von ihm eingeforderte radikale Umkehr psychiatrischen Denkens steht, einhundert Jahre später, immer noch aus.

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