Wachtelgesetz – Besuch bei einem ‚alternativen‘ Züchter!


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Wachtelgesetz – Besuch bei einem ‚alternativen‘ Züchter!

Vor drei Wochen, als wir jenen Hof im oberösterreichischen Innviertel entdeckten, wo unter anderem Wachteln in desoltaten Umständen gehalten worden waren, war uns noch überhaupt nicht bewusst, in welches Wespennest wird damit stechen würden! Schnell wurde nämlich klar, sobald wir eine Anzeige zu formulieren versuchten, das österreichische Tierschutzgesetz hat auf die kleinen Hühnervögel völlig vergessen, es gibt keine brauchbare Vorgabe, nach welcher eine Behörde handeln könnte! Eigentlich unvorstellbar, und noch unvorstellbarer ist die Tatsache, dass dieser Missstand wohl schnell aufgefallen war, jedenfalls verfasste der Tierschutzrat schon 2006 eine Empfehlung für die Handhabung der Wachtelproblematik, nur ein Jahr nach Inkrafttreten des groß gefeierten österreichweit einheitlichen Tierschutzgesetzes. Heute allerdings, 11 Jahre später!!!!!!, steht diese Empfehlung immer noch für sich alleine, ist eine bloße Empfehlung geblieben, ohne in den Büchern verankerte Folgen!

 

Nicht zuletzt deshalb hat sich das Problem bis zum heutigen Tage zu einem großen entwickelt, denn im Schatten von anderen Tierschutzproblematiken entwuchs daraus eine Tierquälerei die ihresgleichen sucht – verschiedenste dunkle Kanäle haben die Gesetzeslücke erkannt und ungehindert und unangetastet in all den Jahren hunderttausende der Vögel in eingentlich völlig gesetzeswidrigen Haltungen gepfercht, dennoch fast unantastbar, weil es eben keine echten Bestimmungen für diese Tiere gab und gibt!

   

Wir haben seither mit großem Erfolg alle Hebel in Bewegung gesetzt, und nicht zuletzt auf Grund unserer Bemühungen ist die Verwirklichung des Gesetzes in der Alpenrepublik in unmittelbare Nähe gerückt! Es schaut gut aus, vielleicht könnte nun sogar noch in diesem Jahr der Eintrag erfolgen! Nur, nachlassen, das dürfen wir jetzt nicht, denn schnell können aus wenigen Monaten wieder einige Jahre werden, besonders nachdem die Parteien nach den Wahlen im Oktober ihre Schäfchen im Trockenen haben….

Dieser Tage besuchten wir deshalb einen Wachtelzüchter, welcher uns breitwillig zu sich nach Hause, in die Nähe von Schärding, einlud. Mit großen Erwartungen haben wir die fast zweistündige Reise angetreten, in der Hoffnung, dem Gestzgeber danach einen Report vorlegen zu können, der bestenfalls zeigen sollte, dass Wachtelhaltung auch ganz anders als wir sie zuletzt sehen mussten, nämlich tierfreundlich, passieren könnte!

 

Foto: Manuel Straßl zeigt uns seine Wachtelzucht – auch so kann Tierhaltung sein!

Um es kurz zu machen – wir wurden nicht enttäsucht. Herr Manuel Straßl, der engagierte Vorreiter, empfing uns sehr herzlich in seinem wunderschönen, vom Strom der Geschichte abgelegenen Refugium. Der junge Mann startete 2011 seine eigene Zucht, zuvor hatte er sich schon einige Jahre lang intensiv mit den ‚kleinsten Hühnervögel Europas‘ auseinandergesetzt. Seine Erfahrungen kamen ihm im neuen Hobby – das bald seine Berufung wurde – sehr zugute. Heute baut er seine Stallungen allesamt selbst, ebenso die Brut- und Futterkästen. Seine Tiere sind ‚handzahm‘, heißt, sie sind den Umgang mit Menschen gewohnt und präsentieren sich uns als völlig gechillt. Das ist schon etwas bemerkenswert, jedermann/frau, der/die sich ein bisschen mit Wachteln auskennt, weiß doch, diese Vögel sind im normalen ziemlich nervös. Schon beim kleinsten Anlass springen sie gegen die Käfigwände; hier jedoch nicht, ganz im Gegenteil sogar: Manuel kann tatsächlich die kleinen Gehege weit öffnen, ohne in Gefahr zu laufen, dass ein Teil der Wachteln sofort versucht in die Freiheit zu gelangen. Auch dem Blitz der Kamera stehen sie gleichgültig gegenüber.

   
   

Zuerst sehen wir die Aufzuchtställe, wohin die Tierkinder nach dem Schlüpfen im Brutapparat übersiedelt werden. Dort, unter Wärmelampen, bleiben sie die ersten 2 Wochen ihres Lebens, unter konstanter Temperatur von am Beginn mehr als 37 Grad, dann langsam an normale Bedingungen angepasst. Am ersten Tag werden sie mit Mohn gefüttert, ab dem 2. mit Kükenkorn, als Unterlage dient Küchenrolle, da Hobelspäne für die wunderhübschen Babys ein Todesurteil bedeuten könnte – sie würden unentwegt davon essen und mit überquellenden Magen qualvoll sterben.

Nach 14 Tagen geht die Reise in den großen Aufzuchtsstall weiter; auch dort gibt es noch eine Wärmelampe, nun leben die Küken aber auf Hobelspänen, Heu und gehäckseltem Stroh.

 

Fotos: alle Stallausstattung im Eigenbau und mittels Erfahrung entstanden – hier die Brutnester!

Nach weiteren 2 Wochen wandern sie in die Etagenställe oder in Volieren. Die Etagenställe verfügen über 3 Stockwerke, wobei in jedem davon ca. 15 Wachteln gehalten werden. Allesamt sind sie mit viel Einstreu und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet, sowie natürlich Sandbädern.

Die Brutställe verfügen über 2 Ebenen, eine, wo die Tiere essen und baden können, die zweite als Rückzugsmöglichkeit gedacht, mit völlig abgedunkelten Brutnestern versehen.

Manuel Straßl verkauft die meisten seiner gezüchteten Wachteln praktisch zu 100 % an private Haushalte wo die Tiere dann gleich Haustieren gehalten werden. 1000 der Vögel wechseln so jährlich den Halter; dazu verkauft er rund 6000 ‚Bruteier‘ die überall hin verschickt werden. Lebende Tiere werden nur am Hof abgegeben, sind aus Tierschutzgründen vom ‚Versandhandel‘ ausgeschlossen. Die Nachfrage nach ‚Speiseeiern‘ wird immer größer, ein Fakt, der uns schon bewusst worden war. Die Eier verfügen über ein Gewicht von nur 10 bis 12 Gramm, allerdings sagt man ihnen eine hohe Heilwirkung bei verschiedenen Krankheiten – zum Beispiel Neurodermitis – nach. Sie haben zudem wesentlich weniger Cholesterin als Hühnereier und sollen bei Asthma, Haut-, Herz-, Kreislauferkrankungen sowie hohen Blutdruck und Diabetis helfen. Deshalb werden sie bei KundInnen immer beliebter; einer einfachen Marktregel folgend sind deshalb in den letzten Jahren viele Wachtelbetriebe entstanden: Angebot und Nachfrage regeln den Markt – ein Kreislauf, der ohne die erforderlichen gesetzlichen Bestimmungen schnell zum Teufelskreislauf für die Tiere wird. Denn je mehr man davon auf weniger Platz zusmamenpfercht, desto mehr Eier gibt es zu verkaufen. Straßl meint, er könnte theoretisch mit ganz einfachen Mitteln viel mehr Gewinn erwirtschaften, aber dazu mag er die Vögel einfach zu gerne. Nie könnte er sie in die entsetzlichen Käfige stecken, außerdem würde er Nachts nicht schlafen können, würden die hygienischen Bedingungen für die Tiere nicht passen. Seine Ambitionen vermittel der Nebenerwerbslandwirt sehr glaubwürdig, jedenfalls spricht er mit großer Begeisterung und viel Wissen über den kleine Geflügelbetrieb und die Bedürfnisse seiner Schützlinge.

 

Foto: 2 Etagen; rechts mit Badesand ausgestattet, links Rückzugsgebiet inkl. Futter- und Nistkästen!

Der junge Mann sieht sich wie gesagt als ‚Wachtelzüchter‘, was bedeutet, er legt sein Geschäft in die Brut. Weil aber aus ca. jedem 2. Ei selbstredend ein Hahn schlüpft, gerät man hier in die selbe Misere wie bei der Hühnerhaltung – man hat sehr schnell ‚zu viele‘ männliche Tiere. Das Verhältnis eines ‚gesunden‘ Stalles, so Herr Straßl, sollte zwischen 3:1 und 5:1 liegen, anders läuft man in Gefahr, dass es unabwendbar zu blutigen Rangkämpfen kommt – was übrigens auch passiert, wenn überhaupt keine Hähne in reinen Frauengruppen gesetzt werden. Wachteln reagierne auf solchen Stress ziemlich grausam, picken die Kontrahenten oder die Außenseiter zu Tode…

So weit, so gut; aber genau hier gelangen wir schnell zu dem Punkt, wo die Idylle jäh endet und warum TierrechtlerInnen jegliche Haltung von sogenannten ‚Nutztieren‘ geradewegs ablehnen müssen. Manuel Straßl beherbergt die Überzahl der geborenen Hähne in eigenen Volieren, bis zu ihrer Geschlechtsreife mit ca. 7 oder 8 Wochen kommen sie gut miteinander aus. Der Züchter möchten ihnen für diese kurze Zeitspanne ein so artgerecht als mögliches Leben bieten, deshalb sind die Gehege mit verschiedensten Versteck- bzw. Spielmöglichkeiten ausgestattet, dazu vermitteln Tannenzweige eine heimelige Atmosphäre. Das Platzangebot ist ein relativ großzügiges, es gibt Sandbäder und dergleichen Annehmlichkeiten. Aber, diese Zeit ist bloß die Ruhe vor dem Sturm, nach dem Ablauf der paar Wochen Galgenfrist und dem Beginn der Streitigkeiten werden die Teenager getötet und landen als kleine Fleischhappen auf den Tellern der Familie sowie Freunden und Bekannten. Viel Fleisch gibt es nicht, nur rund 100 Gramm pro Vogel werden verwertet…

 

Foto: Wachtelhähnen ist ähnlich wie ihren großen Verwandten ein viel zu kurzes Leben beschienen…

Nach zwei lehrreichen und sehr interessanten Stunden verlassen wir den Hof; wir werden dem Tierschutzrat eine Empfehlung abgeben, hier sollte man vorbei kommen und Erfahrungen sammeln, welche in das dringend benötigte und hoffentlich bald verfasste neue Gesetz einfließen könnten! Ein großer Dank gilt Manuel Straßl dafür, dass er sich so viel Zeit für uns genommen hatte und dass er tierschutzfreundliche Alternativen aufzeigt und entsprechend umsetzt.

Wachteleier werden wir trotzdem niemals kosten, und unsere wirkliche Empfehlung geht deshalb dahingehend: eine vegane Ernährung bietet noch viel gesündere Produkte als Wachteleier, und nur eine solche verhindert, dass – in diesem Falle – Wachtelhähne nur ein paar Wochen zu leben haben…


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