Neuigkeit zur Petition: Meine persönliche Story

https://www.change.org/p/wildtierarche-rodgau-muss-erhalten-bleiben/u/21173098

Wildtierarche Rodgau g.e.V.

26. Aug. 2017 — Hallo, ich heiße Vladislav Altbregin und ich bin einer der Unterstützer der Wildtierarche Rodgau. Ich möchte Euch meine persönliche Story erzählen:

Vor ca. einem Jahr habe ich in meinem Garten zwei kleine Meisen gefunden. Eine war schon tot und die andere saß am Boden und hat gezittert. Das Vögelchen schaute mich an und ich habe verstanden, dass es von den Eltern aus ungeklärter Ursache zurückgelassen wurde. Also bin ich sofort ins Internet, um Hilfe zu suchen. Als Ergebnis folgten mehrere Anrufe bei Veterinärkliniken und Privatpersonen, die im Internet in den Fachforen als Experten auftraten.

Keine Klinik, keine Person, die ich angerufen habe, konnte mir helfen. Ich war schon am verzweifeln, denn der Zustand der kleinen Meise schien sich zunehmend zu verschlechtern. Das Vögelchen öffnete die Augen nicht mehr. Nun der letzte Versuch, dachte ich… Ich recherchierte weiter und fand eine Einrichtung namens Wildtierarche Rodgau ca. 70 km von mir entfernt. Anruf um kurz nach 20 Uhr wurde sofort von einer Frauenstimme beantwortet.

Wie es sich später herausstellte, war es Petra Kipper, die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Wildtierarche Rodgau. Sie hat mir angeboten, die geschwächte Meise bei mir abzuholen, nur brauchte sie Zeit, um auf dem Weg drei alleingelassene junge Füchse aus der anderen Einrichtung und ein paar kranke Vögel von anderen Privatpersonen zu holen, um sie in der Wildtierarche Rodgau weiter zu pflegen.

Da es näheliegend war, dass der kleinen Meise nur noch wenig Zeit zum Leben übrig blieb, habe ich Petra angeboten, dass ich selbst das Vögelchen bei der Wildtierarche vorbeibringen werde. Gesagt, getan und nach einiger Zeit saß mein kleiner Patient auf dem speziellen Tisch für Notfälle und wurde sorgfältig von Petra begutachtet. In der Zwischenzeit habe ich mich freiwillig als Tiertransport angeboten und habe auf meiner kleinen Reise drei junge Füchse und Dutzend kranke bzw. geschwächte Vögel bei verschiedenen Menschen abgeholt und sie dann später gesammelt in die Wildtierarche gebracht.

Alle fanden ihren Platz in dieser einzigartigen Einrichtung. Es waren so viele Tiere mit traurigen, aber hoffnungsvollen Augen und für alle war es genug Platz in der professionell ausgestatteten Station. Petra schien bei ihrem Werk, mich gar nicht zu beachten. Futter für die Vögel, Ausschau halten nach anderen Tieren inkl. Exoten… Wie managt diese Frau das alles, wie schafft sie es, mit so viel Energie und Elan den Bedürftigen zu helfen? Denn für viele Tiere ist sie die letzte Hoffnung. Schläft sie überhaupt? Das hat mich damals sehr beeindruckt. In einem ziemlich aufgeregten Zustand fuhr ich nach Hause und konnte dann lange nicht einschlafen…

Nach zwei Wochen habe ich Petra angerufen, um mich zu erkundigen, wie es meinem kleinen Patienten ginge. Sie erzählte, dass nach einer kurzen Pflegezeit der Vogel gestärkt und in einem gesunden Zustand freigelassen wurde. Diese Story ist also gut ausgegangen…

Da meine Gedanken in diesen zwei Wochen rund um die wundersame Begabung von Petra kreisten, habe ich sie gefragt, wie sie es schafft, das Ganze zu managen, wie käme sie damit klar. Sie erzählte mir, dass sie seit sehr vielen Jahren diesen 24-Stunden-Job ehrenamtlich macht, da sie schon seit ihrer Kindheit zu den Tieren hingezogen fühlte. Regenwürmer aus den Pfützen retten, damit sie nicht ertrinken, da hat sie noch gelacht… und ich auch.

Leider war das das letzte Mal, als ich sie lachen hörte. Was war passiert?

Das Veterinäramt des Kreises Offenbach schien die zuvor erteilten Freigaben zur Aufnahme von Tiernotfällen nicht weiter zu verlängern. Wie kann es sein, dachte ich es mir. Petra hat nach so vielen Jahren so viel Erfahrung, dass Veterinärärzte im ganzen Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus sie als absolute Expertin für Wild- und exotische Tiere empfehlen und Auskünfte bei ihr einholen. Wie kann es sein, dass Polizei und Feuerwehr nun ohne einen fachkundigen Ansprechpartner alleine mit den Notfällen gelassen werden? Wie kann es sein, dass Bürgerinnen und Bürger beim Sterben von Tieren hilflos zusehen sollen, da die Notfallaufnahme verweigert werden muss?

Das ist bestimmt ein Missverständnis, habe ich Petra vertröstet. Alles wird gut ausgehen, Kopf hoch!

Leider hat es sich nach ein paar Tagen herausgestellt, dass es doch die bittere Realität ist. Die Wildtierarche Rodgau darf nach so vielen Jahren keine Tiernotfälle mehr aufnehmen. Wohin dann mit den ganzen Tieren? Alles schien mir surreal und ich hoffte trotzdem auf das Einlenken der Behörde, denn Menschen sind von Natur aus barmherzig und rational, dachte ich mir damals…

Es kam anders und Petra schien mit jedem neuen Tag an der Grenze der physisch und psychisch Möglichem zu sein. Ich hatte ein Déjà-vu. Ich stand wieder hilflos da, wie vor einem Monat mit der kleinen Meise… Und keiner konnte mir helfen…

Was danach kam, ist ein beispielloser Versuch, die Wildtierarche Rodgau zu retten. Retten im Sinne des Tierschutzgedankes, denn eine Wildtierarche, die Notfälle nicht mehr aufnehmen darf, erfüllt ihre eigentliche Funktion nicht.

Unzählige Stunden der mühsamen und manchmal auch aussichtslosen Arbeit haben sich gelohnt. Es wurde diese Petition bei change.org und eine Crowdfunding-Möglichkeit bei EcoCrowd geschaffen. Menschen aus verschiedensten Bevölkerungsschichten mit einem Herzen an der richtigen Stelle hielten am Lebenswerk von Petra fest. Sie wollten die Wildtierarche Rodgau aktiv unterstützen.

Ich habe zwar nie eine solche Resonanz in der Bevölkerung erwartet, habe jedoch immer gehofft, dass es sich lohnt, für diese Sache zu kämpfen. Ich verneige mich vor zahlreichen Unterstützern der Wildtierarche Rodgau. Ich bin Euch allen zutiefst dankbar, denn Petra hat Eure Anerkennung wirklich verdient.

Die Arbeit an dem Projekt hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen, denn wie kann es sein, dass es für eine eigentlich gesellschaftliche Selbstverständlichkeit mit so viel Aufwand und Kraft gekämpft werden muss? Dass die gesellschaftlichen Werte, die eigentlich selbstverständlich sind, verteidigt werden müssen? Dass Bürgerinnen und Bürger hinter uns stehen, die sogenannten Volksparteien jedoch nicht aktiv in das Geschehen eingreifen wollen oder können? Dass unsere Zukunft mit einer intakten Um- und Tierwelt von uns verteidigt werden muss? Die Antworten auf diese Fragen liegen leider nicht auf der Hand. Nach diesen sollte ja gefahndet werden. Wenn ich in den Spiegel schaue, wen würde ich dort sehen? Manchmal ist mir dieser Anblick sehr peinlich, es ist so wie ein Fremdschämen. Es ist einfach da und du kannst es nicht unterdrücken, niemals…

Zurzeit läuft ein gerichtliches Mediationsverfahren, wo im besten Fall beide Seiten einig sein werden. Es ist eine hohe Kunst, diese Einigkeit hervorzurufen, denn von dieser hängt nicht nur das Schicksal der Wildtierarche Rodgau ab. Von dieser hängt auch unsere Zukunft ab.
Denn ohne solche Menschen wie Petra Kipper würde unsere Welt um einiges ärmer. Ohne solche Menschen werden wir an das Gute in unserer Gesellschaft nicht mehr glauben wollen. Ohne solche Menschen werden wir unseren Kindern sagen müssen, dass wir den Kampf um unsere gesellschaftliche Pflicht, all die zu verteidigen, die sich nicht wehren können, verlieren mussten.

Bitte seid Euren Werten treu und unterstützt auch weiterhin unsere gemeinsame Arbeit für den Erhalt der Wildtierarche Rodgau!

In tiefer Dankbarkeit,
Herzlichst,
Vladislav Altbregin


 

 

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