Colt Alb – wohl eine Lebensaufgabe! Der Bericht!


Colt Alb – wohl eine Lebensaufgabe! Der Bericht!

Colt Alb – wir bitten Sie von ganzem Herzen: helfen Sie uns helfen!!!

Erneut war die Nacht eine brechend heiße gewesen, und obwohl der astronomische Herbst nun bereits in greifbare Nähe gerückt ist, bezeichnet man eine solche gerne als ‚tropische‘, dann, wenn die Temperaturen selbst in den finstersten Stunden unbeeindruckt weit über der 20-Grad-Marke liegen.

Die Luft sollte schon in den frühen Morgenzeiten eine vor sich hin flirrende sein, derart erhitzt, dass sie es mühelos schafft, ans Ende langer Asphaltstraßen Wasserflächen zu projizieren; Wasserflächen, die allerdings nur in unserer Phantasie existieren. Ein lauer Wind bewegt die leidenden Pflanzen, ausgedörrt, und wenn die Klimaveränderung weiterhin mit solch Riesenschritten voranschreitet, werden wir diese Brisen wohl schon in einer Dekade als ‚Atem des Teufels‘ bezeichnen, wenn nämlich ob der gnadenlosen Hitze und des damit einhergehenden Wassermangels weite Landstriche selbst in unseren Breitengraden unbewohnbar, zumindest unfruchtbar geworden sind.

 

Foto: ein Meer aus Sonnenblumen, völlig vertrocknet – ist das die Zukunft, die wir zu erwarten haben, die wir unseren Kindern hinterlassen?

Wir finden uns wieder auf der Ostautobahn, einer Strecke, die uns schon so vertraut geworden ist, sind wir doch nun schon seit vielen, vielen Jahren auf ihr gereist. In Gedanken versunken, im Wissen, die Fahrt bis hin zum ersten Ziel wird bis in die späte Nacht hinein andauern – müssen wir doch immerhin den Rand der Karpaten erreichen – genießt man gerne den Moment, die letzten Strahlen einer untergehenden Sonne im Zuge einer Reise auf der Einbahnstraße des Lebens – weil genau dorthin führt uns der Weg, in eine Stadt, welche ihre Glanzzeiten nie wirklich erreicht, und nun selbst den bescheidenen Höhepunkt längst hinter sich gebracht hat. Der vormalige Diktator hat es gut gemeint mit der Zerrütteten, von Wind und Wetter zernagten, platzierte er doch gerade in ihr, an den Ausläufen der Zivilisation, einige große Fabriken, die ihrerseits Arbeit und einfachen Wohlstand brachten. Nadrac wird die Ansiedlung genannt, wo die Straße endet an den Füßen der mächtigen Gebirgszüge, wo sich die Hoffnung verliert im beginnenden ‚wilden‘ Osten. Als der Staatsführer zu Fall kam, gestraft für die Sünden an seinem Volk von eben diesem unsanft zu Fall gebracht und sein Leben in einem Hinterhof mit verbundenen Augen aushauchend, die Schreie seiner Frau – mit ihm den letzten Gang beschritten – in den Ohren, ging auch Nadrac zu Boden. Die Fabriken schlossen, und zurück blieben die Menschen, unsanft auf den Boden der Realität geworfen, plötzlich ohne jegliche Lebensgrundlage. So verließ die mittlere Generation den Ort, auf der Suche nach Arbeit und Glück irgendwo im Westen, die Kinder bei den Großeltern zurück bleibend. Sie sind die verlorene Generation, in Armut aufwachsend, immer im Hoffen, die Eltern würden, werden, eines Tages zurück kommen und sie mit entführen in eine neue Welt, deren Glanz allerdings, ohne ihr Wissen, ein völlig überzeichneter ist. Die Alten, sie sind zu müde um den Lauf der Geschichte noch zu verändern, gebrochen von der Realität und der harten Arbeit, der Geist zersplittert wie das Glas in den verrottenden Fabrikshallen.

 

Rudi, die meisten von Ihnen kennen ihn längst aus unseren Erzählungen, ist ein Fels in der Brandung, doch auch an ihm ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Steter Tropfen höhlt den Stein, solange, bis er bricht; mit seinen bald 70 Jahren verfügt er noch immer über die hellsten, wachsten und flinksten Augen, aber der Körper folgt immer öfters nicht mehr ganz den Befehlen des Geistes. Dennoch gönnt sich der Gute kein Nachlassen, keinen Moment der Ruhe, gilt es doch auch fast 100 Menschen, die meisten von ihnen auf die Hilfe des kleinen Zentrums völlig angewiesen, zu verköstigen – tut er es nicht mit seinem kleinen Team im von den Elementen ebenfalls stark in Mitleidenschaft genommenen Carits-Haus, wer sollte sonst diese lebensnotwendige Unterstützung leisten? Bitterste Not wäre die Folge, bitterste Not, mitten in Europa, von der Gesellschaft geschlossen übersehen!

 

Rudi, der Wunderbare! Hier mit seinem Hund, selbstredend von der Straße adoptiert!

Weiters, und vor allem, gilt die respekTIERE IN NOT-Hilfsfahrt natürlich auch den Hunden von Temeswar, und jenen, die sie umsorgen; doch auch hier tickt die Uhr, die Zeichen der Zeit nagen an der Struktur, an der Basis – ist doch vor kurzem Herr Oprea, in seinem 83sten Lebensjahr, verstorben. Er, der bis zu 30 Hunde alleine in seinem 1-Zimmer-Apartment ständig bei sich hatte, der sich zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau um fast 150 weitere kümmerte, sein Körper hat nach einem langen Leiden w/o gegeben. Wie wird es ohne ihn weiter gehen? Wie verkraftet Frau Oprea die Situation? All diese Fragen gilt es in den nächsten Tagen zu klären…

 

Foto: Herr Oprea, Sie haben Großartiges geleistet! Sie werden ewig in Erinnerung bleiben!

Im burgenländischen Neusiedl treffen wir uns wie nun schon so oft noch mit Doris, einer begnadeten Tierschützerin, welche einmal mehr eine ganze Wagenladung voll Güter, vom Hundefutter bis hin zu Hygieneartikel, für die Hilfsfahrt gesammelt hat. Nur mit Mühe bringen wir all die so dringend benötigten Sachen noch im Sprinter unter, und nach einigen Minuten der nettesten Unterhaltung müssen wir uns schweren Herzens verabschieden.

 

Schon hat uns der Highway wieder, das Sterneemblem im Kühlergrill des Kastenwagens immer in Richtung Osten zeigend. Wir kommen gut voran, erst an der rumänischen Grenze gerät der Verkehr wie befürchtet etwas ins Stocken. Nun, nach der Uhrumstellung – in Rumänien ist die Zeit eine Stunde voraus – setzt auch schon langsam die Dämmerung ein. Erste Straßenhunde zeigen sich, wie Schatten entlang der einsamen Straßen verschwinden sie genau so schnell wie sie aufgetaucht waren, verliert sich ihre Existenz wieder im Nirgendwo. Wir sind jetzt fast dankbar der späten Stunde, denn die zunehmende Dunkelheit beginnt das Grauen des Alltags zusehend zu verbergen.

Foto: erkennen Sie den Armen im Gebüsch?

Bald biegen wir von der Hauptstraße ab, der Weg führt uns durch entlegene Dörfer, immer weiter hin zu den Abhängen der Karpaten. Blitzende Tieraugen scheinen uns zu beobachten, immer wenn der Scheinwerfer in den Kurven hinein in die vielleicht letzte wahre Wildnis Europas blendet.

Dann, nach mehr als 20 langen Kilometern im Nichts der Nacht tauchen die ersten Häuser von Nadrac auf, getaucht ins nahezu gespenstisches Licht des schimmernden Mondes. Schnell wird selbst jenen Besuchern, welche sich zum ersten Mal hierher verirrt haben klar: hier liegt eine ganze Ansiedlung im Sterben! Fabrikgebäude, längst ist der Lebensatem entfleucht, den Elementen preisgegeben, starre Ruinen vom Verfall gezeichnet. Die letzte deren hat vor einem Jahr die Pforte für immer geschlossen, nun ist ein Holzhändler der einzig verbliebene Arbeitgeber weit und breit. Ganze 10 Menschen kann er beschäftigen, der Rest verliert sich in der Erinnerung an bessere Tage. Nadrac, zu Glanzzeiten von mehreren tausend Menschen bewohnt, verwandelt sich in beängstigend schnellen Schritten zur Geisterstadt. Keine 2000 Seelen sind mehr vor Ort, die allermeisten davon bereits im Herbst ihres Lebens, und die Zukunft verspricht wahrlich nichts Gutes. In dem Städtchen enden die Straße, eine Sackgasse, eine Karikatur ihrer selbst, zurück bleiben wird allerhöchstens eine bloße Randnotiz in einer darniederliegenden Gesellschaft. Wir werden uns morgen ein bisschen umsehen, neue Eindrücke sammeln, für heute freuen wir uns nur mehr auf ein weiches Bett. Rudi und sein Sohn Marius, die letzten Bastionen in einer kargen Umgebung, erwarten uns bereits voller Freude; Schlafengehen wäre dringend nötig, doch der Anstand – und natürlich auch die Freude – gebietet uns noch ein Gläschen zusammen zu trinken und alte Geschichten auszutauschen.

   
   

Fotos: Nadrac, wie es lebt und stirbt…

Die Nacht ist dann eine besonders kurze, nachdem wir erst gegen 2.30 Uhr morgens ins Bett gekommen waren. Allerdings weht nun von den nahen Bergen ein kühler Wind, welche eine Erleichterung zur Hitze des Tages, was die wenigen Stunden des Schlafes umso angenehmer macht!

Früh am nächsten Morgen weckt uns Rudi – er hat bereits ein wunderbares Frühstück aus duftendem Kaffee, frischem Brot und herrlicher Marmelade gezaubert! Der Ort liegt noch im tiefen Schlaf, aber dieser Zustand wird sich auch im fortschreitenden Tag nicht viel verändern; im Fakt hat die ungewollte Ruhe, viel zu viel davon, schon mit dem Niedergang der Firmen begonnen und die Tendenz wird sich wohl in den kommenden Jahren sogar noch verstärken, daran besteht kein Zweifel. Zudem, so hören wir, sind die Zeiten so schlecht geworden, dass die wenigen verbliebenen Menschen immer wieder von Räuberbanden, kommend meist aus den umliegenden Dörfern, heimgesucht und selbst der ärmlichen Überreste ihrer Existenz noch bestohlen werden…

Jetzt gilt es die mitgebrachten Sachen zu entladen! Wir möchten Ihnen allen für die so zahlreichen Sachspenden danken – damit kann wirklich soooo viel geholfen werden! Und was wir alles mitgebracht haben: angefangen von den Medikamenten, über die Hygieneartikel, Kinderspielsachen über Kleidung, alles ist dabei!

alles lesen … http://www.respekTiere.at

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