Neuigkeit zur Petition: Trophäenjagd – Die Antwort der Parteien

https://www.change.org/p/frau-dr-hendricks-stoppen-sie-den-import-von-jagdtroph%c3%a4en-gesch%c3%bctzter-tierarten/u/21218323

Dr. Christian Felix

Deutschland

31. Aug. 2017 — Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

Ende Juli stellte ich sechs Parteien folgende Frage: „Unterstützt Ihre Partei ein Einfuhrverbot für Jagdtrophäen geschützter Tierarten?“ Die Antworten liegen nun vor: https://drive.google.com/drive/folders/0B1B9okJk1L3iN2h2aVB0TUF5T2c?usp=sharing

Als erste Partei äußerten sich die GRÜNEN: „Wir wollen die Einfuhrgenehmigungen von Jagdtrophäen, die der EU Artenschutzverordnung unterliegen, stoppen.“ Dies entspricht der zentralen Forderung vieler Umwelt- und Artenschutzverbände, etwa der von Pro Wildlife, IFAW, NABU.

Die CDU ist für eine stärkere Regulierung und bessere Kontrolle der Trophäenjagd, die sie nicht ablehnt. Sie beansprucht für sich, erreicht zu haben, dass die Jagd legal sein muss und effektiv überwacht wird.

Offenbar nicht richtig verstanden wurde die Frage von der CSU, denn sie antwortet zu einem anderen Themenkomplex.

Die FDP vertritt ganz unverblümt die Position der Jagdlobby, wie sie etwa der Deutsche Jagdverband proklamiert [1]. „Wir Freien Demokraten denken, dass eine nachhaltige Nutzung von Wildbeständen durch Jagtourismus [sic!] sogar das langfristige Überleben von Populationen und ganzen Arten sichern kann.“ Die FDP preist die Hobbyjagd mit dem euphemistischen Slogan „Schützen durch Nützen“ und meint, dieses „Prinzip“ lohne sich auch wirtschaftlich für die einheimische Bevölkerung.

Diese Meinung steht im klaren Widerspruch zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen [2, 3, 4]. Demnach ist der Jagdtourismus für die Jagdländer wirtschaftlich unbedeutend, erhält die lokale Bevölkerung an den hohen Zahlungen für die Abschusslizenzen keinen Anteil, beeinflusst die Trophäenjagd den Genpool der Tierarten negativ und beschleunigt deren Ausrottung. „Ideologische Pauschalverbote“ lehnt die FDP ab, ethische Vorbehalte gegen das Töten aus Spaß hat sie offenbar nicht. Vielleicht ist diese Haltung wenig überraschend für eine Partei, deren Vorsitzender Christian Lindner gerade erst den Jagdschein gemacht hat.

Die SPD zeigt sich widersprüchlich. Einerseits hebt der Parteivorstand hervor, dass „Umweltministerin Hendricks bei der EU Kommission eine Initiative eingebracht [hat], die auch die Einfuhr von Jagdtrophäen von nicht bedrohten Wildarten untersagen wollte.“ Anderseits hat Staatssekretär Flasbarth (SPD) in Vertretung der Umweltministerin bei der Übergabe dieser Petition die großzügige Praxis deutscher Behörden bei der Erteilung von Genehmigungen für die Einfuhr von Jagdtrophäen gelobt und als gut begründet bezeichnet, wofür er prompt Anerkennung vom Deutschen Jagdverband erhalten hat [1].

Die LINKE sieht „wie sich der hohe Jagddruck sowie die weit verbreitete Korruption und Missmanagement im Jagdbereich negativ auf gefährdete Arten auswirken“ und möchte ändern, dass Deutschland „eines der Haupteinfuhrländer für Jagdtrophäen CITES-geschützter Arten“ ist.

Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild: Zwei Parteien vertreten Positionen, die mit den Forderungen dieser Petition überwiegend im Einklang stehen. Zwei Volksparteien loben sich selbst, und eine Partei, die wieder in den Bundestag gewählt werden möchte, bekennt sich freimütig zum Jagdtourismus.

Noch ist Zeit bis zur Bundestagswahl am 24. September. Helfen Sie mit, dieses Thema größer zu machen. Schreiben Sie den Parteien Ihre Meinung zur Trophäenjagd, benutzen Sie dafür die unten genannten E-Mail-Adressen. Seien Sie deutlich, aber bleiben Sie immer sachlich und höflich.

Bringen Sie Ihr Befremden darüber zum Ausdruck, dass die Bundesregierung die Trophäenjagd unterstützt und Deutschland zum zweitwichtigsten Importeur von Jagdtrophäen gefährdeter Tierarten etabliert hat. Machen Sie klar, dass ethische Gesichtspunkte dagegen sprechen, die letzten Vertreter ihrer Art wegen der Profitgier einiger Weniger abzuschießen. Schreiben Sie, dass die Behauptung, die Trophäenjagd diene dem Artenschutz, jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt. Verweisen Sie auf die zahlreichen Studien zum Thema. Argumentieren Sie, dass mit dem Privileg einer reichen und gebietsfremden Elite der Jagdtourismus eine Form von Neo-Kolonialismus darstellt und einem mittelalterlichen Feudalwesen vergleichbar ist.

Gemeinsam machen wir das Thema zur Bundestagswahl groß!

Herzliche Grüße

Christian Felix

[1] www.jagdverband.de/content/nachhaltige-bejagung-ist-artenschutz
[2] https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2009-074-En.pdf
[3] www.hsi.org/assets/pdfs/economists-at-large-trophy-hunting.pdf
[4] www.ifaw.org/sites/default/files/IFAW_TrophyHuntingReport_UK_v2.pdf

E-Mail-Adressen der Parteien:

CDU: info@cdu.de
CSU: landesleitung@csu-bayern.de
SPD: parteivorstand@spd.de, Kontaktformular: www.spd.de/site/kontakt/
DIE LINKE: parteivorstand@die-linke.de, bundesgeschaeftsstelle@die-linke.de
GRÜNE: info@gruene-bundestag.de
FDP: info@fdp.de, fdp-point@fdp.de


 

 

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