Herzliche Ostergrüße von CitizenGO und den Christen im Irak

Grüß Gott und guten Tag,

Meine Ostergrüße (und damit natürlich die Ostergrüße des gesamten Teams von CitizenGO) sende ich Ihnen in diesem Jahr ganz bewusst zwischen dem westkirchlichen und orthodoxen Osterfest. Für katholische und evangelische Christen kommen diese also ein wenig verspätet, während sie für Mitglieder der verschiedenen orthodoxen Kirchen verfrüht sind, da diese sich noch in der Feier der Karwoche befinden.

Vielleicht sollten wir uns anlässlich der nach wie vor verschiedenen Ostertermine einfach daran erinnern, immer wieder dafür zu beten, dass es bald endlich wieder ein gemeinsames Osterfest für alle Christen geben wird!

Nachdem es in diesem Jahr voraussichtlich leider keine Irak-Expedition von CitizenGO geben wird, habe ich mich auf eigene Kosten auf den Weg gemacht, um das Osterfest mit den Christen in der Ninive-Ebene zu verbringen und diesen dadurch die andauernde Solidarität und Verbundenheit zu bezeugen.

Von Palmsonntag bis Ostersonntag (nach westlichem Kalender) durfte ich einmal mehr Zeuge des tiefen gelebten Glaubens der orientalischen Christen sein, die im Irak dieses Jahr zum ersten Mal wieder ohne Furcht vor dem Terror des islamischen Staates und ohne offene (Bürger-)Kriegshandlungen Ostern feierten und feiern.

Ja, es gibt immer noch viel Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringen wird, wie sich die Situation im Irak und der angrenzenden Region weiter entwickeln wird und der Traum von einem besseren Leben in einem westlichen Land bewegt immer noch viele der hier lebenden Menschen (aller Bevölkerungsgruppen). Aber es sind überall auch kleinere und größere Zeichen von Aufbruch ersichtlich und vor allem hört man keinen Lärm von Kampfflugzeugen und keine Detonationen durch Kämpfe und Luftangriffe mehr.

Die folgenden Bilder stammen von den verschiedenen Feierlichkeiten in der Stadt Alqosh am Rande der Ninive-Ebene:

Palmsonntag

Nicht nur dort, sondern in allen Dörfern und Städten im Irak, in denen Christen leben, fanden am Palmsonntag umfangreiche Prozessionen und Feiern in den Straßen und auf den Plätzen statt. Egal, ob in Basra im Süden des Irak, in der Hauptstadt Bagdad oder in den befreiten Orten der Ninive-Ebene: die irakischen Christen stehen zu ihrem Glauben und bezeugen diesen öffentlich.

Gerne wäre ich in Qaraqosh bei den Feierlichkeiten dabei gewesen. In dieser einstmals größten christlichen Stadt des Irak begingen rund 20.000 zurückgekehrte Bewohner die größte Palmsonntagsprozession im Irak.

Ostern

Neben dem Palmsonntag gab es eindrucksvolle weitere Feierlichkeiten, bei denen mir vor allem immer wieder besonders aufgefallen ist, wie viele Jugendliche sich aktiv an der Vorbereitung und Durchführung von Kreuzwegandachten und weiteren Prozessionen beteiligt haben.

Ostern

Die Jugendlichen beteiligen sich nicht nur mit viel persönlichem Einsatz an der Vorbereitung und Durchführung all dieser Feiern (und als Helfer bei den liturgischen Handlungen). Sie strahlen dabei eine tiefe Innigkeit, gepaart mit sehr viel innerer Freude aus, die ich persönlich sehr bewegend finde. Es scheint, dass die Gewissheit der Auferstehung bei ihnen, wie auch bei den Erwachsenen, tief in ihren Seelen verankert ist.

Ostern

Von daher war es mir eine besondere Freude, Abuna Ghazwan Baho, dem Stadtpfarrer von Alqosh die bei der „Nacht der Lichter“ Ende November 2017 in Jena (bei der ich über den Einsatz von CitizenGO für die bedrängten Christen im Orient berichten durfte) gesammelte Kollekte übergeben zu dürfen, damit er mit den aktiven Jugendlichen in den kommenden Tagen als Dank für ihren Einsatz einen Tagesausflug unternehmen kann.

Neben der Teilnahme an den christlichen Feierlichkeiten der Karwoche und des Osterfestes war es mir eine ganz besondere Freude, dass ich bei einem Besuch im jesidischen Heiligtum von Lalish überraschend „Baba Sheikh“, dem religiösen Oberhaupt der Jesiden, begegnen durfte. Ich habe die Gelegenheit genutzt, ihm zu versichern, dass CitizenGO sich auch weiterhin für die Jesiden, die ja unter dem Islamischen Staat noch viel stärker als die Christen gelitten haben, einsetzen wird und darf Ihnen die Segenswünsche von Baba Sheikh übermitteln.

Jesiden Lalish

Leider kommt bei den Jesiden auch weiterhin wesentlich weniger Hilfe und Unterstützung als z.B. bei den christlichen Minderheiten an. Es leben immer noch zigtausende vertriebene Jesiden unter teils sehr erbärmlichen Bedingungen in Zelten und „wilden“ (also nicht organisierten) Camps und Lagern und eine Besserung ihrer Situation ist nicht absehbar.

So freue ich mich zwar einerseits, dass ich Ihnen von Verbesserungen und erfreulichen Entwicklungen berichten kann, während mich andererseits die Tatsache, dass abseits der großen Hilfsprojekte weiterhin große Not besteht, die – insbesondere bei den Jesiden – keine Linderung findet.

Es verbleiben mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen

Eduard Pröls und das gesamte Team von CitizenGO

P.S.: Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Spendern und Unterstützern, die auf unsere Februar-Spendenkampagne reagiert und für die anstehenden Baumaßnahmen im Kloster Deir Mariam al Adhra in Sulaimaniyah gespendet haben, bedanken.

Pater Jens Petzold hat mich gebeten, allen Spendern mitzuteilen, wie dankbar er für die eingegangenen Spenden ist, die ihm die Durchführung vieler der anstehenden Maßnahmen ermöglichen. Er versicherte mir, dass er und die Klostergemeinschaft alle Spender und ihre Anliegen stets ins Gebet einschließen.

Leider war es mir während meines Aufenthaltes nicht möglich, auch Sulaimaniyah zu besuchen. Ich werde dies aber bei dem hoffentlich bald erfolgenden nächsten Besuch im Irak nachholen.

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