‚Antisemitische Reflexe‘ zur Schächtdebatte? Ein offener Brief an den Herrn Rabbiner Schlomo Hofmeister

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‚Antisemitische Reflexe‘ zur Schächtdebatte? Ein offener Brief an den Herrn Rabbiner Schlomo Hofmeister
Hochverehrter Herr Rabbiner Hofmeister, wunderschönen guten Tag!
Wir hoffen es geht Ihnen heute ganz hervorragend!
Gestatten Sie mir mich kurz vorzustellen; mein Name ist Tom Putzgruber, ich bin vom Verein RespekTiere. Der Grund unseres Schreibens ist folgender: Die aktuelle Schächtdebatte in Österreich ist nicht zuletzt aufgrund Ihres Beitrages, und dafür sind wir dankbar, einmal mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Ob dies so von Ihnen so beabsichtigt war, maßen wir uns nicht an zu entscheiden. Wir denken aber eher ’nein‘, denn in Bezug auf das Thema ‚Schächten‘, so sagt die Erfahrung, dürfte es Ihnen dann doch um sehr vieles lieber sein, wenn die Öffentlichkeit dazu tunlichst in Schweigen verharrt – trotz oder gerade wegen einer vermutlich breiten Mehrheit, welche sich eine Verschäfung derzeit geltenden Rechtes wünscht.
Jedenfalls behaupteten Sie in einem Interview mit der Zeitung ‚Österreich‘ folgendes: ‚Mittels eines extrem scharfen Messers wird der Schnitt unterhalb des Kehlkopfes gesetzt. Innerhalb einer Zehntelsekunde ist das Tier bewusstlos. Im Unterschied zu nicht koscheren Schlachtungen wird das Tier nicht erstickt. Beim Ausbluten hat es keinerlei Bewusstsein mehr.‘ Dann erfahren wir von Ihnen, ‚einen Todeskampf kann es bei jüdischen Schächtungen nicht geben. Nur noch Nervenreflexe sind möglich.‘ Weiters werten Sie die aus unserer Sicht sehr berechtigte und zunehmend laute Forderung nach einem generellen Schächtverbot als ‚neuen Versuch, jüdisches Leben einzuschränken. Wir kennen das seit der Römerzeit, dass versucht wurde, über Schächtungsverbote jüdisches Leben zu vertreiben‘. Dies sei ‚ein Eingriff in die Religionsfreiheit und eine unehrliche Debatte. Wenn es um Tierwohl ginge, müsste es auch um Gatterhaltung und die quälende Erstickung von Schweinen vor ihrer Schlachtung gehen.‘
Foto: Kundgebung vor dem Parlament in Wien!
So weit, so gut; dazu gibt es aber ein paar Überlegungen, welche Sie in Ihren Ausführungen vielleicht so nicht bedacht haben; ein Beispiel: Bei einem Treffen mit dem hochgeschätzten Imam Dipl. Ing Tarafa Baghajati von der Islamischen Gemeinschaft im Dezember 2016 hörten wir ganz ähnlichen Bekundungen. Tiere wären nach dem Schächtschnitt sofort tot, würden Geringstmögliches vom Tötungsvorgang selbst spüren. OK, sagten wir damals, Sie, Herr Imam Baghajati, haben unsere Zusage; wir werden jegliche Debatte zur Thematik sofort beenden, wenn wir uns mit eigenen Augen von der Richtigkeit dieser Behauptung überzeugen, also einer solchen religiösen Schlachtung beiwohnen dürften. Dies wurde in Aussicht gestellt, es müsste hierfür allerdings noch bei Ihnen, Herr Rabbiner Hofmeister, um eine diesbezügliche Erlaubnis angefragt werden. Fast selbstredend kam das weitere Treffen zum grimmigen Anlass niemals zustande, und nicht nur das, nie hatten wir weder von Herrn Baghajati noch von Ihnen auch nur eine Absage gehört. Da werden Erinnerungen wach; im April 2006 durfte ich ein langes Interview mit dem ehrenwerten Präsidenten der Israeltischen Kultusgemeinde in Salzburg, Herrn Marko Feingold, führen (nachzulesen unter https://www.respektiere.at/comatix_news.php?newsid=783). Dabei erzählte der inzwischen 105-Jährige, übrigens Österreichs ältester Holocaust-Überlebende, ebenfalls davon, dass Tiere beim Schächten sofort tot sein, keinen Augenblick leiden würden. Ich antwortete damals, ich hätte anderes mit eigenen Augen gesehen, aber ich würde mich gerne davon überzeugen lassen, dass dies bei einer jüdischen Schlachtung in Österreich anders wäre. ‚Kein Problem‘, erwiderte der sympathische ältere Herr. Leider aber war der Präsident für uns in Folge nicht mehr zu erreichbar, sodass auch in diesem Falle nie ein Termin festgesetzt werden konnte (wir antworteten nach dem Nichtzustande-Kommen weiterer Gespräche nach vielen Versuchen und langem Zuwarten 6 Monate später mit einer Kundgebung vor der Israelitischen Kultusgemeinde, was prompt zu einer völlig überzogenen Anzeige beim Staatssicherheitsdienst führte…).
Foto: Protest vor der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg, 2006!
Nun werden wir also wieder um einen Termin für das Beiwohnen einer Schächtung anfragen; Herr Rabbiner, Sie, der Sie sich so sicher sind in der Sache, können dabei alle Vorurteile gegen das Schächten ausräumen und nicht nur das – stellt sich Ihre nun öffentlich getätigte Darstellung als tatsächlich richtig heraus, werden wir keine Sekunde zögern, das Schächten danach in unseren Publikationen als allgemein beste Schlachtungsform zu erwähnen. Wenn dem Tier zuvor keinerlei Ängste zugefügt werden, wie zum Beispiel das Nicht-Mitansehen-Müssen vorhergehender Schlachtungen, weiters kein Hinweis auf die folgende Tat zu erahnen ist (laut Heiligen Büchern darf bis zum letzten Augenblick kein Messer sichtbar sein) und die Bewusstlosigkeit dann in der Tat bereits nach einer Zehntelsekunde eintritt, so wäre es eine für jegliche arme Tiere sicher bessere Aussicht als sie selbst im allerbesten konventionellen Schlachthof zu erwarten ist. Sie können Ihrer Sache mit einer Einladung also nur Gutes tun!

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