102 Kastrationen – der Einsatzbericht (Teil 1)! — respekTiere

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102 Kastrationen – der Einsatzbericht (Teil 1)!
Es war eine unruhige Nacht gewesen. Ein nicht zu stoppendes Kopfkino hatte das Einschlafen lange Zeit unmöglich gemacht. Immer wieder kauten bleierne Gedankengänge die künftigen Tage durch, nur um letztendlich bei der Gewissheit zu verbleiben: das Kommende lässt sich nun, keine 20 Stunden vor dem Abflug, sowieso kaum mehr beeinflussen, die Zukunft alleine weiß Bescheid über Erfolg oder auch Misserfolg des anstehenden Einsatzes. Doch den Tüchtigen gehört die Welt, jenen, die versuchen, die kämpfen, die nicht aufgeben, die dann und wann auch einmal an das Unmögliche glauben – und egal was immer passieren mag, hat man diese Tugenden eingehalten, nichts ist dem- oder derjenigen mehr vorzuwerfen.
Der tiefe Glaube an solch kosmische Gesetze legte sich schließlich wie Balsam auf die geplagte Seele und ließ den müden Körper doch noch für ein paar Stunden Ruhe finden.

Langsam verblasst nun die Aufregung. Jetzt, am Flughafen, braucht es kein Nachdenken mehr ob denn alles eingepackt, alles hergerichtet, alles organisiert ist, denn nun, wäre dem nicht so, es sollte ohnehin zu spät dafür sein. Rien ne va plus, nichts geht mehr, im guten Sinne!
Endlich, endlich bloßes Zurücklehnen, eins zu werden mit dem Warten auf das was immer auch folgen mag. Hektisch sind sie gewesen, die letzten Tage. So viel nebenbei galt es noch zu erledigen, Arbeit ohne Ende. Wie immer nun schon im eigentlich ruhigeren Herbst, der sich gemessen am Arbeitsaufwand dennoch längst kaum mehr von jenem im Winter, Frühjahr oder Sommer unterscheidet.

Foto: ein unruhiger Flug wird am besten genutzt, wenn man daneben arbeitet! 🙂 rechts: Flughafen Sofia – seit jeher stehen dort Spendenboxen für den Tierschutz!!!
Wir warten auf den kleinen Airbus 319 der bulgarischen Luftlinie, welcher uns bis Mitternacht nach Sofia wird bringen soll. Dort, im Flughafen der Metropole, wird Rumi, die unverzichtbare, langjährige Mitarbeiterin, bereits auf uns warten; die Gute soll uns schließlich zu Aleko’s Mam, jene herzensguten Frau, welche vor 6 Monaten Betty und Jonny zu uns brachte, kutschieren (eifrige Newsletter-LeserInnen erinnern sich vielleicht, Aleko ist ebenfalls ein bulgarischer Mitstreiter, der aber seit vielen Jahren in Germanien wohnt; Betty und Jonny sind zwei Straßenhunde, welche ohne den Einsatz der Tierschützerin keine Überlebenschancen gehabt hätten)! Wir dürfen bei ihr, Daniela, übernachten, und dann mit Aleko’s in Bulgarien abgestellten Wagen weiterfahren – einfach super! So wichtig und schön sind Freundschaften, so cool, wenn eine Hand die andere wäscht. Vielleicht besteht genau darin der vielgesuchte Sinn des Lebens!
Und morgen beginnt es, das mittlerweile 9. RespekTiere-Kastrationsprojekt in Breznik. Fast 1000 Hunde und Katzen haben wir in der Kleinstadt inzwischen dem Eingriff unterzogen, nicht nur Straßentiere, auch die Heimtiere der BewohnerInnen, diese allesamt fast jeglicher finanziellen Mittel beraubt, werden uns inzwischen zu Dutzenden in den alten, längst von den Elementen zerfressenen Saal gebracht. Die TierhalterInnen nutzen die Chance mittlerweile gerne. Mittlerweile deshalb, weil es bis zum Status Quo ein schwerer Kampf war (und häufig immer noch ist) – wie oft wurden wir weggeschickt, wenn wir an den Haustüren fragten, beschimpft sogar, tatsächlich oft genug bedroht. Aus irgendwelchen uralten Traditionen, aus unwahren und doch so tiefsitzenden Legenden resultierend, haftete dem Begriff ‚Kastration‘ für viel zu viele Menschen etwas Unglückseliges an, etwas Problematisches. Tut es leider noch heute. Ein Schatten über unserer Arbeit, der nicht leicht zu vertreiben war und ist. Denn fest steht – nur ehrgeizige Kastrationsprojekte können ansonsten unweigerlich kommendes Tierleid verhindern!
Fotos: wir dürfen in der Wohnung von Daniela die erste Nacht verbringen; die Tierschützerin stellt das Wohlergehen der Straßenhunde weit über ihr eigenes…

Doch manchmal ist die Zeit ein Freund; die BewohnerInnen Breznik‘s haben selbstredend die Veränderung über die Jahre hinweg bemerkt, hin zum Guten; das eingedämmte Leiden an den Straßenrändern, die Krankheiten, welche seit dem durchgehenden Impfen weit weniger oft ausbrechen und wenn, dann nicht mehr eine derart hohe Anzahl von Opfern einfordern. Nicht zu vergessen, die Güte und den Respekt, welchen wir den Tieren entgegenbringen, die wirkt ansteckend. Auch dieses Faktum ist ein nicht zu unterschätzendes. Jedenfalls sind die wirklich unfassbaren Fälle von Tierquälereien, das fast öffentliche Erschlagen, Erhängen und Verbrennen von Tieren, das bewusste Überfahren und dergleichen, seit dem Beginn der Kampagne wesentlich zurückgegangen. Eine Tatsache, welche uns mit großer Freude erfüllt, und mit noch mehr Hoffnung. Vielleicht wird am Ende des Tages doch noch alles gut…
Fotos: Straßenhunde finden sich in Bulgarien überall; auch wenn die Situation inzwischen in Sofoa selbst besser scheint, am Land ist sie immer noch dramatisch!

102 Kastrationen sind es wieder geworden, eine ganz wunderbare und unter den schwierigen diesjährigen Umständen kaum für möglich gehaltene Anzahl. Derartiges lässt sich nur mit einem fantastischen Team und durch ungeheuer nervenaufreibende, aber völlig unverzichtbare Vorarbeit – hier gilt aller Dank einmal mehr Rumi – mit den Behörden, der Stadtverwaltung und den Medien (zwecks Aufrufen, Menschen mögen ihre Tiere bringen) erreichen. Ich habe es schon viel zu oft erwähnt, aber es muss dennoch nochmals sein: tausend Dank an alle, welche an den Traum der Beendigung des Straßentier-Leides glauben! Jede einzelne hilfreiche Hand ist in der Umsetzung sowas von unverzichtbar, und es ist eine große Ehre, Teil eines derartigen Gefüges sein zu dürfen!!!

alles lesen …

Foto: ein Teil des Teams am Abschlusstag!
Teil 2 folgt in Kürze; es stand noch eine umfangreiche Recherche an, wir besuchten die Katzenmutter Tzneka und veranstalteten mehrere aufsehendserregende Proteste – bitte unbedingt reinlesen!!!
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