Gesundheitssystem in der Vermarktungsfalle — S&G 48

nis. Prof. Dr. med. Klaus Dörner* hat bereits 2002 im DeutschenÄrzteblatt aufgezeigt, dass das Gesundheitssystem Deutschlands nur augenscheinlich die Gesundheit fördert, […] „in Wirklichkeit aber dazu da ist, der Gesellschaft die Vitalität auszutreiben“.

Er bezeichnet diese Vermarktung fast aller Bereiche des Gesundheitssystems als tödlich, weil dadurch Gesundheit zur Dienstleistung bzw. Ware wird.

Prof. Dörner: „Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch, rehabilitativ und präventiv manipulierungsbedürftig halten, um gesund leben‘ zu können.

Das gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon recht gut, im Bereich der psychischen Störungen aber noch besser, zumal es keinen Mangel an Theorien gibt, nach denen fast alle Menschen nicht gesund sind.“

Der Umsatz des Pharmamarktes, der sich 2019 auf rund 46,4 Milliarden Euro belief, steigert sich stetig. Wenn unser Gesundheitssystem nicht auf Gesundheit sondern auf Gewinn ausgelegt ist, muss man leider davon ausgehen, dass auch die aktuelle Corona-Pandemie nicht davon ausgenommen ist.[1]

*dt. Psychiater und Psychiatriehistoriker, u.a. Leitender Arzt der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Gütersloh (1980-1996

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