Wer wehrt den Anfängen? — clubderklarenworte

Die Gedanken sind frei

Guten Abend liebe Leserin.
Guten Abend lieber Leser.

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich war jemals ein Fan von Konstantin Wecker. Ja, ich war in Studentenjahren gelegentlich in seinem Café Giesing in München. Hab ihn dort spielen gesehen. Mir war das „Urvieh“ Wecker damals zu kantig, zu schräg, zu laut, zu aggressiv, zu schwitzend, zu politisch, irgendwie von allem zu viel „zu“.  Zu anders. Zu andersdenkend. 
Ich war für so ein Kulturkraftpaket mutmaßlich zu jung und einfach nicht reif genug. Seine Kunst war ja nie wirklich „gefällig“, sondern immer herausfordernd. Mir lagen damals die Eleganz des Jazz und die geschmeidigen Töne mit „Soul“ näher, auch wenn sie oft unpolitisch waren.

Heute wünschte ich mir, es gäbe einen lauten und fordernden Wecker, der seinem Namen Ehre macht und den Menschen mit Klartext-Kunst packt, schüttelt und fordert. Im Alter verändern sich die Geschmacksknospen und man schätzt auch die scharfe Würze und die Bitterstoffe. Das Hirn begreift Botschaften im besten Falle schneller. Meines, manchmal.

Die Autorinnen Jule-Sophie Weichelt und Janice Isufi an der Uni Duisburg Essen haben in ihrem Beitrag den Song, „Die Gedanken sind frei“ von Konstantin Wecker aus 2015 analysiert. Sie schreiben hier über den Andersdenker, der heute mit seinem Lied mutmaßlich als Verschwörungstheoretiker einem öffentlich-rechtlichen Bann unterliegen würde.

Weichelt und Isufi schreiben:

„Wecker hat sich seit Beginn seiner Karriere mit dem Andersdenken beschäftigt und auch die Konsequenzen aufgezeigt, die es nach sich ziehen kann, wenn man sich gegen die Meinung stellt, die der Großteil der Gesellschaft teilt. Die Literaturwissenschaftlerin Inke Pinkert-Saeltzer weist in ihrem bereits 1990 erschienen Aufsatz auf „seine [Weckers] Kritik an der staatlichen Überprüfung Andersdenkender und die daraus resultierende Verunsicherung von Bürgern, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen wollen (Pinkert Saeltzer 1990, 73), hin.“

Ich denke, der Songtexte ist feiner Lesestoff für Tag Eins nach 2020. Deswegen der Text hier. 
Den Song finden Sie auf den gängigen Portalen.

In diesem Newsletter wieder ein Brief an das „Liebe Deutschland“, den ich Ihnen empfehle.

Ich wünsche Ihnen gute Gespräche und einen guten Abend bei guter Musik.

Ihr

Markus Langemann

Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?
Sei fliehen vorbei wie nächtliche Schatten
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen
Es bleibet dabei: die Gedanken sind frei
Es bleibet dabei: die Gedanken sind frei
Die Gedanken sind frei, so heisst es schon lange
Trotz Knechtschaft und Tyranei, wir waren nicht alle
Und konnten im Herzen, stets lachen und scherzen
Und dachten dabei, die Gedanken sind frei
Die Gedanken sind frei, doch jetzt hab ich bedenken
Es gibt da so mancherlei damit kann man sie lenken
Es gibt da so Maschen, da kann man sie waschen
Und schon 1, 2, 3, sind sie nicht mehr so frei
Die Gedanken sind frei, so frei wie die Presse
Und denkst du, dass es anders sei, dann gibts auf die Fresse
Sie wollen dich lenken, dein Wissen und Denken
Und vielleicht schon im nächsten Mai, die Gedankenpolizei
(Und vielleicht schon im nächsten Mai kommt die Gedankenpolizei)
Denn ob CIA oder NSA, sie liegen auf der Lauer
If you dont go the right way, ja da werden sie sauer
Sie bringen sie zum Schwanken, deine eigenen Gedanken
Und du glaubst so nebenbei, die Gedanken wären frei
Die Gedanken sind frei solang sie nicht stören
Doch auch Verderb und Gedeih, weisst du wem sie gehören
Monsanto und Banken und den Öllieferanten
Den Algorhytmen von Google, besser gib dir die Kugel
Dann ist alles vorbei, die Gedanken waren frei
(Dann ist alles vorbei, die Gedanken waren frei) Quelle: Musixmatch
Nachfolgend schreibt Kai Seiffert in loser Folge, wissende, nachdenkliche und mahnende Briefe an sein „Liebes Deutschland“. Lassen Sie mich gerne wissen, was Sie über diese Briefe denken. Schreiben Sie mir unter studio@clubderklarenworte.de oder Kai direkt.
Guten Abend liebes Deutschland, auch zum Jahresende 2020 und dem neuen Jahr 2021 schreibe ich Dir meinen Brief.  Es war das erste Weihnachten in meinem Leben, das von Restriktionen, die uns staatlich aufgebürdet worden waren, geprägt war. Aber wir sind nicht die Einzigen, die davon betroffen waren. Freunde aus Italien berichteten von ihren staatlichen Sanktionen und viele von uns haben schlichtweg „die Schnauze voll“, was man nicht sieht, denn wir tragen brav die Maske. Liebes Deutschland ich werde Dich im Folgenden mit Dingen konfrontieren, die ich mir nicht vorstellen konnte, als ich mit meinen Recherchen begann. Diese wurden tatkräftig von meiner Frau unterstützt. Zunächst der Reihe nach. In der 32. Sitzung des Corona-Ausschusses (ab 03:00:00) präsentierte der US-Anwalt und Rabbiner Rabbi Yitzchok Dovid Smith seine Ansichten als jüdischer Geistlicher und Jurist zu den Corona-Maßnahmen. Als Rechtsanwalt verfügt er in den USA sogar über die Zulassung für den Supreme Court of the United States. Er hat die Organisation „saveourfreedoms.org“ gegründet, nachdem er Zeuge der Unterdrückung seiner und anderer religiöser Gemeinschaften und der Aufhebung der verfassungsmäßigen Rechte der Bürger unter den Erfordernissen des sogenannten „öffentlichen Gesundheitsnotstands“ wurde. In einer Antwort-E-Mail hat er mich gebeten, dies weiterzuleiten: „Please encourage your friends to sign up for our newsletter at saveourfreedoms.org.” Liebes Deutschland, ich hoffe, dass Du auch den News-Letter abonnierst. Der Rabbiner will mit seinem Statement im Corona-Ausschuss und im Wirken in seiner Heimat die Menschen wachrütteln. Hierzu zitiere ich aus seinem Manuskript vom 30.08.2020, das mir vorliegt. Er ist der Auffassung, dass „in den laufenden Debatten über Masken und Coronavirus-Impfstoffe die Masken und die Aussicht auf Impfstoffe zwar eine berechtigte Angelegenheit sind, aber dennoch eine Ablenkung darstellen. Das eigentliche Problem ist, dass die Regierung festgelegt hat, wer unentbehrlich ist und wer nicht. Unverzichtbare Menschen können ihren Lebensunterhalt verdienen. Diejenigen, die als nicht lebensnotwendig eingestuft werden, können ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten und müssen entweder verhungern oder werden zu Mündeln des Staates. Es gibt keine Grundlage oder Definition in irgendeinem Gesetz, nur Dekrete. Die Tatsache, dass die Juden nicht herausgegriffen werden, ist kein Trost – das ist Krieg gegen die Menschheit. Die Gefahr solcher Dekrete kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und sie müssen abgelehnt werden.“ In seinem Manuskript führt er weiter aus, dass „1933 das Konzept des lebensunwerten Lebens von den Nazis eingeführt wurde, um ihre Sterilisationskampagnen und die Euthanasie alter, kranker und behinderter Menschen, einschließlich behinderter Kinder, zu rechtfertigen – unter der Beteiligung von Hunderten von Anstaltsleitern, Kinderärzten, Psychiatern, Hausärzten und Krankenschwestern. Die Euthanasie-Aktion richtete sich ursprünglich nicht gegen Juden, sondern gegen Deutsche.  Erst später, im Jahr 1941, wurde die Definition von lebensunwertem Leben bei der Durchführung der massiven und breit angelegten Euthanasie-Aktionen, die gemeinhin als Holocaust bezeichnet werden, erweitert.  In den Vernichtungslagern wurde zwischen lebensnotwendigen und nicht lebensnotwendigen Menschen unterschieden, zwischen denen, die arbeiten konnten und denen, die es nicht konnten.  Und in der Kristallnacht wurden nur die jüdischen Geschäfte geschlossen, aber in diesem Jahr wurden fast alle Geschäfte geschlossen, etwas Unerhörtes in der Geschichte der Welt, wo es nun für viele illegal geworden ist, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser Schließung folgte vielerorts das Niederbrennen.“ Diese klaren Worte des Rabbis haben mich aufgeschreckt, was dazu führte, dass ich den vorgenannten Fakten nachgegangen bin. Am 28. Februar 1933 erließ der Reichspräsident die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdenden Gewalttaten. Dies beinhaltete Beschränkungen der persönlichen Freiheit, das Recht der freien Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegrafen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig. Gleichzeitig wurden die nachgeordneten Behörden in den Ländern und Gemeinden unter Strafandrohung verpflichtet, den zentralstaatlichen Maßnahmen Folge zu leisten. Am 14. Juli 1933 wurde das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses durch die Reichsregierung beschlossen, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat. Es definierte die Voraussetzungen für die staatliches Zwangssterilisation, wenn nach „den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass die Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden.“ Dieses Gesetz wurde am 26. Juni 1935 um den Schwangerschaftsabbruch und Sterilisation von Männern erweitert. Das Gesetz erfuhr am 4. Februar 1936 eine weitere Änderung, in dem die Reichsminister des Innern und der Justiz ermächtigt wurden, andere Verfahren zur Unfruchtbarmachung und deren Voraussetzungen festzulegen. In seiner Drucksache 16/3811 vom 13.12.2006 zur Ächtung des Gesetzes zur Verhütung erkrankten Nachwuchses stellt der Bundestag fest, dass das vorgenannte Gesetz eine geschichtliche Zäsur darstellt, auch wenn eugenisches Gedankengut und eugenische Sterilisationsgesetze schon vor 1933 international verbreitet waren. „Dies ist dadurch gekennzeichnet, dass die angeblich „erbkranken“ Menschen durch die Vorgabe dieses Gesetzes zum bloßen Objekt staatlicher Verfügungsgewalt herabgewürdigt wurden.“ Im Buch „Zwangssterilisation im Nationalsozialismus – Studien zur Rassenpolitik und Geschlechterpolitik“ (MV Wissenschaft, 1986) stellt die Autorin Gisela Bock dar, dass „am 3. November 1932 Reichsinnenminister Freiherr von Gayl vier Vertreter der Ärzteschaft empfing, die ein Sterilisationsgesetz per Notverordnung begehrten.  Am 7. November forderte der Deutsche Ärztevereinsbund, zugleich im Namen des Hartmannbunds, beim Reichsinnenminister dringlich ein Gesetz, um »aus der Einsicht in die gegenwärtige erbbiologische Situation des deutschen Volkes praktische Folgerungen zu ziehen«. Diese Situation lasse »erkennen, welche Gefahren nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht dem Volke durch einen Geburtenrückgang drohen, der gerade die körperlich und geistig tüchtigen Bevölkerungsschichten am meisten trifft«. Um das Verhältnis von »Quantität« und »Qualität« zu korrigieren, müsse mit der »Verringerung der Fortpflanzung körperlich oder geistig erbkranker Personen« begonnen werden, um »nicht nur einer Verschlechterung des deutschen Erbgutes vor[zu]beugen, sondern auch … die öffentlichen Kassen [zu] entlasten. (Seite 83). Der im Jahr 1934 erschienene Kommentar benannte den »Grundgehalt« des Gesetztes und damit die politische Bedeutung des nationalsozialistischen Antinatalismus: »das Primat und die Autorität des Staates, die er sich auf dem Gebiet des Lebens, der Ehe und der Familie endgültig gesichert hat«. Die »Machtergreifung« betraf nicht nur den öffentlichen, sondern auch den privaten Bereich, und Antinatalismus wurde zur Kernfrage der nationalsozialistischen Verstaatlichung des Privaten.“ (Seite 90). Dr. Donhauser dokumentierte in seiner Veröffentlichung über das Gesundheitsamt im Nationalsozialismus, erschienen 2006 im Thieme Verlag, wie sich die nationalsozialistische Gesundheitspolitik der Gesundheitsämter bemächtigte, um die wahnhafte Ideologie vom „gesunden von allem Minderwertigen befreiten Volkskörper“ in die Tat umzusetzen. Im Vorwort zur Dokumentation schreibt Prof. Kerscher, MinDir im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, dass „die heutige Ablehnung des -nationalsozialistischen – Paradigmas der „Volksgesundheit“ und Vorbehalte gegenüber einer staatlich organisierten „Bevölkerungsmedizin“ oder auch nur die Schwierigkeiten einer Übersetzung von Public Health als Öffentliche Gesundheit sich aus unserer Geschichte verstehen lassen ….(New) Public Health und das Wirken eines öffentlichen Gesundheitsdienstes sollten auch begleitet werden von einer öffentlichen kritischen Diskussion um Rechte und Pflichten des Einzelnen für seine Gesundheit, der Rolle der Solidargemeinschaft und des Staates und seiner Organe. Entscheidungen über die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger müssen transparent in demokratisch legitimierten Verfahren und Gremien fallen. Dies ist eine Verpflichtung aus der Geschichte heraus. Politische Entscheidungen zur öffentlichen Gesundheit bedürfen unverzichtbar einer fachlichen, rechtlichen und ethischen Reflexion im Lichte grundlegender Werte des modernen Sozialstaats: Solidarität und Subsidiarität…. Sie sollte weiterhin dauerhaft allen Ärztinnen und Ärzten gerade des öffentlichen Gesundheitsdienstes Mahnung sein, sich stets nur leiten zu lassen vom uralten Grundsatz ärztlichen Handelns: nil nocere!“ Dies ist ein Grundsatz, den die hippokratische Tradition ins Zentrum ihres Begriffs des moralisch geforderten ärztlichen Handelns stellt. Das Zitat lautet vollständig „primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare“, übersetzt „erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen. In der gleichen Veröffentlichung schreibt Dr. Walter, Vorsitzender BVÖGD (Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes) Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes), dass „auch der Bundesverband und alle seine Mitglieder, die Ärztinnen und Ärzte an den Gesundheitsämtern in Deutschland, sich in der Pflicht sehen, heute die Entwicklungen genau zu beobachten und Ansätze zu erkennen, damit der ÖGD sich nicht mehr zu einer Bürokratie entwickeln kann, die solche Verirrungen wie in der Zeit des Nationalsozialismus zulässt oder gar fördert.“ Liebes Deutschland, ich habe Dich mit einigen Aussagen konfrontiert, die Du zunächst auf Dich wirken lassen solltest, um dann im nächsten Schritt mögliche Parallelen zur heutigen Zeit zu erkennen. Liebes Deutschland, ich werde diesen Brief fortsetzen – bis zum nächsten Mal. Gute Nacht Deutschland,
Dein 
Kai Seiffert
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