Das Lampenfieber vor dem Auftritt mit eigener Meinung. — clubderklarenworte

Wenn das Beben den eignen Mut erschüttert

Guten Tag liebe Leserin.
Guten Tag lieber Leser.
  In diesen Tagen und Wochen erhalte ich zahlreiche Zuschriften von Unternehmern, Journalisten und auch Künstlern. Viele von ihnen beklagen nicht nur ihr Leben in einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft, sondern äußern Kritik an den politischen Maßnahmen.  Sie verleihen ihrer Sorge Ausdruck, über die verlorenen Grundrechte. Sie kritisieren die Leugnung von Fakten durch die politisch Handelnden in Berlin und anderswo. Sie verzweifeln am Wegducken ihrer Kolleginnen und Kollegen. Keiner von jenen ehemaligen Lautsprechern möchte öffentlich zitiert werden. Die Sorge vor den Repressionen, der sozialen Ausgrenzung, dem Verlust der Existenzgrundlage ist zu groß.  Einige sind aber bereit, mir ihre Informationen zur Verfügung zu stellen oder „Lageberichte“ zu verfassen, unter der Maßgabe, diese nur anonym oder unter Pseudonym veröffentlichen zu wollen. Das ist ein Dilemma für jeden Publizisten. Als Journalist möchte ich die Quelle schützen und dennoch Ihnen, meinen Lesern, diese Informationen weitergeben. Veröffentliche ich die Texte tatsächlich anonym, gerate ich unter Verdacht, jene „Whistleblower“ gebe es gar nicht. Veröffentliche ich die Informationen nicht, bekommen Sie keinen erweiterten Einblick in die Seelenlage der Nation. Am Ende bleibt mir und Ihnen nur eine Option. Sie müssen mir vertrauen, dass ich Sie nicht täusche. Dennoch hadere ich damit, Menschen eine wichtige Stimme zu geben, wenn sie nicht mit ihrem Gesicht oder Namen dafür stehen wollen. Im Herzen bin ich der Überzeugung, mit der Unterstützung von anonymen Meinungsäußerungen den drohenden Repressionen und auch dem Stigmatisieren von kritischen Stimmen und der voranschreitenden Denunziation Vorschub zu leisten. In einer freien, demokratischen und um respektvollen Umgang bemühten Gesellschaft darf eine Meinungsäußerung nicht eine Frage von Mut sein. Schauen Sie selbst auf der nach oben offenen „Richter-Skala“, wie stark das Beben ist, das bereits Ihren eigenen Mut erschüttert oder gar verschüttet hat.  Nur aus totalitären Systemen kennen wir diesen inneren Dialog: „Traue ich mich? Oder sollen es doch besser andere tun…“ Ich habe meine Meinung geändert und werde hier letztmalig einem Menschen eine Stimme geben, den Sie vielleicht schon gesehen haben, dem Sie schon zugehört haben, der aber seine Gründe hat, anonym bleiben zu wollen. Es sind die bekannten. Das Lampenfieber kennen Künstler vor dem Auftritt, manche frisst es fast auf. Auch nach Jahren der Bühnenpräsenz. Heute ist es dennoch nicht so groß, wie jenes Lampenfieber vor dem öffentlichen Einstehen für seine eigene Meinung. Egal ob im privaten oder öffentlichen Raum, selbst wenn es um das Verteidigen von freiheitlichen Grundrechten geht. Verrückt, oder?  Es sagt nichts über den Verfasser des hier veröffentlichten Textes, viel jedoch über unsere Gesellschaft aus. Und ja, es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben. Den offenen Brief eines soloselbständigen Künstlers können Sie hier lesen.
Hier können Sie ihn gerne öffentlich kommentieren oder mir hier Ihre nicht öffentliche Meinung direkt mailen.

Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Monatgabend.

Ihr

Markus Langemann

PS: Mir ist aufgefallen, die Wochenenden haben sich auch geändert.
Dialog heute im Büro:
Wie war dein Wochenende? – Hell, Dunkel, Hell, Dunkel, Montag!
Offener Brief eines Solo-Selbständigen Künstlers

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