Vom Souverän an die Justiz

Meine Herren!

Das Thema der folgenden Arbeit wird hoffentlich für unsere berufliche Tätigkeit als nicht für so fremd gehalten angesehen, als dass es für mich untauglich wäre, es Ihnen mitzuteilen, wie ich es jetzt ehrerbietig tue. Wenn eine genaue Untersuchung der Beweise des Christentums von einer Klasse von Menschen mehr als von jeder anderen erwartet werden kann, so scheint es uns, die wir das Gesetz der Beweise zu einem unserer besonderen Studien machen, uns auch obliegen. Unser Beruf führt uns dazu, die Labyrinthe der Lüge zu erforschen, ihre Kunstgriffe aufzudecken, ihre dicksten Schleier zu durchdringen, ihre Sophistereien zu verfolgen und zu entlarven, die Aussagen verschiedener Zeugen mit Strenge zu vergleichen, die Wahrheit zu entdecken und sie vom Irrtum zu trennen. Unsere Mitmenschen sind sich dessen wohl bewusst; und wahrscheinlich handeln sie nach diesem Wissen allgemeiner und mit einer tieferen Ruhe, als wir dies zu erwägen gewohnt sind. Auch der Einfluß des juristischen Berufsstandes auf die Gemeinschaft ist unbestreitbar groß; er ist täglich mit allen Klassen und Graden der Menschen vertraut, in ihren häuslichen und sozialen Beziehungen und in allen Angelegenheiten des Lebens, von der Wiege bis zum Grab. Diesen Einfluss üben wir ständig zum Guten oder zum Schlechten aus; und daher ist es eine gewaltige Verantwortung, wenn wir uns weigern, uns mit den Beweisen der christlichen Religion vertraut zu machen, oder wenn wir so tun, als ob wir sie, nachdem wir sie vollständig untersucht haben, nur leichtfertig schätzen. Die Dinge, von denen die Evangelisten berichten, sind sicherlich von höchst bedeutsamer Natur und betreffen die Grundsätze unseres Verhaltens hier und unseres ewigen Glücks. Die Religion Jesu Christi zielt auf nichts Geringeres ab als auf den völligen Umsturz aller anderen Religionssysteme der Welt; sie prangert sie als unzureichend für die Bedürfnisse des Menschen an, als falsche Grundlagen und als gefährlich in ihrer Tendenz. Sie bittet nicht nur um die ernsthafte Aufmerksamkeit aller, denen ihre Lehren präsentiert werden, sondern sie verlangt ihren herzlichen Glauben als eine Angelegenheit von lebenswichtigem Interesse. Das sind keine gewöhnlichen Forderungen, und es scheint für ein vernünftiges Wesen kaum möglich, sie auch nur mit einem gedämpften Interesse zu betrachten, geschweige denn, sie mit bloßer Gleichgültigkeit und Verführung zu behandeln. Wenn sie nicht wahr sind, sind sie kaum etwas anderes als die Anmaßungen einer kühnen Hochstapelei, die sich nicht damit begnügt, bereits Millionen von Menschen versklavt zu haben, sondern ihre Eingriffe in die menschliche Freiheit fortzusetzen sucht, bis alle Nationen unter ihrer eisernen Herrschaft unterjocht sind. Aber wenn sie gut begründet und gerecht sind, können sie nichts anderes sein als die hohen Forderungen des Himmels, die von der Stimme Gottes an die Vernunft und den Verstand des Menschen gerichtet werden, und zwar in Bezug auf Dinge, die seine Beziehungen zu seinem Souverän zutiefst berühren und die für die Bildung seines Charakters und natürlich für sein Schicksal, sowohl für dieses als auch für das kommende Leben, wesentlich sind. So bewertete einer der größten Juristen des Altertums die Religion, sogar die Religion des heidnischen Roms, als er argumentierte, dass sie entweder gar nichts oder alles sei. Aut undique religionem tolle aut usquequaque conserva1 Mit diesem Blick auf die Wichtigkeit des Themas und in der Hoffnung, dass die vorliegende Arbeit in gewissem Maße helfen oder zumindest andere zu einer erfolgreicheren Verfolgung dieser interessanten Studie anspornen kann, wird sie Ihrer freundlichen Betrachtung vorgelegt, von Ihrem gehorsamen Diener, Simon Greenleaf. Harvard University, Dane Hall, 1. Mai 1846.„ Zitat, Netzfund

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