DAS VERBOTENE ALPHABET — THINK-AGAIN

Scharen von Germanisten, Soziologen und Literaturwissenschaftlern, manche mit Dr. c.p. („cut and paste“),  durchforsten im Auftrag des öffentlichen Dienstes das Alphabet von A-Z, vom Ausländer bis zum Zigeuner. Sie suchen nach vermeintlich offensiven Vokabeln, um diese dann zu ächten. Warum macht man das? Ist die Sprache nicht Eigentum aller, und jeder kann, durch Vermeiden oder Verwenden von Vokabeln, zu deren Gestaltung beitragen? Brauchen wir da Bevormundung?


Die Sprache gehört allen

Sprache dient primär der Kommunikation von Unterscheidungen. Unterscheidungen sind die Substanz des Fortschritts. Wissenschaft ist nichts anderes als die geordnete Ansammlung intelligenter Unterscheidungen. Das erfordert häufig, dass neue Begriffe erfunden werden, weil eben eine bestimmte Unterscheidung bisher nicht gemacht wurde und damit nicht Teil der Sprache war. Das Verbot von Worten ist somit auch das Verbot Unterscheidungen zu treffen und damit Klarheit zu schaffen.

Auch im Alltag sind Unterscheidungen lebenswichtig. Jedes Individuum lernt vom ersten Tag an Unterscheidungen zu machen: Mama, Wauwau, Teddy. Die Fähigkeit Menschen zu unterscheiden ist so zentral, dass jemand, der im Alter diese Fähigkeit einbüßt, zum Pflegefall wird.

Wir erkennen Menschen primär an ihrer körperlichen Erscheinung. Da hat der Liebe Gott nun eine riesige Palette von Gestalten geschaffen, und ein sehr auffälliges Element ist dabei die Hautfarbe. Dieses Merkmal wird jetzt in der deutschen Sprache tabuisiert. Vermutlich beruht diese Maßnahme auf der wenig intelligenten Annahme, eine Unterscheidung beinhalte zwingend auch eine Wertung hinsichtlich Gut und Böse.

Das berühmte K-Wort

In meiner Heimat Südafrika könnte man sich diesen Eiertanz um die Hautfarben nicht leisten. Da stünden in jeder Firma, in jedem Haus, in jeder Schule immer ein Dutzend Elefanten im Raum. Rasse ist hier kein Tabu. Auf dem Bewerbungsformular für die Armee etwa (siehe oben) muss man seine „Rasse (Race)“ angeben: „ afrikanisch, asiatisch, farbig, weiß“.

Das „afrikanisch“ auf dem Formular heißt im Alltag übrigens „black“, das ist eine ganz normale Vokabel, etwa: „… I bought this computer yesterday, the black guy over there sold it to me.“

Dennoch gibt es auch hier ein Tabu-Wort: „K-a-f-f-i-r“. Sie kennen das vielleicht vom „Kaffernbüffel“. Das ist ein gesetzlich geschütztes Schimpfwort und ein Beleidigter kann den Täter anzeigen. So geschehen, als eine weiße Autofahrerin in Kapstadt einen schwarzen Polizisten derart titulierte und dann für einige Wochen im Knast landete.

Nachspiel hatte auch ein Zwischenfall auf dem Sportplatz. Der fünfjährige schwarze, adoptierte Sohn eines befreundeten deutsches Ehepaars hatte beim Fußball ein Gerangel mit einem weißen Pimpf und wurde von dem als „K…“ beschimpft. Das führte immerhin dazu, dass der Bösewicht den Sportverein verlassen musste. Das Opfer der Beleidigung nahm die Sache aber gelassen, er musste sich erst von seiner Mutter erklären lassen, was K… eigentlich bedeutet. Das Wort gefiel ihm dann so gut, dass er sich ein paar Wochen lang selbst so bezeichnete, etwa: „Der K… hat jetzt Hunger“.

Er konnte übrigens die Unterscheidung schwarz / weiß schon mit vier Jahren und ohne jegliche Wertung vornehmen. Als er eines Tages vom Spielen bei Nachbars nach Hause kam fragte er seine Mutter, eher beiläufig, „Mama, wieso habe ich eigentlich keine schwarzen Eltern?“

Die wahre Absicht

Der alte Rassismus ist hier in Südafrika weitgehend verschwunden, er wird nur  bei Bedarf von der Politik immer wieder ausgepackt. Das heißt aber nicht, dass sich die Lebensqualität der schwarzen Mehrheit seit Ende der Apartheid deutlich verbessert hätte.

Bekanntlich gab es auch in der deutschen Geschichte Zeiten, wo Angehörige bestimmter Herkunft oder Gesinnung auf Geheiß oder mit Duldung der Machthaber unterdrückt wurden, oder schlimmer. Heute, in dreiviertel Jahrhundert nach Ende des Dritten Reichs, ist es angeblich zentrales Anliegen der Politik zu verhindern, dass etwas derartiges jemals wieder geschieht.  Unser Außenminister hat das ganz klar ausgedrückt: er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen.

Aber vielleicht ist da die Tilgung der „Mohren“ aus unserem Wortschatz nicht die vordringlichste Aufgabe. Und auch durch Ausmerzung des Begriffs „Rasse“ wird Rassismus nicht beseitigt, so wenig wie das Verbot des Wortes „Fettleibigkeit“ die Dicken schlank macht.

Mir scheint, dass dieser mit so viel Aufwand und Theatralik betriebene Kampf gegen Rassismus von etwas ablenken soll. Er soll davon ablenken, dass Personen im heutigen Deutschland zwar nicht auf Grund ihrer, von der Mehrheit abweichenden Hautfarbe diskriminiert werden, aber durchaus wegen ihrer abweichenden Gesinnung. Minderheiten wie Querdenker oder Klimaleugner dürfen straflos beleidigt werden und sind professionell und gesellschaftlich zum „Abschuss“ freigegeben. Diese Form der Diskriminierung allerdings wird von den Regierenden nicht nur geduldet, sie wird wohlwollend gefördert.

Mit dem Gelübde „Nie wieder!“ ist das nicht vereinbar. Das Prinzip „Wehret den Anfängen“ muss für jegliche Form der Diskriminierung gelten. Wenn ein Politiker einen Teil der Gesellschaft ihrer Gesinnung wegen pauschal als „Sozialschädlinge“ beschimpft, dann ist hier eine rote Linie überschritten, dann sollten die Alarmsirenen aufheulen.

Es beginnt ja nicht damit, dass der politische Feind zum Schafott geführt wird. Es beginnt damit, dass die Regierung die Sprache, die Medien und Nachrichten kontrolliert, dass sie entscheidet, was Wahrheit ist, dass sie das „Narrativ“ bestimmt und die Opposition zum Schweigen bringt, dass sie die Bürger in “WIR” und “DIE ANDEREN” teilt und ihre Anhänger aufruft, “DIE ANDEREN” zu schikanieren.


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