„Wundermittel“ Nummer 5 unter Beschuss — renégraeber

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sie kennen ja meine Serie mit den 5 Wundermitteln.
Nur um Ihnen mal ein Beispiel zu geben, wie solche Mittel im Zuge der sogenannten „Neuen Normalität“ unter Beschuss genommen werden, stellvertretend die Alpha-Liponsäure.
Ich hatte zur Alpha-Liponsäure hier berichtet:
https://www.vitalstoffmedizin.com/alpha-liponsaeure/

Die DAZ (Deutsche Apotheker Zeitung) vom 22.7.2021 („15:15 Uhr“) informiert sichtlich befriedigt ihre Leser von der Tatsache, dass die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) zwei Nahrungsergänzungsmittel, basierend auf Alpha-Liponsäure, verboten hat. Die Begründung: Alpha-Liponsäure sei gesundheitsschädigend.

Die Verdammung der Alpha-Liponsäure beginnt mit einer Beschreibung, die wenig Grund zu einer Verdammung abliefert. Der Beitrag stellt fest, dass Alpha-Liponsäure eine natürliche Substanz ist, die in den Mitochondrien synthetisiert wird. Des Weiteren wird es bei Empfindungsstörungen bei diabetischen Polyneuropathien eingesetzt und verschafft hier Linderung. Man kann die Substanz sogar intravenös verabreichen. Und Alpha-Liponsäure ist ein Komplexbildner, also alles Eigenschaften, die ich bereits in meinem Beitrag über Alpha-Liponsäure ausführlich diskutiert hatte.

Wie toxisch ist Alpha-Liponsäure?

Das fragt sich die DAZ. Und hier kommt wieder das alte Spiel mit den Höchstmengen und Grenzwerten zum Zuge. Natürliche Substanzen lassen sich nicht verbieten ohne dabei gleichzeitig die Natur abzuschaffen. Also versucht man den Eindruck zu schaffen, dass zu viel des Guten ganz schlecht sei.

In meinem Beitrag zur Alpha-Liponsäure berufe ich mich auf klinische Studien, die mit 600 Milligramm täglich per Infusion dosiert hatten. Andere Studien dosierten von 600-1800 Milligramm oral täglich. Studien zu Nebenwirkungen, die es in der Tat geben kann, waren bei einer Gabe von 600 Milligramm täglich nicht beobachtet worden. Die übliche Dosierung jedoch liegt bei 100 Milligramm pro Tag auf zwei Dosen verteilt.

Die bayerischen Lebensmittelveterinäre dagegen beklagen, dass es auf der ganzen Welt keine verbindlichen Höchstmengen für die Alpha-Liponsäure gäbe. Darum hatte man sich aufgeschwungen und festgelegt, dass eine Dosierung von höchstens 0,6 Milligramm pro kg Körpergewicht keine gesundheitlichen Schäden verursachen können.

Wie kommen die Kontrolleure für Lebensmittel und Veterinärwesen auf diesen Wert?

Da erfahren wir, dass es ein dänisches Lebensmittelinstitut gewesen war, dass nach einem Langzeitversuch an Ratten errechnet hatte, dass 0,6 Milligramm die Obergrenze zu sein haben.

Danach beklagen sich die bayerischen Kontrolleure/DAZ darüber, dass die „Verzehrempfehlungen der Hersteller die 0,6 Milligramm um ein Vielfaches überschreiten“. In der Tat. Ein 80 kg schwerer Mensch dürfte demzufolge nicht mehr als 48 Milligramm pro Tag zu sich nehmen. Das wäre ungefähr die Hälfte der sonst üblichen 100 Milligramm und nicht das hier unterstellte „Vielfache“.

Die Überschreitung der 0,6 Milligramm Grenze würde dann zu Herzrhythmusstörungen, myokardialen Störungen und Leberschäden führen. Meine Frage hier wäre: Bei wem? Bei Menschen oder bei Ratten? Gibt es Langzeitversuche mit Menschen oder klinische Studien mit Menschen, die Herzprobleme und Leberschäden bei Dosierungen gezeigt haben, die über der magischen 0,6 Milligramm Grenze liegen?

In meinem Beitrag hatte ich auf Studien verwiesen, wo die Dosierung von 600 Milligramm pro Tag keine Nebenwirkungen hat zeigen können. Und auch Dosierungen bis 1800 Milligramm waren kurzfristig tolerabel gewesen.

Danach dreht die DAZ im Sinne der Kontrolleure noch einmal richtig auf. Jetzt gibt es auf einmal Fachliteratur, die toxische Wirkungen ab Dosierungen von ca. 50-100 Milligramm pro kg Körpergewicht gesehen haben will. Realistisch? Mit Sicherheit nicht. Denn bei welcher Indikation ist eine Dosierung von 100 Milligramm pro Kilo Körpergewicht notwendig? Da müsste der 80 kg Mensch 8000 Milligramm = acht Gramm täglich zu sich nehmen.

Der Trick ist hier, dass man extrem überdosiert, um dann sagen zu können: Schaut mal, das ist ja eine Überdosis. Unter dieser Überdosis schaut man nach Nebenwirkungen, die es hier mit Sicherheit geben wird, und folgert als Rückschluss, dass diese Nebenwirkungen auch bei deutlich geringeren Dosierungen auftreten müssen.

Der DAZ-Schreiber merkt zudem nicht, dass sein Bezug auf die Fachliteratur zum Rohrkrepierer für seine Botschaft an die Leser wird. Denn eine Substanz, die nachweislich laut Fachliteratur ab 50-100 Milligramm Alpha-Liponsäure pro kg Körpergewicht erst zu toxischen Wirkungen führt, sollte als besonders sicher gelten. Es gibt absolut keine Empfehlungen, von welcher Seite auch immer, Alpha-Liponsäure höher als 1,8 Gramm pro Tag zu dosieren, was auch nur für bestimmte Indikationen zutrifft. Und selbst diese Dosierung ist weniger als halb so hoch wie die ermittelte Toxizitätsgrenze seitens der ominösen Fachliteratur.

Es ist fast so, als hätte der Schreiber selbst bemerkt, dass die Fachliteratur eigentlich ein Eigentor ist. Toxische Wirkungen bei so hohen Dosierungen, die in der Praxis nie eingesetzt werden, belegen das Gegenteil von dem, was man dem Leser suggerieren möchte. Also muss ein neues Schauermärchen auf den Tisch. Und das sind jetzt aktuelle Fälle von 49 Patienten (nein, keine Ratten), die nach der Einnahme von Alpha-Liponsäure Antikörper gegen Insulin gebildet hatten. Also induziert Alpha-Liponsäure eine Autoimmunreaktion?

Interessant auch die Beobachtung, dass nach dem Absetzen von Alpha-Liponsäure die Produktion der Antikörper gegen Insulin vollständig verschwand. Das wäre eine relativ gute Nachricht, da hier keine dauerhaften Schäden verursacht werden. Aber eine schlechte Nachricht ist es auch, da niemand weiß, ob er bei einer Einnahme von Alpha-Liponsäure nicht auch eine Autoimmunreaktion erfährt.

Dieser Überlegung folgt dann das nächste Eigentor. Denn der Schreiber gesteht ehrlicherweise, dass es „keinen präzisen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Alpha-Liponsäure und dem Antiinsulinantikörper-Syndrom“ zu geben scheint. Zur Ehrenrettung der Katastrophe unter Alpha-Liponsäure jedoch vermerkt der Autor (im besten neudeutschen Gender-Dialekt), dass „Menschen mit bestimmten genetischen Polymorphismen (welche wären das?) ein erhöhtes Risiko aufweisen könnten, die Autoimmunerkrankung zu entwickeln“.

Es gibt also „bestimmte“ genetische Polymorphismen, die ein erhöhtes Risiko machen könnten. Ungenauer, unbestimmter und nichtssagender könnte es die „Deutsche Apotheker Zeitung“ nicht formulieren.

Die letzten Erkenntnisse rühren von einer Studie, die von der EFSA durchgeführt und am 3. Juni 2021 veröffentlicht wurde.

Hier finden wir die aufgeführten Gedanken und die 49 erwähnten Fälle mit Antiinsulinantikörper-Syndrom wieder. Aber es gibt einige Punkte, die der DAZ-Schreiber wohl vergessen zu haben scheint, vielleicht in der Hoffnung, dass keiner der Leser diese EFSA-Lektüre liest.

Es geht hier prinzipiell um die Häufigkeit der erwähnten Autoimmunerkrankung. Der Beitrag muss zunächst eingestehen, dass der plausible Mechanismus für dieses Geschehen absolut unbekannt ist. Das heißt nicht, dass es ihn nicht gäbe. Aber es heißt auch nicht, dass es ihn geben muss oder gibt. Man weiß nur, dass man darüber nichts weiß.
Die Inzidenz für das Antiinsulinantikörper-Syndrom liegt in Japan bei 0,017 pro 100.000 Einwohner (1,7 pro 10 Millionen) in den Jahren 2017-2018. Die Autoren vermuten jedoch, dass die Inzidenz in Europa niedriger liegt als in Japan. Das heißt, dass diese extrem geringen Inzidenzen für die bayerischen Kontrolleure und die DAZ Basis zu sein scheinen, die elementaren Vorteile von Alpha-Liponsäure vollkommen zu ignorieren und hier Restriktionen einzuführen beziehungsweise zu befürworten.

Es kommt noch schlimmer: Die EFSA-Autoren sagen sogar, dass es kaum Daten gibt, sodass das Risiko für eine Antiinsulinantikörper-Reaktion überhaupt nicht quantifizierbar sei. Und Dosierungen für Alpha-Liponsäure, wo keine Autoimmunreaktion auftritt, lassen sich aus den verfügbaren Daten bislang nicht ableiten.

Fazit: In Ermangelung von Daten zur Toxizität von Alpha-Liponsäure schauen die bayerischen Kontrollveterinäre auf eine Rattenstudie und schließen daraus auf den Menschen. Diese Studie sagt, dass es Ratten ab 0,6 Milligramm pro kg Körpergewicht nicht mehr besonders gut geht. Das muss dann reichen, oder? Bereits durchgeführte Studien mit Menschen, die das komplette Gegenteil zeigen, werden ebenso komplett ignoriert.

Da kommt eine EFSA-Studie gut daher, die bei 49 Menschen unter Alpha-Liponsäure eine Autoimmunreaktion gesehen hat. Auch hier spielen die absolut indiskutabel geringen Inzidenzen für dieses Ereignis keine Rolle für eine ausgewogene Beurteilung. Eine Nutzen-Risiko-Analyse wird erst gar nicht in Erwägung gezogen. Warum wohl nicht? Weil der Ausgang klar sein dürfte, ohne dass man lange darüber nachdenken müsste.
Fazit vom Fazit: Da hat man die Nadel im Heuhaufen gesucht und gefunden und auf dieser Basis den gesamten Heuhaufen beseitigt.

So geht Wissenschaft heute!

Noch Fragen?

Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Kraft und vor allem Gesundheit und Segen,

Ihr
René Gräber

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