Endlich eine Friedensschwalbe – macht sie einen Frühling? — ZEITPUNKT

Ist es nicht besser, für eine Sache zu stehen,
an die man glaubt, wie an den Frieden,
als für eine Sache zu leiden, an die man nicht glaubt,
wie an den Krieg?
Albert Einstein
Endlich eine Friedensschwalbe – macht sie einen Frühling?

Liebe Leserinnen und Leser

Erstaunliches ereignet sich rund um die Ukraine. Westliche Führer prophezeiten einen langen und zermürbenden Krieg. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte seinen europäischen Amtskollegen Ende April auf dem Militärstützpunkt Ramstein das Kriegsziel: die Schwächung Russlands, sodass es keine weiteren Länder überfallen könne.

Mit der Erklärung des Kriegsziels machte Austin auch deutlich, dass die USA diesen Krieg gegen Russland führen und nicht die Ukraine, ihr Stellvertreter. Wer Ziele setzen kann, führt das Heft – oder sollte zumindest.

Am Montag nun die Kehrtwende: An einer Medienkonferenz des Pentagon sagte Austin, das Ende des Krieges mit Russland liege in den Händen der Ukraine. Die USA wollen gemäss Austin sogar die Position der Ukraine für Verhandlungen stärken, die der Westen bis jetzt kategorisch abgelehnt hat.



Austin sagt damit auch, dass nicht mehr die USA diesen Krieg führen, sondern die Ukraine, und dass die USA ihnen dabei helfen. Das ist angesichts einer wahrscheinlichen Niederlage vorsichtig, aber auch ein bisschen feige. Immerhin: Die Tür für Verhandlungen hat sich wieder einen Spalt geöffnet.

Diese Schwalbe macht natürlich noch keinen Friedensfrühling. Aber es sind die Militärs, die sie fliegen lassen, und sie kennen im Gegensatz zu den Politikern die Realität des Schlachtfeldes. An der Medienkonferenz beteiligte sich auch Mark Milley, Vorsitzender der vereinigten US-Stabschefs.

Beide, Austin und Milley, sprachen in den letzten Tagen mit ihren russischen Amtskollegen, dem Verteidigungsminister Sergei Shoigu und dem Stabschef Walery Gerasimow. Das ist schon etwas. Und wenn sie den chinesischen Strategen Sun Tsu gelesen haben, dann wissen sie, dass die Verhinderung von Verlust und Zerstörung das oberste Ziel eines jeden Heerführers ist.

Wie weit diese Schwalbe fliegt, wird sich weisen. Und ob sie den Mainstream überhaupt erreicht, ist eine andere Frage. Der hybride Krieg ohne Kriegserklärung wird ja nicht nur in der Ukraine geführt, sondern auch in den globalen Medien, in der Energieversorgung  und auf den Finanzmärkten. Und da wird weiter eskaliert.

Die Entwicklung im Stahlwerk Asovstal in Mariupol dürfte die Wende bei den Militärs eingeleitet haben. Dort wurden nach ukrainischer Sprachregelung die «Operation beendet» und die Kämpfer «evakuiert». Nach russischer Darstellung haben sich über 2000 Kämpfer «ergeben». Sie wurden vom IKRK registriert und in russische Kriegsgefangenenlager überführt.

Asovstal ist – oder war – für die Moral der ukrainischen Truppen wichtig, weil sich dort die besten Kämpfer verschanzten und ihr Einsatz heroisiert wurde. Nach der Aufgabe des Bollwerks sollen gemäss Informationen russlandfreundlicher Kanäle die Desertionen ukrainischer Soldaten, die in den Kesseln des Donbass in schwieriger Lage sind, massiv zugenommen haben.

Was immer im Nebel des Krieges schliesslich als Wahrheit erscheint: Es gibt ein paar hoffnungsvolle Zeichen, passend zum bevorstehenden Auffahrtswochenende.

Von den Affenpocken wollen wir nicht reden. Es könnte ja noch ein Schneckenfieber ausbrechen oder eine veritable Fischgrippe. Dazu hat mein alter ego Geni Hackmann vor 13 Jahren eine Satire geschrieben, die vieles vorausgenommen hat, was wir heute erleben. Versuchen wir, die Dinge mit Humor zu nehmen.

Ich wünsche rundum alles Gute.


Mit herzlichen Grüssen

Christoph Pfluger
Herausgeber


 

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