DAS GESCHÄFT MIT DEM UNMÖGLICHEN — thinkagain

Wenn Sie nach „nuclear fusion breakthrough“ googeln, dann bekommen Sie über drei Millionen Hits; bei „electric aviation“ sind es 120 Millionen. Auf Deutsch sind es weniger Treffer, aber immer noch Tausende. Was wird da eigentlich angeboten?


Sperblondie und die „Gull Wings“

Bitte schauen Sie sich dieses Video an, es lohnt sich.

Superblondie präsentiert Ihnen ein elektrisches Flugzeug. Dazu erklärt sie Ihnen, wie häufig die Straßen in Los Angeles verstopft sind, wie praktisch es ist, auf einem Helipad zu landen und wie toll sie die „Gull Wing“ Türen des Flugzeugs findet, die sich auf Knopfdruck von selbst öffnen. Des weiteren lobt sie die Farbgebung der Sitze, das hübsche Computer-Display und den praktischen Getränkehalter in der Mittelkonsole.

All das hat natürlich nichts mit elektrisch Fliegen zu tun, es könnte ebenso in einem herkömmlichen Helikopter zu finden sein. Aber Blondie hat uns damit positiv auf dieses aufregende Fluggerät eingestimmt. Jetzt kommen die Firmengründer Fred und Adam ins Bild, die mit professioneller Gelassenheit ein paar technische Details fallen lassen, etwa dass hinter den Sitzen des Fliegers die Batterien untergebracht sind, die 75 Kilowattstunden speichern können und eine halbe Tonne wiegen. Aber davon lassen sich weder Blondie noch die Zuschauer jetzt die Laune verderben.

Mit Superblondie am Strand

Die 75 kWh reichen für 30 Minuten in der Luft. 30 Minuten sind auch die mindeste Reserve, die ein Flugzeug immer an Bord haben muss, um unvorhergesehenen Schwierigkeiten ausweichen zu können. Das ist nicht nur Vorschrift, sondern auch vernünftig, insbesondere, wenn man über Los Angeles unterwegs ist, wo man bei Strommangel weder auf einem überfüllten Highway noch zwischen den Wolkenkratzern runtergehen möchte.

Das vorgestellte Vehikel ist also praktisch nicht flugtauglich, auch wenn es auf einem verlassenen Flugplatz schon mal einen Hüpfer gemacht hat, aber nicht einmal das gelingt immer. Erst eine  vernünftige Stromversorgung, die bei gleichem Gewicht 500 kWh oder mehr liefert, die würde den Unterschied machen. Aber die gibt es heute nicht. Die Gull-Wind Türen oder das schicke Design der Sitze halten den Flieger auf jeden Fall nicht in der Luft. Es fehlt also noch das Wesentliche.

Das Video ist wie das von einem Burschen, der den geplanten Urlaub mit Superblondie auf seine Facebook Seite stellt: tropische Strände, luxuriöse Restaurants, verführerische Mariachi Musik – alles ist bis ins letzte Detail geplant, nur Superblondie fehlt ihm– quasi die Stromversorgung für seinen Urlaub.

Ja, natürlich könnte es passieren, dass eine unerwartetes Ereignis plötzlich die erwartete Lösung bringt, aber es ist keine gute Strategie auf unerwartete  Ereignisse zu warten.

Hauptsache Mainstream

Ein weiteres Lieblingsthema für solche Videos ist die Kernfusion, wo einem modernen Daniel Düsentrieb in seiner Garage angeblich das gelingt, woran sich gigantische internationale Institutionen die Zähne ausbeißen. Und auch hier präsentieren sich optimistische junge Unternehmer, die auf der Suche nach Investoren sind. Und auch dieses Thema fällt, so wie das elektrische Fliegen, voll in den Mainstream: saubere Energie, kein CO2.

Anders ausgedrückt, man bietet in dieses Videos das Unmögliche an und man findet anscheinend Käufer dafür.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verurteile nicht die pfiffigen Ingenieure, die solche Startups ins Leben rufen, die vielleicht sogar selbst an ihre Versprechen glauben und eine Zeit lang gutes Geld damit machen. Ich habe sogar eine gewisse Sympathie für sie.

Ich sehe aber eine Gefahr in dem Trend, dass rein wissenschaftliche, sachliche Themen in verführerisches Marketing gepackt werden, welches uns auf emotionaler Ebene anspricht. So entsteht der Eindruck, man könne auf komplexe Fragen wie elektrisch Fliegen, Kernfusion, Klimawandel oder Corona schon eine qualifizierte Antworten geben, weil man gefühlsmäßig eine Haltung dazu eingenommen hat.

Diese Zeitströmung, in der Gefühl über Logik dominiert, wird auf die Dauer nichts Gutes bringen. Der gigantische Schaden, den die Bundesregierung durch ihre Corona Politik und die Energiewende über Deutschland gebracht hat wäre verhindert worden, wenn die Mehrzahl der Bürger der eigenen logischen Urteilskraft vertraut hätte, statt sich von den Märchenerzählerinnen der Mainstream Medien täglich einlullen zu lassen.


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