Der Friede kommt, aber noch nicht gleich — ZEITPUNKT

Mut steht am Anfang des Handelns,
Glück am Ende.                   Demokrit
Der Friede kommt, aber noch nicht gleich
Liebe Leserinnen und Leser

Die Tür zu Verhandlungen öffnet sich langsam. Henry Kissinger, Geopolitiker erster Ordnung hat am WEF den Westen aufgefordert, nicht länger eine vernichtende Niederlage Russlands anzustreben, da dies katastrophale Folgen für die Sicherheit und Stabilität Europas haben würde.

«Ich hoffe, dass die Ukrainer so viel Weisheit wie Heldentum haben», sagte Kissinger in Davos. «Die Verhandlungen müssen in den nächsten zwei Monaten beginnen, bevor es zu Verwerfungen und Spannungen kommt, die nicht leicht zu überwinden sind.

Idealerweise sollte die Trennungslinie eine Rückkehr zum Status quo ante sein. Wenn wir den Krieg über diesen Punkt hinaus fortsetzen, geht es nicht um die Freiheit der Ukraine, sondern um einen neuen Krieg gegen Russland selbst.»

Die Ukraine solle ein Friedensabkommen mit der Situation am 24. Februar akzeptieren, als Russland formell die Krim und informell einen Teil des Donbass kontrollierte. Damit wird Russland kaum zufrieden sein.

Wichtig ist aber, dass mit Kissinger einer der am besten vernetzten Drahtzieher unserer Zeit Verhandlungen das Wort spricht, die bis jetzt vom Westen kategorisch abgelehnt werden. Es wird weitere Stimmen brauchen, und die militärische Situation im Donbass wird sich klären müssen.

Denn die tatsächliche Lage an der Front ist nach wie vor verworren. Während ukrainische Quellen von kleinen Geländegewinnen ihrer Truppen sprechen, berichten Russland-nahe Kanäle  von zunehmend chaotischen Zuständen mit zahlreichen Desertionen ganzer Einheiten. Der ehemalige CIA-Mann Larry Johnson hat eine ganze Reihe von Videos von elf ukrainischen Einheiten gesammelt, deren Kommandanten von einer ausweglosen Situation sprechen und die lieber in russische Gefangenschaft als in den Tod gehen, sich aber nicht zurückziehen dürfen.

Gerüchte wollen von Spannungen zwischen Präsident Selenskyi und dem Oberbefehlshaber Waleri Saluschni wissen, der seinen beinahe eingekesselten Truppen den Rückzug erlauben will, was von Selenskyi aber abgelehnt wird. Konflikte der Armeespitze in fast aussichtsloser Lage tragen den Keim eines plötzlichen Zusammenbruchs der militärischen und staatlichen Ordnung in sich.

Kein Gerücht ist, dass Ex-Präsident Petro Poroschenko auf der Flucht nach Polen an der Grenze zurückgehalten wurde. Der Oligarch ahnt offenbar, dass er mehr zu verlieren hat, wenn er im Land bei seinen Schokoladefabriken bleibt, als wenn er in den Westen geht, wo sein Geld liegt.

Der Kollaps der Ukraine, die seit mehr als drei Monaten von einer propagandistischen Überlegenheit und einem nahen Sieg lebte, ist eine realistische Möglichkeit. Und das ist nicht einmal für Russland eine gute Nachricht. Denn in einem zusammenbrechenden Land werden verrückte Dinge geschehen, die schwieriger zu kontrollieren sind als eine gegnerische Armee.

Der Westen wird sich auf eine weitere Flüchtlingswelle einstellen und die Elite wird ein neues Narrativ aus den Hut zaubern müssen. Vielleicht wird der Krieg von Guerillas weitergeführt. Das Personal dazu wäre da.

Ich schreibe Ihnen das nicht, um ein ohnehin düsteres Bild zusätzlich einzuschwärzen. Ich schreibe es Ihnen, weil wir in ziemlich verrückten Zeiten leben, die man besser übersteht, wenn man sich darauf einstellt. Es kann alles ziemlich schnell gehen.

Es gibt ja auch eindeutige Lichtblicke: Die Generalversammlung der WHO hat den Antrag der USA abgelehnt, der dem WHO-Generaldirektor die Kompetenz gegeben hätte, in beliebigen Ländern und gegen ihren Willen einen Gesundheitsnotstand auszurufen. China, der Iran und die afrikanischen Länder vereitelten das Vorhaben, das einem Putsch gleichgekommen wäre. (Mehr dazu: «Die WHO erhält keine neuen Kompetenzen zur Einschränkung der nationalen Souveränität»)

Auch die Mainstream-Medien beginnen zaghaft, sich kritisch zum Pandemiemanagement zu äussern. Als Beispiel viereinhalb Minuten auf ZDF, für die der verantwortliche Journalist noch vor einem halben Jahr in die Wüste geschickt wurde. Schweizer Medien berichten sogar, dass die Schweiz mit der Vernichtung von Impfdosen begonnen hat. Bei 620’000 Dosen von Moderna läuft das Datum demnächst ab, Einzelpreis rund 20 Franken (Tagesspiegel). Für 2022 sind noch 32 Millionen Impfdosen an Lager. Damit könnte man jede impfwillige Person fünfmal boostern.

Von einem Umschwung im Pandemiemanagement zu sprechen, wäre allerdings verfrüht. Es ist aber auch nicht verboten, die positiven Signale als Ergebnis des hartnäckigen Widerstands zu deuten. Wir dürfen uns also ein bisschen auf die Schulter klopfen – wenn wir dabei ein schönes Wort von Churchill nicht vergessen: «Erfolg besteht darin, von Misserfolg zu Misserfolg zu gehen, ohne die Begeisterung zu verlieren.»

Ich wünsche Ihnen viel Begeisterung für das Leben und diese ausserordentliche, lehrreiche Zeit.


Mit herzlichen Grüssen

Christoph Pfluger
Herausgeber


 
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