WOZU ZIVILISATION? — thinkagain

Bild: Arno Senoner / unsplash

Das Zusammenleben muss nicht täglich neu ausgehandelt werden, es  gibt eine Alternative: die Zivilisation. Sie hat sich über Jahrhunderte auf unterschiedliche Weise in weiten Teilen der Welt entwickelt und den Menschen Lebensqualität und vieles mehr gebracht. Wir müssen derzeit leider feststellen, dass Zivilisation nicht unkaputtbar ist.


Der Teil und das Ganze

Es hat sich herausgestellt, dass Menschen in einer Gruppe besser überleben können als alleine. Die Gruppe wiederum kann – zum Wohle ihrer Mitglieder – Teil einer größeren Gruppe sein, und diese kann zu einer noch größeren gehören. Jede Gruppe hat ihre eigenen Spielregeln, teils geschriebene, teils ungeschriebene, wobei letztere die entscheidenden sind.

Die Gruppen sind vom Rest der Welt durch eine physische oder symbolische Hülle abgegrenzt, die nur mit Einwilligung ihrer Mitglieder durchschritten werden darf.

Die kleinste Gruppe ist offensichtlich die Familie.  Jede Familie hat ihre eigenen Spielregeln, und sie erwartet nicht, dass andere Familien diese übernehmen. Umgekehrt würden sie sich nicht die Spielregeln anderer Familien aufdrängen lassen.

Durch klare Abgrenzung entsteht gute Nachbarschaft zwischen Familien: „Good fences make good neighbours“. Wir können mit den anderen Familien in regem Austausch stehen, lassen uns aber nicht vorschreiben, was wir zum Frühstück essen oder wie wir das Wohnzimmer einrichten. Das ist geheiligtes Revier der Familie.

Das ABC der Gruppen

Jedes Individuum ist Teil mehrerer Gruppen, denn Gruppe A ist in eine Gruppe B eingebettet, die wiederum in eine größere Gruppe C etc. wobei jede Gruppierung ihren Mitgliedern gewisse Vorteile bringt, ihnen aber auch Beiträge abverlangt.  Um bestimmte Leistungen anbieten zu können  muss die Gruppe eine  gewisse mindeste Größe haben. Ein Krankenhaus, eine Universität oder eine zuverlässige Stromversorgung kann sich ein einzelnes Dorf nicht leisten.  Dazu ist es in einen Landkreis oder ein Bundesland eingebettet.

Jede Gruppe besitzt größtmögliche Autonomie und steht mit anderen Gruppen auf der gleichen Ebene im fairen Wettbewerb. Andererseits vertreten Gruppen gleicher Ebene ihre gemeinsamen Interessen gegenüber den höheren Gruppierungen. Der Wettbewerb spornt die Leistungsbereitschaft an und die Solidarität zwischen den Gruppen garantiert nachbarschaftliche Hilfe in Notfällen.

Eine harmonisch abgestimmte Gruppenstruktur mit ihren entsprechenden Institutionen wird allgemein als Zivilisation bezeichnet. Zivilisation macht es überflüssig, dass das Zusammenleben täglich neu ausgehandelt werden muss, so wie es die Vizepräsidentin des Bundestages und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung in einer genialen Eingebung gefordert hat. Sehen Sie, Frau Staatsministerin Özoguz: Man braucht in zivilisierter Gesellschaft eben nicht morgens mit der Keule in der Hand vor seine Höhle zu treten, um dem nächst besten den Schädel einzuschlagen um auszuhandeln, dass ihm seine Beute und seine Frau jetzt nicht mehr gehören. 

Damit Zivilisation funktioniert muss jede Gruppe wirtschaftlich autonom sein. Sie muss in der Lage sein, für Leistungen, die sie von anderen Gruppen empfängt, die entsprechenden Gegenleistungen zu liefern. Ein Bundesland etwa, das sich permanent von anderen, leistungsfähigeren Ländern aushalten lässt, das also die Verantwortung für das eigene Überleben an andere delegiert, rutscht in eine parasitäre Existenz und verabschiedet sich damit von der Zivilisation. Berlin ist ein mahnendes Beispiel für diesen Verfall.

Stallgeruch der neuen Heimat

Was wäre die größte Gruppe, die nützliche Leistungen erbringen könnte, zu denen kleinere Gruppierungen nicht in der Lage sind?  Und könnte sich solch eine Mega-Gruppe noch auf geschriebene und ungeschriebene Regeln fürs Zusammenleben einigen? Dazu muss es offensichtlich ausreichend Gemeinsamkeiten geben, und das wird umso schwieriger, je größer eine Gruppe ist.

Jahrtausende Geschichte der Menschheit haben nun gezeigt, dass eine Voraussetzung für gemeinsame Zivilisation die gemeinsame Sprache ist. Das ist zwar keine hinreichende Voraussetzung – siehe ehemalige DDR und ehemalige BRD – aber doch eine notwendige.

Mit dem Erlernen der Sprache als Kleinkind nehmen wir nicht nur Vokabeln und Grammatik auf, sondern nonverbale Informationen und Instruktionen, die uns ein gewisses Weltbild mit seinen Wertvorstellungen  vermitteln, und die uns gesellschaftsfähig machen. Und ebenso wenig wie man als Erwachsener eine neue Sprache perfekt lernen kann, so wenig kann man sich das typische zwischenmenschliche Kolorit einer anderen Zivilisation aneignen, welches sich über viele Generationen entwickelt hat.

Man kann bei Auswanderern beobachten, wie sie sich ernsthaft bemühen, so zu sein wie die Einheimischen; aber es gelingt ihnen nicht. Ihre Kinder dagegen nehmen ganz spontan und mühelos den Stallgeruch der neuen Heimat an.

Angriff auf die Zivilisation

Die größte praktikable Gruppe ist also die Nation, definiert durch ihre gemeinsame Sprache, ihre ungefähre geographische Lage, und eben ihre eigene Tradition. Dabei bleibt sie eine Nation, auch wenn sie  in ihrer Geschichte viele  verschiedenen Staatformen durchlebt hat.  Deutschland gibt es seit hunderten von  Jahren, in denen sich Regierungen und Grenzen sehr oft geändert haben, und den meisten anderen Ländern Europas geht es ähnlich.

Zu versuchen aus einer halben Milliarde Europäern mit 24 verschiedenen Sprachen eine Gruppe zu formen, mit  gemeinsamen geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen, das ist absurd, unmöglich und überflüssig. Die Nationen können auch ohne  gemeinsame Regierung ungestört mit einander lebhaften Austausch jeglicher Art treiben. Das können sie als  gute Nachbarn mit guten Grenzen bilateral machen, wie sie das schon seit Hunderten von Jahren sehr effizient  getan haben.

Aber wir dürfen uns nicht vormachen, wir hätten mit den anderen mehr gemein, als es der Fall ist, und das  „Gemeinsame Europa“ hat ganz offensichtlich zu wenige Gemeinsamkeiten. Die forcierte Vereinigung durch immer mehr europäische Gesetze ist ein Angriff auf die nationalen Identitäten und damit auf die Zivilisation in Europa überhaupt. Denn es gibt keine europäische Zivilisation,  es existiert  nur die Vielfalt der einzelnen nationalen Zivilisationen.

Auf keinen Fall Geschwister

Als wäre dieser Angriff machtversessener europäischer Bürokraten auf die nationalen Identitäten nicht schon schlimm genug, so steht in Deutschland auch der andere Grundpfeiler der Zivilisation unter Beschuss: die Familie. Sie ist die geheiligte kleinste Gruppe, ohne die menschliche Existenz nicht möglich wäre.

Deren Autonomie wird immer mehr in Frage gestellt. Das hat zwar Tradition in Deutschland, aber nicht unbedingt eine gute. Vor genau 100 Jahren, am 14.6.1922 wurde das „Reichsjugendwohlfahrtsgesetz“ verabschiedet, welches die „Übernahme staatlicher Verantwortung für die Erziehung der Jugend“ formalisierte. In der NS Zeit wurde das Recht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder weiter beschnitten. In der Bundesrepublik wurden dann später das Jugendwohlfahrtsgesetz und die entsprechenden Jugendämter implementiert.

Nun mag es Ausnahmesituationen geben, in denen Familienmitglieder auf externe Hilfe angewiesen sind. Da sind solche Ämter wichtig; aber wie viele andere Institutionen in Deutschland sind auch diese zu rotgrünen Indoktrinationsfabriken entartet.

Es gibt da Erfahrungen, dass Mitarbeiterinnen dieser Ämter es als ihre vordringlichste Aufgabe ansehen, Jugendliche von ihren Eltern zu entfremden. Statt Frieden und Harmonie bringen sie Barrieren in die Familien, die der Versöhnung im Wege stehen. Die sublime Botschaft ist: „Vergiss es Junge / Mädel, das wird nichts. Familie ist Out.“

Es gibt aber noch einen weiteren Angriff auf die Familie, es gibt den totalen Krieg gegen  das Leben: keine Kinder mehr! Da berichten dann Influencerinnen von ihrer „schönsten Abtreibung“ und falls dann doch schon ein liebes Kleines seinen Weg in die Welt geschafft haben sollte, dann darf es auf keinen Fall ein Geschwisterchen bekommen. Dafür ist kein Platz mehr auf dem Planeten.

Falls es dann demnächst also nur noch Senioren und insbesondere Seniorinnen gibt, dann sind wir alle Sorgen los und brauchen ab dann keine Zivilisation mehr.


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