FAHNENSPIELE — thinkagain

Dinge, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten, offenbaren auf den zweiten Blick oft erstaunliche Gemeinsamkeiten.  Dieses Phänomen ist etwa beim „Kampf gegen Rechts“ zu beobachten.


Flagge zeigen

Die Bevölkerung der Erde ist in Nationen organisiert. So ziemlich jeder Mensch gehört zu einer Nation, ob er will oder nicht. Er lebt auf einem bestimmten Fleck Erde, spricht die Sprache seines Landes und zahlt hier gegebenenfalls seine Steuern. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Land, die Nationalität, ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen den Bewohnern.

Die knapp 8 Milliarden Erdbewohner verteilen sich auf 195 Länder, von denen jedes seine eigene, Flagge hat, unverwechselbar, so wie die telefonische Ländervorwahl. Es gibt stabile Nationen, etwa die skandinavischen Länder, deren Flaggen seit langer Zeit Bestand haben, und es gibt Flaggen, deren Kommen und Gehen die politische Instabilität der Region widerspiegelt, so wie auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Flaggen „gehören“ dem Land, sie gehören nicht der jeweiligen Regierung. Die muss sich dessen bewusst sein, dass ihre Amtszeit vermutlich nur eine Intermezzo in der Geschichte des Landes bzw. seiner Flagge darstellt. Es ist daher naheliegend, dass Organe, die in den Diensten eines Landes stehen, ihr Gebäude mit der Landesflagge schmücken, um ihre gebotene Demut gegenüber dem Auftraggeber auszudrücken –  und so weht auch auf dem Reichstag in Berlin die schwarz-rot-goldene Fahne.

Die Rainbow Nation

Nun wurde entschieden, dass jährlich zweimal, für je einen Tag, zusätzlich die Regenbogen-Fahne vom Reichstag wehen soll. Die deutsche Fahne, sozusagen das Symbol für den kleinesten gemeinsamen Nenner der deutschen Bevölkerung, wird ergänzt durch ein Symbol für rücksichtsvollen Umgang mit einer gewissen Minderheit.

Nun könnte es sein, dass ein Teil der deutschen Bevölkerung sich weder mit LGBTQ, noch mit den Personen identifiziert, welche die Bewegung ins Leben gerufen haben. Im Namen dieser Deutschen wehen die bunten Fahnen also nicht über dem Reichstag. Anders ausgedrückt: Der Bundestag hat keine Scheu zu zeigen, dass er an diesen Tagen nur noch einem Teil des deutschen Volkes dient, und nicht seiner Gesamtheit.

Angesichts der teils bescheidenen Ausstattung unserer politischen Eliten mit geschichtlichem Wissen und ihrer Scheu sich logischen Gedankengängen zu unterwerfen ist die Entscheidung zur Regenbogenflagge aber nicht verwunderlich. Vermutlich war das „Narrativ“ der Entscheider-innen:  „Also mit der LGBTQ Fahne am Dach, da können wir echt ein Zeichen setzen, da zeigen wir, dass hier ein frischer Wind weht. Und wem das nicht gefällt, der kann uns auch gestohlen bleiben, der ist sowieso Nazi“.

Das Reichstagsgebäude ist keine Schießbude

Man muss als Demokrat aber diese Zusatzbeflaggung grundsätzlich ablehnen, auch wenn man überzeugter Anhänger der Bewegung sein mag. Denn wenn heute LGBTQ eine Flagge auf dem Reichstag verdient, welches Thema wird es morgen sein? Es gibt noch sehr viele andere Anliegen, die von mindestens ebenso großer Bedeutung sind wie LGBTQ.  Wird es also demnächst eine Beflaggung für die ungehemmte Einwanderung geben, oder für eine Impfpflicht? Das Reichstagsgebäude darf keine Schießbude sein, die jeden Tag andere Farben trägt. Wenn dieses Gebäude samt Beflaggung ein Zeichen setzen soll, dann dafür, dass sich die dort tätigen Menschen dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und dem Dienst an seiner Bevölkerung verpflichtet fühlen.

Es ist eine Angewohnheit totalitärer Regimes an den Landesfarben herumzubasteln. Sie wollen dem Land einen Stempel verpassen, der es für immer markiert – oder wenigstens für die nächsten 1000 Jahre. Das war zumindest die Absicht hinter dem Reichsflaggengesetzt, durch welches 1935 die Landesfarben Deutschlands durch ein Arrangement mit hinlänglich bekanntem Symbol ersetzt wurden. Das hatte dann allerdings nur 10 Jahre Bestand.

Gegen Rechts, mit allen Mitteln?

Nun, wir  sind uns einig, dass es zum Anliegen der LGBTQ Bewegung nichts  Konträreres geben könnte, als die rassistische Ideologie des Dritten Reichs. Aber gerade aus diesem Grund sollten auch die geringsten  Anklänge an diese Zeit vermieden werden; und das nicht nur bei der Beflaggung des Reichstags. Es gibt da noch ein paar andere Entwicklungen aus der jüngeren Zeit, die solch paradoxe Züge tragen.

Je entschiedener der „Kampf gegen Rechts“ tobt, desto häufiger sind Dinge zu beobachten, die eher zu einem totalitären Staat passen, als zu einer Demokratie: Zensur, Denunziantentum, systematische Störung regierungskritischer Veranstaltungen durch Schlägertrupps und willkürliche Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit. Diese Maßnahmen, die angeblich dem Kampf gegen Rechts dienen, erinnern in der Methode aber an totalitäre Diktaturen.

Das wahre Gesicht der Mächtigen zeigt sich nicht in ihren proklamierten Absichten, sondern darin, wie sie mit den Gegnern dieser Absichten umgehen.


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