How dare you, Lindner?! — clubderklarenworte

Schon Westerwelle sprach von
spätrömischer Dekandenz

https://mailchi.mp/clubderklarenworte.de/how-dare-you-lindner?e=ff6b50c8a8

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser. Das Abarbeiten am Unvermögen von politischen Akteuren, von Mandats- und Amtsträgern auf lokaler, kommunaler oder gar nationaler Ebene hat mich schon immer gelangweilt. Es ist ein niedrigschwelliger Stammtisch-Volkssport oder zeitgemäßer formuliert etwas für frustrationsgeschwängerte Seelen, die sich den Twitter-Tripper eingefangen haben und von ihrem heimischen Pressspan-Klippan ungefragt und unentwegt nun ihre Verbalgülle über dieses oder jenes Digitalportal verströmen. Es sind zumeist Heulsusen, die ihrer eigenen Bedeutung durch Pöbeln Politur verleihen. Like-Lechzer in Dauer-Dopamin-Extase, die Herzchen und Follower sammeln wie Opa einst Panini-Bildchen.
Und dennoch – lassen Sie mich hier eine Politiker-Polemik abhalten, weil sich jener Staatsbedienstete, der meinen Intellekt am Wochenende beleidigte, wirklich herausragend und empörend dämlich verhält: Der amtierende Bundesfinanzminister Christian Lindner ist taktlos, selbsttrunken und kaltschnäuzig. Von Bodenhaftung gebenden Tugenden wie Anstand und Moral ist er so weit entfernt wie einstmals Neil Armstrong von der Erde.
Ich kann mir seine Sylt-Sause nur so erklären, dass sein Hirn offenbar in einem abgetrennten Servicemodul seinen Körper umkreist, wenn nicht gar schon den Lindner-Orbit komplett verlassen hat. Ich frage Sie, geschätzte Leser, und Herrn Lindner, völlig befreit von Sozialneid:

Wie kann man so dämlich sein, als Finanzminister mit der größten Wirtschafts- und Staatskrise der Nachkriegszeit am Hacken feudal auf der Schampus-Klischee-Insel Sylt gemeinsam mit der Byld (sic!) eine Hochzeitssause zu inszenieren, die jeden braven Bundesbürger, der seine Familie durch diese Legislaturperiode von Schwachmaten steuert, verhöhnt?
Wie kann man als vom Volke bestellter und bezahlter deutscher Kassenwart aus der Kulissen-Kirche kommend in den voll getankten Classic-Car-911er steigen und diesen unter Fotogewitter in die Gunter-Sachs-geweihte Sansibar lenken – unterdessen am Festland die größte deutsche Nachkriegskrise wütet?
Ich könnte noch viele Fragen stellen. Auch jene, warum der Ukraine-Front-Hamster Ronzheimer so plötzlich und unerwartet auf einem Brautselfi auf Sylt auftaucht? Warum Nuhr sich als ARD-Kabarett-Bissgurke mit einer Inseleinladung die Beißhemmung für ein paar Häppchen am Machtbuffet abkaufen lässt? Aber diese und andere Fragen lenken nur vom Lindner-Versenken ab.

Man möchte ihm zurufen:

„Wissen Sie, Herr Lindner, ich denke, jeder darf seine Vermählung so feiern, wie er möchte. Minimalistisch oder monströs. Leise und elegant oder als lautes Schützenfest. – Aber Sie, Christian, Sie tragen in Ihrer Position als Finanzminister eine besondere Verantwortung für politischen Anstand und respektable politische Umgangsformen. Was wir aber am Wochenende gesehen haben, war ein FDP-Schmock. Gehen Sie nach den Flitterstunden mal kurz in Hamburg bei St.-Pauli-Legende Kalle Schwensen vorbei. Lassen Sie sich von ihm mal briefen, was öffentlich geht und was nicht. Er hat da mehr Gespür.“

Ihr 

Markus Langemann

PS: Christian Lindner hat geheiratet. Selten gewordene Momente wo jemand „Ja, ich will“ zur FDP sagt.
https://clubderklarenworte.media.video.taxi/watch/M8zW6JUj0k7t
Bitte lesen Sie auch die neue wunderbare Kolumne von Peter Löcke über alte, weiße Frauen. Den Kommentar oben können Sie hier nochmal sehen. Apropos, seit gestern haben wir eine wunderbare historische Dokumentation in der Mediathek. Ende August ist es 50 Jahre her das wir in Deutschland, in München, die Olympiade feierten. Willy Brand war noch Kanzler, und The Sweet gerade auf Platz EINS in den Charts und auch bei Illja Richter in der DISCO. Sommer ’72. Ein Deutschland voller Kraft und Energie. Gönnen Sie sich ein wenig Wehmut, vielleicht haben sie noch irgendwo im Keller einen Asbach Uralt…
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