O’zapft is‘ — clubderklarenworte

Guten Abend, liebe Leserin,
guten Abend, lieber Leser.
Am 17. Oktober 1810 wurde das erste Oktoberfest auf einer Wiese vor den Toren von München veranstaltet. Heute befindet sich diese Theresienwiese, benannt nach der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen, mitten in München. Genau dort wurde gestern um 12 Uhr wieder o’zapft. 
Ich kenne die Wies’n nun schon seit Dekaden.
An dem legalen, als Volksfest getarnten Massenbesäufnis scheiden sich die Meinungen und Intellekte. Diese seltsame Veranstaltung muss man heute irgendwo zwischen einem gigantischen Junggesellenabschied, einer Silbereisen-Schlagerparty und einem spätrömisch dekadenten Fest im Gewand eines bayerischen Betäubungsrituals verorten.
Die antiken Griechen schärften bei ihren Gelagen im Liegen, den Symposien, ihren Geist bei philosophischen Gesprächen.
Auf der Wies’n reicht es, darauf zu achten, nicht im Stehen zu essen. Zu oft endet man beim Stehen im Essen. Und was die Philosophie betrifft, liegt diese nach Sloterdijks undistanzierter Teilnahme an Lindners unsäglicher Syltsause eh längst lallend und lächerlich unter der Bierbank. Abgeschrieben. Nun, die Moden ändern sich. Apropos.
Manche Frauen sehen auch dieses Jahr auf der Wies’n so aus, als wären sie aus Versehen in ein Dirndl gefallen, und Männer kostümieren sich mit Leder an den Beinen. Nun, viel Gülle und Gags sind über diese weltgrößte Brachialparty ausgekippt worden, ich möchte mich hier nicht weiter einreihen.
Aber man kann zu dieser Veranstaltung kein Nicht-Verhältnis haben, egal ob man in Adelaide, Ahrensburg oder München-Aubing wohnt. Man kann die Veranstaltung nur verachten oder vergöttern. Sie ist auf jeden Fall auch ein Seismograf für den Grad der Verblödung unserer Gesellschaft – oder positiver formuliert: ein Ventil für den Druck auf dem Kessel derselbigen. In diesem Jahr ist sie zudem so etwas wie ein Lackmustest für die geistige Frische im Land der Lemminge.
Wie stark ist das ehemalige Volk der Dichter und Denker schon sediert? Bitte entschuldigen Sie, dass ich das „Dichter und Denker“-Narrativ noch mal strapaziere. Schauen Sie mal hier: Ich bin für Sie gestern kurz nach dem Anstich durch ein Festzelt gegangen.
Viel Maskerade, aber keine Maske.
Können Sie mir erklären, warum Menschen in Trambahnen und Bussen, auf dem Weg zum Ort des Rausches, verpflichtend Maske tragen müssen? Auf der Website des MVV (Münchner Verkehrs- und Tarifverbund) lesen Sie Folgendes:

„Für die Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs in Bayern gilt eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske (,OP-Maske‘). Höherwertige Masken der Schutzklassen FFP2 oder KN95 können weiterhin verwendet werden.“ 

Ich denke, die Menschen, die diesen Widerspruch respektieren, akzeptieren, haben es nicht besser verdient. Sie dürfen gerne mit psychologischen, propagandistischen und verständniswerbenden Erklärungen argumentieren, aber meine Bereitschaft, diesen gutzuheißen, liegt bei 0,0 Prozent.

In der vergangenen Woche habe ich in Berlin in einem Boxklub (!) die wunderbare Elisabeth Pähtz zum Interview gebeten. Sie ist die erfolgreichste deutsche Frau im Schachsport. Ein Superhirn mit Haltung und Humor. Freuen Sie sich schon jetzt auf ein Interview, das Sie als Jahresabonnentin oder Jahresabonnent natürlich sofort nach Veröffentlichung sehen können. Derzeit befindet sich der in Koproduktion mit dem Westend Verlag entstehende Film in Produktion. 
Demnächst werden Sie auch einen neuen Salon mit Antje Maly-Samiralow und ihren hochkarätigen Gästen im „Club“ sehen. Thema: „Stress kostet Leben“. Peter Löckes Kolumne sollten Sie unbedingt jetzt schon lesen. Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Wochenstart und grüße Sie herzlich zu später Stunde aus dem Büro.
Ihr Markus Langemann

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