Ja, ich habe den Neuen Krefelder Appell unterschrieben: ‚Raus aus der Nato!‘ — ZEITPUNKT

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Eugen Drewermann verteidigt seine Erstunterzeichnung des Neuen Krefelder Appells mit klaren Worten: «Ich lehne die Nato ab, weil sie die schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte ist und weil sie die Chance zum Ende des Kalten Krieges 1989 mit System zerstört hat: 1990 umfasste sie noch 16 Mitgliedstaaten, heute sind es 30.» Der Neue Krefelder Appell bewertet auch die Pandemie-Massnahmen als Kriegsmittel.

CC – Eugen Drewermann als Abschlussredner einer Friedensdemonstration am 23. Mai 2009 während des 32. Evangelischen Kirchentages in Bremen.

Ein Blick in die Geschichte: Im November 1980 wurde in Deutschland der Krefelder Appell gegen Nato-Doppelbeschluss von 1979 veröffentlicht. Zur Erinnerung: Parallel zur Entscheidung für die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa sollten Abrüstungsverhandlungen zwischen den Supermächten begonnen werden. Doch vor allem die USA hatte überhaupt kein Interesse an einer Entmilitarisierung ihrer europäischen Bündnispartner. Die Verhandlungssprache mit sowjetischen Führern blieb provokativ und aggressiv. Die Angst vor einem nuklearen Krieg beeinflusste Leben, Denken und Fühlen (m)einer ganzen Generation. Durch den Appell vereinigten sich in Deutschland Menschen weit über das sozialistische oder traditionell pazifistische Lager hinaus. Fünf Millionen unterschrieben den Appell, der nach der unscheinbaren Stadt Krefeld am Niederrhein benannt war. Darunter die noch junge, noch pazifistische Grüne Partei, viele SPD-Mitglieder und Millionen junger Menschen. Es war der Beginn einer grossen Friedensbewegung mit bis dahin nicht gekannten Massenaufläufen auf Friedensdemonstrationen: überwältigender Ausdruck eines neues Friedensbewusstseins. In der Sache scheiterten sie jedoch zunächst: Im November 1983 beschloss der deutsche Bundestag die Aufstellung der Mittelstreckenraketen, im Dezember bereits wurden die ersten «Pershing II» stationiert. Wenige Jahre später darauf Michail Gorbatschow mit einer einseitigen Initiative zur Abrüstung. 

Im letzten November versuchte eine Gruppe, an die verbindende Kraft des damaligen Krefelder Appells anzuschliessen. Sie veröffentlichte einen «neuen Krefelder Appell» – verfasst aus dem Umfeld der «Neuen Rheinischen Zeitung» rund um Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann. Die Reaktion aus den verschiedenen Lagern war zu erwarten: «Versuch des Etikettenschwindels?» fragten die einen; «Achtung Querfront!» warnten die anderen.

Kein Wunder. Der Appell fordert schliesslich nicht nur: «Raus aus der Nato», sondern erweitert den traditionellen Kriegsbegriff um Wirtschaft und Gesundheit. Unter der Überschrift «Den Kriegstreibern in den Arm fallen» heisst es: «… die Machthaber dieser Welt führen Kriege auch an neuen, andersartigen Fronten. Unter dem Deckmantel der Pandemie-Bekämpfung wird das Leben von Milliarden Menschen gefährdet. Dahinter steht die Strategie des ‚Great Reset‘ des Forums der Superreichen, das sich ‚Weltwirtschaftsforum‘ nennt, mit dem der Kapitalismus über einen gezielten Zusammenbruch und einen ‚Neustart‘ auf eine noch perversere Stufe gehoben werden soll – unter weitergehender Verletzung der bürgerlichen Rechte, der Menschenrechte und des Völkerrechts – d.h. mit weniger Rechten und mehr Überwachung für den überwiegenden Teil der Menschheit.» 

Friedensengagement im militärischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Bereich zu verbinden, das könnte man als logisch oder ganzheitlich bezeichnen. Den neuen Krefelder Appell aber brachte es in Verdacht der Verschwörungstheorie und des Antisemitismus – und einige der Unterzeichner unter den Druck der Öffentlichkeit.

Drewermann sagte der christlichen Zeitschrift Publik-Forum auf deren Vorwürfe: «Ja, ich habe unterschrieben. Wer alles ihn noch unterschrieben hat, weiss ich nicht und muss ich auch nicht wissen; man kann im Richtigen zusammenstehen, auch wenn an vielen anderen Stellen die Meinungen weit auseinandergehen, und es gibt keinerlei Erlaubnis, sich daraus wilde Zusammenhänge zu konstruieren, schon gar keine ‚antisemitischen‘. Ich lehne die Nato ab, weil sie die schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte ist und weil sie die Chance zum Ende des Kalten Krieges 1989 mit System zerstört hat: 1990 umfasste sie noch 16 Mitgliedstaaten, heute sind es 30. ‚Die Nato wird sich nicht nach Osten ausdehnen.‘ So kann man lügen.» 

Doch was passiert, wenn man Partei ergreift für Menschen, die Gründe haben, sich nicht impfen zu lassen?Ist man dann eine Gefahr, vor der man warnen muss wie vor dem Virus selber? 

Zum Pandemie-Geschehen äussert sich Drewermann so: «Ich bin kein Mediziner, aber immer wieder berichten mir Leute von Nebenwirkungen der mRNA-Impfung, die von ihren Ärzten nicht ernst genommen und nicht weitergemeldet werden, und das macht natürlich wieder misstrauisch. Und dann der Meinungsterror! Warum ist es offenbar schon eine Todsünde, den Mikrobiologen Sucharit Bhakdi oder den Statistiker John Ioannidis auch nur zu erwähnen? Sie und andere sagen, dass wir jetzt Zeugen von Grossversuchen an Menschen sind, und warnen aus guten Gründen davor; warum muss man sie verteufeln? Doch was passiert, wenn man Partei ergreift für Menschen, die Gründe haben, sich nicht mit mRNA impfen zu lassen, auch weil ihnen ihre politische Freiheit durch Meinungshomogenisierung und Kontrollzwang im Sinne von Michel Foucault aufs Äusserste bedroht erscheint? Sind sie, ist man dann schablonengemäss ein Verschwörungstheoretiker, ein Antijudaist, eine Gefahr, vor der man warnen muss wie vor dem Virus selber?»

Den Appell unterschrieben trotz der Anfeidungen aller Seiten mittlerweile über 5000 Menschen, darunter Mathias Bröckers, Wolfgang Wodarg, Michael Ballweg,Claudia von Werlhof, Daniele Ganser und Albrecht Müller von den «Nachdenkseiten».

Hier gibt es ihn im Wortlaut: peaceappeal21.de/

21. September 2022
von:

Christa Dreggerh

Krieg/Frieden

Christa Dregger

Submitted by cld on Sa, 09/17/2022 – 12:37

Christa Dregger-Barthels (auch unter dem Namen Leila Dregger bekannt). Ich bin Redaktionsmitglied des Zeitpunkt, Buchautorin, Journalistin und Aktivistin. Ich lebte fast 40 Jahren in Gemeinschaften, davon 18 Jahre in Tamera/Portugal – inzwischen wieder in Deutschland. Meine Themengebiete sind Frieden, Gemeinschaft, Mann/Frau, Geist.

Plattform des von mir geleiteten Terra-Nova-Netzwerkes: terra-nova.earth

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