Ausgrenzung durch Bargeldablehnung greift um sich – Beispiel München — norberthaering

4. 11. 2022 | Wer keine Bezahlkarten hat oder mit sich führt, sondern nur Bargeld, der wird immer öfter ausgeschlossen. Bargeldablehung greift rapide um sich, beim Parken, im öffentlichen Nahverkehr und zunehmend auch bei Kiosken, Cafés, Bars und Restaurants. Drei aktuelle Beispiele aus München und was man dagegen tun kann.

Was vor wenigen Jahren noch Seltenheitswert hatte, mausert sich inzwischen in Städten wie München zum Trend: Kioske, Cafés, Bars und Restaurants, die kein Bargeld annehmen. Drei Beispiele:

Eine Bar:

Bar in München „Ausschließlich Kartenzahlung“

Ein Café:

Cafè Blà in München

Trinkgeld wird allerdings trotzdem gern bar genommen. Dafür steht eine Tasse an der Theke.

Und selbst bei einem bescheidenen Kiosk im Bahnhof ist der Trend angekommen:

Kiosk der Food Container GmbH im Hauptbahnhof München

Was dagegen hilft

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf den Trend zur Bargeldverweigerung zu reagieren, als Gesellschaft und als Bürger oder Bürgerin.

In New York und anderen Städten in den USA wurde es Gaststätten, Kiosken etc. verboten, die Annahme von Bargeld zu verweigern, da dies beträchtliche Teile der Bevölkerung ausgrenzt. Die Ausgrenzung ist ein Effekt, den Einrichtungen, die hip und hochklassig erscheinen wollen, gern in Kauf nehmen oder gar beabsichtigen, bedeutet es doch, nur Junge Menschen mit Geld an den Tischen und in den Schlangen, statt schlecht angezogener Armen und uncoolen Alten.

Ein solches Gesetz zum Schutze derer, die auf das gesetzliche Zahlungsmittel angewiesen sind, oder sich nicht der umfassenden Überwachung ihres Finanzgebarens – und damit ihres Alltagsverhaltens – unterwerfen wollen, wäre auch in Deutschland oder deutschen Städten angebracht. Denn je mehr Gastgeber oder Dienstleister auf diese Weise weniger erwünschte Kundengruppen fern halten, desto mehr werden andere genötigt mitzumachen. Und je mehr das üblich wird, desto eher werden Menschen ohne Kreditkarten auch von Diensten und Einrichtungen ausgegrenzt, die sie dringender brauchen als coole Cafès und Bars für die Hochnäsigen. Die CSU, die ihren Verlautbarungen nach entschlossen ist, Bargeld zu schützen, könnte hier ihren Worten Taten oder mindestens politische Initiativen folgen lassen – wenn sie es denn ernst meinte.

Zu Bargeldverweigerern nicht mehr hingehen kann eine wirkungsvolle Reaktion sein, vor allem wenn es sich nicht um Einrichtungen handelt, die besonders cool und upscale wirken wollen.

Wer gern diskutiert, geht hin und spricht mit den Leuten. Die haben mit der Entscheidung, Bargeld zu verweigern, in der Regel wenig oder nichts zu tun, können den Protest aber weitergeben.

Freundliche Briefe (am besten richtige) an die Inhaber sind etwas mühsamer, aber potentiell wirkungsvoll. Menschen im Gastgewerbe wollen ja in der Regel nicht abweisend sein.

Nicht empfehlen würde ich, weil Streit die Welt selten besser macht, in Bars und Restaurants die Kein-Bargeld-Schilder zu missachten und wenn die Rechnung kommt, zu sagen, dass man nur Bargeld hat. Wegen Zechprellerei kann man kaum belangt werden. Die Wirte werden wohl das Bargeld nehmen – aber auch ein Lokalverbot aussprechen. Ihre Haltung gegenüber Bargeld und Menschen, die es nutzen, würde dadurch nicht positiver.

Also lieber mit den Füßen abstimmen oder freundlich argumentieren.

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