Deepfakes  sicher auch in der Politik. — clubderklarenworte

Guten Abend, liebe Leserin,
guten Abend, lieber Leser. Sicher haben Sie schon von Deepfakes gehört. Ich hatte im Zusammenhang mit spielerischen Consumer-Apps in einem Beitrag im August auf die erstaunlichen Ergebnisse bereits hingewiesen. 

Nun halten digitale Fälschungen bereits Einzug in die Welt der Werbung. Das auflagenstarke Wall Street Journal hat dazu einen Artikel veröffentlicht, den Sie hier in einer Übersetzung lesen können. 
Ich halte diesen Artikel auch deswegen für höchst aufschlussreich, weil wir davon ausgehen können, dass Deepfake-Technologien auch in militärischem und politischem Umfeld bereits zum Einsatz kommen …
Deepfakes von Prominenten in der Werbung
von Patrick Coffee
Im vergangenen Jahr veröffentlichte das russische Telekommunikationsunternehmen MegaFon einen Werbespot, in dem eine Bruce-Willis-Simulation bei der Entschärfung einer Bombe hilft. Vor wenigen Tagen spielte Elon Musk die Hauptrolle in einem Marketingvideo des Immobilieninvestment-Start-ups reAlpha Tech Corp. Und im letzten Monat zeigte ein Werbevideo für das Maschinen-Leasingunternehmen Paperspace Co. sprechende Doppelgänger der Schauspieler Tom Cruise und Leonardo DiCaprio. Keiner dieser Prominenten hat auch nur einen Moment bei den Dreharbeiten zu diesen Kampagnen verbracht. In den Fällen der Herren Musk, Cruise und DiCaprio haben sie nicht einmal zugestimmt, die betreffenden Unternehmen zu unterstützen. Alle Videos mit digitalen Simulationen wurden mit der Deepfake-Technologie erstellt, um die Hollywood- und Wirtschaftsgrößen Dinge sagen und tun zu lassen, die sie nie tatsächlich gesagt oder getan haben. Einige der Werbespots sind grobe Parodien, und die Vermischung des Digitalen mit dem Analogen kann einen aufmerksamen Betrachter im besten Fall nicht täuschen. Dennoch könnte die zunehmende Verbreitung von Deepfake-Software die Branche tiefgreifend verändern und gleichzeitig neue rechtliche und ethische Fragen aufwerfen. Autorisierte Deepfakes könnten es den Vermarktern ermöglichen, große Stars in der Werbung zu präsentieren, ohne dass diese tatsächlich am Set oder vor der Kamera erscheinen müssen, was die Kosten senkt und neue kreative Möglichkeiten eröffnet. Unautorisierte Deepfakes schaffen jedoch eine rechtliche Grauzone: Prominente könnten Schwierigkeiten haben, die Verbreitung nicht autorisierter digitaler Reproduktionen ihrer selbst und die Manipulation ihrer Marke und ihres Rufs in den Griff zu bekommen, so Experten. „Wir haben es schon schwer genug mit gefälschten Informationen. Jetzt haben wir auch noch Fälschungen, die immer überzeugender aussehen“, konstatierte Ari Lightman, Professor für digitale Medien und Marketing am Heinz College of Information Systems and Public Policy der Carnegie Mellon University. Der US-Gesetzgeber hat begonnen, sich mit dem Deepfake-Phänomen zu befassen. Im Jahr 2019 hat Virginia die Verwendung von Deepfakes in Rachepornos verboten, Texas in politischen Kampagnen, und Kalifornien hat sie in beiden Fällen untersagt. Letztes Jahr wurde das Ministerium für Innere Sicherheit im Rahmen des National Defense Authorization Act angewiesen, jährliche Berichte über die von dieser Technologie ausgehenden Gefahren zu erstellen. Experten sagten, ihnen seien keine Gesetze bekannt, die sich speziell mit der Verwendung von Deepfakes in der Werbung befassen. „Prominente haben einige Erfolge beim Verklagen von Werbetreibenden wegen unbefugter Verwendung ihrer Abbilder im Rahmen des Werberechts erzielt“, ließ Aaron Moss, Vorsitzender der Prozessabteilung der Anwaltskanzlei Greenberg Glusker, verlauten. Er zitiert hierzu Woody Allens Fünf-Millionen-Dollar-Vergleich mit American Apparel im Jahr 2009 wegen des nicht genehmigten Auftritts des Regisseurs auf einem Werbeplakat der Bekleidungsmarke. Sowohl Paperspace als auch reAlpha haben die Videos von Anwälten überprüfen lassen und Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Betrachter verstehen, dass die abgebildeten Prominenten nicht für die Produkte der Unternehmen werben oder an der Produktion der Videos beteiligt waren, so die Unternehmen. Das Video von Paperspace erscheine ursprünglich auf der eigenen Website und solle die Nutzer über die Deepfake-Technologie aufklären, betonte Daniel Kobran, Chief Operating Officer. Das Musk-Video von reAlpha enthalte „Haftungsausschlüsse“, die es als Satire auswiesen, meint Christie Currie, Chief Marketing Officer. Das Gleiche gelte für ein ähnliches Video, das reAlpha im vergangenen Jahr veröffentlicht hat – in dem eine digitale Version des Tesla-Chefs in einem Schaumbad sitzt und das Konzept der Regulierung A+ (Equity Crowdfunding) erklärt. Das Video habe 1,2 Millionen Aufrufe auf Youtube und wecke das Interesse von 22.000 Menschen in 83 Ländern, so Currie in einer Mail. Sie fügte an dieser Stelle hinzu, dass das Unternehmen es vermied, das Video direkt mit seinen Spendenbemühungen in Verbindung zu bringen. „Es gibt natürlich immer ein kleines Risiko bei jeder Art von Parodie“, sagte Currie in einem Interview, „aber im Allgemeinen sollte es kein Problem geben, solange es lehrreich und satirisch ist und man einen Haftungsausschluss hat, solange man nicht zu einer Transaktion aufruft.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von Herrn Musks Format ein Start-up wegen eines Deepfake-Videos verklage, sei gering, und diese Unternehmen könnten für sich entscheiden, ob das Risiko die beträchtliche Publicity wert ist, die es für sie bringen würde, sagte Moss. „Viele dieser Unternehmen gehen absichtlich so nah wie möglich an die Grenze, um die Prominenten, auf die sie abzielen, quasi zu trollen.“ Aber die Leichtigkeit, mit der Deepfakes erstellt werden können, bedeute, dass einige Prominente bald von Anzeigen überschwemmt werden könnten, die ihre unautorisierten, aber sehr überzeugenden Abbilder zeigen, so Moss weiter. Es wäre der „Tod durch tausend Schnitte“, wenn Prominente versuchen würden, gegen jedes kleine Unternehmen oder jeden einzelnen Urheber vorzugehen, der die Software verwende, fügte er hinzu. Gleichzeitig könne die Formulierung in Verträgen, die Jahre vor der Einführung der Technologie verfasst wurden, so vage sein, dass Vermarkter vorhandenes Filmmaterial für die Erstellung neuer Deepfake-Videos nutzen könnten.



Empfehlung

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Interview mit Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck


„Wenn man heute an eine Universität geht, muss man keinen Kurs in Logik belegen. Grundlegende menschliche Logik wird nicht mehr gelehrt. Menschen gehen an Universitäten und lernen Modelle auswendig, aber Denken lernen sie nicht mehr.“ 
(Prof. Dr. Heiner Flassbeck)
Am vergangenen Wochenende traf ich in Frankfurt den renommierten Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck. Flassbeck ist Autor des in diesen Stunden erschienenen neuen Atlas der Weltwirtschaft 22/23. In der aktuellen Ausgabe des „Spiegels“ von dieser Woche gibt es ein kurzes Interview mit ihm. 
Ich habe ein ausführliches und exklusives Gespräch geführt mit dem ehemaligen Berater von Finanzminister Oskar Lafontaine, damals in der Funktion als Staatssekretär im Finanzministerium, über unsere heutige Zeit und die Wirtschaft in dieser besonderen Epoche. Der ehemalige Chefvolkswirt bei der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung ist ein Mann der klaren Worte. – So lieben wir es im CdkW
Flassbeck ist eine echte und inzwischen rare Kompetenz, die am Tisch von G20 und anderen bedeutenden Treffen von Staats- und Wirtschaftslenkern saß und auch heute noch vernetzt ist. Freuen Sie sich auf einen Interviewfilm, der zurzeit noch in der Produktion ist und in wenigen Tagen hier im Club der klaren Worte in der Mediathek exklusiv zu sehen sein wird. Ich denke, ein Abo lohnt einmal mehr. Schon heute empfehle ich allen wirtschaftlich Interessierten unter Ihnen seinen Atlas.

 https://mailchi.mp/clubderklarenworte.de/deepfake-in-der-werbung?e=ff6b50c8a8


Die irren Top Ten der Woche
Die neue Kolumne von Peter Löcke beginnt so: „Der Club der klaren Worte ist keine klassische News-Seite. Das hat den Nachteil, langsamer als andere zu sein. Das hat den Vorteil, die Dinge sacken zu lassen und mit Abstand zu betrachten. Nachfolgende zehn Tweets und Nachrichten des Irrsinns stammen alle aus der ersten Novemberwoche. Um das Menü verdaulicher zu machen, habe ich es sarkastisch nachgewürzt. Guten Appetit.

 
Ich empfehle Ihnen diese Kolumne und die letzte Ausgabe der heuteSCHAU sehr und wünsche Ihnen einen gelungenen Abend.

Prost!

Ihr

Markus Langemann 

PS: Zerknülltes Papier wird nie wieder glatt. So ist es auch mit mißbrauchtem Vertrauen.
 
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