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Langemann trifft… clubderklarenworte

„…aber die Bilder sind falsch.“

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser. Der Vertrauensverlust in „die Medien“ ist in den vergangenen zwei Jahren enorm angestiegen. Die Gründe dafür habe ich im Club der klaren Worte versucht mit Experten zu ergründen und selbst auch Techniken der Propaganda – vorrangig in den alten Medien – aufgezeigt.  Das Interview mit dem Medienwissenschaftler Prof. Meyen von der LMU oder hier ein Beitrag vom August 2020, der nichts an Aktualität eingebüßt hat, sind nur zwei Beispiele des Versuchs, Ihnen Hintergrundwissen an die Hand zu geben. Jüngst hatte ich an dieser Stelle auch auf den dramatischen Auflagenschwund der Tageszeitungen aufmerksam gemacht. Wenn es nun geopolitisch und gesellschaftlich bis in das Private hinein geradezu zu tektonischen Verschiebungen kommt, was ist dann noch von Bestand von dem, was wir einst als wahr empfanden?  Bei der Betrachtung der jüngeren Geschichte gibt es doch zum Beispiel Ton- und Filmaufnahmen. Historische Dokumentationen. In diesen Dokumentationen ist in Bild und Ton festgehalten, wie es war. Dokumentiert eben. Wir haben es doch alle gesehen?! Die perfekten digitalen Manipulationstechniken waren doch noch nicht möglich. Das war doch also alles so wie abgefilmt. Nun, nicht unbedingt.
https://clubderklarenworte.media.video.taxi/
Konstantin von zur Mühlen ist Dokumentarfilmer, Produzent, Unternehmer. In Hamburg hütet er einen Schatz an historischem dokumentarischem, zumeist hochpolitischem Filmmaterial. Filmproduzenten und TV-Sender aus der ganzen Welt kaufen bei ihm, wenn sie historisches Bildmaterial benötigen. Viele der Filmbilder der NS-Zeit, die sich in unserem kollektiven Gedächtnis befinden, sind in seinem Besitz.  Können wir Dokumentarfilmbildern vertrauen? Bilden sie tatsächlich die Wirklichkeit ab? – Fragen von aktueller Brisanz, die ich mit ihm erörterte. Von zur Mühlen öffnete dafür exklusiv für den Filmproduzenten und Regisseur Rainer Spix und mich sein Archiv.  Wir haben von zur Mühlen in Hamburg besucht und erstmals den Versuch gewagt, in einem Interview die Frage nach den Techniken der frühen Filmdokumentationen zu ergründen, die ja uns als TV-Generation, die wir sind (ob wir wollen oder nicht), zu einem Großteil bezogen auf unser Verständnis von der Abbildung der Wirklichkeit prägten.  Rainer hat dabei als Regisseur mit seinem einzigartigen Film-Auge unser „Ad-hoc-Gespräch“ eingefangen. Schon in „Der Stachel“ und „Der Verschwörer“ hat Rainer die Bilder großartig festgehalten. Erst seine Bilder machen ein Interview rund, weil sie das Gesprochene, das Gefragte auf einer dritten Ebene perfekt beobachtend ergänzen. – Ich wünsche Ihnen freudige und erkenntnisreiche 45 Minuten.  Persönlich bin ich froh, dass diese Plattform wächst und Sie zu ihrer Existenz beitragen. Inhalte und Informationen wie beispielsweise auch in dieser ersten Folge von „Langemann trifft …“ hätten kaum eine Chance, durch die redaktionellen Filter von TV-Sendern zu gelangen. Hier ist es möglich.  Sie werden Erstaunliches hören und sehen in dieser neuen Filmreihe. „Langemann trifft …“ stößt das eigenständige Denken ebenso an wie der Champagner die Korken. Dass fliegende Korken blaue Augen verursachen können, ist bekannt. Wie kühn eigenständiges Denken sein kann, kennen Sie vielleicht von dem explosiven Satz „Schatz, was denkst du gerade?“.

Nun, selbst denken ist nicht nur anstrengend, sondern manchmal auch „gefährlich“. Ich freue mich jedenfalls über ein reges Sicheinlassen auf den Beitrag und sehr gerne auch über Empfehlungen. Auch wenn Ihnen nicht danach zumute sein mag, Kichern ist dennoch förderlich für die Gesundheit. Mindestens deswegen gibt es hier die „heuteSCHAU“.  
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Ich grüße Sie herzlich!
Ihr  Markus Langemann PS: Das Wunderbare an diesem Club ist: Wir dürfen sagen, was wir denken, auch wenn es gelegentlich politisch unkorrekt erscheint.  Halleluja! Noch gibt es ja auch Unterschiede zwischen Mann und Frau. Gott sei Dank. Frauen wollen zum Beispiel gar nicht hören, was du denkst. Frauen wollen nur hören, was SIE denken, nur mit tieferer Stimme.
Wir arbeiten wirtschaftlich und politisch unabhängig. Nur so ist kritischer Journalismus möglich, der aktuell eine historische Chance bekommt. Wahre Unabhängigkeit im Journalismus setzt finanzielle Unabhängigkeit voraus. Der Club der klaren Worte ist ein pro bono Projekt der Langemann Medien GmbH, deren Geschäftstätigkeit im Bereich der Kommunikation fernab des Journalismus liegt. Wenn Sie den Club der klaren Worte unterstützen möchten, empfehlen Sie uns gerne in Ihrem Kreis. Zuwendungen fließen in Serverbetrieb, Hosting, grafische Gestaltung, Technikinvestition, Informantenhonorare, Kameraequipment und zunehmend auch in kostenintensive juristische Beratung zur Aufrechterhaltung dieses Angebotes. Vielen Dank.
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Was die Amis richtig gut können — clubderklarenworte

Zwischen Amüsement und Verzweiflung

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser. Auch wenn wir an dieser Stelle häufiger am harten Brot der gesellschaftlichen Transformation beißen, es besprechen und bewerten, sei daran erinnert, der Mensch lebt nicht von selbigem allein. Die heitere, leicht verdauliche Kost ist für ein wohlbalanciertes Sein zwingend erforderlich. Nun sagt man dem deutschen Wesen allgemein ein verkrampftes Verhältnis zum Leichten, gar zum Humor nach. Ich wage dennoch heute mit Ihnen den Schritt auf dieses dünne Eis. Zudem ist es uramerikanischer Content, den ich Ihnen zum Amüsement empfehlen möchte. Jaja, bitte unterlassen Sie es, jetzt politisch korrekt zu missbilligen: „Herr Langemann, muss es denn ausgerechnet amerikanischer Humor und dann auch noch das Wort ,Content‘ sein?“ Ich bitte Sie! Wenn die Amis etwas richtig gut können, dann doch Propaganda, Kriegstreiberei und – natürlich – auch Entertainment. Manchmal lässt sich Vorgenanntes sogar darunter zusammenfassen. Gut, inzwischen können sie auch globale Innovation und Geschäftsmodelle ganz ordentlich, wie etwa Twitter, Instagram, Facebook, Amazon, PayPal, Google, Youtube, Netflix, Airbnb, Apple, Microsoft, Mastercard, Visa, Amex, Tesla, McDonald’s, Uber. Und ein paar andere.  Aber sie haben nur 20 Flugzeugträger. Andere Länder haben beispielsweise gar keine. Nun, wir Deutsche können dafür auf Universalgelehrte wie Goethe und Dramatiker wie Schiller verweisen. Zugegeben, die haben heute etwas an Einfluss verloren. Aber dafür haben wir auch mal den Buchdruck und das MP3-Format erfunden, das reicht doch über die Jahrhunderte. Außerdem ist da der weltweit respektierte große Denker und bedeutende Staatsmann Olaf Scholz an der Spitze unseres Landes. Und die nationale Humor-Tankstelle mit seinen feingeistigen Pointen ist Herr Oliver Pocher. Läuft doch. Ich höre Sie jetzt fragen: „Siehste, wofür brauchen wir die Amis also noch in Humorfragen?“ – Sie haben halt auch in Fragen des leichten Entertainments ein paar echte schwere Geschütze. Schauen Sie mal bei David Letterman auf Youtube vorbei. Seit Kurzem hat er dort einen eigenen Kanal, auf dem Sie Bits aus seiner 1982 gestarteten legendären „Late Show“ sehen können. 6.028 Sendungen, erst bei NBC, später bei CBS, 33 Jahre, bis zum Mai 2015.

Ein Fundus an wunderbar leichter Unterhaltung. Über die weltweite Bedeutung von Letterman für die nun sterbende TV-Branche, die unterhaltende allemal, muss ich hier nicht schreiben. Wenn Sie ein Faible für amerikanische leichte Momente haben, kann Ihnen dieser Kanal viele Stunden Dauergrinsen bescheren. Ist ja gut für die Gesunderhaltung im Allgemeinen und die der Erdanziehung anheimzufallen drohenden Gesichtsmuskeln im Besonderen.
In diesen Zeiten, in denen vor allem von den medienschaffenden Kleingeistern Vokabeln wie „Dritter Weltkrieg“ oder „Atomschlag“ so unfassbar und unverständlich leicht über die offenbar vom jeweiligen Hirn entkoppelten Lippen gehen, braucht es eben gelegentlich leichten Stoff als Regulativ für die Psychohygiene.
Sicher geraten Sie in kleiner Diskussionsrunde gelegentlich an den Punkt, an dem es Ihnen schwerfällt, argumentativ den Anwurf zu parieren, wie es denn sein könne, dass „die in Berlin“ keine Ahnung haben sollen von dem, was sie treiben; wie ausgerechnet Sie aus alternativen Informationsangeboten Belege auf den Tisch legen können, von denen „die in Berlin“ nichts wissen. „Die in Berlin sind gewählt und damit wissen die schon, was sie machen.“ So das Bollwerk der Bornierten.
In diesem sehr feinen Fundstück gibt Dr. Hans-Georg Maaßen einen Einblick in die politische Arbeit in Berlin, die nicht nur eines Loriot-Preises würdig wäre, sondern auch noch erklärt, warum wir gerade stehen, wo wir stehen.
https://www.youtube.com/watch?v=RP8GAGGVU-Q

Eine weitere Neuerung, die Sie angestoßen haben: Viele Leserinnen und Leser hatten sich für die Mediathek gewünscht, Film- oder Videobeiträge nicht einzeln zahlen zu müssen, sondern im Jahresabo. Wir haben dies nun technisch realisiert. Für einen Betrag von nur 0,27 Cent pro Tag erhalten Sie ein Jahr lang auf alle derzeitigen und künftigen Produktionen vollen Zugriff. Das Jahresabo ist für Sie bequem und uns ermöglicht es eine bessere Planbarkeit von neuen Projekten. Es finanziert zwar nicht unsere Arbeit, ist aber ein sehr hilfreiches Instrument, um das CdkW-Angebot weiter auszubauen. Bitte nutzen Sie das Angebot bis zum 1. August noch heute. Gehen Sie dazu einfach auf ein beliebiges Video mit Bezahlschranke, hier in der Mediathek, und wählen Sie die Option Jahresabo aus. Vielen Dank!
https://clubderklarenworte.media.video.taxi/
Ihre Anregungen in den vergangenen Wochen habe ich aufgegriffen. Bei Literaturempfehlungen hatten Sie sich gewünscht, nicht auf den größten globalen Onlinehändler zu verweisen. Ich möchte deshalb den heimischen Buchhandel unterstützen, jene Buchhändler und engagierten Verlage und Handelsplattformen, die ihre Steuerabgaben auch hier im Land leisten. Deshalb arbeite ich künftig mit der etwas provokativ lautenden Onlinebuchhandlung „Buchkomplizen“ des feinen Westend Verlags zusammen. Über die Buchkomplizenschaft bekommen Sie alle Bücher aller Verlage. So wie Sie es vom Jeff-Bezos-Unternehmen kennen. Sie finden auf der Website clubderklarenworte.de ab sofort einen Buchshop in Zusammenarbeit mit den Buchkomplizen, es gehört ja schon fast etwas Banditenschaft dazu, sich der amerikanischen Shoppingkultur zu entziehen.
Vielleicht haben Sie ja schon Gelüste auf Schlauchbootgummi-Geruch, Sonnencremehaut und Sand zwischen den Seiten eines Buches. Wunderbar leichte Urlaubslektüre von Kurt Tucholsky bis zu politischen Einblicken mit dem Historiker Dr. Daniele Ganser habe ich Ihnen hier zusammengestellt. Sind Bücher auch Ihre Haustiere, dann freuen Sie sich möglicherweise über gelegentliche Empfehlungen in den Newslettern. Auch wenn Sie als Kind nicht in eine Buchhandlung gefallen sind, macht Offline-Lesen stark.
https://media.video.taxi/embed/YdIyS588gKYG
Gemeinsam mit dem wunderbaren Produzenten Rainer Spix habe ich den Dokumentarfilmer Konstantin von zur Mühlen besucht. Er verfügt über einen enorm großen Schatz an historischen Filmaufnahmen und ein Spezialwissen über den Umgang mit Bewegtbildern in Dokumentationen. Erstmals hat Konstantin von zur Mühlen für uns sein Archiv mit rund 15.000 Filmrollen geöffnet. Wann immer TV-Sender, von ARTE bis zum japanischen Fernsehen, historisches Doku-Bildmaterial benötigen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, das sie bei von zur Mühlens Firma Kronos Media fündig werden.
Ich wollte von Konstantin u. a. lernen, wie wahrhaftig diese Bilder sind. Gerade auch Kriegsbilder. Wie wahrhaftig die Sender mit diesen Bildern umgehen und ob Dokumentationen und Bewegtbildern zu trauen ist. Fragen von hochaktueller Brisanz.
https://media.video.taxi/embed/YdIyS588gKYG

Für die 45-minütige Dokumentation „Langemann trifft …“, in wenigen Tagen hier exklusiv in der Mediathek abzurufen, haben wir das Archiv seiner Firma in Hamburg besucht. Sie erfahren in dem Interview erstaunliche Hintergründe über Bilder, die uns im kollektiven Gedächtnis sind. Einige beeindruckende Dokumentationen von Kronos Media finden sich bereits jetzt in der CdkW-Mediathek. Rainer und ich, wir freuen uns, wenn Sie dabei sind.
Die jüngste Kolumne von Peter Löcke lesen Sie hier. Ich vermute, mit Vergnügen.
So, nun ist es Zeit für den letzten Kaffee, wenn Sie diese Zeilen noch am Sonntagabend lesen. Übrigens: Kaffee schmeckt wirklich noch besser, wenn Laphraiogh drin ist und kein Kaffee.
Erreichen Sie diese Zeilen erst am Montagmorgen, werden Sie die jüngsten Erkenntnisse „der Wissenschaft“ interessieren: Die Gravitation ist keine Konstante, sondern variabel – und an jedem Montagmorgen im Bett am stärksten. Auch hier hilft Kaffee. Kaffee fragt nicht, wo du letzte Nacht gewesen bist. Kaffee versteht dich. 
So oder so wünsche ich Ihnen einen guten Start in den Montag. Den Olaf unter den Wochentagen. 
Ihr
Markus Langemann

PS: Wer Senseo für echten Kaffee hält, hält Tessa Ganserer auch für eine echte Frau. 

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Die Sicherheit im Land — clubderklarenworte

Gerne Hannah Arendt als Beifahrerin.

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser.

Kann man an einem Papierkorb den Zustand einer ganzen Gesellschaft ablesen? Man kann. Ein unschuldiger Papierkorb, der seinen stillen Dienst unter einem Handwaschbecken im WC eines Bürohauses in München-Grünwald verrichtet, erzählt mehr über den Zustand der deutschen Gesellschaft als jede feuilletonistische Feder in taz oder FAZ. 

Der Papierkorb und ich, wir kennen uns flüchtig. Er fristet schräg über den Gang von meinem Büro, hinter einer Tür, sein dienstbares Dasein. Selten würdige ich ihn eines Blickes, was an meiner routinierten Handbewegung liegen mag, mit der ich mit einer gewissen Geschäftigkeit normalerweise die rauen, saugstarken Papiertücher als Knäuel über ihm der Schwerkraft überlasse. Er fängt sie geräuschlos und professionell auf. Er und ich, wir sind ein eingespieltes Team. 

Letzten Freitag war alles anders. Mein Füller hatte wieder seine inkontinenten Minuten, ich war blau. Wie damals, als ich noch mit Geha schrieb. Dem roten natürlich.* Mein an der Innenseite königsblauer Mittelfinger vom leckenden Schreibgerät der Schweizer Richemont-Gruppe führte mich also zum Handwaschbecken. Und gerade als ich nach Reinigung das Papier dem freien Fall überlassen wollte, sah ich ganz Deutschland in a nutshell.

Auf der Innenseite am oberen Rand des Papierkorbes! – Sie glauben mir nicht? Bitte!

Vermutlich glotzte ich schon lange nicht mehr so dämlich aus meiner Wäsche. Ich denke, an die fünf Minuten starrte ich verstört an des Korbes Rand, nahm ihn hoch, schaute und las immer wieder. Es ging nicht weg. Schließlich machte ich ein Smartphonefoto. Was man halt so macht, um skurrile Moment festzuhalten.

Dort am Innenrand klebte jetzt eine Prüfplakette – so nennt man das wohl –, die den Papierkorb ab sofort als Sicherheitspapierkorb auswies. Direkt neben einer TÜV-Plakette. 

Ich bitte Sie! Ein Papierkorb! Safe!

Ich erinnerte mich, vor wenigen Tagen einen adipösen Ingenieur unter jeden Bürotisch kriechen gesehen zu haben, um dort alle Stecker, Ladegeräte, Kaffeemaschinenkabel, Stehlampen, Mehrfachsteckdosen und sonstigen Elektrokram einem Sicherheitscheck zu unterziehen. „Kaskadierungen“ bei Mehrfachsteckdosen seien sehr gefährlich, glaubte ich den armen Mann murmeln gehört zu haben. (Jedenfalls hatte ich in diesen Tagen in der Nacht gar mal von „Kaskadierungen“ geträumt.) Es war wohl jener gut ausgebildete, hoch qualifizierte, kurz vor der Verrentung stehende Gutachter, der auch den Papierkorb als „safe“ klassifizierte. 

„Sicheres, aber armes Deutschland!“, dachte ich mir. Eine Gesellschaft, in der Menschen ihr Brot damit verdienen, Papierkörbe mit Sicherheitsplaketten zu versehen, zu überprüfen, ob der Korb nächstes Jahr auch noch sicher ist, um ihn dann erneut zu zertifizieren, zeugt von Völlerei an sinnentleertem Tun. Noch schwerer wog für mich die Ernsthaftigkeit, mit der ein Papierkorb in Deutschland als „safe“ qualifiziert wird.

Aber was kann ich auch von einer Vollkaskogesellschaft an Mut und Lebenshunger erwarten, wenn allabendlich die TV-Erzählung vom drohenden Virentod frei Haus geliefert und mit dem apodiktischen #wirbleibenzuhause an der Bildschirmkante paralysiert aufgesogen wird? Wohl nicht mehr als zähneklappernden Dumpfsinn jener, die seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts ihr Leben rund um Safer Sex und heute um Sicherheitspapierkörbe organisieren.

Ich denke mir, wir haben es nicht anders verdient. Wir leben in einer Egalität von Niveau und Geist, in der alles, was menschliche Größe ausmacht – Vornehmheit, Würde, Standhaftigkeit oder eine Art „lachender Mut“, wie Hannah Arendt es mal formulierte –, eingetauscht wurde gegen Joko und Klaas. 

Nur noch eine Umdrehung weiter und uns wird empfohlen, sich operativ die Mund-Nase-Bedeckung anflanschen zu lassen. Für ein langes Leben und die Moral, die anderen zu schützen. Safe! „Das sind nun mal die Regeln“ wird es dann heißen.

In ihrem Text „Über das Böse“ schreibt Arendt treffend, „daß die Anrufung von moralischen Prinzipien in Angelegenheiten des alltäglichen Verhaltens gewöhnlich ein Schwindel ist“. Schwindelige Zeitgenossen mit ihren Schwindelmaschinen haben derzeit Hochkonjunktur. 

In der Causa Ukraine scheint diese Maschinerie auf Hochtouren zu laufen, oder wie soll man diesen Artikel von der Bundeszentrale für politische Aufklärung bewerten? Vor gerade mal zwei Jahren veröffentlicht. Den alten Medien passt er nicht in ihr Drehbuch. 

Auch dieser hier nicht.

Irre. Safe! 
Vielleicht sitzt Olaf ja in diesen Stunden über diesen öffentlichen Quellen, kratzt sich am Hinterkopf und denkt sich „Heilige Scheiße!“. Es würde vielleicht erklären, warum er gerade relativ selten zu hören ist.

Apropos relativ! Es gibt eine neue Kolumne von Peter Löcke, die ich Ihnen sehr empfehle. 

In der Mediathek finden Sie jetzt zwei wertvolle Dokumentationen: Teil 2 der „Hamburg Story“ und „The Spirit of Liberation“, die beeindruckende Dokumentation von Konstantin von zur Mühlen zur Geschichte der Befreiung Europas. 1944/45 in Originalfarbe, mit zeitgenössischen Aussagen, Zitaten, Karten etc. Sie sehen den Untergang des Dritten Reiches, das letzte Kriegsjahr und die Befreiung Europas vom Naziregime so anschaulich wie nie zuvor. Erschütternde Bilder, sorgfältig dokumentiert von den mutigsten Kameramännern ihrer Zeit und einmalig bearbeitet. In aller Bescheidenheit, man muss sie gesehen haben. „Der Geist der Befreiung“ wurde erstmals auf dem DOK.fest München (gefördert vom Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt) 2017 gezeigt.

Wagen Sie unbedingt auch auch, mit Antje Maly-Samiralow und ihren zwei Gästen im Salon mitzudenken.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in eine neue Woche, hier im Handwaschbecken-Sicherheits-Papierkörbe-Land.

Und ja, das Leben ist gefährlich. Sie wissen, wie es endet.

Ihr 
Markus Langemann

* Ja, ich war von der Geha-Fraktion, dem Pelikan strategisch überlegen, da doppelseitig nutzbare Tintenpatrone, mit Sichtfenster und natürlich Reservetank. Aber davon andermal mehr.

PS: Sollten Sie  ein Feedback-Zucken in den Fingern verspüren, oder Anregungen senden wollen, Schreiben Sie mir gerne hier.

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Das Denken im Stresstest — clubderklarenworte

„Ist das Denken unter die Räder gekommen?“

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser.

Friedrich Nietzsche hatte ein bekennend gestörtes Verhältnis zur Demut, Anne Spiegel würde ich aus der Ferne betrachtet das Offensichtliche attestieren. Ihr scheint der Begriff gar fremd. 

Die Demut, dem Volk als Familienministerin dienen zu dürfen, wissend und akzeptierend, dass dies nur ausschließlich im Vollbesitz der mentalen und physischen Kräfte möglich und selbstverständlich ist, war ihr entweder nie bekannt oder gehörte zu ihrem moralischen Balastabwurf, um an politischer Höhe zu gewinnen. 

Die Staatsdienerin war schwach und bediente sich des Hochmutes aus der ihr anvertrauten Machtfülle des Amtes, ihren Arbeitgeber, das Volk, zu belügen. Sie nahm nicht, wie das Protokoll später aufdeckte, aus dem Urlaub heraus an Sitzungen teil, wie sie die Öffentlichkeit glauben machen wollte. 

Die Überforderung durch familliäre Belastung und die Last der Verantwortung des Amtes standen ihr wie kaum einem anderen deutschen Politiker zuvor in Leuchtbuchstaben auf der Stirn. 

Frau Spiegel ist in Person so eine Art Lackmustest für den Zustand der Gesellschaft, zugleich ein wandelnder Themenplan für die nächsten TV-Talkshow-Theater. Von „Doppelbelastungen von Frauen“ über den „Sinn von Proporzbesetzungen in Führungspositionen“ bis hin zur „moralischen Deformation durch Machtgewinn“ und zu der Frage „Haben wir in der Regierung dieses Landes tatsächlich das bestmögliche Führungspersonal eingestellt?“.

Die Diskussion zur Bedeutung der aus der Mode gekommenen Demut wäre wohl nicht dabei. Dabei könnte mal eine ARD-Themenwoche „Demut“ eine gute Idee sein.

Demut hat, wie Egon Bahr einmal sagte, eben auch viel mit Einsicht zu tun. So gesehen ist Demut im Politikbetrieb dieser Tage ein weiteres Fremdwort, dessen Bedeutung die Berliner Lappen erst nachschlagen müssten.

Im siebten Kapitel der Regeln des heiligen Benedikt über die Demut heißt es: „Ganz sicher haben wir dieses Herab- und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf.“  

Auch wenn die Demut durch eine ausschließlich unterwürfige Interpretation der Kirche schwer gelitten hat, allein deswegen für große Teile der hedonistischen Gesellschaft weniger gefragt ist, haben die Benediktiner mit dieser Regel einen funktionierenden humanistischen Kompass in ihren Abteien installiert.

Vielleicht sind ja diese österlichen Stunden auch gut tauglich für Einkehr, Besinnung und private Neuentdeckung. Oder die Auferstehung des Denkens. 

Zeit für gute Gespräche mit Antje Maly-Samiralow.
Im Club der klaren Worte bemühen wir uns aktuell darum. Deswegen zeigen wir Ihnen nur hier, exklusiv, eine Gesprächssendung, wie Sie sie vielleicht schon lange vermissen. Die Rückkehr des Salongesprächs. Mit Antje Maly-Samiralow. Sie ist Gastgeberin in „Frau Antjes Salon“. Zeit für gute Gespräche, ohne grelles Talkshowlicht, dafür mit Feuer im Ofen und Aussagen der Professoren Heinzlmaier und Walach, zwei hochkarätigen Gästen, an denen man sich auch verbrennen kann. 

Das Gespräch findet statt ohne Zeitkorsett, wir erlauben ganze Sätze und missbilligen Phrasen. Setzen Sie sich einfach zwei Stunden dazu, trinken Sie dabei, was Sie lieben, essen Sie dazu, was Sie froh macht. So wird die Zeit im Salon zu einem Labsal für Geist und Seele. 

Ja, dieser Salon ist ein Gegenentwurf zu Plastiktalkshows im TV. Lassen Sie uns bitte unbedingt wissen, ob Sie weitere Folgen sehen möchten. Schreiben Sie mir Ihr Feedback gerne hier. Und auch, welche Gäste und Themen Sie interessieren.

In dieser ersten Folge steht das Denken im Zentrum des Gedankenaustauschs. Hier sehen Sie einen Ausschnitt aus der Sendung mit Antje Maly-Samiralow und ein Interview mit Prof. Dr. Maximilian Ruppert zur neuen Akademie der Denker.

https://youtu.be/Muzq4CqhY4Y
Professor Ruppert wie auch die Gäste von Antje beweisen vielfach Mut beim Formulieren von Gedanken mit offenem Visier.

Über den Mut und die Korrelation zur Fallhöhe hat Peter Löcke eine wunderbare Kolumne hier geschrieben. Die neue Ausgabe der heuteSCHAU finden Sie hier bei GETTR.

Ihre Unterstützung macht die Entwicklung unseres Angebots möglich. Vielen Dank. – Sollten Sie sich entschließen, mit einem Dauerauftrag unsere Arbeit zu unterstützen, möchten wir uns mit einem Mediathek-Ticket bei Ihnen bedanken. Mit diesem Ticket erhalten Sie sechs Monate Zugang zu allen aktuellen und künftigen Veröffentlichungen, ohne weitere Kosten. 

Schreiben Sie mir bitte hier, wenn Sie bereits zu den Dauerunterstützern gehören oder jetzt zu einem werden. Sie erhalten in den nächsten Tagen an Ihre E-Mail-Adresse herzlich gerne den Zugangscode. 

Genießen Sie die Osterstunden, ich bin schon von den Torten auferstanden.

Herzlichst

Ihr 
Markus Langemann


PS: Es ist Ostern! Wann, wenn nicht jetzt, wäre die richtige Zeit, mal über ungelegte Eier zu sprechen?
 
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Der Tod Europas? — clubderklarenworte

Die Geburt einer neuen Ordnung

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser. Ein Perspektivwechsel erfordert grundsätzlich eine gewisse Gelenkigkeit. Mindestens in den Hüften. Bei Journalisten war der Wechsel von Perspektiven sogar ein bedeutender Teil des Handwerks. Heutzutage kaufen viele Publikations-Plattformen was sie als Journalismus verkaufen, im Textbaustein-Baumarkt ein. Durchblitzende Fugen, die ein Lüftchen an eigenem Denken erlauben könnten, werden mit Moral-Paste zugeklebt. So entsteht eine glatte Oberfläche, an der kein eigener Gedanke haften bleibt. Keine Rauhfaser die Spannung und Reibung erzeugt. Contentproduktion ist aber kein Journalismus!

Ich denke, es kann erfrischend für den Geist sein, wenn man auf die aktuelle europäische Politik mit den Augen eines Menschen schaut, der seine Heimat in Estelí, Nicaragua, hat. 

In Lateinamerika hat man traditionell, nicht nur topografisch bedingt, einen anderen Blick auf die Weltlage. Augusto Zamora Rodríguez schreibt hier Klartext. Sie müssen seine Sicht der Dinge nicht teilen, sie mag Ihnen aber vielleicht eine Bereicherung in Ihrer Sicht auf die Welt sein. Sie können hier gerne auch kommentieren.

Mir ist der Mann allein deswegen sympathisch, weil er auf seiner Facebook-Seite kürzlich seinen Lesern einen „angenehmen, duftenden und kaffeeerfühlten Tag“ wünschte. 
Artikel als PDF und Download
Ich wünsche Ihnen einen schönen Lese-Abend.

Ihr

Markus Langemann


PS: Gasthaus im Bayerischen. Gestern. Keine Maskenpflicht mehr.
Gruppe mit vier Menschen kommt in die Wirtschaft.
Wirt: „Sie können die Masken abnehmen.“
Gruppe: „Wir wollen aber lieber …tragen.“
Wirt: „Ich habe hier aber Hausrecht. Runter damit.“

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Vom Konformitätsdruck — clubderklarenworte

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Von der Zeit der semantischen Umdeutungen

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser.

Ulrike Guérot ist Politikwissenschaftlerin und hat derzeit die Professur für Europapolitik an der Universität Bonn. Ihr aktuelles Buch „Wer schweigt, stimmt zu“ trägt den Untertitel „Über den Zustand unserer Zeit und darüber, wie wir leben wollen“. Da Medien Wirklichkeit schaffen, möchte man ergänzen: „Über den Zustand unserer Medien und wie wir publizieren dürfen“. Frau Guérot hat am vergangenen Montag im Rahmen einer Verlagsveranstaltung in Frankfurt Fragen zu ihrem Spiegel-Bestseller beantwortet und auch einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Textes erlaubt, den sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk so beschreibt: „Mein Anspruch war, auf zwei Jahre Pandemiegeschehen zu schauen und darauf, wie das eine Gesellschaft und eine Demokratie verformt hat.“

„Oha!“, dachte sich der in der Verformung lebende Verfasser dieser Zeilen. Wenn mal dieser rasant mutige Anspruch der Autorin selbige nicht noch aus der Diskurskurve trägt. Kaum gedacht, schon von der Autorin selbst beschrieben. Der zwischen Weihnachten und Neujahr entstandene Essay gelangte nach Fertigstellung zu ihrem Verlag. Dieser zeigte sich sodann enteiert. Der Schilderung nach sagte ihr der Verleger nach Lesen des Textes, ihn so nicht veröffentlichen zu wollen: „Das stehen wir in den sozialen Medien nicht durch!“ Das war der Moment, in dem ich lieber die Flasche Rotwein auf ex angesetzt hätte als nur das mir zugereichte Glas. Die von Guérot beschriebene Verformung hatte also ganz offensichtlich auch schon den Kopf ihres Verlegers erwischt. 

Nun, so wechselte sie also zu einem neuen Verlag. Dem mutigen Westend Verlag, der in Turbozeit das Buch produzierte. Recht so.

Im Werk finden sich Sätze wie dieser: „Dass der Mittelstand hinweggefegt wurde, dürfte eine Tatsache sein, und jeder, der ein paar Essays über die Ursprünge totalitärer Herrschaften gelesen hat, weiß, dass diese fast immer mit der Vernichtung des Mittelstandes beginnt.“

In der Veranstaltung spricht Guérot dann weiter Klartext. „Wer von Anbeginn so einen Skeptizismus hatte wie ich, der hat sich andere Quellen gesucht. Die gab es. Die waren nur schwer zu finden und wurden unterdrückt. Die Ersten, die gesprochen haben, Hockertz, Wodarg, wer auch immer, jene mussten das Land verlassen, denen sind die Bankkonten gesperrt worden. Das muss man einfach mal sagen: Es sind Bankkonten gesperrt worden von Leuten, die kritische Videos drehen, es sind Leute entlassen worden, es sind Leute gekündigt worden. Alles in einer Demokratie.“ 

Vor der Tür des Veranstaltungsortes, draußen, mitten im blauen Dunst der Zigarette danach, sagte mir die Grande Dame der Bemühung um eine europäische Republik, sie habe schon im Kalkül ob ihres klaren Textes nun auch noch mit Kalamitäten an ihrer Uni rechnen müssen.

„Mon dieu!“, denke ich mir. Wo sind wir hingekommen? Sind es tatsächlich nur noch die freien Radikalen, die sagen können, was sie denken? Also jene, die weder vom Wissenschafts- noch vom Medizin- noch vom Medien- oder Politikbetrieb abhängig sind? Es scheint so. So tat mir jüngst eine erfahrene Literaturagentin kund, sie sei enttäuscht von der deutschen Buchbranche. Kein großer Verlag wage sich an ein kritisches Buch zur aktuellen Gesellschaftsverfassung.

Grund genug, Ihnen also das Werk von Prof. Dr. Ulrike Guérot ans Herz zu legen. Machen Sie sich bitte die kleine Mühe und bestellen Sie es im Shop des Westend Verlages und nicht beim transatlantischen Megakonzern. Stärken Sie den heimischen Umsatz. Der Shop des Westend Verlages heißt etwas kriminell-verwegen „Buchkomplizen“, aber ich versichere Ihnen, die Verlagsmannschaft dahinter habe ich kennengelernt: Sie bewegen sich alle auf der hellen Seite der Straße. Ein wenig kriminelle Energie braucht es allerdings wohl in diesen Zeiten, und sei es nur eine verbale Komplizenschaft, um sich den globalen Internetshopping-Giganten zu widersetzen. Vielleicht ein kleiner Ostershopping-Lesetipp.

https://wordpress.com/post/geistblog.org/182589

Der Herr der Rollen

Nur 48 Stunden zuvor habe ich mit Rainer Spix, dem wunderbaren Produzenten und Regisseur, mit dem ich schon bei „Der Stachel“ und „Der Verschwörer“ zusammenarbeiten konnte, einen Film in Hamburg mit und bei dem Dokumentarfilmproduzenten Konstantin von zur Mühlen gedreht. Konstantin hat uns seine Schatzkammer geöffnet. Die filmische und die seines Wissens. 12.000 Filmrollen lagern im Archiv der Chronos Media GmbH von Konstantin von zur Mühlen. Ein unfassbarer Schatz von Originalaufnahmen. Angefangen vom Ende des 19. Jahrhunderts über die Zeit des Nationalsozialismus und die Nürnberger Prozesse bis hin in die 50er-, 60er- und 70er-Jahre. Auf Zelluloid dokumentierte Geschichte. Einige dieser Dokumentationen sehen Sie in der Mediathek; neu gerade die „Hamburg Story – das Tor zur Welt“ (Teil 1)

Aber darf man dokumentarischen Bildern trauen? Geben sie die Wirklichkeit wieder? Wir haben Unfassbares erfahren. Den Film über die Wirklichkeit des Dokumentarfilms werden Sie in einigen Wochen hier sehen. Freuen Sie sich auf ein spannendes Porträt. Es lehrt uns viel über den anzuratenden Blick auf die bewegten Bilder, gerade auch die Kriegsbilder der Gegenwart.

https://vimeo.com/593744291

Mitschnitt einer Unterhaltung mit Rainer Spix, am Set.

Die aktuelle Ausgabe der „heuteSCHAU“, Folge 8, sehen Sie hier oder hier auf GETTR. Den neuen Löcke lesen Sie hier. Und den Artikel zum Lollitest haben wir Ihnen hier nochmals zum Downloaden und Vervielfältigen zur Verfügung gestellt.
https://vimeo.com/593744291
Ich wünsche ihnen einen schönen Abend.
Prost!

Ihr
Markus Langemann


PS: Sich im Lokal nah zu einer Dame setzen um ihren Hund zu beobachten und bei näherem Hinsehen feststellen, daß es nur Fellstiefel sind. I did it. 2. April. Winter in Deutschland.

Wir arbeiten wirtschaftlich und politisch unabhängig. Nur so ist kritischer Journalismus möglich, der aktuell eine historische Chance bekommt. Wahre Unabhängigkeit im Journalismus setzt finanzielle Unabhängigkeit voraus. Der Club der klaren Worte ist ein pro bono Projekt der Langemann Medien GmbH, deren Geschäftstätigkeit im Bereich der Kommunikation fernab des Journalismus liegt. Wenn Sie den Club der klaren Worte unterstützen möchten, empfehlen Sie uns gerne in Ihrem Kreis. Zuwendungen fließen in Serverbetrieb, Hosting, grafische Gestaltung, Technikinvestition, Informantenhonorare, Kameraequipment und zunehmend auch in kostenintensive juristische Beratung zur Aufrechterhaltung dieses Angebotes. Vielen Dank.
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Die Abhängigkeits- und Pazifismusfalle — clubderklarenworte

Gastkommentar von Dr. Hans-Georg Maaßen

In der Falle

Während des Kalten Krieges galt die Sowjetunion als unser Feind, nach der Wiedervereinigung waren Sowjetunion und dann Russland plötzlich Partner und Freund. Als ich Anfang der 2000er Jahre in Russland ein Abkommen über Visumerleichterungen für Schüler, Studenten und Städtepartnerschaften aushandelte, wollten sich Politik und Medien nicht vorstellen, dass es auch einmal anders sein könnte. Bundeswehr, Spionageabwehr und Zivilschutz wurden heruntergefahren. Wofür noch Luftschutzbunker oder Sirenen? Oder die Wehrpflicht, die unter Merkel abgeschafft wurde? Wofür ein Regierungsbunker für den Krisenfall, den es noch zu Zeiten des Kalten Krieges in Marienthal gab. Beamte, die meinten, es könne auch wieder anders sein, wurden als Kalte Krieger diffamiert. Politik und Medien vertraten kraftvoll die Überzeugung, wir seien endlich im Zeitalter des ewigen Friedens angekommen: nie wieder Krieg. Und wir müssten statt Soldaten Entwicklungshelfer in alle Welt aussenden, die die Frohe Botschaft von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verkünden.  Jetzt sieht die Welt anders aus. Aus Freunden wurden Gegner. Dass das so kommen könnte, hätte eigentlich jeder sehen können, der einigermaßen bei Verstand ist und die russische Politik der letzten Jahre verfolgte. Mahner gab es genug. Deutschland hätte sich auf ein solches mögliches Szenario einstellen müssen. Dass dies in Deutschland unter den Regierungen Schröder und Merkel nicht gemacht wurde, ist schlimmer als Versagen, es war Vorsatz. Schröder und Merkel standen in einer bemerkenswert intransparenten persönlichen Beziehung zu russischen Regierungsstellen und hatten Deutschland faktisch demilitarisiert und in eine ökonomische Abhängigkeit von Russland und China geführt. Energiepolitisch abhängig von Russland, was durch den Atomausstieg und die ideologische „Energiewende“ noch vergrößert wurde. Wir hatten uns nie um Lebensmittel kümmern müssen; sie waren einfach da. Das wird sich vermutlich ändern, weil wir inzwischen abhängig sind von Russland, Weißrussland und der Ukraine. Jede Sanktion gegen Russland mag Russland treffen, aber auch und vor allem Deutschland. Und das ist nicht alles: durch Merkel sind wir in eine wirtschaftliche und technologische Abhängigkeit von China gebracht worden, das am 4. Februar, wenige Wochen vor dem Ukrainekrieg, mit Russland eine „unbegrenzte“ Partnerschaftsvereinbarung einging. Wenn es einen Konflikt zwischen dem Westen und China gibt, hat dies schwerwiegende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Kurzum, Deutschlands Lage im Bereich der Verteidigung und des Zivilschutzes ist schlecht, hinsichtlich der Versorgung und Wirtschaft sind wir nicht unabhängig. Wir sind unter Merkel langsam in die Abhängigkeits- und Pazifismusfalle geraten. Deshalb sollte man sich ohne Bündnisverpflichtung in keinen Konflikt hineinbegeben, denn mit Lichterketten kann man keinen Krieg führen und schon gar nicht gewinnen.  Gleichwohl gibt es in deutschen Medien ein anschwellendes Kriegsgeheul, dem sich auch einzelne Politiker nicht verschließen. Mathias Döpfner, Chef des Springer Verlages und einer der mächtigsten Medienleute Europas, schrieb in einem Kommentar seiner Bild-Zeitung, die NATO müsse sofort militärisch auf Seiten der Ukraine eingreifen, um die freie Welt zu retten. Das bedeutet nicht weniger als eine militärische Auseinandersetzung zwischen der NATO und Russland. Was das bedeutet, sollte jedem klar sein: ein nicht mehr regional begrenzter Krieg, der mit einiger Wahrscheinlichkeit in einen Weltkrieg münden könnte. Döpfner steht mit seiner Position in Deutschland nicht allein. In Medien wird mit emotionalisierenden Bildern und Berichten über die Opfer des Ukrainekriegs Stimmung für eine militärische Unterstützung der Ukraine gemacht. Es ist ein mediales Trommelfeuer gegen die Vernunft mit dem Tenor, wir dürften nicht tatenlos zusehen, wie Russland die Ukraine erobert und von Menschen leiden. Man könnte dieses mediale Trommelfeuer auch Kriegshetze nennen.  Kriegshetze und -propaganda gibt’s nicht nur auf russischer Seite. Westliche Medien können das auch. Ich bin misstrauisch, wenn mir Nachrichten und Kommentare vermitteln wollen, dass es in einem Konflikt nur Schurken und Lichtgestalten gibt. Das haben wir immer wieder erleben müssen, als uns unsere Medien auf Kriege gegen das „Böse“ eingestimmt hatten. Einmal war es Milošević, dann Gaddafi, dann Saddam Hussein oder Assad, um einige Beispiele zu nennen. Wir wissen auch, dass unsere Politiker und Medien auch nicht davor zurückschrecken, uns ihre Kriege durch Lügen schmackhaft zu machen. Der Irakkrieg wurde mit der dreisten Behauptung gerechtfertigt, dass Saddam Hussein Chemiewaffenlabore unterhalte. Der Angriffskrieg der USA und ihrer Verbündeten verstieß gegen das Völkerrecht, hatte aber für die Betroffenen keine Konsequenzen. Für den Irak erhebliche: bis zu 650.000 Todesopfer. Die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt. Daran muss ich denken, wenn im Falle des Ukrainekriegs Russland wieder als das Reich des Bösen dargestellt wird, das von dem „Oberschurken“ Putin regiert wird, während die Ukraine die freiheitliche Demokratie ist, die heldenhaft von Selinskij verteidigt wird. Jeder der sich nur oberflächlich mit der Ukraine beschäftigt hatte, sollte wissen, dass dieser oligarchisch regierte Staat weit davon entfernt ist, die Standards einer freiheitlichen Demokratie zu gewährleisten und dass Selinskij, wie wir aus den Pandora-Papers wissen, zu den für ukrainische Verhältnissen üblichen dubiosen Figuren aus dem Umfeld von Oligarchen zählt, die uns im Westen immer als lupenreine Vertreter westlicher Werte verkauft werden. Ich halte Putin weder für verrückt noch für irrational, wie er in manchen westlichen Medien etikettiert wird. Er ist durch den KGB geprägt und weiß, sich klare Ziele zu setzen, seine Gegner und Feinde zu analysieren, Risiken abzuwägen und die Ziele alsdann effizient durchzusetzen. In diesem Sinne handelt er rational, und als ehemaliger KGB-Offizier skrupellos. Anders als westliche Politiker lässt er sich nicht von Medien und Stimmungen des Wahlvolks beeinflussen, deshalb ist er berechenbarer als mancher westlicher Politiker. Sein Kriegsziel im Ukrainekrieg ist bekannt. Er will unter keinen Umständen, dass die Ukraine Teil des „Westens“ wird. Er möchte eine Art zweites Weißrussland als befreundeten Pufferstaat zwischen der NATO und Russland. Dafür führt er Krieg. Dagegen halte ich einen Angriffskrieg gegen NATO-Staaten derzeit für wenig wahrscheinlich. Sicherlich träumt er auch den zaristischen Traum, dass Europa zum russischen Hegemonialbereich gehört, aber er wäre sicher nicht so töricht, die NATO durch einen Angriff auf die Ukraine aus dem Friedensschlaf zu wecken, um sie dann zu überfallen. Putins Interesse ist deshalb klar.  Das Interesse von Selinkskij ist ebenfalls klar, der nach Möglichkeit die NATO in den Krieg hineinziehen möchte, um sich und der Ukraine eine Kapitulation zu ersparen. Auch die USA haben sicherlich ein Interesse daran, die Ukraine in diesem Konflikt nicht an Russland zu verlieren, und die Falken in Washington träumen schon von einem Regimewechsel in Moskau, um nachher Russland im amerikanischen Sinne zu filetieren. Erfahrungsgemäß sind die US-Amerikaner und ihre britischen Freunde bei der Risiko- und Folgenabschätzung ihres Handels ziemlich schwach und überlassen das Wegräumen der Folgen ihrer militärischen Abenteuer lieber anderen. Aber was sind unsere nationalen Interessen? So sehr uns die Opfer des Krieges leid tun, so sind unsere Interessen nicht deckungsgleich mit denen der Ukraine. Unser Interesse ist, dass wir auf Grund unserer selbst verschuldeten militärischen Unfähigkeit und ökonomischen Abhängigkeiten nicht in einen Krieg mit unabsehbaren Folgen für uns hineingezogen werden. Das bedeutet auch, schreckliche Kriegsbilder auszuhalten und sich nicht schon wieder durch erfundene Provokationen und angebliche Chemiewaffenfunde täuschen zu lassen.
Über den Autor: Dr. Hans-Georg Maaßen ist Jurist und war als politischer Beamter sechs Jahre lang (2012-2018) Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Maaßen ist seit 1978 Mitglied der CDU. Zur Bundestagswahl 2021 trat er als Direktkanditat an. Er unterlag im Wahlkreis Suhl dem SPD-Mitbewerber.
Sie können Beitrag auch auf der Webseite Club der klaren Worte lesen und kommentieren. Von dort gerne auch in Ihren Kreis weiterleiten.

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Exklusiv. Wie ein Bestatter die Lage sieht. — clubderklarenworte

Wie ein Bestatter die Lage beschreibt.

Guten Tag, liebe Leserin,
guten Tag, lieber Leser. In den letzten Jahren bestimmen Zahlenkolonnen unser geistiges und körperliches Wohl, sie legitimieren angeblich sogar die Einschränkung von Grundrechten. Es ging im Kern in diesen Jahren immer um die Fragen „Wie oft?“ und „Wie viel?“. Wie oft sind Sie geimpft? Wie viele Menschen waren demonstrieren, wie viele müssen nun spazieren? Wie viele wurden verhaftet? Wie viele verprügelt? Wie viele Jobs gingen verloren? Wie viel Geld wurde gescheffelt? Wie viele Freunde hast du verloren, wie viele Feinde gewonnen? Wie viele Umdrehungen braucht ein PCR-Test? Wie viel kostet er? Wie viele Klassenkameraden sind positiv? Wie viele Impfdosen wurden für wie viele von wie vielen befürwortet? Wie viele Idioten sitzen im Bundestag? Wie viele davon wurden gekauft ? Wie viel haben Abgeordnete an Masken verdient? Auf wie viele Lapsus Linguae pro Minute bringt es Baerbock? Wie viel kostet Benzin und wie viel kostet gerade der Kaffee im Regal? Wie viele schlechte Nachrichten kann ich noch aushalten? Wie viele Steuern muss ich morgen wieder zahlen? Wie viele Monate dauert der Scheiß noch?  Neuerdings ist ein neues Geschäftsfeld hinzugekommen, es ist das zweitälteste Gewerbe der Welt: das Geschäft mit dem Krieg. Wieder wird gezählt.  Wie viel Propaganda können wir erkennen? Wie viele Raketen fliegen? Wie viele Menschen fliehen? Und wie viele davon sind Ukrainer?  Unter dem Strich geht es immer um Statistiken, um Zahlen. Es sind die Statistiken des Todes, die die Politiker treiben und die uns in unserem Denken steuern.  Ob Ukraine oder Bundestagskantine, es geht um das Zählen von Toten. Das nackte Zählen des Ablebens. Das Summieren des Endes in Kliniken oder Kriegsgebieten. Je größer die Zahl, desto stärker die Angst. In der Gesellschaft, in den Menschen. In unserer westlichen hedonistischen Welt ist der unsichtbare Fährmann – jener düstere Gegenentwurf zum sichtbaren Bodyguard – zum ständigen Begleiter geworden, so meint man. Wenn der Tod und die Dauer-Erzählung davon die Menschen aus ihrem bunten Bällebad reißt, sollte man vielleicht auch mal jene Fragen, die wirklich in der ersten Reihe sitzen, wenn an der Haustürklingel der Bofrostmann vom Sensenmann abgelöst wird.  Totengräber sind abgeklärt und unaufgeregt, irgendwie zentriert und lässig. Das macht ihren Berufsstand so sympathisch. Die muss man fragen, dachte ich.  Im Jahr 2020 gab es rund 5.500 Handwerksbetriebe im Bestattungsgewerbe in Deutschland. Wenn man den vom lauten Lauterbach in die Luft gemalten Kurven glauben mag, müsste dieses Handwerk seit Langem sogar goldenen Boden haben.  Als ich vor zwei Jahren Gerald Ramm, einen von jenen Grabungsprofis, interviewte, sagte er mir: „Keine besonderen Vorkommnisse. Gestorben wird wie immer.“ Nun, ziemlich genau zwei Jahre später, habe ich ihn noch mal angerufen und gefragt, wie es gerade so läuft. Und siehe da, es gibt bemerkenswerte Auffälligkeiten.  Der gelernte Dipl.-Ing. betreibt vor den Toren der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands, Berlin, sein bestattendes Gewerbe. Das, was er in seiner Gemeinde sieht, hat er in 30 Jahren Beisetzungsbusiness noch nicht erlebt.  Das Interview hören Sie hier.
https://media.video.taxi/embed/4838kuvjVzBz
Bestatter Gerald Ramm im Interview. Klicken Sie auf das Bild.
Warum die Erzählung vom Tod das Tagesgeschäft in den Medien bestimmt, ist schnell erklärt. Nichts hilft gegen abstürzende Verkaufszahlen besser als schlechte Nachrichten. Eine Binsenweisheit der Branche. 
Die Anzahl von Skandalen und Blutlachen auf Seite 1 verhält sich im Boulevardgewerbe diametral zum Bärenmarkt bei den Abverkäufen. Wie dramatisch sich die Auflagenzahlen, Abos und täglichen Verkäufe seit Jahren südwärts entwickeln, werden die aufgeklärten Leser dieser Zeilen schon gehört haben. Es mag Sie aber dennoch amüsieren, wenn Sie die steilen Abhänge vor Augen sehen.






Unter dieser Domain können Sie sich die Daten selbst zusammenstellen. Hier die Charts downloaden.

Amüsieren deswegen, weil Sie wissen, dass die Mediendickschiffe mit ihren arrogant-überheblichen Kapitänen Sie als Leser, die sich wahrhaftige und ausgewogene Inhalte mit Tiefgang wünschen, längst aus dem Blick verloren haben. Der Wind hat sich gedreht, Sie als Konsument sind aufgewacht aus dem Framing- und Flachfunkkoma.
Demnächst laufen die Ihnen vertrauten Medienmarken deswegen auf Grund. SOS funken sie schon länger. Die Geistlichen üben sich bereits in der Letzten Ölung. Gott bewahre uns aber vor staatlicher Fürsorge für Verlage und Medienhäuser. 

Das wäre das Ende einer freien, kritischen Presse, die für eine vitale Demokratie Elixier ist. Nun entstehen – Gott sei hier gedankt – gerade neue Angebote, während alte dem Siechtum anheimfallen. Eines dieser Angebote lesen Sie gerade. Vielen Dank dafür. 
Wie kürzlich erwähnt hat dieses Angebot über diverse Ausspielkanäle hinweg aktuell eine Reichweite von etwas mehr als 250.000 „Abonnenten“. Tausendfach wird die Website täglich besucht, über zehn Millionen Mal wurden die Videos des Youtube-Kanals bisher geklickt. Dank Ihnen, den geneigten Lesern und Zuschauern, wird der CdkW damit zu einer wahrnehmbaren Größe.
Darin liegt allerdings auch ein gewisses Problem, denn mit bedeutender Reichweite im gesellschaftspolitischen Segment des Publizierens auch auf Youtube kommen die Youtube-Wärter und schließen die Kommunikationszellen. Was ihnen zu forsch oder zu aufmüpfig wirkt, wird gelöscht – auch wenn es schon zwei Jahre alt ist. So erneut geschehen letzte Woche. 
Mit jeder Löschung ist ein Veröffentlichungsverbot für mindestens eine Woche, bei Wiederholung von mehreren Wochen verbunden. Nach drei Löschungen wird die Zelle gar nicht mehr geöffnet, der Kommunikationskanal ist weg. 
Das sind die Spielregeln. Keine Frage, diesen kann ich mich nicht unterordnen. Freie Presse ist das höchste Gut in einer Demokratie. Deswegen gibt es ja auch die weiter im Aufbau befindliche Mediathek. Hier haben wir die Lufthoheit und Sie können sehen, was Sie wollen.
Ja, wir sind etwas wahnsinnig, denn dieses gesamte Angebot ist – mit Ausnahmen in der Mediathek – für Sie kostenlos. Nicht mal Werbebanner sehen Sie bei uns. Warum? Weil wir nur so unabhängig bleiben können in unserer Berichterstattung. Nur so können wir das Vertrauen versuchen zurückzugewinnen, das Sie in die Medien verloren haben.
Die Sache hat aber leider einen Haken. Kein Restaurant verköstigt Sie kostenfrei mit Sternemenüs. Keine Tankstelle vertraut darauf, dass der Kunde vielleicht doch zahlt. Kein Fliesenleger, kein Bäcker, kein Chirurg, kein Pilot sagt Ihnen „Wenn Ihnen die OP oder die Reise mit uns gefallen hat, zahlen Sie doch ein wenig dafür; wenn nicht, ist es auch okay“.
Man muss also schon ein wenig irre sein, um das zu tun, was wir tun. Aber noch halten wir durch, auch im Vertrauen darauf, dass Ihnen die exklusiven Inhalte etwas wert sind. 
Götz von Ferenzcy hat intensiv recherchiert, und wir veröffentlichen nach tagelanger Arbeit hier, exklusiv im CdkW, den Artikel über die hohe Gefährlichkeit des Lollitests. Wenn Sie davon noch nichts gehört haben, lesen Sie ihn hier und leiten Sie ihn hier gerne weiter. 
Die neueste Folge der heuteSCHAU sehen Sie hier und hier
Und die wichtige Kolumne von Peter Löcke möchte ich Ihnen hier ans Herz legen.
In der Rubrik CdkW-History haben wir neu aufgenommen eine 70-minütige Dokumentation über Bayern 1945. Sie sehen tragische historische Bilder. Momentaufnahmen einer Chronologie. Ich empfehle Ihnen diese raren Aufnahmen sehr.
 
Ich wünsche ihnen einen schönen Abend.
Prost!

Ihr
Markus Langemann


PS: Manchmal denke ich, wenn ausschließlich Frauen an der Macht wären, gäbe es keine Kriege mehr. Nur eifersüchtige Länder, die nicht miteinander reden.

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Noch’n Beschluss oder noch’n Gedicht? — clubderklarenworte

Noch’n Beschluss

Guten Abend, liebe Leserin,
guten Abend, lieber Leser,

ich weiß, Sie sind nicht mehr beschlussertragsfähig. 
Deswegen erst’n Gedicht: 

Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt,
so fällt er auf den Fuß dir prompt!
So ist es nun mal auf der Welt;
ein Kummer geht, ein Kummer kommt.


– Na‘ klar, Heinz Ehrhardt

So eingestimmt, können Sie vielleicht dem Beschlußvorschlag, der aus der Videoschaltkonferenz des Bundeskanzlers und den Länderchefs, jenem Gremium von dem nichts im Grundgesetz steht, zumindest mit einer ordentlichen Grundhumorisierung mutig entgegenklicken.

Und zwar hier:
Das Papier können Sie hier einsehen und downloaden.

Die schönsten Stellen habe ich Ihnen farblich markiert.

Und hier nun zu Ihrem Plaisir, eine Information über die neueste Entwicklung im Sturm und Drang-Felde der Digitalisierung. Eine kürzlich zufällig mitgeschnitte Unterhaltung. Gewissermaßen hier geleakt. 
Hören Sie hier nur mutig rein. Sie werden erfreut sein.

Wenn Sie Interesse an Geschichte und selten gesehen Aufnahmen haben, gibt es im Zuge das raschen Ausbaus unserer Mediathek einen besonderen Leckerbissen für den Sonntagabend. Herzerweichende Bilder aus Berlin.
Konstantin von zur Mühlen, der Dokumentarist und Archivar, Bewahrer wunderbarer historischer Filmrollen, hat eine einzigartige Dokumentation zusammengestellt, die wir Ihnen in der Mediathek zeigen können. 

Der Film „Hitler über Berlin“  dokumentiert Berlin und den Aufstieg des Nationalsozialismus von der Weimarer Republik bis in das Jahr 1939 in Originalbildern. Zitate aus jener Zeit beschreiben die Ereignisse, wie die Berliner sie in diesen Jahren erlebten.

Das besondere an den Bildern sind auch die zum Teil ursprünglich stark beschädigten schwarz-weiß und farbigen Originalmaterialien, die von künstlicher Intelligenz restauriert wurden und somit eben jenen atemberaubenden Blick in den Rückspiegel freilegen. Eine Zeitreise, bei der sich die Digitalisierung und deren Möglichkeiten von ihrer besten Seite zeigen.

Kostenfrei können wir diesen Film leider nicht anbieten aber, er ist jeden Cent wert, wie ich finde. Mit dem erworbenen Film-Ticket können Sie diesen dann so oft sehen, wie Sie mögen. Es gibt viel zu entdecken.
Hier geht es zur Mediathek des Club der klaren Worte.

Mit herzlichem Gruß in die Sonntagnacht.

Ihr
Markus Langemann

PS: „Da kann einer sagen, was er will – das beste Essen ist immer noch das Trinken.“ – Auch’n Heinz Ehrhardt. Cheers!

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