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ERDERWÄRMUNG AUS SICHT DER AUSSERIRDISCHEN — thinkagain

Bild: Olena Sergienko / Unsplash

Eine fortschrittliche, außerirdische Zivilisation ist bei ihrer Suche nach intelligentem Leben im Universum auf einen Planeten gestoßen, der ihre Aufmerksamkeit weckt; man kann die digitale Kommunikation der dortigen Lebewesen mit Hilfe hochentwickelter Antennen und Computer problemlos nachverfolgen. Dabei wird offensichtlich, dass viel über eine mögliche Erwärmung, über eine „Klimaveränderung“ diskutiert wird, und dass in dem Zusammenhang häufig der Begriff „Greta“ fällt. Daher gibt man diesem galaktischen Objekt den Namen „Planet G“.


Knapp daneben

Um die Zusammenhänge zu verstehen untersuchen die außerirdischen (ET) Wissenschaftler nun, wie die Temperatur auf Planet G  überhaupt zustande kommt. Auf Grundlage einer in der gesamten Milchstraße zugänglichen Veröffentlichung berechnen sie die Strahlung, die Planet G von der Sonne empfängt, und wieviel der dank seiner eigenen Temperatur abstrahlt.

Die Energie der Strahlung, welche die Sonne über die Entfernung von 150 Millionen Kilometern auf Planet G abliefert ist 1,4 Kilowatt pro Quadratmeter. Das sind 180 x 1015 Watt für die ganze Erde. Im Laufe der Jahrtausende hat der Planet nun diejenige Temperatur angenommen, bei der er selbst genau diese Leistung von 180 x 1015 Watt in Form von infraroter Wärmestrahlung abgibt.

Mit Hilfe der „Stefan-Boltzmann Gleichung“ errechnen die Außerirdischen nun eine mittlere Temperatur von 280 Kelvin. Durch Abhören der Wetterberichte und von Vorträgen auf Klimakonferenzen erfahren sie aber, dass die Temperatur tatsächlich 15 ° Celsius beträgt – so nennen die G-Bewohner das, was man in der Galaxie als 288 Kelvin bezeichnet. „Was haben wir bei unserer Rechnung falsch gemacht?“ fragt der Forschungsleiter in die Runde seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter, warum liegen wir 8 Grad daneben?

Hitzige Diskussion der ET Forscher

Es gibt eine Krisensitzung der Forscher und ein junger, vorwitziger ET stößt dazu. Er fragt „woher wisst ihr überhaupt, dass Planet G existiert?“, „Man kann ihn ganz deutlich im Teleskop sehen!“ ist die Antwort. „Dann haben wir den Fehler schon gefunden“, sagt der Grünschnabel. Seine Erklärung geht dann folgendermaßen:

Was man sehen kann, dann sendet Licht aus. Woher soll das Licht von Planet G kommen? Es ist Reflexion des Sonnenlichts. Würde er nichts reflektieren, dann wäre er total schwarz und man könnte ihn vom schwarzen Hintergrund des Alls nicht unterscheiden. Planet G absorbiert also  nicht 100% der Sonnenstrahlen, sondern reflektiert einen Teil. Tatsächlich sieht man den Planeten als bläulich  weißliche Scheibe. Tatsächlich wirft der Planet insgesamt ca. 30% der einfallenden Strahlung zurück ins Weltall. Dann stimmen aber  die 1,4 kW pro Quadratmeter in der Gleichung nicht, dann sind es nur 70% von 1,4, also ≈ 1 kW/m2.

„Wenn wir jetzt diese 1,0 kW in die Gleichung einsetzen, dann wird die Temperatur von Planet G aber noch niedriger, und nicht etwa höher. Unser Ergebnis ist ja schon um 8 Grad zu niedrig.“

Und wieder hat der kleine ET-Einstein Rat: „Ihr habt noch einen Fehler gemacht, und zwar bei der Berechnung der abgestrahlten Leistung.“ „Willst du etwa sagen, die berühmte Stefan-Boltzmann Gleichung sei falsch? Die abgestrahlte Leistung ist doch proportional zu T hoch 4!“

Die Zahnlücken im Spektrum

Die weitere Diskussion zwischen den ET Experten gebe ich nun in eigenen Worten wieder. Die berühmte Gleichung von Stefan-Boltzmann:

L = 5,67 x 10-8 x T4 Watt / m2

gilt nur für Körper, deren Oberfläche eine besondere Beschaffenheit hat.  Und das müssen wir uns genauer anschauen.

Ein warmer Körper sendet elektromagnetische Wellen verschiedener Wellenlängen aus, wobei die Wellenlänge λ = 2.900 μm / T am stärksten vertreten ist. Bei der Temperatur von rund 290 K von Planet G liegt dieses λ bei 10 µm, das ist ein Hundertstel Millimeter. Das ist aber nicht die Einzige Wellenlänge mit der dieses Körper strahlt. Es gibt da noch ein ganzes Spektrum kürzerer und längerer Wellen, die sich in sanfter Hügelgestalt um diese besagten 10 µm verteilen. Der berühmte Physiker Max Planck von Planet G hat sich die Mühe gemacht auszurechnen, wie stark die einzelnen Wellenlängen vertreten sind und hat uns das sogar aufgemalt. Das ist die gestrichelte Kurve in der Graphik. So sähe das Spektrum aus, wenn die Erde ein idealer Körper wäre, der von den Physikern auch „Schwarzer Strahler“ genannt wird.

Die ET Forscher wussten das natürlich und entschieden, dass man Planet G jetzt auf der dunklen Seite genauer untersuchen müsste. Sie schickten gerade mal eines ihrer Infrarot- Weltraumteleskope in die Nähe von G, stationierten es im Schatten des Planeten und analysierten das Spektrum der Strahlung. Und siehe da: der vorwitzige ET Einstein hatte wieder einmal recht gehabt. Planet G war kein idealer Strahler!

In der harmonischen Planck-Kurve klafften erhebliche Zahnlücken. Und das erklärte, warum Planet G weniger Leistung abstrahlte, als von Stefan-Boltzmann behauptet. Man musste diesen mysteriösen Faktor 5,67 in der Gleichung durch eine kleinere Zahl ersetzen. Aber damit dann wieder genau so viel Energie abgestrahlt wird, wie die Sonne liefert, muss die Temperatur T ja größer werden ! Wie viel?

Und auch darauf hat ET Einstein eine Antwort: „Auf genau die Temperatur, von der die Bewohner von Planet G immer reden: 288 K – statt der 280 K, die wir berechnet hatten! Statt 7°C sind es  15°C.“ Bingo.

Bild: Cambridge University Press

Planet G hat eine Atmosphäre!

Mit dieser Erkenntnis aber wollte man sich nicht zufrieden geben. Sie fragten, so wie das für Vierjährige und Forscher typisch ist: „Warum?“. Warum waren da diese Lücken im Infrarot-Spektrum, welches Planet G abstrahlt?

Der Atomphysiker unter ihnen hatte sofort die Antwort: Planet G hat eine Atmosphäre, in der es bestimmte Moleküle gibt, welche die Strahlung bestimmter Wellenlängen daran hindern, ins Weltall zu entweichen. Und mit Kennerblick auf die obige Kurve identifizierte er rasch die üblichen Verdächtigen: Es waren die Moleküle von Methan, Wasser, Ozon und CO2.

Und da erinnerten sich die Forscher wieder an Aufzeichnungen, die man von Gesprächen und digitaler Kommunikation auf Planet K gemacht hatte. Und da war immer wieder von CO2 und dessen Anstieg und vom Ende der Welt die Rede. Und die Forscher schauten in der Graphik des infraroten Spektrums aud diesem Tal, das mit „CO2“  gekennzeichnet war.  Wenn das vielleicht ein paar Millimeter tiefer wäre, dann sollte die Welt untergehen? Sie schüttelten ungläubig den Kopf.

Schließlich berichteten sie dem sehr anspruchsvollen und etwas ungeduldigen ET Forschungsleiter von ihrer Arbeit.

Der fragte etwas verärgert:

„Kommen wir also zu Planet G. Konnten Sie denn diese angebliche Erwärmung der Atmosphäre bestätigen?“

„Nein Herr Professor, das war nicht möglich; wir können eine Erwärmung aber auch nicht ausschließen.“

„Und wie steht’s um intelligentes Leben auf Planet G?“;

„Das können wir ausschließen“.


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WER HAT DER ERDE IHRE TEMPERATUR GEGEBEN? — thinkagain

Bild: NASA / unsplash


Bevor wir uns den Kopf darüber zerbrechen, wie viele Tausendstel Grad Erwärmung jedes zusätzliche CO2 Molekül in der Luft verursacht, sollten wir verstehen, wie die Temperatur der Atmosphäre überhaupt zustande kommt. Warum haben wir nicht 471°C, so wie der Schwesterplanet Venus? Warum nicht -28°C  wie Bruder Mars? Wir alle werden doch von derselben Mutter Sonne gewärmt. Warum haben ausgerechnet wir die angenehmen 15°C?

Eine Frage „Warum“ ist letztlich nie zu beantworten. Die Antwort besteht immer darin, einen konkreten Sachverhalt als Sonderfall eines allgemeineren Phänomens zu erklären, bis wir zu einer Aussage kommen, die kaum jemand mehr in Frage stellt. Etwa: „Warum hast du heute ein anderes Auto?“, „Weil meines in der Werkstatt ist“, „Warum?“, „Weil die Stoßstange verbeult war.“, „Warum?“, „Weil ich an der Ampel in ein anderes Auto gefahren bin“, „Warum?“, „Weil die Straße nass war.“ Dass man auf nassem Asphalt nicht gut bremsen kann, das ist allgemein bekannt, und so hört das Fragen an dieser Stelle vielleicht auf; vielleicht auch nicht. Vielleicht kommt ja dann die hilfreiche Erklärung: „… und weil du immer so dicht auffährst!“.

(Zum Thema „Warum“ gibt es dieses berühmte Video vom Physiker Richard Feynman. www.youtube.com/watch?v=36GT2zI8lVA)

Lassen Sie uns also unsere 15°C auf bekannte und akzeptierte Gesetzmäßigkeiten zurückführen, bevor wir uns den Kopf über ein angebliches Global Warming zerbrechen. Dazu müssen wir erst einmal ein paar grobe Vereinfachungen machen und später Korrekturen anbringen.

Furchtlos durchs Vakuum

Was wir als Sonnenschein empfinden ist ein Mix elektromagnetischer Wellen. Elektromagnetische Wellen sind Schwingungen, ähnlich wir Schall. Solche Schwingungen haben die Angewohnheit, sich auszubreiten und Wellen zu erzeugen, wie die Wellen um einen Stein, der in einen Teich fällt. Allerdings brauchen Schall und Wasserwellen ein Medium, um sich auszubreiten, elektromag­netische Wellen aber kommen ohne Medium aus. Sie können unendliche Entfernungen durch das Vakuum des Weltalls zurücklegen.

Alle Wellen haben nun ein charakteristisches Merkmal: die Wellenlänge. Auf dem Teich kann man die Wellenlängen leicht sehen, beim Schall kann man sie sich zumindest gut vorstellen, sie ist so im Bereich von Zentimetern bis zu Metern. Beim der Sonne aber wird es schwierig. Die Wellenlängen liegen hier zwischen 0,25 und 2,5 Tausendstel Millimeter, auch Mikrometer (μm) genannt.

Am intensivsten ist die Sonnenstrahlung im Bereich 0,38 – 0,78 μm. Wie der Zufall es will, sind wir mit Organen ausgestattet, welche uns genau solche Wellen wahrnehmen lassen. Man kann nun rätseln, ob der liebe Gott – uns zuliebe – die Sonne so geschaffen hat, damit wir gut sehen können, oder ob es die Evolution war, die uns mit Augen für genau diese Wellenlängen ausgestattet hat.

Farbe bekennen

Dieser Spektralbereich wird als „Licht“ bezeichnet. Unsere Augen nehmen Licht nicht nur wahr, sie analysieren es auch nach Wellenlänge, und je nach Ergebnis dieser Analyse sehen wir dann so genannte Farben. Wellen, die kürzer als 380 nm sind können wir nicht sehen, es sind die UV-Strahlen, ebenso wenig wie Wellen länger als 780 nm – die heißen infrarot.

Wenn Strahlung auf einen Gegenstand fällt, dann erwärmt sich der. Hier wird die Energie der Strahlung in Wärmeenergie umgewandelt. Wie viel Energie bringt die Sonnenstrahlung nun auf die Erde? Pro Stunde und pro Quadratmeter schenkt sie etwas mehr als eine Kilowattstunde (kWh) – voraus­gesetzt, es ist gutes Wetter und nicht gerade Nacht. Die Strahlungsleistung, also die Energie pro Zeit, ist also etwas mehr als 1 Kilowatt (kW) pro Quadratmeter.

All das stellt kaum jemand in Frage. Lassen Sie und nun ein weiteres Phänomen  betrachten.

Nicht nur die Sonne

Nicht nur die Sonne strahlt. Jeder warme Gegenstand sendet elektromagnetische Wellen aus, und zwar umso mehr, je höher seine Temperatur ist. Und je höher die Temperatur ist, desto kürzer werden die emittierten Wellenlängen. Eine Herdplatte strahlt zunächst im langwelligen Infrarotbereich, man fühlt die Wärme zwar, aber man kann sie nicht sehen. Wird die Platte heißer, dann glüht sie zunächst in tiefem Rot und wird dann immer heller, bis sie durchbrennt. Es gibt dazu zwei Gleichungen:

Diejenige Wellenlänge λ, die bei einer bestimmten Temperatur T am stärksten strahlt, ist gegeben durch  

λ = 2.900 μm / T

dabei ist T die Temperatur in Kelvin gemessen, das sind die Celsius Grade plus 273. Beispiel:

Der Draht in einer alten Glühbirne ist etwa 2.900 Kelvin (ca. 2.627˚C) heiß, d. h. die Wellen­länge, in der die meiste Energie ausgestrahlt wird, liegt bei 2.900 μm / 2900 = 1 μm

 Das liegt im infraroten, unsichtbaren Bereich. Die meiste Energie wird von der Glühbirne also als Wärmestrahlung und nicht als sichtbares Licht abgegeben. Das ist gut zum Heizen, aber schlecht zum Lesen. Daher der Trend zur so genannten Energiesparlampe.

Ein Blech bei schönem Wetter

Noch eine weitere Größe wird von Bedeutung für uns sein: Die gesamte von einem Gegenstand pro Quadratmeter abgestrahlte Leistung.

L = T4 × 5,67 × 10-8 Watt

Dabei ist T dessen Temperatur in Kelvin. Beispiel: Ein Stück Blech von 1 m2 und 300 K, d. h. 27 ˚C strahlt auf der Vorderseite – ich habe das für Sie ausgerechnet – 459 Watt ab. Auf der Rückseite strahlt es ebenso viel ab, insgesamt werden also 918 Watt abgegeben.

Stellen Sie sich vor, Sie halten jetzt so ein Blech in die Sonne und sorgen dafür, dass es keinen Luftzug gibt, der das Blech abkühlen würde, wie heiß wird es dann? Die Sonne liefert ja bei wolkenlosem, klarem Himmel pro m2 1,4 kW. Wenn das Blech jetzt so heiß wird, dass es seinerseits 1,4 kW abstrahlt, wenn es also ebenso viel Energie abgibt, wie es von der Sonne empfängt, dann steigt die Temperatur nicht weiter. Sie können jetzt leicht ausrechnen, dass es 333 K sein müssen, damit von den beiden Seiten des Blechs genau 1,4 kW abgegeben werden. 333 K sind auch 60 ˚C, also schon etwas zu heiß, um es noch anzu­fassen.

Nehmen wir jetzt nicht ein Stück Blech, das wir in die Sonne halten, sondern einen richtigen Gegenstand, zum Beispiel einen Planeten. Der wird einerseits von der Sonne angestrahlt und andererseits strahlt er selbst wieder Energie ab. Unsere liebe Erde wird ja auf ihrer Bahn durchs Vakuum des Alls von der Sonne mit ihren freundlichen Strahlen bedacht.  Und wieder stellt sich dann eine bestimmte Gleichgewichtstemperatur ein.

Diese wird auch hier durch das Spiel zwischen Zufuhr und Abgabe von Energie bestimmt. Zufuhr durch die Sonne beläuft sich, bekannter Weise, auf etwa 1,4 Kilowatt pro Quadratmeter. Diese Zahl stimmt aber nur, wenn die Strahlen senkrecht auf eine Fläche fallen. Würde das zuvor erwähnte  Blech schräg zu den Sonnenstrahlen stehen, dann bekäme es weniger ab, ähnlich wie das Blech weniger Wasser abbekäme, wenn es schräg im Regen stünde, statt waagerecht auf dem Boden zu liegen.

Die Rundung der Kugel

Die Fläche der Erdkugel, welche die Sonnenstrahlen abfängt, ist also nicht die „Erdoberfläche“ mit ihrer schönen Rundung, sondern es ist die scheibenförmige Silhouette, welche sie den Sonnenstrahlen darbietet. Die Fläche dieser Scheibe, dass wissen Sie noch aus der Schule, ist F =  R2 × 3,14, wobei R der Radius der Erde ist.

Die Abstrahlung der Energie erfolgt jedoch von jedem Quadratmeter der gekrümmten Erdoberfläche in sämtliche Himmelsrichtungen, hinten und vorne, auf der Tages- und Nachtseite. Diese Kugeloberfläche ist nun viermal so groß wie die der Scheibe, also 4 × F . Die Gleichgewichtstemperatur stellt sich ein, wenn die von der Sonne empfangene Leistung auf die Dauer gleich der von der Erde abgestrahlten ist. So ergibt sich eine ganz einfache Gleichung.

F × 1400 W = 4 × F × T4 × 5,67 × 10-8 W

Auch das habe ich für Sie ausgerechnet und bin auf T = 280 Kelvin gekommen. Das wäre also gemäß unserer sehr vereinfachten Rechnung die Temperatur der Erde – anders ausgedrückt 7 ˚C. Das wäre die Temperatur der erdnahem Luft, gemittelt über Tag und Nacht, über Sommer und Winter und über alle Gegenden, vom Nordpol bis zur Sahara und bis zur Antarktis.

Dieses Ergebnis von 7°C  liegt übrigens nur wenig neben dem Wert von 15°C, der von den Meteorologen gemessen wird. Es ist doch ganz erstaunlich, wie wir mit so einfachen Überlegungen zu einem Ergebnis kommen, das zumindest nicht ganz falsch ist. Wir hätten ja in unserer Rechnung auch bei 471°C landen können, wie bei Frau Venus.

Nur die halbe Wahrheit

Ich habe Ihnen aber vieles verheimlicht, z.B. dass die Erde eine „bordeigene“ Energiequelle hat. Es gibt da im Inneren der Erde exotische, radio­aktive Materialien, wie etwa das Uran, das seit Erschaffung der Erde überlebt hat. Auch wenn seine Konzentration extrem niedrig ist, vielleicht nur ein paar  Millionstel, so liefert es doch noch genug Energie, um im Erdinneren eine permanente Kernschmelze, einen gigantischen nuklearen Melt Down des Gesteins aufrecht zu erhalten, der bei Vulkanausbrüchen sichtbar wird.

Und noch etwas: Man nimmt an, dass die Anziehungskraft des Mondes, kombiniert mit der Erddrehung, nicht nur die Gezeiten auf den Ozeanen bewirkt, sondern dass die gesamte Erdkugel laufend ein ganz kleines bisschen deformiert wird. Diese Deformation erzeugt Reibungswärme, ähnlich wie ein zu wenig aufgepumpter Autoreifen sich beim Rollen deformiert und heiß wird. Welchen Beitrag dieser Effekt zur erdeigenen Energiequelle darstellt, das ist ungewiss.

Etwas anderes aber ist von größerer Bedeutung.

Wir haben angenommen, unser Planet würde die Sonnenstrahlung zu 100% absorbieren und wir haben angenommen, er würde seinerseits, genau gemäß der erwähnten Gleichung, die empfangene Energie wieder abstrahlen. Keines von beidem ist aber der Fall. Insbesondere gibt es da Effekte in der Atmosphäre, die den Planeten daran hindern, seine elektromagnetischen Wellen direkt ins Universum zu schicken. Man nennt es Treibhauseffekt. Schon mal davon gehört?

Wir werden uns demnächst darüber unterhalten.


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AUSSICHTSLOS – DIE GRÜNE MATERIALSCHLACHT — thinkagain

Bild: Justin Campbell / unsplash


Eine  Materialschlacht ist eine Kampfhandlung, bei der unter extremen Verlusten von Gerät und „Menschenmaterial“ ein militärisches Ziel verfolgt wird. Die Geschichte lehrt uns, dass derartige Schlachten meist in humanitären und politischen Katastrophen enden. Es könnte sein, dass Deutschland wieder in eine derartigen Schlacht verwickelt ist, die jetzt, unter einem neuen „Feldherrn“, noch größere Opfern fordern wird.


Die Rede ist nicht von Stalingrad oder Verdun. Die Rede ist von der größten Materialschlacht zu Friedenszeiten; von einem Vorhaben, das der Bevölkerung bereits heute Opfer abverlangt, die in Zukunft noch wesentlich schmerzhafter werden. Es geht um die Energiewende. Es geht um den totalen Krieg gegen das CO2, der von einem erstaunlich großen Teil der Bevölkerung immer noch bejubelt wird.

Ich möchte hier nicht die Sinnhaftigkeit des Ziels diskutieren, nämlich  Deutschlands CO2-freie Energieversorgung. Ich werde Ihnen aber demonstrieren, dass dieses Ziel, ob nützlich oder nicht, auf dem eingeschlagenen Weg niemals erreicht werden kann. Die Materialschlacht ist aussichtslos, und nur die massive Propaganda an der „Heimatfront“ verschleiert den Blick auf das sich anbahnende Desaster .

Eine einfache Überlegung

Wie wir wissen, soll demnächst all unser Strom aus „nachhaltigen“ und grünen Energiequellen sprudeln. Wie soll das gehen? Wir müssen uns dazu ein paar einfache Zahlen anschauen.

Von der gewaltigen Menge an Elektrizität, die Deutschland pro Jahr verbraucht, kommt derzeit etwa ein Drittel  aus Wind- und Sonnenenergie. Hätten wir also dreimal so viel Wind- und Solarkraft, wäre dann die Energiewende erfolgreich vollzogen?

Nein, das Ziel wäre nicht erreicht. Zwar konnten dreimal so viele Solar- und Windanlagen über das Jahr summiert den Energiebedarf decken, aber es gäbe trotzdem noch Stunden oder Tage, in denen das Angebot die Nachfrage nicht befriedigen könnte. Ganz offensichtlich wird in Wind- und Sonnen- armen Monaten zu wenig produziert, während im Sommer diese Quellen des Guten zu viel liefern.

Was läge nun näher, als den Überschuss aus den fetten Tagen für magere Zeiten zu speichern?

Lassen Sie uns das mathematisch betrachten. Wir vereinfachen die Situation ganz extrem, und auch die Zahlen sind nicht auf das letzte Kilowatt genau. Das hat aber auf unsere Schlussfolgerung keinen Einfluss.

Einsicht ohne Computer

In einem  typischen Jahr werden in Deutschland rund 500 Terawattstunden (TWh) elektrischer Energie verbraucht. Eine Terawattstunde ist ein Vielfaches der uns geläufigen Kilowattstunde; genauer gesagt ist die Terawattstunde das Ein-Milliarden-Fache.  Versuchen Sie bitte nicht, sich das vorzustellen, merken Sie sich einfach die Zahl 500.

Alternative Quellen haben in vergangenen Jahren zu diesen 500 TWh etwa ein Drittel beigetragen, die Windkraft alleine ein Viertel, also 125 TWh. Dieser Wert hängt einerseits von Größe und Anzahl der Windmühlen ab, andererseits vom Wind, der das Jahr über geblasen hat. Aktuell gibt es in Deutschland 33.000 Windturbinen, die fast den gesamten Strombedarf abdecken könnten, wenn der Wind nur ununterbrochen mit 40-80 km/h blasen würde. Dann würden sie ihre „installierte“ Leistung ins Netz einspeisen. Erfreulicherweise tut der Wind das aber nicht.

Der faule Wind ist schuld

Tatsächlich bringen die Windturbinen weniger als ein Drittel der installierten Leistung, weil der Wind eben so unzuverlässig ist. Wie müsste die Welt jetzt aussehen, damit wir mit gespeichertem Strom aus guten Tagen über die nächsten Flautentage kommen? Wir machen einige Vereinfachungen  und nehmen Folgendes an:

  • Windkraft ist die einzige Energiequelle; sie bringt im Durchschnitt ein Drittel ihrer installierten Leistung
  • Am Tag 1 weht 24 h lang der ideale Wind und die Windkraft liefert 100% der installierten Leistung. An Tag 2 und 3 herrscht Flaute. Im 3-Tagesdurchschnitt wird die Windkraft also – so wie in der Realität – ein Drittel ihrer installierten Leistung bringen.
  • Die Effizienz der Speicherung, etwa in „Wasserstoffbatterien“, ist, optimistisch geschätzt, ein Halb, d.h. um eine kWh aus dem Speicher zu bekommen mussten vorher 2 kWh eingespeist werden.
  • Der durchschnittliche tägliche Energiebedarf „DTB“ = 500 TWh / 365 ≈ 1,4 TWh
  • Am Tag 1 passiert folgendes: unsere Mühlen müssen den DTB für Tag 1 erzeugen. Zusätzlich müssen die Batterien mit dem Bedarf für Tag 2 und Tag 3 gefüllt werden. Wegen der schlechten Speichereffizienz sind das 2 DTB für Tag 2 und nochmal 2 DTB für Tag 3.
  • An Tag 2 und 3 ist Flaute, die Windmühlen können sich ausruhen und die Batterien entleeren sich.

Ja, sie haben richtig gerechnet:

an Tag 1 müssen unsere Windgeneratoren 5 DTB liefern, also 5 × 1,4 TWh = 7 TWh  = 7.000 GWh.

Wie viele Windgeneratoren bräuchten wir dafür? Nun, damit wir an den 24 Stunden von Tag 1 die gewünschte Energie von 7.000 GWh (Gigawattstunden) bekommen bräuchten wie eine installierte Leistung unserer Generatoren von 7.000 GWh / 24 h = 292 GW.

Aktuell beträgt die in Deutschland installierte Windkraft 55 GW.

Man bräuchte also 294 / 55 ≈ 5,4 mal so viele Windgeneratoren wie heute.

Kein schönes Land

Aktuell gibt es 33.000 davon, man bräuchte also 5,4  × 33.000 = 178.000 Windgeneratoren der heutigen Ausmaße. Gleichmäßig über die 357.386 km2   des Landes verteilt würde jede Mühle eine Bodenfläche von 2 km2   für sich beanspruchen, das ist ein Kreis mit 800 m Radius!

Da würde die Lebensqualität doch etwas leiden. Und teuer wäre es auch. Aber jede Materialschlacht fordert eben auch von der Zivilbevölkerung Opfer.

Man könnte noch andere Berechnungen anstellen, um die Absurdität dieses Vorhabens zu demonstrieren: die Millionen Tonnen am Beton und Stahl, die da verbaut würden; oder die Tatsache, dass bei einer Lebensdauer von nur 20 Jahren täglich 24 Generatoren abgerissen und neu installiert werden müssten; und dass die Batterien nicht nur für ein paar Tage vorhalten müssen, sondern für Wochen oder Monate. Aber schon die Anzahl von 178.000 Windmühlen sollte überzeugen, dass diese Materialschlacht eine „Mission Impossible“ ist. Schon dieser eine Grund genügt.

Es gibt da diese Geschichte von Fritz und Otto: Sagt Fritz: „Otto, mein Freund, kannst du mir etwas Geld leihen?“  Sagt Otto:  “Du Fritz, ich hab drei Gründe, warum das nicht geht; erstens hab ich selbst keines. ..“ Da unterbricht ihn Fritz:   „ … dann spar dir die zwei anderen Gründe.“


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VOM KRAFTWERK ZUM KRAFTZWERG — thinkagain

BILD: sastudy.co.za/the-7-dwarfs-of-group-projects/

Das Kainsmal, welches dem Atom eingebrannt wurde, ist am Verblassen, und es könnte sein, dass man sich nach dem Ausstieg aus der Kernenergie wieder zum Einsteigen entschließt. Für die Grünen wäre das zunächst der „Größte anzunehmende Unfall“, sie hätten ihre raison d’etre verloren. Sie könnten allerdings die Kurve kratzen, würden sie rechtzeitig auf den Zug Namens „SMR“ = Small Modular Reactor aufspringen. Das sind Kernreaktoren die wesentlich schwächer und kleiner sind als ihre großen Brüder – sozusagen Kraft-zwerge.


Die SMRs hätten auch äußerlich wenig Ähnlichkeit mit den Monstern von Brokdorf oder Philippsburg, den Feindbildern der grünen Bewegung. Man könnte also folgendes Narrativ verbreiten:

„Ende 2022,wenn das letzte KKW vom Netz ist, haben wir unser Ziel erreicht. Es ist ein wunderbarer Sieg für uns und für die Menschheit. Wir haben damit den Weg frei gemacht für eine moderne, saubere, und grüne Technologie: den Small Modular Reactor!“

Was wäre davon zu halten? Ich schlage vor, wir schauen uns das mal an.

Das Holz im Kamin

Haben Sie schon mal versucht, mit einem einzigen, dicken Stück Holz Feuer im Kamin zu machen? Haben Sie es auf den Rost gelegt und ein Zündholz darunter gehalten? Es geht nicht. Um zu brennen muss das Ding erst einmal selbst richtig heiß gemacht werden. Ein vernünftiges Feuer bekommen wir nur, wenn ein paar Scheite sorgsam übereinander gelegt sind, die sich gegenseitig aufheizen; dann hält die selbst erzeugte Hitze das Holz am Brennen, und gibt uns davon sogar noch was ab. Mit anderen Worten, wir brauchen eine kritische Masse an Holz, in der richtigen Konfiguration, dann wird auch unser Kamin „kritisch“.

Wenn Sie das verstehen, dann verstehen Sie auch, wie ein Reaktor funktioniert. Statt Holz nehmen wir Uran und statt Hitze nehmen wir Neutronen. Die Atomkerne des Urans werden durch die Neutronen gespalten, und dabei entstehen neue Neutronen, die ihrerseits Atomkerne spalten. Wenn wir jetzt genügend Uran, also eine kritische Masse, sorgfältig aufstapeln, dann läuft die Sache spontan weiter, wie beim Kaminfeuer.

Dabei entsteht nebenher jede Menge Hitze; die ist zwar für die Kettenreaktion irrelevant, aber sie ist nützlich, weil man daraus Strom machen kann. Genau das passiert in einem Kernkraftwerk.

Size Matters

Zurück zu unserem Holzfeuer. Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass Kamine meist ähnliche Abmessungen haben, so im Bereich von einem Meter. Ein Kamin von nur 20 x 20 Zentimetern ist selten. Wir könnten darin zwar Feuer machen, bräuchten aber anderes Brennmaterial, vielleicht Holzwolle.

Auch unsere KKWs sind einander ähnlich, sie sind riesig und leisten meist zwischen 1.000 elektrisch 1.500 Megawatt elektrisch. Könnten wir die miniaturisieren? Könnten wir aus einem Kraftwerk einen Kraftzwerg machen? Nein, der wäre dann nicht mehr „kritisch“, es könnte keine Kettenreaktion stattfinden. Aber halt! Wie wäre es denn mit leichter brennbarem Material in unserem Minireaktor? Gibt es so etwas?

Tatsächlich! Wir füttern unsere heutigen Kraftwerke schon mit einer Mischung aus „Holzwolle und Brennholz“, und zwar im Verhältnis von 4% zu 96%. Wenn wir unserem Zwerg jetzt Zucker geben, wenn wir auf 20% Holzwolle aufstocken, dann geht’s, dann wird er kritisch.

Was für den Kamin die Holzwolle, das ist für unseren Reaktor das Uran 235, welches im natürlichen Uran nur 0,7% ausmacht. Es muss für die heutigen Reaktoren auf 4% „angereichert“ werden, für die kleinen Reaktoren muss man dann eben auf 20% anreichern. Das ist kein Problem, vorausgesetzt, man geht in dieser Richtung nicht allzu weit, etwa bis 90% oder mehr. Dann könnte man damit nämlich Atombomben bauen.

Akademik Lomonosow

Existieren diese Zwerge bislang nur im Märchen? Keineswegs. Die USA und Russland treiben damit seit Jahrzehnten ihre Eisbrecher, U-Boote und Flugzeugträger an. Aber auch in zivilem Einsatz sind sie bereits zu finden, etwa in Form des schwimmenden Kraftwerks mit dem Namen „Akademik Lomonosov“ (Siehe Google Earth: 69°42’35.64″ N 170°18’19.48″ E).

Hier, nördlich von Kamtschatka, liefern zwei Kleinkraftwerke seit einem Jahr gemeinsam 70 Megawatt, also ein Zwanzigstel eines klassischen KKW. Es sind so genannte Druckwasserreaktoren, die mit 15% angereichertem Uran betrieben werden.

Das Funktionsprinzip der Kraftzwerge ist identisch mit dem der großen KKWs, d.h. bei ihrem Betrieb entsteht ebenfalls radioaktive „Asche“, die auch nach Abschalten des Reaktors, nach dem Stopp der Kernspaltung durch Neutronen, weiterhin mehr Energie abgibt, als uns lieb ist. Hier muss gekühlt werden, um eine Schmelzen – einen „Meltdown“ – dieses Gemischs aus Uran und Spaltprodukten zu verhindern.

Und die Sicherheit?

Welche Vorteile hätten dann diese SMRs? Wären sie sicherer als die traditionellen KKWs?

Gegenfrage: Geht es überhaupt noch sicherer? Falls in Deutschland überhaupt jemals Menschen durch „nukleare“ Ursachen ums Leben gekommen wären, dann hätte man vermutlich lautstakt davon gehört. Zweifelsohne kann man sagen, dass die Kernenergie in 65 Jahren weniger Todesopfer gefordert hat, als die Corona-Impfung in einem Jahr. Und das ist offensichtlich ein Risiko, das akzeptiert wird.

Man kann annehmen, dass die SMRs ebenso sicher sind wie die großen Kraftwerke. Es gibt Vorschläge, wie man SMRs auslegen kann, damit beim Ausfall der Kühlwasser-Pumpen kein Meltdown eintritt, bzw. dass das geschmolzene Material dabei unter der Erdoberfläche eingeschlossen bliebe. Diese Sicherheitsmerkmale sind in kleinen Dimensionen eher zu verwirklichen als bei den traditionellen Riesen. Wenn das gelänge wäre es sicherlich ein Plus und ein wichtiges PR-Argument.

Economies of Scale

Als wesentlichen Vorteil aber erwartet man eine Vereinfachung des Baus. Bei einer größeren Zahl kleinerer, identischer Reaktoren würde man standardisierte Komponenten – „Module“ – in einer Fabrik herstellen und diese dann am Standort montieren. Das würde die spezifischen Kosten, also die Kosten pro Megawatt installierter Leistung, vermutlich senken.

Bei den heutigen großen Reaktoren liegen die in der Größenordnung von €8 Mio/MWe. Die Gesamtkosten für die erwähnte 70 MW Akademik Lomonosov werden mit 37 Mrd. Rubel angegeben, rund €440 Mio. Das wären also rund €6 Mio. pro installiertem Megawatt.

Und noch etwas: Im Zusammenhang mit SMRs werden manchmal kernphysikalische und technische Alternativen vorgeschlagen, die wir hier nicht diskutieren. Die enorme Erfahrung in Bau und Betrieb der Druckwasser bzw. Siedewasserreaktoren wird man beim Bau der ersten Generation von SMRs sicherlich nicht ungenutzt lassen. Man wird mit dem Sprung in der Dimension nicht gleichzeitig einen Sprung in der Technologie machen.

Ein Abfall vom Irrglauben

Zurück zu unserem Ausgangspunkt: Glauben Sie, dass wir von den Grünen einen „Abfall vom Glauben“ , bzw. vom Irrglauben erwarten können? Werden sie mit dem hier vorgeschlagenen Narrativ Deutschland endlich ermöglichen, die fatalen Sackgasse Richtung Blackout zu verlassen?

Wenn es denn so käme, dann wäre das ein historischer Meilenstein: es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass aus dieser Richtung ein vernünftiger Vorschlag käme.


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DIE DIGITALE NABELSCHNUR — thinkagain

Bild: Lili Covac / unsplash

DIE DIGITALE NABELSCHNUR

Früher gab es diesen segensreichen Moment, der jede Reise zum existenziellen Erlebnis machte; früher gab es den Abschied, der uns frei in die Welt entließ. Den hat uns der Fortschritt gestohlen. Jetzt hängen wir immer und überall an einer digitalen Nabelschnur.


Als ich Anfang Zwanzig war freundete ich mich mit einer Familie an, die auf ihrer Europa-Tour durch München gekommen war. Bei der Abfahrt schlug man mir einen Gegenbesuch vor, was  angesichts der sympathischen Tochter eine ganz reizvolle Idee war. Ein paar Monate später schlachtete ich also mein Sparschwein und machte mich auf die Reise.  Über Luxemburg ging es nach New York, nach Miami und schließlich nach El Salvador in Mittelamerika, der Heimat meiner Gastgeber.

Am Sonntag Hinrichtung

Ich fühlte mich dort allerdings nicht wohl, und als ich erfuhr, dass für Sonntag der Besuch einer öffentlichen Hinrichtung geplant war, da beschloss ich, das Land mit dem nächst möglichen Flug zu verlassen.  Der ging dann zufällig nach Mexiko City. Dort angekommen erwarb ich ein Buch mit dem Titel  „Mexico on $5 a Day“. Das war kein leeres Versprechen und mit hundert Dollar in der Tasche verbrachte ich noch drei Wochen in dem faszinierenden Land.

Während dieser Zeit hatte ich keinerlei Kontakt mit zu Hause, kein Brief, kein Telefonat und keine Flaschenpost. Es waren die Sechziger Jahre, und Reisen war damals noch ein existentielles Erlebnis. Ab dem Moment, wo man von der Startbahn abhob, gab es nur noch das Flugzeug und vor sich das fremde Land, sonst nichts.

Das ist heute anders. Noch vom Flieger aus telefonieren wir mit Freunden und teilen Selfies, und  nach der Ladung erst recht.  Wir sind dann überall und nirgendwo zugleich. Wir sind in Neverland. Wir stehen vor dem Taj Mahal, und Facebook erinnert uns an den Geburtstag dieses idiotischen Freundes, den wir längst vergessen hatten; und während die Mariachi am Strand von Acapulco  „La Paloma“ spielen, ist die Nachbarin aus Gelsenkirchen am Handy, um uns mitzuteilen, dass das Licht in der Garage noch brennt – und ob das so sein soll.

Man geht zwar  mit dem Körper auf Reisen, aber der Geist ist nur halb dabei. Unsere Aufmerksamkeit gilt nach wie vor dem vertrauten 6-Zoll Display unseres Smartphones, diesem Schwimmreifen für die Seele, die sich nicht traut, voll und ganz in die fremde Welt einzutauchen.

Wie der Vogel Phönix

Früher aber gab es noch diese segensreiche Gabe, die uns der Fortschritt gestohlen hat. Früher gab es noch den Abschied. Es gab diesen kleinen Tod den man stirbt, wenn man Freunde, Familie und das Land hinter sich lässt. Und dieser kleine Tod ist es, der dann an neuen Ufern ein Leben im neuen Hier und Jetzt möglich macht. Wie der Vogel Phönix, so geht die Seele beim letzten Adieu am Airport in Flammen auf, um sich bei der Ankunft an neuen Gestaden gestärkt aus der Asche zu erheben. Man fühlte sich damals wie Hans Albers:

Mich trägt die Sehnsucht fort in die blaue Ferne,
Unter mir Meer und über mir Nacht und Sterne
Vor mir die Welt – so treibt mich der Wind des Lebens.
Wein’ nicht, mein Kind, die Tränen, die sind vergebens.

Diese Freiheit, diese Entbindung vom Alltag gibt es leider nicht mehr.  Heute hängen wir immer und überall an dieser verdammten digitalen Nabelschnur – weil es Gewohnheit ist und weil wir all das Fremde dann weniger konfrontieren müssen. Aber wer sich nicht abnabelt, der wird für immer unmündig bleiben.

Sie haben sicher bemerkt, dass es auf der Reise durchs Leben nicht anders ist. Auch hier ziehen wir unsere Nabelschnur auf Schritt und Tritt hinter uns her. Noch ist das freiwillig, aber bald wird man uns dazu zwingen. Dann hängen wir alle, wie ein Heer von Millionen Embryonen, an der staatlichen Plazenta.

Das wäre nicht meine Welt.


TAGEBUCH EINES MAGIERS + EPISODE 14 — thinkagain

From Rags to Riches

Der Karriere erster Teil

Mit dem frisch gedruckten Diplom in der Hand heuerte ich bei der Daimler-Benz AG als Versuchsingenieur an. Wir beschäftigten uns mit Fahrwerks- und Motorlagern, d. h. damit, wie man Unebenheiten der Straße und Vibrationen der Maschine am besten vom restlichen Auto abkoppelt, damit die Insassen es bequem haben. Es war offensichtlich ein technisch orientierter Job; ich machte das knapp fünf Jahre lang – gut, aber ohne Begeisterung.

Danach hatte ich eine Reihe von Anstellungen, allesamt bei Kfz-Zulieferern, allesamt als Manager. Meine Verantwortungen stiegen von einer Position zur nächsten und 2005, mit 42 Jahren, wurde ich Geschäftsführer der Paguag GmbH, einer 60-Millionen-Firma in Düsseldorf. Im Kapitel Piroska hatte ich ja darüber berichtet.

Auf dieser Karriereleiter verfolgte ich unerbittlich mein klares Ziel, das ich mir beim Empfang meines Facharbeiterbriefes 1983 gesetzt hatte: über DM 10.000 pro Monat und mit 55 genügend auf der hohen Kante, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Mit jeder Sprosse nach oben fühlte ich, wie das Luftschloss immer greifbarer wurde. Dieses Gefühl ließ meine Anstrengungen nicht etwa abschlaffen, im Gegenteil, ich verlangte mir immer mehr ab.

Ebenso verlangte ich anderen viel ab. Ich war rücksichtslos auf mein Ziel orientiert, den Blick auf menschliche Seiten meines Jobs hielt ich durch Scheuklappen von mir fern. Mitarbeiter wurden unerbittlich angetrieben, bei Versagen gab’s keine Gnade, Gefangene wurden nicht gemacht. Kollegen wurden benutzt, wenn es zweckmäßig war, um dann bekämpft zu werden, wenn sie mir im Weg standen. Parallel dazu habe ich ständig, wie ein Falke, nach Chancen gespäht, um mein Gehalt aufzubessern, und ich habe sie alle genutzt.

Ich fraternisierte also nicht mit Kollegen, ich malochte in der Isolation. Das passte gut zu meiner Grundüberzeugung, dass mich eh niemand mochte. Solch ein Glauben hat die Tendenz, sich kontinuierlich selbst zu beweisen. Man geht nicht aufgeschlossen auf den Rest der Menschheit zu, wenn man sich nichts Gutes von ihr verspricht.

Dieser Teufelskreis wird in einer fernöstlichen Anekdote anschaulich geschildert: Ein junger Mönch kommt auf seiner Pilgerreise an einem weisen Mann vorbei und fragt ihn, ob die Menschen im nächsten Dorf wohl hilfsbereit und freundlich seien. „Wie waren sie denn im letzten Dorf?“, fragt der Weise zurück. „Sehr freundlich“, ist die Antwort. „Siehst du, mein junger Freund, so werden sie dann wohl auch im nächsten Dorf sein.“

In meiner Einsamkeit bekam ich nie ehrliches Feedback über die Qualität meiner Arbeit, ich konnte mich nicht mit anderen vergleichen. Also arbeitete ich so hart ich nur konnte und versuchte, keine Fehler zu machen. Denn Fehler machen tut weh – das hatte die Mutter mir beigebracht, als wir Diktate übten. Ohne es zu merken, war ich dabei in meinem Job verdammt gut geworden. Mir war es ähnlich ergangen wie dem Gefangenen aus Stefan Zweigs Schachnovelle, der in der Isolation seiner Einzelzelle eine Partie Schach nach der anderen gegen sich selbst spielt und der nach seiner Befreiung jeden Gegner problemlos matt setzt. Er wusste gar nicht, dass ein Meister aus ihm geworden war.

Ende der Ehrfurcht

In der Zeit von meinem 26. bis zum 44. Lebensjahr hatte ich sieben verschiedene Anstellungen gehabt und von Job zu Job war ich immer eine Stufe höcher geklommen. Nebenher hatte ich dabei sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen, Geschäftsfelder und Herausforderungen kennengelernt. Dabei entwickelte ich eine Vorliebe für die Bewältigung von Krisen. Ich kam nun auf die Idee, daraus einen Job zu machen. Das wurde beflügelt durch die Bekanntschaft mit dem Paten, der in genau dieser Branche tätig war. Er hatte ein Unternehmen für die Sanierung problematischer Firmen und war auf der Suche nach guten Restructuring Officers.

Solch ein Wechsel war auch im Sinne meiner zentralen Zielsetzung, nämliche reich und unabhängig zu werden. Ich wäre auf eigene Rechnung tätig und würde Tageshonorare abrechnen, die, wenn man das ganze Jahr hart arbeitet, das Zwei- bis Dreifache meines Gehalts als Geschäftsführer bringen würden. Falls Sie die vorigen Kapitel aufmerksam gelesen haben, dann wissen Sie inzwischen besser als ich, wie es mir in diesem neuen Gewerbe ergangen ist. Sie haben Piroska kennengelernt, Ferro, Siegfried und letztlich die vierjährige Agonie bei der verdammten Grillo GmbH. Und, ich verschweige es nicht, die Rechnung ist aufgegangen, das Ziel ist erreicht. Mit 53 kann ich sagen „Mission accomplished“.

In diesen Jahren hatte ich automatisch mit Herren in gehobenen Positionen zu tun: Bankdirektoren, Unternehmern und Topmanagern.

Wie Sie hinlänglich wissen, war ich nicht in diesem Milieu groß geworden, weder gesellschaftlich noch beruflich. Ich war letztlich ein kleiner Fisch aus einfachen Verhältnissen, der alles tun musste, um sich in diesen Kreisen bewegen zu dürfen. Ich musste damit rechnen, dass man mich beim kleinsten Fehler in der Luft zerreißen würde. Für die hohen Herren mit ihren Chauffeuren, Sekretärinnen und prächtigen Büros wäre das doch ein Leichtes gewesen. Oder?

Um dem vorzubeugen, hatte ich mir angewöhnt, meine Hausaufgaben gründlich zu machen. Das hatte sich ja schon bei meinem Studium in Mathe und Physik bewährt. Außerdem blieb ich immer – so gut es ging – bei der Wahrheit. So kam es denn, dass ich in keiner der Hunderten von Besprechungen, die ich in den zehn Jahren als CRO hatte, jemals eine Bauchlandung machte. Es gab hochkarätige, knallharte Konflikte, aber niemand konnte mich jemals in der Luft zerreißen. Im Gegenteil: Es wurde immer deutlicher für mich, dass ich nichts zu befürchten hatte, dass die von mir mit solch hoher Ehrfurcht bedachten Personen auch nur mit Wasser kochten, und oft nicht einmal das.

Nieten in Nadelstreifen

Je weiter ich mich auf meinem Weg von „Rags to Riches“, vom Tellerwäscher zum Millionär bewegte – wobei der Tellerwäscher hier nicht wörtlich zu nehmen ist –, desto mehr schwand meine Hochachtung für die Bosse und Banker, desto mehr wuchs meine Sympathie und Anerkennung für die Arbeiter und kleinen Leute. Nicht dass es unter denen keine Flaschen gegeben hätte, aber ich fand hier meist mehr ehrliche Identifikation mit der Firma, mehr Sorgfalt bei der Arbeit, mehr Hingabe und mehr Fleiß als in den Chefetagen.

Es dämmerte mir, dass „dort oben“ völlig unverhohlen das persönliche Wohlergehen und die eigene Karriere verfolgt werden, zu Lasten von Verantwortung und Integrität; dass dort oben die Qualifikation zum Bilden von Seilschaften und zur Selbstdarstellung wichtiger ist als die Befähigung zu Führung und strategischem Denken. Das war eine ernüchternde Erkenntnis für mich. Und auch die Vorstellung, dass es in der Welt der Politik nicht besser wäre, tröstete mich kaum.

In diesen Tagen, während die Erstellung dieses Buches in seiner Endphase ist, erleben wir die Insolvenz von Air Berlin, verbunden mit dem Verlust von 8000 Arbeitsplätzen. Von den prominenten Topmanagern, die sich während der letzten Jahre am Steuer der Firma versucht hatten, konnte zwar keiner den Untergang der Airline verhindern, es gelang ihnen aber immerhin, die eigenen siebenstelligen Gehaltszahlungen zu sichern – auch noch für die Zeit nach der Pleite! Der großzügige Kredit der Bundes­regierung wird dabei sicherlich hilfreich sein.

Großen Anteil an den Miseren, die ich in meinem Job erleben musste, hatten die beteiligten Banker. Immer wieder wurde es offenbar, dass sie bei der Vergabe von Krediten ihre Hausauf­gaben nicht machen. Zu leicht lassen sie sich vom Unternehmer, der Geld braucht, mit schönen Präsentationen und noch schöneren Zahlen betören, ohne sich die Arbeit zu machen, hinter die Fassaden zu schauen. In ihrer Bank verkünden sie dann stolz: „XYZ gehört jetzt auch zu unserer Kundschaft, den haben wir der Konkurrenz vor der Nase weggeschnappt.“

Wenn der Kredit dann wackelt, ist der Kunde schuld, der keinen reinen Wein eingeschenkt hatte. Kann man das denn erwarten? Jeder weiß doch, dass man sich fürs Finanzamt anzieht wie ein Bettler und für die Bank wie ein Millionär.

Aber auch die Unternehmer, die ich kennenlernen durfte, haben mich letztlich wenig beeindruckt. Sie werden fast unweigerlich früher oder später zu kleinen Sonnenkönigen, umgeben vom Hofstaat, der ihnen nach dem Mund redet. Nur allzu gerne lassen sie sich von ihren Vasallen überzeugen, die behaupten, es gäbe keine Probleme. Wenn dann aber ganz offensichtlich der Karren im Dreck gelandet ist, dann werden die geprügelt, die gezogen haben, nicht jene, welche die falsche Richtung vorgegeben hatten.

So ist das leider: Wenn die eigenen Versäumnisse der Führungskräfte nicht mehr zu leugnen sind, dann gehen diese besonders drastisch gegen ihre Mitarbeiter vor.

Auch die Gründer einer Firma sind nicht vor Größenwahn gefeit, obwohl sie doch – im Gegensatz zu ihren Nachfolgern – all die verdreckten Ecken und Winkel, all die Problemzonen ihres Unternehmens gut kennen. Aber auch sie können die Bodenhaftung verlieren, wenn sie dem Erfolg nicht gewachsen sind. Denken Sie nur an unseren armen Siegfried.

Von meinem „Manager-Bashing“ ausdrücklich verschonen möchte ich allerdings Anton Bär, den Gründer der Baco GmbH. Ihm lag seine Belegschaft am Herzen, er war stets fair und voller Verantwortung. Er war ein großartiger Unternehmer und genießt nach wie vor meine Bewunderung und Hochachtung. Leider gestaltete sich unsere Kommunikation zu schwierig, als dass wir hätten zusammenbleiben können. Schade.

Noch weniger gute Haare kann ich an den allgegenwärtigen Beratern lassen. Ihr Können wird von Unternehmern überschätzt und sie tun alles, damit das so bleibt. Dabei könnten diese frisch gebackenen Uni-Absolventen die Aufgaben selbst nicht lösen, bei deren Bewältigung sie angeblich helfen. Ihre Kernkompetenzen sind PowerPoint, modische US-Vokabeln und hohe Rechnungen. Mein Tipp an Manager, die so jemanden anheuern wollen: Prüfen Sie den Kandidaten auf Herz und Nieren. Lassen Sie sich erklären, was er für andere Klienten erreicht hat. Fordern Sie Zahlen und Fakten. Und wenn das erste Mal das Wort „Synergie“ fällt, dann schmeißen Sie den Mann raus.

Rambo oder Robin Hood?

Und wie steht es um mich selbst, den Zauberer? Habe ich denn etwa nicht von dem System profitiert, das ich hier so vollmundig kritisiere? Natürlich habe ich gesalzene Rechnungen geschrieben und dafür gesorgt, dass sie bezahlt wurden. Natürlich habe ich bei Entscheidungen auch eigene Interessen im Auge gehabt. Aber ich habe mich nur auf Themen eingelassen, die ich besser beherrschte als meine Auftraggeber.

Neben fachlicher und intellektueller Ausstattung zeichnete mich Beharrlichkeit aus. Wenn ich vor einer Aufgabe stand, verpasste ich ihr erst einmal eine logische Struktur und setzte dann ein klares Ziel. Ein Ziel ist übrigens etwas anderes als ein Wunsch. Es ist kein „ich möchte …“ oder „es soll …“. Das Ziel ist der Zustand, der erreicht werden muss – unter allen Umständen.

Sobald ich die Koordinaten für mein Ziel einprogrammiert hatte, wurde ich zum Marschflugkörper. Nach dem Start war ich von niemandem mehr zu steuern. Unter Einsatz von Leib und Leben blieb ich auf Kurs. Ich war Rambo mit Schlips und Kragen.

Woher kam der Treibstoff für meine Überschallflüge? Er kam aus dem Hass gegen das ärmliche Arbeitermilieu, dem ich entstammte, und dem Hunger nach Anerkennung. Ich wollte zu denen da oben dazugehören. Ich wollte Geld, Ansehen und einen großen Mercedes.

Habe ich dabei meine Seele dem Teufel verkauft? Allerdings! Es hat lange gedauert, bis ich erkannte, was hinter den Kulissen der Chefetagen wirklich vorgeht. All die Jahre hatte ich mich bis zur Erschöpfung verausgabt, um den Nieten in Nadelstreifen das Vermögen zu retten, das sie durch Leichtsinn und Unfähigkeit aufs Spiel gesetzt hatten. Erst spät in meiner Laufbahn fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die eigentlichen Verlierer sind immer die kleinen Leute.

Das Leben ist eine Lehre, die man hat, wenn man sie nicht mehr brauchen kann. Meine Einsicht in die Ungerechtigkeit der unternehmerischen Welt kam zwar spät, aber nicht zu spät. So konzentrierte ich meine Anstrengungen in den letzten Jahren bei Grillo auf das Wohl der Mitarbeiterschaft. Meine guten Taten galten mal einzelnen Personen, mal auch der gesamten Belegschaft.

Das soll nicht heißen, dass meine vorherigen Einsätze als CRO den Mitarbeitern keinen Nutzen gebracht hätten. Das war aber eher „Kollateralnutzen“, der bei der Sanierung ohnehin abfiel. Aber urteilen Sie selbst:

Bei Piroska sicherte ich letztlich die Jobs für 250 arbeitswillige, loyale ungarische Männer und Frauen.

Nach meinem ersten Einsatz bei Grillo im Jahre 2009 hinterließ ich ein gut funktionierendes Unternehmen mit 450 sicheren Arbeitsplätzen; und nach Grillos Verkauf 2016 wurden immerhin noch 200 Mitarbeiter in den neuen Konzern übernommen, der wesentlich mehr Stabilität versprach, als Grillo mit der amateurhaften Führung durch die königliche Familie bieten konnte.

Siegfried hatte ich damals ausreden können, sein Werk und sich selbst zu vernichten. Das erhielt 200 Arbeitsplätze, heute in der Hand einer deutlich professionelleren Führung.

Das waren gute Ergebnisse, auch für die Mitarbeiter. Aber erst ab 2014, während meines zweiten Einsatzes bei Grillo, entdeckte ich die Mutter Teresa in mir, da begann ich gezielt das Wohl der Arbeitnehmer zu verfolgen. Hier ein Auszug aus meinen guten Taten:

Da war Georg, der einen überflüssigen Job schlecht erledigte. Er wäre der erste gewesen, den man bei einer Sanierung einspart. Ich hörte dann, dass er einst auf dem Heimweg im Auto einen Zusammenstoß und anschließend einen Schlaganfall erlitten hatte. Eine Kündigung wäre sein sicheres Ende gewesen. Ich schloss einen Pakt mit ihm: „Du machst das, was du kannst, und machst das gut; ich sorge dafür, dass du bleibst.“ Er hat sein Versprechen gehalten, ich auch.

Die fleißige Irene entdeckte ich an der Füllmaschine für Grillwürste. Sie tat eine wichtige Arbeit, aber es war klar, dass sie dafür überqualifiziert war. Ihre Klugheit und Ordnungsliebe könnte sie woanders besser zum Einsatz bringen. Ich drängte ihr einen Job in der Logistik auf. Das war zwar ein besserer Job, aber sie wollte ihn nicht und weinte bitterlich. Ich ließ mich nicht erweichen und sie fand schließlich doch Freude an der neuen Tätigkeit und an ihrem Fortschritt. Bei meinem Abschied von Grillo rief sie mich an und wieder flossen die Tränen. Diesmal aber aus Dankbarkeit. Alles Gute, liebe Irene.

Susi Sorglos war Lehrling. Sie fiel mir auf, weil sie in der Arbeitszeit gerne mit Freundinnen in der Kantine plauderte und rauchte. Das brachte ihrem Chef und ihr selbst erst einmal großen Ärger ein. Aber Schuld und Sühne können eine Weichenstellung zum richtigen Weg sein (ich weiß, wovon ich rede). Susi wurde erwachsen, zeigte sich zuverlässig und verantwortungsvoll, wobei sie Charme und Freude am Kontakt mit Menschen beibehielt. Ich sah ihr Potenzial, förderte und forderte sie, und mit dreißig war sie Personalchefin und Prokuristin. Sie war ein Sonnenstrahl im grauen Alltag bei Grillo. Sie wird ihren Weg gehen, auch ohne meine Unterstützung.

Die Mischung aus Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Sozialkompetenz, wie sie bei dreißigjährigen Frauen zu finden ist, ist ein Segen für jedes Unternehmen. Die Beobachtung habe ich konsequent zu Grillos Vorteil und zum Nutzen der Betroffenen in die Tat umgesetzt. Schließlich wurden zwei Drittel der Abteilungen von solchen Kräften geführt. Dabei konnte auch jedes Mal der Wunsch nach Erhalt der Stelle während einer eventuellen Elternzeit erfüllt werden.

Ich habe noch eine weitere Erkenntnis gehabt und realisiert: Eine Person, die man jahrelang im eigenen Betrieb beobachten konnte, ist besser zu beurteilen als ein Kandidat von draußen, der vom Headhunter nach einstündigem Interview vermittelt wird. So habe ich fast alle unteren Führungskräfte intern rekrutiert, nachdem ich stets mit wachem Auge für geeignete Kandidaten durch die Firma gegangen war.

Ich bin stolz auf mein strategisches Personalmanagement, aber ich wäre nicht Mutter Teresa, hätte ich mich nicht auch der Ärmsten unter den Armen angenommen. Das waren zweifellos die osteuropäischen Kumpel, die über Werksverträge beschäftigt waren. Das war gut für die Firma, da die Leute leicht zu kündigen waren. Es war weniger gut für die Betroffenen, weil sie keine Sicherheit hatten – weder kurzfristig noch auf lange Sicht.

So bot ich den Betroffenen unbefristete Verträge an, inklusive all der Leistungen und Sicherheiten, welche auch die regulären Angestellten hatten. Die meisten akzeptierten. Für die Firma wurde das etwas teurer, aber den Arbeitern gegenüber war es nur fair. Ich nahm von den Reichen und gab es den Armen. Vielleicht bin ich doch eher Robin Hood und nicht Mutter Teresa.


Und hier bekommen Sie den kompletten Roman 

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encore – WASSERSTOFF, DER NEUE WAHN — thinkagain

Unsere Regierung hat in Sachen Umwelt und Energie ihre Versprechen nicht nur gebrochen, sie hat konsequent das Gegenteil dessen geliefert, was vereinbart war. Doch jetzt erscheint da ein „weißer Ritter“, der die Energiewende zu epochalem Triumph führen soll. Mit hellen Fanfaren­klängen wird er angekündigt. Sein Name ist Wasserstoff. Wird er uns retten?

encore – EIGENWILLIGE MODELLE — thinkagain

In Sachen Corona und Klimawandel konfrontiert man uns immer wieder mit „Computermodellen“. Kann man diesen Berechnungen vertrauen? Auf keinen Fall blind, denn auch hier gilt der erste Hauptsatz der Infor­matik: „garbage in – garbage out“. Lassen Sie uns drei solcher Fälle betrachten.


Ein ganz süßes Video

Sicherlich haben Sie schon einmal, liebe Leserin, ein ganz süßes Video mit ein paar Freundinnen geteilt, und Sie lieber Leser haben den Clip eines attraktiven Models an Ihre Kumpels verschickt. Da kann man dann fragen, wie sich solche kleinen Geschenke über die Menschheit ausbreiten, wenn jeder der Bescherten genau so weitermacht.

Dazu treffen wir ein paar Annahmen über die Wirklichkeit. Wir gehen davon aus, dass jeder den Clip mit 10 Freund/innen teilt, und dass der Empfänger es dann ebenso macht; und so weiter. Wie viele haben den Clip nach 10 Tagen? Nach dem ersten Tag sind es Sie plus 10 Freunde, macht 11. Nach dem zweiten Tag sind es Sie, Ihre 10 Freunde plus deren jeweils 10 Freunde, also 1 plus 10 plus 100, macht 111.

Nach 10 Tagen wird daraus eine Zahl aus elf Einsen; das sind im Klartext 11 Milliarden.

Modelle sind eigenwillig

Wir haben also versucht, die Wirklichkeit durch Mathematik abzubilden. Dazu haben wir angenommen, dass der Zuwachs an neuen Betrachtern des Videos proportional ist zur Zahl der existierenden. So etwas wird durch eine „Exponentialfunktion“ beschrieben, weil man den Zuwachs als 10 hoch n schreiben könnte, wobei n, die Anzahl der Tage, als „Exponent“ bezeichnet wird.

Dieses simple Computermodell zeigt uns etwas Interessantes:

Es gibt da Annahmen, die das Endresultat extrem beeinflussen: Wir gehen davon aus, dass unsere Freunde und Freundesfreunde täglich teilen. Würden sie aber nur am Wochenende teilen, dann hätten wir nach 10 Tagen nur gut hundert Bescherte, nicht elf Milliarden! Das ist ein Unterschied.

Wir haben behauptet, dass jeder 10-mal teilt. Bei 5 „Shares“, so wie es uns WhatsApp maximal zugesteht, wären wir bei rund 10 Millionen gelandet. Auch noch eine große Zahl, aber immerhin nur ein Tausendstel der vorherigen.

Die Zeitspanne – täglich oder nur am Sonntag – und die Zahl der Shares sind die „Parameter“ unseres Modells, und wenn wir die nicht genau kennen, dann wird das Resultat nicht nur falsch, es kann grotesk unsinnig werden.

Die innere Logik

Aber nicht nur die Parameter des Modells müssen stimmen, auch die innere Logik des Vorgangs muss durch die Mathematik richtig abgebildet sein. Wir müssen bedenken, dass über kurz oder lang die einen oder anderen antworten: „Ja, super Clip, kannt´ ich aber schon.“ Die dürfen wir dann nicht mehr zählen.

In unserem Modell hatten wir das nicht berücksichtigt. Es waren also die Parameter unsicher und die Logik falsch. Als Folge davon war das Resultat unbrauchbar.

Sie sagen, das sei trivial? Dann sagen Sie das bitte auch Herrn Neil Ferguson, Professor am Imperial College London, und seinen deutschen Kollegen, die mit ihren fürchterlichen mathematischen Modellen in Sachen Corona berühmt und berüchtigt wurden. Vermutlich lagen auch deren Annahmen zur intrinsischen Logik der Epidemie daneben, oder die Parameter waren ungenau, oder beides. Vielleicht haben auch sie „täglich“ angenommen, wenn „wöchentlich“ richtig gewesen wäre. Und heraus kam ein abstruses Ergebnis.

Eine Maschine voller Schräubchen

Keine Sorge, wir werden jetzt nicht das einzig richtige Computermodell zur Ausbreitung einer Pandemie entwickeln, wir wollten nur aufzeigen, wie leicht so ein Modell uns total in die Irre führen kann.

Noch komplizierter ist vermutlich der Mechanismus unseres Klimas. Da gibt es neben CO2 so viele andere Einflussfaktoren, welche alle in unserem Modell auftauchen müssen und deren relativer Einfluss durch die jeweiligen „Parameter“ abgebildet wird. Da sind das stratosphärische Ozon, der Wasserdampf durch CH4, der Albedo-Effekt durch Wolken, die langlebigen Kondensstreifen und noch einige andere Kandidaten, die alle in die Energiebilanz des Planeten eingreifen.

Ein mathematisches Modell dafür wird eine recht komplizierte Maschine, an der viele Schrauben sind – die Parameter –, an denen wir so lange drehen, bis die Maschine das tut, was wir möchten.

Wunschdenken

Hört sich alles logisch an, wir werden aber sehen, dass das Drehen an den Schräubchen, welche die Wirklichkeit abbilden, vertrackt ist. Drehen wir die eine vor, dann muss die andere zurückgedreht werden etc. Und je mehr Schräubchen an der Maschine, desto willkürlicher kann man sie einstellen, um ein gewünschtes Ergebnis zu bekommen.

In der Wissenschaft unterscheidet man experimentelle und theoretische Physik. Erstere beschäftigt sich damit, im Labor gemessene Daten den Gleichungen gegenüberzustellen, die von Theoretikern ersonnen wurden. Mathematische Modelle sind hier das alltägliche Werkzeug. Man malt eine Kurve mit den Messwerten und vergleicht sie mit der Kurve der theoretischen Berechnungen. Dann „schraubt“ man an den Parametern, bis die beiden Kurven möglichst gleich sind.

Ein Elefant mit vier Schrauben

Enrico Fermi, der vermutlich größte Experimentalphysiker aller Zeiten, erklärte seinen Studenten, dass Modelle nur ganz wenige Stellschrauben haben dürfen. Er verbildlichte das mit den Worten: „Gib mir ein Modell mit drei Schrauben, und ich zeichne dir eine Kurve, die aussieht wie ein Elefant; und mit vier Schrauben wedelt der mit dem Schwanz.“

Willkommen in der Welt der Klimaforscher, die mit megakomplexen Modellen und riesigen Computern so lange an den Schräubchen drehen, bis das rauskommt, was Politik und Geldgeber wünschen. Da wedelt der Elefant dann nicht nur mit dem Schwanz, sondern der Schwanz mit dem Elefanten, falls das gewünscht wird.

Das ganze Modellieren funktioniert also nur, wenn der Wissenschaftler unvoreingenommen ist, denn Wissenschaft ist eine Funktion der absichts­losen Wahrheit. Diese Neutralität aber ist dank der Einmischung von Politik in die Wissenschaft verloren gegangen; Corona und Klima sind nur die zwei auffallendsten Beispiele dafür.

Computermodell der Macht

Und nun zu einem Phänomen, zu dem wir mehr als genug Erfahrung haben, um ein zuverlässiges Computermodell zu bauen: Es ist das Phäno­men der Macht. Hier sind Parameter und intrinsische Logik gut bekannt, und die Dynamik wird präzise durch die eingangs erwähnte Exponentialfunktion beschrieben.

Die Geschichte zeigt, dass je mächtiger eine Person ist, desto größer wird ihr Verlangen nach noch mehr Macht. Und da Macht nicht vergeben wird, sondern genommen, so hat der Mächtige eine sehr gute Position: Er kann sich ja nehmen, was er will.

Betrachten Sie herausragende historische Figuren und Sie werden sehen, wie sich deren Macht alle drei oder fünf Jahre „verdoppelt“ hat. Dieses grenzenlose Wachstum konnte dann nur durch eine Katastrophe gestoppt werden – wie etwa Waterloo.

Deshalb muss das exponentielle Wachstum der Macht, wenn schon unvermeidlich, so doch zeitlich begrenzt werden; etwa auf zwei Amts­perioden. Diese Randbedingung, ein wesentlicher Bestandteil der Politik der USA, hat dafür gesorgt, dass es dort seit 1776 nie zu einem „Meltdown“ der Demokratie kam. Niemals konnte ein machtbesessener Präsident so willkürlich in das Schicksal von Millionen eingreifen, wie das im Europa der vergangenen 250 Jahre die Regel war.

Ein Gedankenexperiment

Aber nicht nur in der Geschichte, auch in der Gegenwart gibt es Fälle von grenzenloser Macht. Erdogan, Putin, Zuckerberg sind Namen, die uns da sofort einfallen; ja, und in Deutschland regiert die „mächtigste Frau der Welt“. In 15 Jahren hat ihre Macht exponentiell zugenommen und im Februar 2020, mit dem Absetzen des gewählten Thüringer Minister­präsidenten, eine Höchstmarke erreicht.

Lassen Sie uns in einem Gedankenexperiment – Gedanken sind bekannt­lich frei – ein mathematisches Modell für die politische Zukunft Deutsch­lands entwerfen. Die Exponentialfunktion lässt ja ein noch stärkeres Anwachsen von Merkels Macht für die nächsten Jahre erwarten. Was wird geschehen?

Sie wird keine Welle der Beliebtheit verstreichen lassen, ohne daraus Kapital zu schlagen. Ihr aktuelles „Corona High“ wird sie nutzen, indem sie vor Ende 2020 Neuwahlen organisiert – mit ihr selbst als einziger Kandidatin. Eine schwarz/rot/rote oder schwarz/rot/grüne Koalition bringt es dann auf eine 2/3-Mehrheit.

Eine neue Fahne

Es wird neue Ministerien geben, reichlich besetzt mit Expertinnen sozialistischer Prägung: Eines für Faktensicherung, ein anderes für Demo­kratie, mit angehängten „NGOs“. Regierungskritischen Zeitungen und Blogs wird das Leben durch bürokratische Schikanen unmöglich gemacht. Der Bundestag bleibt zwar noch bestehen, zur Arbeitsplatzbeschaffung für hilfreiche Persönlichkeiten, hat aber keine Funktion mehr.

Ohne parlamentarische Opposition, ohne kritische Medien kann endlich praktiziert werden, was lange angestrebt war: Es wird durchregiert. Die Verfassung wird nur respektiert, falls sie der großen Transformation nicht im Wege steht, ansonsten wird sie angepasst. Die Demokratie in Deutsch­land hat damit den „Tipping Point“ überwunden und es geht vorwärts – und abwärts – in die sozialistische Vergangenheit. Die neuen strate­gischen Partner werden Türkei, Iran und Russland sein; Polen, England und USA bleiben Feindstaaten. Und die verhasste schwarz-rot-goldene Fahne wird endlich ersetzt durch ein Banner mit sozialistisch-ökologischen Symbolen.

Soweit also ein mathematisches Gedankenexperiment in Sachen Expo­nentialfunktion. Es hat keinen Bezug zur Realität, denn Frau Merkel hat ihr Ausscheiden aus der Politik bereits angekündigt, und nur ein Schelm würde an ihren Worten zweifeln.


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TAGEBUCH EINES MAGIERS – EPISODE 12 — thinkagain

Rettung aus Seenot

Der Notruf

In der Luft- und Seefahrt wird ein standardisierter Funkspruch benutzt, durch den ein Kapitän mitteilt, dass es an Bord Probleme gibt, dass der sichere Betrieb des Fahrzeugs gestört ist, dass aber keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht. Dieses Signal wird durch die dreimalige Wiederholung der Silben „Pan Pan“ gesendet. Von den Empfängern der Nachricht wird zwar keine Hilfe erwartet, aber sie werden darauf vorbereitet, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Den ersten Pan-Pan-Ruf des Königs empfing ich im August 2012 nach knapp zwei Jahren Funkstille im Anschluss an mein Ausscheiden aus Grillos Beirat. Er jammerte über die bedrohliche finanzielle Lage der Firma und die Ungeduld der Banken. Man hatte ihn intensiv gedrängt zu verkaufen.

Der König klagte, dass der Prinz, kaum das Ruder in der Hand, sich jegliche Einmischung in seine Geschäftsführung verbat. Mit seinen abwegigen Entscheidungen trieb er die Firma nun aktiv in Richtung Ruin. Auch Belegschaft und Betriebsrat hätten den König auf unhaltbare Zustände in der Firma angesprochen und sein Eingreifen gefordert.

Er machte sich schwere Vorwürfe, dass er sich von seinem ursprünglichen Plan hatte abbringen lassen: Eigentlich wollte er die Firma dem Prinzen erst später übergeben, wenn der vierzig wäre und er selbst Anfang siebzig. Aber Prinz und Königin hatten ihn davon abgebracht. So hatte er das Ruder schon früher aus der Hand gegeben und der Prinz hatte keine Sekunde gezögert, um zu demonstrieren, dass er das in ihn gesetzte Vertrauen nicht verdient hatte. Kann es eine noch schlimmere Enttäuschung für einen Vater geben?

Der König musste jetzt zugeben, dass ich, der Zauberer, all diese schlimmen Entwicklungen damals im Beirat prognostiziert hatte. Insbesondere hatte ich gewarnt, dass die Banken keine Gnade kennen würden und man gezwungen sein könnte, in Eile und weit unter Wert zu verkaufen.

Nach diesem Pan-Pan-Anruf des Königs fühlte ich dennoch keine Genugtuung, recht gehabt zu haben. Ich fühlte Bedauern, weil ich mit ansehen musste, wie ein Werk, in dem hundert Jahre Plackerei und Kreativität steckten, auf so erbärmliche Weise zugrunde ging.

Zwei Monaten später kam der nächste Anruf des Königs, mit neuen schlechten Nachrichten. Was konnte jetzt noch schief­gehen, wo schon fast alles verloren war? Sie werden es nicht glauben: Es gab ein Kartellverfahren gegen Grillo. Das Risiko für die Firma belief sich auf 5 Millionen, auch für die Inhaber persönlich stand eine hohe Strafe im Raume. Grillo hatte sich an gesetzwidrigen Preisabsprachen innerhalb der Branche beteiligt und die Sache war aufgeflogen.

Die Banker hatten das nicht vorhergesehen und vermutlich auch nicht vorhersehen können, aber jetzt sprangen sie im Karree. Was sollte der König tun? Ich konnte ihm nur raten, den Prinzen aus dem Geschäft zu entfernen, und zwar lieber heute als morgen. Er sollte sich entscheiden, was wichtiger war: Das Überleben der Firma oder das Ego seines Sohnes. Würde er meinem Rat folgen?

Ein paar Wochen danach klingelte das Telefon erneut. Diesmal war es allerdings nicht „Pan Pan“, sondern „Mayday“. Die Banken betrachteten die Firma jetzt als hoffnungslosen Fall. Man wollte sich nicht einmal die Mühe machen, die Bücher zu prüfen, das war die Sache nicht mehr wert. In dieser Situation auf einen Käufer zu hoffen, war natürlich auch unrealistisch. Das Ende war nah.

Für die kommende Woche war eine Bankenrunde anberaumt, in der es um alles ging, wo der Stab über Grillo gebrochen würde. Konnte der Zauberer helfen?

Stolz und Verzweiflung

Zweifel entstehen, wenn uns die Information fehlt, um eine gute Entscheidung zu treffen. Das kann dann ein Anlass für uns sein, unsere Gedanken zu ordnen oder unser Wissen zu erweitern. Zweifel sind nichts Schlechtes, so wie auch Hunger nichts Schlechtes ist. Er ist ein Impuls, der uns antreibt, Essbares zu finden. Zuviel Hunger allerdings kann dazu führen, dass wir ver-hungern, und zu viele Zweifel lassen uns ver-zweifeln.

Verzweiflung aber ist ein destruktiver Zustand, in dem wir überzeugt sind, dass es nicht an Wissen fehlt, um die beste Alternative zu wählen, sondern dass alle verfügbaren Alternativen ins Verderben führen. Unsere Situation erscheint ausweglos. In dieser Verfassung – egal ob sie auf objektiven Fakten basiert oder nur auf unseren Vorstellungen – setzt ein körperlicher und mentaler Verfall ein, der tödlich enden kann. Verzweiflung kann einen Menschen vernichten.

Ich hatte ihn kaum erkannt. Der einzelne Mann, der am Tisch in dem eleganten Restaurant saß, war mehr als ein Abbild der Hoffnungslosigkeit, er war deren Verkörperung. Der König war am Ende. All die Zweifel, die er bei der Übergabe des Unternehmens an den Prinzen hegte, hatten die vergangenen zwei Jahre an ihm gefressen. Die bösen Geister aus seinen schlimmsten Albträumen, sie waren jetzt gekommen, um bei ihm zu bleiben. Nur noch ein Wunder konnte ihn retten. So hatte er also allen Stolz abgelegt und nach dem Zauberer gerufen – und ich war tatsächlich gekommen.

Hatte ich denn keinen Stolz? Schließlich hatte ich doch Grillo damals aus der Krise geholt, aus einem unstabilen Break-even hatte ich die Firma in die solide Gewinnzone geführt. Die Eigner waren zufrieden und die Banken auch. Hat man mir Dank gezeigt? Das Gegenteil hat man mir gezeigt: die Haustür. Man hat den Mohren wissen lassen, dass er seine Schuldigkeit getan hatte.

Wie also war es um meinen Stolz bestellt? Ich könnte jetzt eine einfache, praktische Antwort geben, mit der Sie, lieber Leser, vielleicht zufrieden wären, die Sie vielleicht sogar erwarten: „In meiner Branche kann man es sich nicht leisten, Stolz zu zeigen. Das wäre höchst unprofessionell.“ Diese Antwort ist mir aber zu oberflächlich. Ich gehe etwas mehr in die Tiefe.

Stolz ist das Schutzschild für unsere Lebenslügen. Welche Lebenslüge hätte ich vor Familie Grillo zu verbergen gehabt? Mir fällt keine ein, daher brauchte ich auch kein Schutzschild. Ich war nicht stolz, ich war nur meiner selbst sicher. Daher hatte ich keine Scheu vor dem König.

Natürlich witterte ich in dem Gespräch auch die Chance für einen neuerlichen Auftrag. Für mich als Freiberufler war das ein wichtiger Punkt. Dennoch, ich sage Ihnen, ich hätte mich mit dem König auch getroffen, wenn ich nichts zu erwarten gehabt hätte. Mit dem Bruder ebenfalls. Mit dem Prinzen wohl eher nicht, das wäre verlorene Zeit gewesen.

Der Offenbarungseid

Wir hatten für unser Treffen – unter vier Augen – eine Lokalität gewählt, wo wir beide anonym waren. Da saß er nun, der halbe König, den ich damals so oft bei seinen Streitereien, seinen Zweifeln, seinen feigen Kompromissen und kleinen Gaunereien beob­achtet hatte, und er tat mir leid.

Der Hilferuf als solcher war ja schon die Einleitung zu seinem Offenbarungseid gewesen. Was er mir nun eröffnen würde, waren die harten Fakten: Die Firma stand vor dem Konkurs. Würde sie abgewickelt, dann müssten die Banken einen zweistelligen Millionenbetrag abschreiben.

Den Verlust der Firma – und die Sorgen der Bank –hätte der König noch verkraftet. Was er nicht wegstecken konnte, war die Tatsache, dass die Familie im Falle einer Insolvenz mit einer ähnlichen Summe in der Kreide stünde. Man schuldete der Firma, dank großzügiger Entnahmen, einen achtstelligen Betrag. Ein potenzieller Konkursverwalter würde sich natürlich früher oder später bei den Schuldnern des Objektes seiner Obhut melden.

Die Furcht, dass auch die Familie ruiniert wäre, so beichtete mir der König, diese Sorge war stärker gewesen als sein Stolz. So hat er dann den Gang nach Canossa angetreten, um letzte Hilfe bei mir zu suchen. Anderenfalls hätte ich nie von ihm gehört.

Bei der Gelegenheit ließ sich der König sogar zu einem verhaltenen Kompliment hinreißen: Er hätte mich ja über Jahre kennengelernt und wüsste um meine Fähigkeiten und Begabungen.

Ich versprach ihm meine Hilfe und betonte, dass Eile geboten sei.

Der Plan

Die nächsten Schritte werde ich in meiner Beschreibung mit konkretem Datum versehen. Vielleicht interessiert Sie nun gar nicht, ob ein Treffen damals an einem Mittwoch oder einem Freitag war. Das erwarte ich auch nicht, aber es ist spannend zu sehen, mit welchem Tempo die Dinge damals vorangehen mussten. Dafür liefere ich Ihnen die Zeitachse mit.

Bevor man aktiv wird, sollte man einen Plan haben, und bevor man planen kann, braucht man ein Ziel. Das habe ich mir damals folgendermaßen formuliert: In absehbarer Zeit ist das Unternehmen entweder verkauft oder es operiert so profitabel, dass die Verbindlichkeiten bei den Banken getilgt werden können. Dabei sollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten bleiben und der CRO sowie andere am Prozess beteiligte externe Fachleute die vereinbarten Honorare in voller Höhe erhalten.

Als „absehbare Zeit“ hatte ich fünf Jahre angesetzt, das oben beschriebene Ergebnis sollte also spätestens Ende 2017 erreicht sein.

Natürlich kann man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen, aber es ist nützlich, wenn man den Auftraggebern eine Nasenlänge voraus ist und als Einziger ein vernünftiges Konzept vorlegen kann. Dann brauchen die anderen das ihre nicht zu verteidigen.

Die Grundzüge meines Plans hatte ich nach dem Vieraugen­gespräch mit dem König am 24.11.2012 entworfen. Ich diskutierte sie am Telefon mit den beteiligten Banken, um deren prinzipielles Einverständnis ich nicht zu ringen brauchte. Ich hatte es da mit Profis zu tun, die mich außerdem schon kannten und mir vertrauten.

Dann kam der vielleicht heiklere Teil, nämlich die Zustimmung der Familie. Zwar blieb der wenig anderes übrig, als meinen Vorschlag anzunehmen, nachdem die Banken ihn abgenickt hatten, aber sie konnten die Sache kompliziert machen. Dass seitens des Königs Einwände kämen, war nicht zu erwarten, er sah mich als Retter, dem er ausgeliefert war. Der Prinz aber würde vielleicht protestieren. Allerdings würde er kaum etwas Intelligentes von sich geben, vielleicht hatte ihn auch der Vater schon entsprechend eingebremst.

Das Treffen mit der Familie war dann am 2.12. mit König, Prinz plus Prinzessin, wir waren also zu viert. Es war fast die Konfiguration der Beiratssitzung, der ich ja vor gut zwei Jahren ziemlich genervt den Rücken gekehrt hatte. Es muss für die Mitglieder der Familie also ein recht peinliches Déjà vu gewesen sein. Nach Austausch entsprechend frostiger Höflichkeiten kam ich zur Sache.

Ja, ich war bereit und in der Lage, der Familie und der Firma in dieser prekären Situation zu helfen. Dazu gäbe es aber ein paar Forderungen. In diesem Zusammenhang war es nun besonders pikant, dass ich neben dem Prinzen zu sitzen gekommen war, denn meine erste und zentrale Bedingung war, dass ich ab sofort alleiniger Geschäftsführer wäre. Damit aber nicht genug, ich verlangte auch intern Weisungsbefugnis in allen Bereichen, unter anderem auch in Fertigung und Vertrieb.

Mein Nachbar am Tisch war also der Mann, dem ich gerade nicht nur die externe Leitung des Geschäftes Grillo entzog, ich war dabei, ihm auch noch die Weisungsbefugnis für seine angestammten Abteilungen wegzunehmen. Der Prinz sollte mir intern unterstellt sein. Man vereinbarte aber, dass nach außen hin der Schein gewahrt bleiben sollte. Sonst könnte es so aussehen, als sei bei Grillo der Konkursverwalter eingezogen.

Eine weitere Bedingung, die ich stellte, war, dass ich den eventuellen Verkauf der Firma managen würde, falls es denn dazu käme. Für diese Aufgaben forderte ich einen fünfjährigen Vertrag, zu den gleichen Honoraren aus meiner Tätigkeit als Interimsgeschäftsführer in den Jahren 2009 und 2010.

Es gab kaum Diskussionen mit den Mitgliedern der Familie, man fühlte sich halb einverstanden, halb überrannt und erbat sich einen Tag Bedenkzeit. Am nächsten Tag ruft der König an, die Familie würde alles akzeptieren mit Ausnahme der Laufzeit des Vertrages, die man auf vier Jahre begrenzen möchte. Welche Überlegungen dahinterstanden, war mir zwar nicht klar, ich stimmte aber zu.

Damit war ich als De-facto-Geschäftsführer und CRO bei der Grillo GmbH inthronisiert, gut eine Woche nachdem der König mir beim Abendessen sein Leid geklagt hatte. Der hatte sich ja damals vier Monate Zeit gelassen zwischen seinem ersten Pan-Pan-Anruf und dem entscheidenden Mayday Call.

Hier wird deutlich, dass ich als Zauberer eine höhere Geschwindigkeit vorlegte als die Familie. Während Prinz und König sich im zögerlichen Stop-and-go-Tempo fortbewegten, war ich mit Mach 2 unterwegs. Und während ich die Nachbrenner eingeschaltet hatte, leistete ich Arbeit in höchster Qualität. Der Klient bekam also exzellenten Gegenwert für die Honorare, die ich in Rechnung stellte.

Ja, ich verheimliche es nicht, ich bekam im Monat etwa das, was ein mittlerer Angestellter pro Jahr verdient. Wenn meine Klienten aber nach Abschluss meiner Arbeit Bilanz ziehen würden, dann könnten sie sehen, dass meine Honorare eine der besten Investitionen waren, die sie je getätigt haben. Und das war bei allen in diesem Buch beschriebenen Aufträgen so, nicht nur im Hause Grillo – der übrigens der letzte dieser Art in meiner Karriere sein sollte.

Sofortmaßnahmen am Unfallort

Was ich in diesem Buch verschwiegen habe: Ich war zu der Zeit noch bei einer anderen Firma engagiert. Wie konnte ich mich da auf eine neue und noch dazu so kritische Aufgabe einlassen? Der Job war aber in seiner letzten Phase und ich brauchte einen neuen Auftrag. Allerdings, ich muss es zugeben, es gab da ein paar Wochen, in denen ich meine Zeit zwischen beiden Firmen aufteilen musste. Da kam mir die inzwischen wieder normalisierte Beziehung zu meinem Kooperationspartner, dem Paten, gut gelegen. Als frisch gebackener Grillo-Geschäftsführer beauftragte ich ihn, zusammen mit einem kleinen Team unter meiner Anleitung den aktuellen Zustand der Firma zu analysieren.

Der Pate und seine Jungs machten sich am 5. Dezember an die Arbeit, also 48 Stunden nachdem ich von Familie Grillo engagiert worden war. Weitere zwei Tage später, Freitag, 7.12., war mein erster Arbeitstag im Werk.

Erst wenn der Retter an Bord des Schiffes geht, das Mayday gerufen hat, bekommt er ein klares Bild von dem wahren Unheil. Waren die Schilderungen über Funk zutreffend? Waren sie übertrieben oder waren sie geschönt? Ich war gespannt.

Die Prinzessin hatte mir ihr Büro überlassen, das war vielleicht nicht nur eine noble Geste, sondern auch ein Signal, dass sie wenig Lust hatte, sich auf dem kaputten Schiff noch länger aufzuhalten. Es könnte ja irgendwann unbequem werden, da war sie dann lieber zu Hause und spielte mit goldenen Kugeln, als bei rauer See ins Rettungsboot zu springen.

Um 7:00 Uhr bin ich vor Ort, wie üblich. Der König kommt um 9:00, der Prinz gar nicht. Er nimmt an diesem Vormittag auswärtige Termine wahr. Die Führungskräfte waren überrascht, mich wiederzusehen. Der Prinz hatte sie noch nicht informiert, würde aber später unsere kleine Notlüge verstreuen: „Herr Merck ist jetzt wieder für einige Zeit im Hause, um hier und da mitzuhelfen, als rechte Hand. Anschließend wird er dann in Rente gehen.“ Er sollte sich allerdings wundern, was seine rechte Hand mit ihm noch machen würde. Mit der Rente andererseits hatte er gar nicht so unrecht.

Meine erste Aufgabe an Bord war natürlich zu klären, wie viel Wasser das Schiff noch unter dem Kiel hatte, soll heißen, wie viel Geld noch in der Kasse war: 200.000 Euro. Es hätte nicht einmal gereicht, um die Gehälter der 380 Mitarbeiter im nächsten Monat zu zahlen. Der Kiel kratzte auf Grund. In diese unschöne Lage hatte der junge Kapitän das Schiff gebracht. Was konnte ich tun? Mit den Banken war ein neues Meeting für den 8. Februar vereinbart worden, da müsste ich ein überzeugendes Konzept vorstellen, wie das Schiff wieder flott kommen sollte. Bis dahin würde man uns noch über Wasser halten.

In diesen zwei Monaten musste ich einerseits die Firma am Laufen halten und andererseits Wege finden, um Kosten zu senken und die Einkünfte zu steigern. Zugegeben – mit dieser Erkenntnis bin ich noch kein Kandidat für den Nobelpreis in Ökonomie, aber wie so oft liegt der Teufel eben im Detail. Ich musste den Banken einen konkreten Navigationsplan vorlegen, auf dem ich das angeschlagene Schiff aus den Untiefen wieder in offenes Fahrwasser steuern würde.

In dem Punkt waren der Pate und ich verschiedener Meinung. Er hielt diese Option für unrealistisch. Er glaubte nicht, dass die Firma das mit eigener Kraft schaffen würde. Er war überzeugt, dass ein anderer, größerer Dampfer das Schiff Grillo auf den Haken nehmen müsste. Wie sich ein paar Jahre später herausstellte, sollte der alte Fuchs recht behalten. Für die akut anliegenden Aufgaben machte es jedoch keinen Unterschied, wie das Schicksal langfristig spielen würde.

Ich machte mich also an die Arbeit, um Einsparungspotenzial zu finden. Bei den Personalkosten gab es mehrere Posten – Boni, Gehälter der Führungskräfte, Weihnachtsgeld – an denen ich meinen gnadenlosen Rotstift sofort ansetzte. So kratzte ich runde 1,5 Millionen zusammen, das waren durchschnittlich Kürzungen von 300 Euro pro Kopf pro Monat. Die leitenden Angestellten würden natürlich mehr bluten müssen als die Arbeiter. Als ich dem Team des Paten meine Zahlen gab, meldete man Bedenken an, ob die Belegschaft das akzeptieren würde. Aber ich kannte meine Pappenheimer ja schon und war zuversichtlich, dass sie mitmachen würden – zu Recht, wie sich herausstellte.

Und nachdem die prekäre Situation der Firma in der Branche ohnehin kein Geheimnis mehr war, hatte ich auch keine Hemmungen, eine sofortige Maßnahme zur Schonung des Cashflows zu ergreifen: Die Begleichung aller unbezahlten Rechnungen wurde gestoppt. Ist der Ruf erst ruiniert …

Wie auch immer, zwei Monate harter Arbeit hatten sich gelohnt. Die Banken akzeptierten mein Konzept und ließen die Kreditlinie weiterlaufen. Das Schiff hatte wieder eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Allerdings war Bedingung, dass jetzt ein Treuhänder die Rechte der Eigentümer wahrnehmen würde, denn inzwischen gehörte den Banken mehr am Unternehmen als der Familie.

Das war der Stand der Dinge am 8. Februar 2013, gut zwei Monate nachdem der König mich beauftragt hatte. Aus hoffnungsloser Lage hatte ich, mit Unterstützung der Banken, das Schiff aus akuter Seenot gerettet und die Karten waren neu gemischt.

Hier noch eine Randnotiz. Bei dem erwähnten Gespräch mit den Banken am 8. Februar ging es ja ganz konkret um die Rettung der Firma, um Sein oder Nichtsein. Da gab es einiges vorzubereiten und abzustimmen. Es wird Sie vielleicht überraschen, dass der Prinz, damals vor dem Gesetz noch alleiniger Geschäftsführer, es vorzog, die beiden Wochen vor der Konferenz Urlaub zu nehmen.

Und hier bekommen Sie den kompletten Roman 

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