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WIE TOTALITÄR IST DEUTSCHLAND HEUTE? — thinkagain

published 25.09.2022

Bild: Diane Picchiottino / unsplash

Vor ein paar Tagen diskutierten der kanadische Psychologe Jordan Peterson und der englische Journalist Piers Morgan auf dem Fernseh-Kanal „Talk TV“ über die Ukraine, und dass  Putin den Krieg eines Tages als siegreich bezeichnen würde, unabhängig von seinem Ausgang. So kam das Gespräch auf die Rolle der politischen Lüge und das Wesen von Totalitarismus.

Ist  dieses Themen vielleicht nicht nur in Russland von Bedeutung?


Der Sieger steht schon fest

In seiner klaren logischen Analyse der Situation in der Ukraine kommt Peterson zum Schluss, dass Putin in der Lage sein wird, den Ausgang des Konfliktes seinem Volk als Sieg zu verkaufen – was auch immer das Ergebnis sein wird. Das kann er deshalb, weil Russland ein totalitärer Staat ist. Peterson erläutert dann kurz, was einen totalitären Staat ausmacht  hier.

Die klügsten Kommentatoren …  sagten es ganz deutlich: Man kann einen totalitären Staat nur haben, wenn jeder einzelne Mensch bereit ist, andauernd und über alles zu lügen.

Sie können sich das als Top-Down Prozess vorstellen: die Führer lügen selbst und betrafen solche, die nicht genauso lügen. Aber Sie sollten auch bedenken, dass dieser totalitäre Geist auf allen Ebenen der Gesellschaft abgebildet sein muss, so dass in einem wirklich totalitären Staat Ehemänner ihre Frauen und Eltern ihre Kinder belügen.

Der totalitäre Staat hat tatsächlich die Lüge im Griff und da werden die Menschen dann auch mitmachen. Wir sehen das ja bei uns mit der Cancel Culture: „lüge – oder sonst passiert dir was.

Wie ist das bei uns?

Auch wir werden belogen, werden gedrängt selbst zu lügen, bis wir es spontan tun und sogar unsere Mitmenschen drängen, ebenfalls zu lügen. Warum das möglich ist, das können Psychologen und Soziologen erklären. Dass es so ist, daran gibt es keinen Zweifel.

Eine ganz offensichtliche Voraussetzung für diesen Missstand ist der Verlust an Vertrauen in die eigene Urteilskraft. Durch eigene Beobachtung und deren logische Interpretation kommen wir zu dem Schluss, dass gewisse Dinge nützlich, andere schädlich, und wieder andere bedeutungslos für uns sind. Dieser Prozess, Erfahrung genannt, wird ergänzt durch Beobachtungen und Wertungen anderer Personen, etwa wenn uns die Mutter informiert, dass es schmerzhaft ist, die Hand auf die Herdplatte zu legen.

Ganz systematisch wird die Vermittlung fremder Erfahrungen in der Schule und später im Studium betrieben, und wir können nur hoffen, dass es sich da um wahrhaftige Erkenntnisse handelt, die dort gelehrt werden. Zu Erfahrung, Erziehung, Schule und Studium gesellt sich dann noch ein permanenter, unsystematischer Einfluss durch unsere Mitmenschen und durch die Medien.

Leg die Hand ruhig auf die Herdplatte

Je weniger wir unserer eigenen Urteilskraft  trauen, desto manipulierbarer sind wir. Wenn etwa ein böser Onkel zu  uns sagt: „Kannst die Hand ruhig auf die heiße Herdplatte legen, tut nicht weh!“ dann  ist es gut, wenn man der eigenen Erfahrung vertraut und entsprechend handelt. Wir müssen die zu Hause gemachte Erfahrung durch intelligente Schlussfolgerung erweitern. Könnte es tatsächlich  sein, dass die Herdplatte nur zu Hause weh tut und nicht in Onkels Haus?

Beobachtung, Erfahrung und logische Schlussfolgerungen sind die Grundpfeiler unserer Urteilkraft. Diese Komponenten verkümmern heute mehr und mehr. Beobachtung richtet sich immer weniger auf die unmittelbare Wirklichkeit, sondern mehr und mehr auf Bilder, die wir selbst auswählen oder die uns von Rundfunkanstalten präsentiert werden. Diese Beobachtungen können bei uns vielleicht Wertungen oder Emotionen hervorrufen, aber keine Erfahrungen. Es ist ein Unterschied, ob ich auf einer Safari Reportage sehe, wie ein afrikanischer Wildhund einen Touristen in die Hand beißt, oder ob es die eigene Hand ist.

Auch die kognitiven Fähigkeiten für die  intelligenten Schlussfolgerungen verschwinden mehr und mehr, insbesondere weil in vielen Fällen quantitative Aspekte eine Rolle spielen. Zu deren Bewertung müssten elementare mathematische Fähigkeiten vorhanden sein, aber das ist zugegebenermaßen immer weniger der Fall.

Ist es also  schlimm, wenn nur 0,1% der Geimpften schwere Nebenwirkungen erleiden? Und wenn das 60.000 wären, also die gesamte Bevölkerung einer Stadt? Wäre das schlimm?

Erwärmt sich die Erde?

Sie brauchen diese Frage  jetzt nicht mit  ja oder nein zu beantworten, denn  es könnte ja sein, dass Sie selbst keine ausreichenden Beobachtungen dazu gemacht haben. Es wurde da jedenfalls gemessen, dass die Erde sich seit einiger Zeit  im Durchschnitt um ein bis zwei Hundertstel Grade Celsius pro Jahr erwärmt. Das ist pro Jahr ein Tausendstel des Temperaturunterschiedes zwischen Tag und Nacht. Und Sie merken das? Ich kenne tatsächlich Leute die das ganz deutlich merken und die verärgert den Kopf schütteln, wenn ein anderer das nicht nachempfinden kann. Und die wissen auch, dass diese Erwärmung menschengemacht ist!

Verstehen Sie mich nicht falsch, die Aussage: „Ich halte eine Zunahme der Erdtemperatur für möglich“ ist keine Lüge. Zu sagen „Es ist erwiesen, dass das menschengemachte CO2 den Planeten erwärmt“, das ist eine Lüge, die im Top-Down Prozess von Al Gore zu IPCC zu ARD und ZDF getröpfelt ist und jetzt vom Zuschauer übernommen und verteidigt wird.

Das ist Totalitarismus auf jeder Ebene, von den Vereinten Nationen bis hinunter in den Freundeskreis oder die Familie!

Schützt uns die Impfung?

Die Covid Impfung war angepriesen worden mit dem Versprechen, dass zwei Injektionen des  XY Vakzins oder eine Injektion des Z Vakzins immun machten. Es stellte sich heraus, dass entsprechend geimpfte Personen keineswegs immun waren, sondern ebenso häufig erkrankten, wie Ungeimpfte. Das Versprechen war also eine Lüge, die von der WHO auf die Regierungen, auf die Ministerien, Gesundheitsämter und Ärzte getröpfelt war, und die schließlich die Gesellschaft in Gläubige und Ungläubige spaltete.

Das ist Totalitarismus.

Es ist doch schon eine recht  solide Erfahrung, wenn ich jemanden kenne, der erst geimpft wurde und dann krank. Mehr brauche ich nicht zu wissen, um zu folgern: das Versprechen war eine Lüge. So viel Vertrauen in meine eigene Urteilskraft sollte ich haben. Es folgten dann noch weitere Versprechungen: nach der dritten, vierten oder fünften Impfung seid ihr dann wirklich immun, oder zumindest werdet ihr seltener sterben.

Führt die Energiewende zum Sieg?

Stellen Sie sich vor, die Familie rechnet die monatlichen Kosten zusammen, Miete, Strom, Benzin etc. und es ergibt sich eine gewisse Summe. Man kommt zu dem Urteil, dass die Einkünfte von Mama und Papa ausreichen müssen, um diesen Betrag abzudecken, und dass hoffentlich auch noch Luft ist für Anschaffungen und Urlaub.

So ähnlich ist das mit dem Strom. Da rechnen wir nicht in Euros, sondern in Terawattstunden, und davon braucht Deutschland im Monat so um die 40. Manche Monate mehr, andere weniger, so wie das auch bei der Familie ist.

Dieser Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber hinter der gibt es noch etwas Infrastruktur aus Kraftwerken und Leitungen etc. Die müssen nun genug produzieren, um  den monatlichen Bedarf von  40 TWh zu befriedigen; dazu leistet jedes Kraftwerk seinen Beitrag. Nun wurde uns erklärt, dass es unumgänglich sei die Kohle- und Kernkraftwerke abzuschalten, dass aber Windmühlen und Solaranlagen fortan für Strom sorgen werden.

Das ist so, als würde bei unserer Familie erst die Mutter den Job aufgeben, dann der Vater, und die monatlichen Unkosten plant  man zukünftig zu decken indem man in der Lotterie spielt.

Hatten die Betroffenen nicht schon erfahren, dass es durchaus Zeiten ganz ohne Wind und ohne Sonne gibt? Insbesondere im Winter? Konnten sie daraus nicht die intelligente Schlussfolgerung ziehen, dass es dann auch keinen Strom gibt? Insbesondere im Winter? Das Vertrauen in die eigene Urteilkraft wurde ersetzt durch Sympathie für Greta und die FFF-Kinder.

Das war ein Riesenschritt hin zum Totalitarismus. Auch diese Lüge tröpfelte von oben systematisch nach unten. Allerdings dämmert es der Bevölkerung langsam, dass da demnächst vielleicht nichts mehr aus der Steckdose kommt. Aber das wird man uns, ganz wie Wladimir Putin, als Erfolg verkaufen: Die Bevölkerung wurde endlich zu einem nachhaltigen Lebensstil erzogen – ein Sieg für die Umwelt.

Gibt es Mann und Frau?

Die sexuelle Fortpflanzung begann vor etwa zwei Milliarden Jahren mit den frühen  Prokaryoten, beispielweise den blau-grünen Algen. Die Unterscheidung  zwischen männlichen und weiblichen Geschöpfen ist also das  Elementarste, was es im Leben gibt. Diese Polarität ist der Antrieb für jegliche Unternehmungen, sie ist der Stoff aus dem die Opern sind, und sie ist der Quell neuen Lebens.

Ja, es mag vereinzelt  Individuen geben, die das für sich persönlich nicht so klar sehen, aber deswegen für den Rest der Welt die Existenz der biologischen Geschlechter in Frage zu stellen, das wäre absurd. Wie sie wissen  gibt es Tag und Nacht. Ja, und es gibt Regionen in Norwegen, wo die Sonne manchmal auch mitternachts am Himmel steht. Sollen wir deswegen Tag und Nacht abschaffen? Fühlen sich die Norweger heute diskriminiert, wenn wir von Tag und Nacht reden?

Die Leugnung des biologischen Geschlechts wäre nicht nur eine groteske Lüge, es wäre nicht nur der Gipfel des Totalitarismus, es wäre der finale Schritt ins Irrenhaus.

Vertrauen Sie Ihrer Urteilskraft

Vertrauen Sie Ihrer Urteilskraft und fallen Sie nicht auf politisch korrekte Lügen herein. Und falls Sie das tun, dann behalten Sie das für sich. Nehmen Sie sich in Acht vor falschen Versprechungen von Personen, die vorgeben, sie wollten die Welt retten. Jordan Peterson, der Psychologe hat sie durchschaut:

„Es ist nicht so, dass sie den Planeten lieben, sie hassen die Menschheit“.


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DER GECANCELTE INGENIEUR — thinkagain

published 17.09.2022

Bild: Michal Matlon / unsplash

Wird es eine Renaissance von Technik und naturwissenschaftlichem Denken geben, und mit ihr die Rückkehr zu einer Politik, die von Logik und Vernunft geleitet wird? Wird uns der Ingenieur mit seiner Kompetenz, Kreativität und Disziplin aus der Sackgasse holen? Oder werden es die Ingenieurinnen tun?


Dem Ingenieur ist nichts zu schwör

Die Export Weltmeisterschaft hatte Deutschland seinen Ingenieuren zu verdanken, unter denen begabte Unternehmer waren, die in einer sozialen Marktwirtschaft effizient und flexibel agieren konnten. Eine exzellente Infrastruktur hinsichtlich Ausbildung, Verkehr, Energie, und Banken machte es möglich, erstklassige Produkte  zu entwickeln und zu produzieren. Die wurden weltweit gerne gekauft, sogar zu einen etwas höheren Preis, weil „made in Germany“. Von diesem wirtschaftlichen Boom hat ganz Deutschland profitiert, nicht nur die Ingenieure und Unternehmer.

Was macht ein Ingenieur? Vielleicht denken Sie aus Ihrer Donald Duck Zeit  an Daniel Düsentrieb, den  weltfremden Spinner, der sich damit beschäftigt  komplizierte Dinge zu basteln, die niemand brauchen kann. Der echte Ingenieur ist das Gegenteil. Er identifiziert Aufgaben, die gelöst werden müssen, sucht nach der besten Alternative hinsichtlich Qualität, Kosten und Zeit, und sorgt dann dafür, dass die Sache realisiert wird.

Das erfordert Intelligenz, Kreativität und Disziplin.

Helden von gestern

Der Ingenieur bedient sich naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, die meist aus der  Physik stammen. Aufgabe des Physikers ist es, neues Wissen zu schaffen, egal ob nützlich oder nicht. Der Ingenieur macht daraus etwas Nützliches. So werden die  vom Physiker Wilhelm Röntgen entdeckten Stahlen zur medizinischen Diagnose genutzt, mit schwarzen Löchern kann man bisher allerdings nichts anfangen.

Man ehrte die Ingenieure und schuf für ihre Leistungen Museen, etwa das Deutsche Museum München und das Technik Museum Berlin. Sie wurden als Helden gefeiert und von Monarchen geadelt. Und das zu Recht. Würde man aus unserem Dasein die von ihnen seit 1800 erbrachten Leistungen entfernen, vielen Dank! Dann fehlten uns nicht nur Smartphone und Kühlschrank, sondern auch Kanalisation und Röntgengeräte. Was aber würde uns fehlen, wenn wir die  seit 1800 von der Soziologie erarbeiteten Produkte einbüßen müssten? Diese offensichtliche Diskrepanz machte den Betroffenen zu Schaffen.

Unter Geisteswissenschaftlern begann dann in den späten Sechziger Jahren die Verfemung jeglicher Technik, unter dem Vorwand, dass sie uns nur Atombomben und Luftverschmutzung gebracht hätte. Der wahre Grund aber ist, dass Ingenieurs- und Naturwissenschaften die kognitiven Fähigkeiten vieler Soziologen, Politologen und Historiker überfordern würden. Angetrieben von Ressentiment und Neid auf den hohen Stellenwert von Technik und Naturwissenschaften im modernen Leben wurden diese ganz allgemein verteufelt, insbesondere aber die Kernenergie.

Der Marsch durch die Institutionen

Der Marsch durch die Institutionen, in den Geisteswissenschaften entstanden, von den Linken vorangetrieben, von den Grünen vollendet, hat heute, neben anderen wichtigen kulturellen Errungenschaften des Abendlandes, auch die Expertise in Naturwissenschaft und Technik vernichtet. Die erwähnten Museen verfallen, oder werden geschändet – aus dem Deutschen Museum in München wurde die Apparatur, an der Otto Hahn und Kollegen die Kernspaltung entdeckten entfernt und beim Technik Museum Berlin spielt die „Inklusion“ eine wichtigere Rolle, als die Stromerzeugung.

Dieser Sieg passt gut zum männerfeindlichen Zeitgeist, denn der typische Ingenieur ist ja weiß und männlich. Und hier greift nun die grün-linke „Logik“ ein. Trotz der Ablehnung von Naturwissenschaften und Technik wird alles getan, um Frauen zu derartiger Ausbildung zu überreden. Die Technische Universität München etwa hat nicht nur eine Hochschul-Frauenbeauftragte, sondern jede einzelne Fachrichtung hat ihre eigene Fakultätsfrauenbeauftragte. Quote ist wichtiger als Technik. Und auch wenn es noch nicht so weit ist, dass frau auch auf diesem Gebiet Dominanz erzielt hat, so wird es doch in Aussicht gestellt.

Für die Illustration dieses Textes habe ich im Internet nach Bildern unter Stichwort „Ingenieur“ gesucht. So gut wie alle Abbildungen zeigten Ingenieurinnen oder „Engineers of Colour (EOC)“. So artig also folgen Unsplash, iStock etc. dem Zeitgeist. Ein Blick auf ein vermutlich authentisches und aktuelles Team von Ingenieuren gibt ein anderes Bild: so sieht es bei Space X aus.

Was ist die Lösung?

Der Verlust  an Ingenieurskompetenz ist mehr als ein akademisches Thema, er ist ein Problem existenzieller Tragweite. Schon werden im  Alltag dramatische Folgen sichtbar. Brücken verfallen, die Eisenbahn fährt unstet, Flughäfen funktionieren nicht und, ja, es drohen Blackouts. Das wird nicht lustig werden.

Wird man sich also bald nach dem guten alten deutschen Ingenieur sehnen? … der manchmal vielleicht humorlos und pedantisch ist, der aber seinen Job versteht und praktische Lösungen für essentielle Probleme bietet. Vielleicht erkennt man ja irgendwann, dass man Entscheidungen über eine so unendlich komplizierte Sache wie den Umbau des Stromnetzes, sozusagen eine Operation am offenen Herzen unserer Zivilisation, nicht ein paar Laien überlassen kann, die bereit sind, für kurzfristige politische Erfolge langfristiges Leid für das von ihnen regierte Volk in Kauf zu nehmen.

Wird es also eine Renaissance von Technik und naturwissenschaftlichem Denken geben, und mit ihr die Rückkehr zu einer Politik, die von Logik und Vernunft geleitet wird? Wird uns der Ingenieur mit seiner Kompetenz, Kreativität und Disziplin aus der Sackgasse holen? Oder werden es die mit viel Aufwand herangezogenen Ingenieurinnen sein?

Das ist wohl eine Frage, die auch Nostradamus überfordert.


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WIE FOSSIL SIND UNSERE BRENNSTOFFE? — thinkagain

published 03.09.2022

Bild: hulkiokantabak / unsplash

Man erzählt uns, Gas und Erdöl seien über Jahrmillionen aus den organischen Überresten tierischen und pflanzlichen Lebens, aus Fossilien, entstanden . Diese These gilt  als alternativlos, obwohl man „fossile Brennstoffe“ auch auf Planeten entdeckt hat, auf denen es nie Leben gab.


Schliemann musste graben

Archäologen interessieren sich dafür, was Menschen vor Tausenden von Jahren so getrieben haben. Wenn man ihnen bei ihrer Arbeit zuschaut, dann sind sie meist damit beschäftigt zu graben, weil sie hoffen in der Tiefe historische Informationen zu finden. Warum liegt die Vergangenheit eigentlich so tief unter der Erde? Warum musste Heinrich Schliemann drei Jahre lang schaufeln, bis er endlich die Stadt Troja aus dem 13, Jh. v. Chr. fand?

Das kommt so: Auf der Oberfläche unserer Erde lässt sich laufend Sediment nieder. Das ist feiner Staub aus natürlichem Material, welches durch Erosion abgebaut und anschließend von Wind und Wetter transportiert wird. Wenn man Troja also erst in 10 Metern Tiefe entdeckt hat, dann hatten sich da Jahr für Jahr ein paar Millimeter Staub niedergelassen und in drei Jahrtausenden die Gemächer von Menelaos und der schönen Helena unter sich begraben.

Man entdeckte da unten hauptsächlich altes Gestein, vielleicht auch Eisen, aber wenig Überreste von Lebewesen. Das liegt daran, dass organisches Material von größeren oder kleineren Aasfressern, etwa Würmern oder Bakterien, entsorgt wird. Sie fressen Zellulose und andere Stoffe und verwandeln den dort gebundenen Kohlen- und Wasserstoff letztlich in CO2 und H2O, welche auf Nimmerwiedersehen in die Atmosphäre entwischen.

Die Biogenese von Erdöl und Gas

Das muss aber nicht so sein. Ein kleiner Prozentsatz der Überbleibsel von Pflanzen und Tieren landet in Gewässern, sinkt dort als organisches Sediment auf den Grund, vermischt sich mit anorganischem Staub und eventuell vorhandenem totem Plankton. Dieses Gemisch ist nun das gefundene Fressen für anaerobe Bakterien, also solche, die ihr Leben in einer Umgebung ohne jeglichen Sauerstoff verbringen. Sie verwandeln besagten Mix in einen unappetitlichem Schlamm, der da unten vor Sauerstoff geschützt ist, wo die organischen Stoffe also nicht oxidieren können.

So wie die Stadt Troja versinkt dieser Schlamm in der Erde, etwa 100 Meter in einer Million Jahre. Mit der Tiefe nehmen Druck und Temperatur zu, in 1000 m hat man rund 50°C und 250 Bar. Wenn man dann lange genug wartet, sagen wir 60 Millionen Jahre, dann ist diese Masse noch weiter gesunken. Dort unten, in 2000 bis 3800 m Tiefe herrschen noch höherer Druck und eine Temperatur von rund 100°C. Unter diesen Bedingungen verwandelt sich der „Schlamm“ in Erdöl. Noch tiefer und noch heißer werden aus dem Erdöl dann Gase wie Äthan C2H6 und Methan CH4.

Mit diesen Informationen ausgerüstet gehen Exxon und Shell dann an die Arbeit und holen die kostbaren Stoffe an die Erdoberfläche, wo sie sich endlich in unseren Motoren und Gasherden mit dem ersehnten Sauerstoff verbinden dürfen und als CO2 und H2O in der Atmosphäre enden.

Auf zum Orion

Sind also Planeten ohne Vegetation frei von jeglichen Kohlenwasserstoffen? Keineswegs! Jupiter, Uranus, Saturn und dessen Mond Titan sind voll davon, und dort gibt es kein Leben; und kürzlich entdeckte man im Sternbild Orion, 1300 Lichtjahre entfernt, Ölvorkommen, die angeblich alle irdischen Reserven in den Schatten stellen. (Werden unsere Regierenden also demnächst mit Dienstflugzeug und Maske dorthin reisen, um über Lieferungen zu verhandeln?)

Offensichtlich gab es auf anderen Planeten schon „von Anfang an“ Kohlenwasserstoffe – auf der Erde aber soll das nicht so gewesen sein. Warum?

Man geht davon aus, dass unser Planet in seiner Entstehungsgeschichte einmal eine rotglühende Kugel aus „flüssigem Gestein“ war. Falls in dem ursprünglichen Erdmaterial also Kohlenwasserstoffe gewesen wären, so wären die in der Hitze dissoziiert, d.h. in ihre Bestandteile Wasserstoff und Kohlenstoff zerlegt worden. Diese hätten sich später mit dem reichlich vorhandenen Sauerstoff zu H2O und CO2 verbunden. Es wären also keine Kohlenwasserstoffe von damals übrig geblieben. Alles, was wir heute auf der Erde an Kohlenwasserstoffen vorfinden ist Produkt des oben beschriebenen „biogenetischen“ Prozesses, der damit beginnt, dass sich die Pflanzen das CO2 aus der Luft einfangen.

Könnte es auch anders gewesen sein?

Eine Alternative zur biogenetischen Entstehung von irdischem Gas und Erdöl ist der „abiogenetische“ Ursprung. Diese Hypothese wird seit Jahrhunderten immer wieder diskutiert und sie gewann insbesondere durch den Astrophysiker Thomas Gold (1920-2004) und sein Buch  „The Deep Hot Biosphere: The Myth Of Fossil Fuels“ eine gewisse Aufmerksamkeit.

Hier die Hypothese:

Die Erde entstand durch „Akkretion“ von Meteoriten, d.h. durch deren Zusammenballung dank Schwerkraft. Diese Meteoriten enthielten unter anderem Kohlenwasserstoffe. Beim sukzessiven Wachstum der Erde entstanden nun Regionen, die zwar sehr heiß waren, in denen die Kohlenwasserstoffe aber wegen des enormen Drucks dennoch nicht dissoziierten. Diese Regionen liegen heute in einer Tiefe von 100 bis 300 km, also ein paar hundert Kilometer tiefer als die tiefsten Erdöl-Bohrungen.  

Im Laufe der Jahrmilliarden sind diese Gase und Flüssigkeiten langsam nach oben gesickert und haben sich in geeigneten Erdformationen angesammelt, also dort, wo heute danach gebohrt wird.

Stimmt das?

Es gibt eine Liste von Argumenten, die jeweils für und gegen diese Hypothese sprechen. Zunächst ist das Vorhandensein von Kohlenwasserstoffen auf anderen Planeten ein starkes Argument dafür. Dann geben uns auf Erden die Vulkane interessante Hinweise. Deren Schlote reichen ja Hunderte von Kilometern hinunter, hinein in die Regionen des flüssigen Magma und in Tiefen, wo angeblich die erwähnten abiogenetischen Kohlenwasserstoffe lagern. Die müssten dann doch andauernd aus den Kratern strömen, auch beim ruhenden Vulkan.

Im Prinzip ja, aber die verbrennen natürlich sofort an der Luft, sodass wir nur H2O und CO2 nachweisen können.  Bei einem Ausbruch des Vulkans würden allerdings solche Mengen an unverbrannten Gasen herausgeschleudert, dass sie erst über dem Krater in Flammen aufgingen, man hätte also „feuerspeiende Berge“.

Dieses Feuer wäre bei all dem Rauch und ausgeworfenen glühenden Magma allerdings schwer zu beobachten. Deutlich erkennbarer werden Flammen bei Eruptionen unter der Meeresoberfläche, so etwa beim Ausbruch eines der Krakatau-Vulkane in der Sundastraße, als das glühende Magma unter Wasser blieb, die brennbaren Gase an die Luft kamen, sodass über einem großen Bereich auf der Meeresoberfläche die Flammen tanzten.

Umstritten?

Dennoch, es gibt nicht genügend Hinweise, oder zumindest nicht genügend gründliche Studien zum dem Thema, um die abiogenetische These beweisen oder verwerfen zu können. Die Situation der fossilen Brennstoffe hat natürlich auch politischen Aspekt, und wie wir bei den Themen Klima und Corona sehen konnten, steht die Wissenschaft in solch einem Fall dann nur noch in Diensten der Mächtigen und nicht mehr in Diensten der Wahrheit. 

Thomas Gold wird heute in einschlägigen Medien posthum vermutlich als „umstritten“ gebrandmarkt. Aber Vorsicht, das wäre nicht zum ersten Mal, dass man ihn irrtümlich so tituliert. Er, der Astrophysiker, stellte 1948 eine Hypothese zur Funktionsweise des menschlichen Innenohrs bei der Identifikation von Tonfrequenzen auf; er erfand den „cochlear amplifier“. Das wurde von der medizinischen Fachwelt damals mit Herablassung belächelt. 30 Jahre später stellte sich heraus, dass er recht hatte. Wird er mit  seiner Abiogenetik auch Recht behalten?

Dazu gibt es interessantes Feedback von recht kompetenter Seite (Quelle ist das oben erwähnte Buch):

“Mein Wissen und meine Erfahrung mit Erdgas, die ich beim Bohren und Betreiben vieler der tiefsten und druckreichsten Erdgasbohrungen der Welt gewonnen habe, verleihen Ihren Ideen mehr Glaubwürdigkeit als den konventionellen Theorien über den biologisch-thermogenen Ursprung von Erdgas. Ihre Theorie erklärt am besten, was wir bei Tiefbohrungen tatsächlich angetroffen haben.”

-Robert A. Hefner III, The GHK Companies, Oklahoma City, Oklahoma; Aus einem Brief an Thomas Gold

Golds Theorien sind immer originell, immer wichtig, und meistens richtig. Es ist meine Überzeugung, basierend auf fünfzig Jahren der Beobachtung von Gold als Freund und Kollege, dass The Deep Hot Biosphere alles von dem oben genannten ist: originell, wichtig, kontrovers und richtig.”

-Freeman Dyson (Mathematiker, Physiker, Templeton Prize Gewinner 2000)


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[Neuer Eintrag] KOMMT DIE RETTUNG AUS NEUFUNDLAND? — thinkagain

Bild: Newfoundland/freepik

Der deutsche Kanzler besuchte kürzlich den Präsidenten Kanadas, um mit ihm erste Vereinbarungen über die Lieferung von grünem Wasserstoff zu treffen. Kurzfristig – für diesen oder den nächsten Winter – wir das sicherlich noch nicht greifen. Aber ist es mittel- oder langfristig die Lösung unserer Energieprobleme?


Dreimal so groß wie NRW

Grüne Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass man auf Studien der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit verzichtet und gleich mit der Realisierung beginnt. So wird es dann manchmal ziemlich teuer, dafür ist der Nutzen umso geringer. Da kostet die Energiewende dann  etwas mehr als eine Kugel Eis, und statt Strom aus Kohle und Atom gibt es Frieren für die Frieden. Es gibt also ausreichend Anlass, sich die Sache mit dem kanadischen Wasserstoff genauer anzuschauen.

Vor dem kanadischen Festland liegt die Insel Neufundland, dreimal so groß wie NRW aber mit weniger Einwohnern als Düsseldorf. In dieser dünn  besiedelten Region wehen angeblich stetige und starke Winde, was sie zu einem idealen Standort für Turbinen zur Erzeugung von Elektrizität  macht. Wer aber soll den Strom abnehmen? Die nächsten erwähnenswerten Städte liegen zu weit entfernt, um dahin Leitungen zu legen. Also verpackt man die Energie so, dass man sie besser  exportieren kann.

Man lässt den Strom durch Wasser laufen und erzeugt dabei Wasserstoff, und weil der aus sauberer  Windenergie stammt,  heißt er „grüner Wasserstoff“. Ein Kilogramm davon enthält die Energie von 33 kWh, das ist etwa das Fünffache dessen, was in einem Kilogramm Kohle steckt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass ein Kilogramm Wasserstoff ein Volumen von 11 Kubikmetern beansprucht, es würde gerade mal in einen  sehr großen Kleiderschrank passen.

Saukalt

Dank dieser geringen Dichte hat man früher Luftschiffe mit Wasserstoff gefüllt; die wurden dadurch leichter als die Luft. Jetzt aber wollen wir keine Passagiere transportieren, sondern den Wasserstoff selbst. Dazu nutzt man den Effekt, dass Gase bei niedrigen Temperaturen flüssig werden.  Je kleiner die Moleküle, desto kälter muss es sein. Methan etwa, CH4, wird bei -164°C flüssig und Wasserstoff H2 bei -253°C. Das ist verdammt kalt, nur 20°C über absolut Null. Die Maschinen für diese Verflüssigung verbrauchen denn auch 12 kWh pro kg H2, das ist mehr als ein Drittel von dessen Energiegehalt. Und noch eine schlechte Nachricht: auch ein kg flüssiger Wasserstoff  (LH2) hat immer noch ein Volumen von 14 Litern! Das macht es sehr unhandlich für den Transport, ganz abgesehen davon, dass es auf der Reise immer bei 20°C über absolut Null gehalten werden muss. Kann man also den Wasserstoff gar nicht, wie geplant, von Kanada nach Deutschland verschiffen?

Von Australien nach Japan

Seit einem halben Jahrhundert pflügen LNG-Schiffe, beladen mit Liquid Natural Gas, d.h. mit  verflüssigtem Methan durch die Weltmeere; das sind diese riesigen Kähne mit einem halben Dutzend Kuppeln an Deck. Könnte man die nicht auch für grünen Wasserstoff verwenden?

Nein – aus zwei Gründen nicht. Der Unterschied zwischen  -164°C und -253°C ist in unserer Vorstellung nicht signifikant – beides ist saukalt. Physikalisch gesehen ist der der Unterschied zwischen 20 Kelvin für LH2 und 109 Kelvin für LNG gewaltig. Da müssen die Isolationssysteme anders sein, ebenso die Kühlaggregate, die für die niedrigen Temperaturen sorgen.

Es gibt aber noch einen zweiten, den wirtschaftlichen Aspekt. In jedem Kubikmeter Tank befördert so ein Schiff 440 kg LNG, würde aber nur 71 kg LH2 befördern, also nur ein Sechstel. Bei  der Wirtschaftlichkeitsrechnung geht natürlich das Verhältnis Transportkosten zu Wert der Fracht mit ein, und das ist bei LH2 sehr ungünstig.

Gibt es also gar keine machbare Transportmöglichkeit für LH2 von Kanada nach Deutschland? Das wäre doch Voraussetzung für den kanadischen Deal!

Die weltweit erste Fahrt dieser Art, inklusive Be- und Entladung von LH2, machte die Suiso Frontier von Victoria, Australien nach in Kobe, Japan, Ankunft im Mai 2022.  Es war ein hochgradig subventioniertes Projekt zur Demonstration der technischen Machbarkeit.

LH2 Abgabe

Ist damit also die Realisierbarkeit des LH2 Imports aus Kanada erwiesen? Die technische Möglichkeit mag gegeben sein. Die Wirtschaftlichkeit ist aber mehr als fraglich. Wenn man die ganze Lieferkette betrachtet: Windenergie – Elektrizität – Elektrolyse – Verflüssigung – Schiffstransport – Verteilung – Speicherung – Verstromung in Brennstoffzellen – Einspeisung ins Netz – dann muss man sehr skeptisch sein. Es würde mörderisch teuer. Vielleicht wird ja dann in Deutschland die LH2 Abgabe eingeführt und die Kilowattstunde kostet letztlich einen Euro.

Hoffen wir, dass eines Tages die Einsicht die Oberhand gewinnt, dass nicht die Bürger dafür da sind, die absurden Energiepläne der der Grünen zu finanzieren, sondern dass die Energiepolitik dazu da ist, den Bürgern die Lebensqualität zu sichern, die sie sich erarbeitet haben, und der Wirtschaft eine Infrastruktur zu bieten, in der sie konkurrenzfähig operieren kann.


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NORDSTREAM 2 – ENCORE — thinkagain

Vor anderthalb Jahren, im Januar 2021, wurde dieser Artikel auf diesem Blog und auch auf der ACHSE DES GUTEN schon einmal veröffentlicht. Wegen der Aktualität erscheint der Text noch einmal –  unverändert. Beachten Sie bitte die prophetischen Elemente am Ende des Berichts.


In naher Zukunft sollen wir aus Russland jede Menge sauberer Energie geliefert bekommen, und zwar in Form von Erdgas per „Nord Stream 2“. Durch diese Pipeline könnten bis zu 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr fließen.

Ein Gas-befeuertes E-Werk könnte aus jedem Kubikmeter Erdgas rund 3,5 Kilowattstunden machen, das wären dann etwa 200 Terawattstunden pro Jahr. Das ist gut ein Drittel von Deutschlands jährlichem Verbrauch.

Nun liefert Nord Stream 2 ihr Erdgas zwar in Deutschland an, aber nicht alles wird hier verbraucht werden. Die Größenordnung der Zahlen zeigt dennoch, dass es sich um eine Angelegenheit volkswirtschaftlicher bzw. weltwirtschaftlicher Dimension handelt.

Was steckt dahinter?

Der Joker beim Poker

Vielleicht ist Nord Stream 2 ja der Joker im Pokerspiel namens „Energiewende“, der im richtigen Moment aus dem Ärmel gezogen wird. Wenn demnächst Kohle und Atom vollständig vom Netz sind, dann wird nicht mehr zu verheimlichen sein, dass es mit Wind und Sonne alleine nicht geht. Und dann baut man ein paar Dutzend Gaskraftwerke, die noch dazu den Vorteil haben, dass sie sich schnell regeln lassen und so die Volatilität von Wind- und Solarstrom flexibel ausgleichen können.

Voilà: Energiewende erfolgreich vollzogen! Wind, Sonne und sauberer Strom aus Erdgas. Was wollt ihr mehr. Ist das nicht eine herrliche Bilanz umweltfreundlicher Politik? Und diese Bilanz liegt dann pünktlich zum Wahltermin im September 2021 vor.

Aber ist Erdgas denn wirklich „sauber“? Oder ist es nur weniger „schmutzig“? Ich schlage vor, wir schaun uns  das mal an.

Ein perfekter Tetraeder

Es gibt da diesen Stoff, der vor sehr langer Zeit im Inneren der Erde durch Zerfall riesiger Mengen organischer Substanzen entstand. Er kann heute durch Bohrung, notfalls auch durch „Fracking“, an die Oberfläche gebracht und als Energiequelle genutzt werden. Es handelt sich offensichtlich um einen fossilen Brennstoff, der – wie alle anderen auch –  nicht „nachhaltig“ ist, weil er irgendwann zu Ende geht.

Die Rede ist von Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas. Sein Molekül, genannt CH4, besteht aus einem Kohlenstoff-Atom um das sich vier Wasserstoff-Atome in der perfekten Symmetrie eines Tetraeders scharen. Bei seiner Verbrennung, also bei Verbindung mit dem Sauerstoff der Luft, entstehen dann zwei Moleküle H2O und ein Molekül CO2; und natürlich auch Energie.

Das Verhältnis von Kohlenstoff zu Wasserstoff im Methanmolekül ist offensichtlich 1:4. Die Energie beim Verbrennen wird also auch vom Wasserstoff geliefert. Daher entsteht in Kraftwerken mit Erdgas pro Kilowattstunde auch nur etwa halb so viel CO2 wie in Kohlekraftwerken. Aber dennoch: In jedem Kilogramm CH4 stecken 750 Gramm Kohlenstoff, die letztlich bei der Verbrennung 2,75 kg  CO2 produzieren! Ja, das ist genau das Zeug, dessentwegen Greta Thunberg ihre Reden vor der UNO hält und Tausende Gleichgesinnter die Schule schwänzen müssen.

Noch schlimmer aber: sollte besagter Stoff versehentlich unverbrannt in die Atmosphäre entweichen, etwa bei seiner Förderung, dann wirkt er 84 mal stärker als das Treibhausgas CO2; er ist sozusagen das ultimative Gift für unser Klima.

Und das soll „sauber“ sein?

Wer weiß, die Situation könnte ja dieser kleinen Familienidylle ähneln:

Die Geschwister kommen zum Abendessen und werden gefragt, ob sie sich gewaschen hätten. Der kleine Junge steckt die Händchen hoch und Mutter sagt: „Gut, komm zu Tisch“. Die Schwester aber petzt: „Stimmt nicht, seine Füße sind noch ganz dreckig“. Darauf wird sie von Mutti zurecht gewiesen: “Was sauber ist und was nicht, das bestimme immer noch ich“. Vielleicht ist das ja beim Erdgas ähnlich.

Null Emission?

Es gibt ja da irgendwie dieses Ziel in unserer Umweltpolitik von „Null Emissionen bis 2030 oder 2050“. Das wäre mit Erdgas kaum zu machen. Wenn wir dann aber keinen CO2-freien Atomstrom mehr aus dem Ausland importieren, sondern rund ein Drittel des Bedarfs im eigenen Lande aus Erdgas gewonnen wird, dann wäre die CO2 Bilanz vielleicht sogar schlechter als heute. Der Beitrag des CO2 Fußabdrucks pro Person würde sich durch Erdgas auf jeden Fall um gut eine Tonne erhöhen.

Anders ausgedrückt, man baut gerade an einer Vorrichtung, durch die jährlich 100 Millionen Tonnen CO2 dank fossiler, nicht nachhaltiger Brennstoffe importiert werden sollen.

War das also das Ziel der Energiewende? Ein Spektakel, das die Bürger eine zwölfstellige Summe gekostet, das für die Verunstaltung von Landschaft, Flora und Fauna gesorgt, aber am CO2  nichts verbessert hat? Und nebenher müssen wir eine existenzielle Abhängigkeit von Russland akzeptieren!?

Unsere Kanzlerin denkt doch immer viele Schachzüge voraus, sie betrachtet die Dinge „vom Ende her“. Irgend etwas wird sich bei diesem Ende wohl gedacht haben.

DUAL FLUID – IST DAS DIE LÖSUNG? — thinkagain

Bei den aktuellen Diskussionen um die weitere Nutzung der noch nicht zerstörten Atomkraftwerke in Deutschland taucht immer wieder der „Dual Fluid Reaktor“ auf. Diese Maschine scheint gegenüber den heute gängigen Modellen viele Vorteile zu haben. Aber wird sie jemals verfügbar sein, und wenn ja, wann?


Nicht alternativlos

Gegenwärtig sind auf der Welt ca. 440 Atomkraftwerke in Betrieb, 55 weitere sind im Bau. Die meisten davon sind Druck- oder Siedewasserreaktoren ( „Light Water Reactor“ = LWR), so wie hier auf der „Achse des Guten“ bereits beschrieben. Sie sind sicher und zuverlässig, aber nicht alternativlos. Heute sind Reaktoren einer neuen Generation im Gespräch: der  SMR = „Small Modular Reaktor“, der MSR = „Molten Salt Reactor“ und der DFR = „Dual Fluid Reactor“. Mit letzterem wollen wir uns näher beschäftigen.

Diese Maschine soll einen Großteil des zugführten Treibstoffs verbrennen, ganz Im Gegensatz zum LWR, der nur einen kleinen Prozentsatz nutzt und aus dem Rest langlebigen radioaktiven Abfall macht. Und nun verspricht man sich von diesem Wunderding  auch noch, es könne genau diesen radioaktiven „Abfall“ in  Energie verwandeln, sozusagen eine nukleare Müllverbrennungsanlage.

Vielleicht. Aber ganz frei von strahlendem Abfall ist der DFR auch nicht. Bei seinem Betrieb entstehen natürlich radioaktive Spaltprodukte, allerdings mit vergleichsweise kürzeren Halbwertszeiten, wie etwa das Jod 131 (8 Tage), Cäsium 137 (30 Jahre) oder Strontium 90 (30 Jahre).

Spaltung und Kettenreaktion

Kernenergie basiert auf dem Effekt, dass sich die Atomkerne von  manchen schwereren Elementen in zwei leichtere Kerne spalten, wenn man sie mit Neutronen beschießt. (Neutronen, das sind der eine Typ von Bausteinen, aus denen Atomkerne bestehen. Der andere Typ sind die Protonen, die im Gegensatz zu den Neutronen eine elektrische Ladung haben.) Bei besagter Spaltung entsteht viel Energie und es entstehen auch ein paar freie Neutronen. Die haben in den bei der Spaltung entstandenen Kernen keinen Platz mehr, weil schwere Kerne im Vergleich zu leichten einen höheren Proporz von Neutronen zu Protonen haben.

Die freien Neutronen kann man jetzt dazu verwenden, um weitere Kerne zu spalten, und so bekommen wir einen Prozess, bei dem die  Kerne der Ausgangssubstanz in einer Kettenreaktion in Bruchstücke zerlegt werden.  In den verbreiteten Leichtwasser Reaktoren (LWR)  ist die Ausgangssubstanz das Uranisotop 235, dessen Kern 92 Protonen und 143 Neutronen hat.

Damit die Spaltung funktioniert dürfen die Neutronen allerdings nicht zu schnell sein, man muss man sie erst abbremsen, „moderieren“, sonst würden sie keine Spaltung auslösen. Dazu lässt  man sie von ihrem Entstehungsort im Brennstab ein Stück durchs Wasser laufen, wo sie ihre Geschwindigkeit verlieren,  bis sie dann auf einen neuen U235-Kern in einem anderen Brennstab stoßen, den sie spalten.

Nicht optimal

Es ist eine Besonderheit des U235 Kerns, dass er sich nur durch langsame, „thermische“ Neutronen spalten lässt. Viele andere schwere Kerne  bevorzugen schnelle Neutronen für die Spaltung. Man bräuchte in so einem Reaktor also die Neutronen gar nicht abzubremsen.

Und noch etwas,  die geringe Konzentration des U235 im natürlichen Uran, die im LWR Brennstoff auf 4% angereichert ist, bringt es mit sich, dass da in den Brennstäben 96% des nutzlosen, schweren Uran Isotops U238 vorhanden sind (das hat auch 92 Protonen im Kern, aber 146 Neutronen, daher der Name „Isotop“). Diese Kerne werden ebenfalls mit den thermischen Neutronen bestrahlt, aber statt sich zu spalten fangen sie das Neutron ein und „transmutieren“  in andere Substanzen, die radioaktiv sind und zum Teil fürchterlich lange Halbwertszeiten haben. Sie sind die Bösewichte der Kernenergie, für die man seit Jahren in tiefen Salzstöcken nach einem Endlager sucht, damit sie mit ihrer Strahlung niemanden gefährden können.

Die heutigen Reaktoren, die LWRs, sind also alles andere als optimal. Warum aber beherrschen sie dennoch die Szene? Das hat historische Gründe. Es könnte damit zusammenhängen, dass man zu Zeiten des Kalten Kriegs an einem Stoff interessiert war, der sich bei der erwähnten Transmutation von U238 bildet: Plutonium, der Stoff, aus dem die Bomben sind.

Der schnelle Bruder

So kommt es, dass man mit dem LWR viele und gute Erfahrung gesammelt hat, wohl wissend, dass er suboptimal ist, aber auch wissend, dass der Weg zu einem verbesserten, serienreifen Reaktor sehr weit und sehr teuer ist.

Schon früher hat man Reaktoren gebaut, die andere nukleare Brennstoffe verwenden als U235, und die mit schnellen Neutronen arbeiten. Dabei stellte man fest, dass sie nicht nur zur Erzeugung von Energie nützlich sind, sondern dass man einen Teil der üppig vorhandenen Neutronen auch gezielt zur Transmutation von bestimmten Substanzen verwenden konnte. Man konnte also durch Bestrahlung mit schnellen Neutronen einen gewünschten Stoff ausbrüten. Dieser Typ von Reaktor bekam daher den passenden Namen „Schneller Brüter“.

Wie auch immer, schnelle Reaktoren spielen heute weltweit in der Energieversorgung keine Rolle. Das zu ändern hat sich eine Gruppe furchtloser deutscher Ingenieure und Wissenschaftler vorgenommen, unter ihnen, als Berater, der beliebte Autor der  „Achse des Guten“ Manfred Haferburg.

Anfangs in Berlin ansässig, heute in Kanada, arbeitet die Gruppe an einem Konzept, das eines Tages alle Energieprobleme lösen könnte.

Der Dual Fluid Reactor

Wie also könnte so ein schneller Reaktor aussehen? Man arrangiert eine ausreichende Menge spaltbaren Materials so, dass eine Kettenreaktion stattfindet. Die dabei entstehende Hitze transportiert man irgendwie zu einem Kessel, in dem Dampf erzeugt wird, der dann eine Turbine samt Generator antreibt.

Dabei ist der Wirkungsgrad umso besser, je höher die verwendete Temperatur ist, sagen wir so um die 1000°C. Zum Abtransport der Hitze kommt jetzt Wasser, anders als im LWR, nicht mehr in Frage; das wäre ohnehin störend, weil es unsere schnellen Neutronen abbremsen würde. Wir suchen also nach einer Flüssigkeit, die bei 1000 Grad nicht verdampft, und die unsere Neutronen in Ruhe lässt. Haben Sie einen Vorschlag? Wie wär’s mit flüssigem Blei?

Kommen wir jetzt zu unserem spaltbaren Material. Das sind Atomkerne, die schwerer sind als „Actinium“, so genannte Aktinide; unter ihnen auch das häufig erwähnte Thorium, gerne auch Material aus verbrauchten Brennelementen der LWRs. Wenn man hier die richtige chemische Verbindung nimmt, dann schmilzt das Zeug bei 1000 Grad ebenfalls. Es würde also nicht, wie beim LWR, in fester Form in Brennstäbe verpackt sein, sondern man könnte es in kommunizierende Röhren füllen, die in besagtes Bad aus flüssigem Blei getaucht sind. Das hätte auch den Vorteil, dass man während des Betriebs neuen Brennstoff in diese Röhren nachfüttern könnte.

Das also ist das Prinzip unseres Reaktors, der mit zwei Flüssigkeiten arbeitet – Blei und Actiniden –  die sich in getrennten Kreisläufen bewegen. Daher der Name Dual Fluid Reactor = „DFR“.

Worauf warten wir noch?

Und noch etwas ist attraktiv an diesem Design: bei den herkömmlichen Druckwasserreaktoren herrscht im  Reaktorbehälter ein Überdruck von 150 Atmosphären, im DFR aber herrscht kaum Überdruck. Wir brauchen also keine Stahlgefäße mit 20 cm Wandstärke, was die Konstruktion so einer Anlage wesentlich vereinfacht. Zudem ist der Reaktorbehälter viel kleiner, weil man kein Wasser als Moderator braucht und weil das Blei die Hitze besser transportiert.

Worauf warten wir also noch?

Gut, wenn auch die physikalischen Fragen beim DFR gelöst sein mögen, es gibt da noch ein paar technische Details zu klären. Etwa: wo bekommen wir die Pumpe her, welche die vielen Tonnen von  1000 Grad heißem Blei zwischen dem Reaktorkessel und dem Wärmetauscher in Höchstgeschwindigkeit transportiert? Im Baumarkt gibt’s die nicht, und die vom Kanzler besichtigte Turbine für NS1 ist nicht verfügbar.

Oder was ist mit dem Material für die kommunizierenden Röhren, in denen der Brennstoff fließt? Die hängen im heißen Blei und werden aus nächster Nähe mit einem Trommelfeuer aus  Neutronen bombardiert. Das muss die Hölle sein. Welches Material hält das über Jahre aus?

Geduld

Und noch eine kleine Kopfrechnung. Wenn solch eine Anlage 300 Megawatt Elektrizität liefern soll, dann sind dazu rund 1000 MW thermischer Leistung nötig. Die entstehen in einem Reaktorgefäß von – sagen wir mal – 10 Kubikmetern Volumen. Das sind also 100 MW pro Kubikmeter oder 100 Kilowatt pro Liter Volumen. Aber Hallo – da darf nichts schiefgehen mit der Kühlung…

Die Dual Fluid Energy Inc. In Vancouver, die an der Entwicklung des DFR arbeitet, ist sich all dieser Herausforderungen natürlich bewusst und ist daher in ihren Prognosen zurückhaltend: 2034 soll der Reaktor  einsatzbreit sein. Frau Katrin Göring-Eckardt, die ihre Bereitschaft demonstriert hat, über Atom zu reden, muss also noch etwas Geduld haben.

Aber wenn es klappt, dann ist  es nichts anderes, als der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Sachen Energie.

(zwei Begriffsklärungen:

  • Ist Energie, die aus dem Atomkern gewonnen wird nun Atomenergie oder Kernenergie? Passender wäre Kernenergie / nuclear energy. Aber da für viele Journalisten die Atome und die Kerne und all das irgendwie dasselbe sind, werden die beiden Begriffe synonym verwendet. Und sogar die Organisation, die sich weltweit um die Kernenergie kümmert, nennt sich International Atomic Energy Agency.
  • Die Abkürzung DFR für Dual Fluid Reactor könnte missverständlich sein, denn es gibt da schon seit längerer Zeit den „Dounreay Fast Reactor“ an der Nordostecke Schottlands. Ich war einmal in dieser Anlage und hatte ein recht entspanntes Gespräch mit einem Ingenieur, bis ich ihn fragte, woher das Geräusch in diesem dicken Rohr über meinem Kopf käme. Ach meinte er, nichts Besonderes, das sind ein paar hundert Tonnen flüssiges Natrium von 500 Grad, die da durchfließen.)

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ÜBER BRENNSTÄBE REDEN — thinkagain

Bild: Samuel Ferrera / unsplash

Frau Katrin Göring Eckardt regte an „…. dann müssen wir über Brennstäbe reden.“ Eine Aufforderung aus so kompetentem Munde darf man nicht ungenutzt lassen, und so lade ich Sie zu einem Gespräch über das Thema ein. Eines darf ich vorweg schon verraten: Brennstäbe sehen aus wie verchromte Schistöcke, allerdings sind sie wesentlich länger und haben oben keine Schlaufen. Und noch etwas: wir müssen über mehr reden, als nur über Brennstäbe.


So geht Atomkraft

Haben Sie schon mal versucht, mit einem einzigen, dicken Stück Holz Feuer im Kamin zu machen? Haben Sie es auf den Rost gelegt und ein Zündholz darunter gehalten? Es geht nicht. Um zu brennen, muss das Teil selbst erst einmal richtig heiß gemacht werden. Ein vernünftiges Feuer bekommen wir nur, wenn mehrere Scheite sorgsam übereinander gelegt sind, die sich gegenseitig aufheizen; dann hält die selbst erzeugte Hitze das Holz am Brennen, und gibt uns davon sogar noch was ins Wohnzimmer ab. Mit anderen Worten, zum Heizen brauchen wir eine „kritische Masse“ an Holz, in der richtigen Konfiguration.

Ein Atomreaktor funktioniert ähnlich. Statt Holz nehmen wir Uran, und statt Hitze nehmen wir Neutronen. Das sind winzige Teilchen, welche einen Atomkern des Urans spalten können, wenn sie auf ihn treffen. Bei dieser Spaltung werden neue Neutronen frei, die dann ihrerseits Atomkerne spalten. Wenn wir jetzt genügend Uran sorgfältig aufstapeln, dann läuft die Sache spontan weiter, wie beim Kaminfeuer. Wir haben eine „Kettenreaktion“, die Sache ist „kritisch“. Dabei entsteht nebenher jede Menge Hitze.

Druck- und Siedewasser

Genau das passiert in einem Kernkraftwerk. Das Uran ist in Rohre gefüllt, so dick wie Schistöcke, aber gut vier Meter lang, genannt Brennstäbe. Das ist eine etwas ungewöhnliche Verpackung, aber doch ganz praktisch. Ein- bis zweihundert davon werden zu Bündeln organisiert, genannt Brennelemente. (Der Englische Ausdruck „Fuel Assembly“ ist da etwas treffender). Ein- bis zweihundert dieser Vorrichtungen hängen wiederum in einem Kessel mit sehr dicken Wänden.

Der Kessel ist mit Wasser gefüllt, welches sich dank der Kernspaltung aufheizt. Riesige Pumpen sorgen für die rasante Durchströmung des Kessels. Dabei geben die Brennstäbe ihre Hitze ans Wasser ab und werden ihrerseits gekühlt. Entweder leitet man dann aus dem Kessel Dampf ab und betreibt damit riesige Turbinen, oder man leitet das heiße Wasser in einen Wärmeaustauscher, in dem dann seinerseits Dampf für die Turbinen erzeugt wird. Letztere treiben natürlich  einen elektrischen Generator an.

Der erstere Typ von Reaktor wird Siedewasserreaktor (SWR) bezeichnet, der letztere Druckwasser Reaktor (DWR). Die drei in Deutschland noch betriebenen AKWs sind vom Typ DWR. Unter den abgeschalteten  sind auch ein Paar SWR.

Das Wasser hat noch eine weitere Funktion. Auf ihrem Weg vom einen Brennstab zum nächsten bremst es die Neutronen ab, und nur die langsamen „thermischen“ Neutronen können Kernspaltung auslösen. Fehlt das Wasser, oder bilden sich Blasen, weil es zu heiß wird, dann fehlt dieser Bremseffekt und damit kommt die Kettenreaktion zum Erliegen. So ein Reaktor kann also nicht unkontrolliert exponentiell „davonlaufen“ und zur Atombombe werden (anders als in Tschernobyl; der Reaktor war ein ganz anderer Typ, weder DWR noch BWR).

Ein paar kleine Unterschiede

Jetzt aber ein paar Unterschiede zwischen Holz und Uran: Bei jeder Spaltung eines Uran-Atomkerns wird ein paar Millionen Mal so viel Hitze erzeugt wie beim Verbrennen eines „Holz-Atoms“. Deswegen müssen wir beim Kaminfeuer alle halbe Stunde frisches Brennmaterial nachlegen, beim Reaktor aber nur einmal pro Jahr.

Und noch etwas. Im Kamin bleibt nach dem Heizen nur eine Handvoll harmloser Asche übrig, die wir problemlos entsorgen. Die Rückstände in einem abgebrannten Brennstab aber sind alles andere als harmlos. Während des Betriebs haben sich da Substanzen angesammelt, die radioaktiv sind, d.h. die Atomkerne emittieren spontan Strahlung, die einerseits Hitze erzeugt und andererseits für Lebewesen schädlich ist.

Das heißt, auch nach „Abschalten“ des Reaktors, auch nachdem die Kettenreaktion unterbrochen wurde, müssen die Brennstäbe weiterhin gekühlt werden und man muss sich von ihnen fern halten.

Dazu ein paar Zahlen: ein typischer DWR erzeugt rund 1400 MW elektrischer Leistung. Bei einem Wirkungsgrad von rund 40% ist die dafür notwendige thermische Leistung 1400 MW / 40% = 3500 MW. Nach dem Abschalten werden ca. 5-10% dieser thermischen Leistung weiterhin durch Radioaktivität erzeugt, also Hunderte von Megawatt. Ohne Kühlung schmelzen in kürzester Zeit die Brennstäbe und alles was damit in Kontakt kommt. So geschehen in Fukushima 2011 und in Three Mile Island 1979. Im Gegensatz zum Tschernobyl-Desaster 1986 hat jedoch keiner dieser „Melt Downs“ Menschenleben gekostet.

Kann Ohu weitermachen?

Radioaktivität und Temperatur der benutzten Brennstäbe können durch nichts in der Welt beseitigt werden, außer durch warten. Deswegen ist auch nach Beendigung des eigentlichen Betriebs aus Sicherheitsgründen immer noch eine Mannschaft für den „Nachbetrieb“ des Reaktors erforderlich. Diese erfahrene Crew könnte von Nutzen sein, falls man auf die Idee kommt stillgelegte, aber noch nicht zerstörte Kraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Der TÜV hält eine Wiederbelebung von drei AKWs für möglich, die Ende vergangenen Jahres vom Netz gegangen sind: die DWR Brokdorf und Grohnde, sowie den SWR Gundremmingen. Mal sehen.

Aktuell, und bei den Äußerungen der eingangs erwähnten Expertin, geht es aber um etwas anderes. Es geht darum, ob die drei gegenwärtig noch in Betrieb befindlichen DWR Emsland, Ohu und Neckarwestheim zum Ende des Jahres, also in 5 Monaten, still gelegt werden oder nicht. Kann man die denn, rein technisch, einfach so weiter laufen lassen? Brauchen die keinen neuen Brennstoff? In Anbetracht der ursprünglich erwartenden Stilllegung hat man hier sicherlich keine fabrikneuen Brennelemente auf Lager.

Das Leben eines Brennstabs

Dazu müssen wir uns jetzt die Brennstäbe genauer anschauen. Die haben, wenn neu, so um die 4% brennbares Material, genannt Uran 235. 96% des Inhalts sind U238, welches an der Kernspaltung praktisch nicht teilnimmt. Die 4% U235 können im Laufe des Betriebs auf bis zu 1% aufgebraucht werden, aber nicht in allen Brennelementen eines Reaktors gleichzeitig, dann würde die Kettenreaktion einschlafen. Die Konfiguration der ca. 150 Brennelemente mit ihrer unterschiedlichen verbliebenen U235 Konzentration wird im Normalbetrieb so gewählt, dass die Kettenreaktion erhalten bleibt und der Reaktor die gewünschte Nennleistung, z.B. 1400 MW elektrisch liefert.

Sollte das aber nicht mehr möglich sein, dann kann man den Betrieb dennoch aufrecht erhalten, wenn auch nicht mehr mit der Nennleistung. Das ist so wie in einem Kamin, wenn nur noch wenige vernünftige Holzscheite da sind, dann kann man die ganz sorgfältig neu aufschichten und das Feuer brennt noch weiter, wenn auch auf kleinerer Flamme.

Das scheint die Situation bei den besagten drei Kandidaten Ohu, Emsland und Neckarwestheim zu sein. Sie könnten ab 1.1.2023 vielleicht nicht mehr ihre volle Leistung bringen, aber man schreibt den aktuell installierten Brennelementen noch eine Reserve von insgesamt ca. 30 Terawattstunden zu.

Ist das viel? Der durchschnittliche deutsche Haushalt verbraucht 3200 kWh pro Jahr. Nach Adam Riese könnten die besagten drei Kraftwerke 9 Millionen Haushalte durch das Jahr 2023 bringen, vorausgesetzt, man kann den Verbrauch über das ganze Jahr „strecken“ und vorausgesetzt die erwähnten Millionen sagen nicht: „Atomkraft – Nein Danke. Lieber frieren wir für den Frieden.“

Ist „über Brennstäbe reden“ also die Lösung?

Es geht um mehr als um Brennstäbe

Nun, wenn im Irrenhaus ein einziger vernünftiger Satz fällt, so ist das noch nicht die Einkehr der Vernunft. (Verzeihen Sie diesen extremen Vergleich, aber in einer Zeit, in der voll funktionsfähige, neuwertige technische Wunderwerke, deren Bau Milliarden gekostet hat und deren Betrieb zum Wohlergehen der Bevölkerung notwendig ist, wenn solche Objekte unter dem Jubel von Menschenmengen gewaltsam demoliert werden, dann ist das nicht anderes als Wahnsinn.)

Wenn nun aber demnächst in Deutschland die aktuell noch verfügbaren Reserven aus der Kernenergie genutzt würden– es handelt sich vermutlich um die erwähnten 6 Kraftwerke -, so wäre das eine vernünftige Maßnahme, um die befürchtete Energiekrise punktuell zu lindern. Ob es der Anfang einer Rückkehr zur Vernunft ist, das muss sich zeigen. Dazu müssten wir aber über wesentlich mehr reden, als nur über die Brennstäbe. Dazu müssen wir über die gesamte Energiewende reden und über die dahinter stehende ideologische Rechthaberei, welche unserem Land maßlosen Schaden zugefügt hat. Und wir müssten über die Verantwortlichen reden.


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MACHT KAPUTT WAS EUCH KAPUTT MACHT — thinkagain

Bild: Ben Moreland / unsplash

Die unerfreulichen Entwicklungen, die das „beste Deutschland aller Zeiten“ in diesen Tagen heimsuchen, werden von einen den externen Bedingungen, von anderen  aber den verborgenen Agenden finsterer Mächte zugeschrieben, wiederum andere sprechen von unvermeidbaren, historischen Entwicklungszyklen. Das mag alles sein, aber eine ganz naheliegende Ursache wird übersehen. Der Engländer würde sagen:  “The chickens have come home to roost“.


Übersetzt hieße das etwa:  „Wir ernten jetzt, was gesät wurde“. Aber was wurde da wann gesät?

Ein Slogan der 68er war „Macht kaputt was euch kaputt macht“. Das war auch der Wahlspruch in der politisch sehr aktiven WG, in der ich vor 50 Jahren als geduldeter, aber immerhin respektierter Außenseiter lebte. Der Feind  meiner WG-Freunde war die Leistungsgesellschaft mit ihren hohen Anforderungen an den Einzelnen. Die  Aggression richtete sich aber auch gegen das Erbe der überragenden kulturellen Leistungen aus Deutschlands Vergangenheit, welches ihnen Minderwertigkeitskomplexe bereitete. Man ignorierte oder diffamierte jegliche historischen Geistesgrößen, mit Ausnahme von Karl Marx, und verteufelte bahnbrechende technische Errungenschaften, wie die Kernenergie oder Gentechnik.

Von der Schriftstellerin Ayn Rand stammt der Satz: „Absurditäten von heute, die man unangefochten lässt, werden zu Leitlinien von morgen“. Genau das trifft für den Slogan der 68er zu „macht kaputt, was euch kaputt macht“. Kaum jemand nahm dieses destruktive Motto ernst, niemand trat  ihm entschieden entgegen. So übernahmen die leistungsfeindlichen Kräfte bald das Kommando in Medien und  Universitäten und schließlich, nach dem langen Marsch durch die Institutionen, auch in den Schulen und im gesamten öffentlichen Leben.

Ein Nostradamus aus Bayern

Einer der die Gefahr erkannte und vehement davor warnte war Franz Josef Strauß, dessen berühmte Rede von 1986 heute, nach 36 Jahren, wie eine düstere Prophezeiung von Nostradamus anmutet. Hier nochmals zum Lesen:

„Wenn diese Bundesrepublik Deutschland einen fundamentalen Richtungswandel in Richtung der Grünen vollziehen würde, dann wäre unsere Arbeit der letzten 40 Jahre umsonst gewesen, dann wäre das Schicksal der Lebenden ungewiss und das Leben der zukünftigen Generationen würde auf dem Spiele stehen….Wir stehen doch vor der Entscheidung: Bleiben wir auf dem Boden trockener, spröder, notfalls langweiliger bürgerlicher Vernunft und ihrer Tugenden, oder steigen wir auf das bunt geschmückte Narrenschiff Utopia ein, in dem dann ein Grüner und zwei Rote die Rollen der Faschingskommandanten übernehmen würden….“

Der Weg zur heutigen Misere war damals bereits vorgezeichnet und der Verlust der bürgerlichen Vernunft und ihrer Tugenden ist heute nicht mehr zu korrigieren. Die Leistungsgesellschaft ist weitgehend „kaputt gemacht“ und mit ihr zerfallen Infrastruktur und Industrie. Und auch für zukünftige Generationen sieht es nicht rosig aus, denn in Sachen Ausbildung haben schon längst die Versager das Sagen.

Haltung statt Leistung

Die miserablen Ergebnisse der Pisa Studien stellen deutschen Schulen ein schlechtes Zeugnis aus und die Hauptstadt des Landes der Dichter und Denker hat keine Universität, die es im weltweiten Vergleich unter die ersten hundert brächte. Seit zwei Generationen wird hier zunehmend rot-grüne Haltung  an Stelle von  Wissen und Können gefördert; intellektuell anstrengende Disziplinen wurden rausgedrängt. Aber allein  mit Studien der sexuellen Vielfalt, mit Sternchen in der Rechtschreibung und mit Kampf gegen Rechts wird man jetzt eine kranke Industrienation nicht wieder aufbauen können.

Zerstörung vollzieht sich von selbst, Aufbau aber ist mühsam und erfordert Leistung. Wo sind die Leistungsträger von heute und morgen? Können wir unter den jungen Männern und Frauen des politischen Betriebs Personen identifizieren, denen wir die notwendige professionelle und charakterliche Stärke für diese  Mammutaufgabe zutrauen? Wohl kaum. Zu beobachten ist doch eher, dass unsere Zeit eine „Elite“  hervorgebracht hat, die von Arroganz und Ignoranz platzt, und die alles und jeden kritisiert, außer jemals  sich selbst.

Falls ihr Versagen dann allerdings nicht mehr geleugnet werden kann, so bräuchten sie keine Kritik zu fürchten, denn jegliche Missbilligung der Mächtigen könnte als Verächtlichmachung einer staatlichen Institution als Straftat geahndet werden.

Das sieht alles nicht gut aus. Rot-Grün hat unsere Zivilisation gesprengt, so wie die Taliban die Buddha Statuen in  Bamiyan, und die Opfer haben es nicht nur geschehen lassen, sie haben sogar noch  mitgeholfen. Too late. Too bad. The chickens have come home to roost.


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ENDE DER WENDE? — thinkagain

Bild: Alejandra Jimenez / pixabay

Die aktuellen Sorgen um die Verfügbarkeit von Elektrizität für Haushalte und Industrie waren von jedermann vorherzusehen, der die vier Grundrechnungsarten beherrscht. Zu dieser Minderheit zähle ich mich selbst. So sind in meinem vor 10 Jahren erschienenen Buch „Grün und Dumm, die Natur lässt sich nicht zum Narren halten“ die unten wiedergegebenen Betrachtungen zu finden. 


(Die Zwischen-Überschriften sind für diesen Post nachträglich eingefügt, der Text ist unverändert)

So langsam wie möglich

Im Sommer 2011 hatte ich ein Gespräch mit dem Manager eines Energiekonzerns. Es ging darum, wie man eine hochkarätige Belegschaft, die jahrelang dafür verantwortlich gewesen war, ein Kraftwerk in 100 % sicherem Zustand zu halten und zuverlässig zu betreiben, wie man diese Crew nun dazu bringen könnte, genau dieses Kraftwerk abzureißen. Die makellose, betriebsbereite Anlage, die pro Jahr immerhin für die Einsparung mehrerer Millionen Tonnen CO2 gut gewesen war, hatte beim atomaren Ausstiegspoker die falsche Karte gezogen und war jetzt Kandidat für den „Rückbau“.

Wir diskutierten also, wie man dieses Projekt angehen sollte, und mein Vorschlag war: „… so langsam wie möglich“. Es könnte ja sein, dass man in ein paar Jahren aus dem grünen Dornröschenschlaf erwacht, dann wird man dankbar sein, wenn so ein KKW, äquivalent 5000 Windmühlen, wieder angeknipst werden kann.

So wie Dornröschen sich einst an einer Spindel gestochen hatte und daraufhin, gemeinsam mit dem gesamten Hofstaat, in hundertjährigen Tiefschlaf fiel, so hat sich die Kanzlerin an Fukushima gestochen, und ihre Vernunft und die des gesamten Hofstaates fielen ins Koma. Kann Deutschland daraus wieder erwachen? Wird es 100 Jahre dauern, so wie im Märchen?

Vielleicht geht es schneller. Vielleicht wird man ja schon 2030 wahrnehmen, dass bei dem nuklearen Unfall in Fukushima gar niemand ums Leben gekommen war; dass zwar mehr als 20.000 Menschenleben durch Erdbeben und Flutwellen vernichtet wurden, dass aber der havarierte Atomreaktor keine Opfer gefordert hatte.

Der grüne Dornröschenschlaf

Es könnte also sein – wenn es auch nicht sehr wahrscheinlich ist -, dass in den kommenden Jahren irgend-wann der Dornröschenschlaf zu Ende ist, dass ein Ruck durch Deutschland geht, die Menschen die Augen öffnen und beginnen, Realität von Propaganda zu unterscheiden.

Falls dann, so um 2030, die Bundeskanzlerin nicht von der Piratenpartei gestellt wird, falls die Ehe unter Andersgeschlechtlichen noch nicht abgeschafft ist und der Bundespräsident nicht Jürgen Trittin heißt, wenn also um 2030 die politische Vernunft noch nicht zu 100 % liquidiert ist, dann könnte es zu dem historischen Moment, zu dem grandiosen Erwachen kommen, dass die Bevölkerung die volle Wahrheit erkennt: Die „Energiewende“ hat keinen Sinn und sie ist auch nicht machbar.

Und dann wäre man vielleicht dankbar, wenn Reaktorgebäude und Druckgefäße der eingangs erwähnten Anlage noch nicht von Abrissbirne und Schneidbrenner zerstört worden sind.

Ist dieses Szenario des Erwachens wahrscheinlich? Die logischen Argumente, die dafür sprechen, sind gewaltig. Ob und wann sie von der Mehrheit akzeptiert werden, das ist die andere Frage. Zurzeit steht die Logik im Schatten der Ideologie.

Deutschland hat keinen Einfluss

Falls es Deutschland innerhalb der nächsten Jahre mit großen Anstrengungen gelänge, seine CO2-Emission auf die Hälfte zu verringern, so würde diese Einsparung allein durch den Zuwachs von Chinas Emission innerhalb eines halben Jahres zunichtegemacht. Wir hatten das im Kapitel über Windenergie schon gezeigt. Und auch die übrigen der Big Five unter den CO2-Produzenten – USA, Indien, Russland und Japan – stehen nicht gerade auf der Emissionsbremse, auch wenn sie ein paar PR-wirksame Windmühlen in ihrer Landschaft verteilen.

Die gesamte deutsche Energiewende, in welchem Umfang auch immer man sie letztlich verwirklicht, wird keinen Einfluss auf die globale CO2-Bilanz haben. Vielleicht trauen Sie, liebe Leserin, lieber Leser Ihren Augen und Ihrem Verstand jetzt nicht mehr, aber es ist tatsächlich so: In Deutschland wurden und werden zig Milliarden ausgegeben, es wird die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes aufs Spiel gesetzt und es wird die Landschaft verunstaltet mit dem Ziel, das Klima zu retten; und man kann auf zwei Seiten eines Buches erklären, dass all diese Investitionen sinnlos sind.

Vielleicht ist genau das ja der Grund, warum keine andere Industrienation dem Vorbild Deutschland folgt.

„Global Warming“ ist global

Die Erderwärmung, falls sie denn tatsächlich stattfindet, ist ein globales Phänomen.

Wir können zwar durch Vorschriften und Maßnahmen im eigenen Lande eine gewisse Reinheit der Luft sicherstellen. Wir können durch Rußfilter oder Katalysatoren in unseren Autos dafür sorgen, dass Staub und Gase verschwinden, die für die Atemwege schädlich sind. Wir können dann in Hamburg oder Düsseldorf frische Luft atmen, auch wenn in Mumbai oder Mexico City die Autos qualmen wie die Hölle. Diese Schadstoffe verbreiten sich nicht global.

CO2 dagegen verteilt sich gleichmäßig über die gesamte Erde, egal wo es erzeugt wurde. Wir können uns keine Hoffnungen machen, dass Deutschland dank seiner vorbildlichen Bemühungen von einer eventuellen Erwärmung verschont bliebe.

Apropos Vorbild: Werden die Big Five der CO2-Emission sich ein Beispiel an uns nehmen? Wird am deutschen Wesen diesmal die Welt genesen? Wohl kaum. Wird Deutschland aber vielleicht durch seinen Vorsprung auf dem Gebiet zum globalen Lieferanten für Solar- und Windenergie werden? Das ist wohl Wunschdenken. Wir selbst importieren ja heute schon den Großteil unserer Wind- und Solartechnik aus Asien. Und wenn die höheren Energiepreise erst einmal richtig zu Buche geschlagen haben, dann werden wir wohl kaum wettbewerbsfähiger geworden sein.

Grüne Logik

Energiewende und Umweltschutz hatten ursprünglich einen gemeinsamen Ursprung. Nun führt die Energiewende dazu, dass zentrale Prinzipien des Umweltschutzes, wie etwa Unversehrtheit der Landschaft und Erhaltung der Wälder, ganz massiv verletzt werden. Welche Ziele sind wichtiger?

Das ähnelt einem Dilemma auf anderem Gebiet. In Deutschland spielt der Schutz von Minderheiten eine große Rolle, wobei Frauen ebenfalls zu dieser Kategorie zählen, wenn auch nicht aus rechnerischen Gründen.

Zu Minderheiten gehören auch Angehörige anderer Religionen, wie etwa Mohammedaner. In deren Tradition aber sind Frauen traditionell dem Mann untergeordnet. Welches ideelle Gut ist nun wichtiger? Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung der Frau? Soll der Islam toleriert oder sogar gefördert werden zu dem Preis, dass in Deutschland ein erheblicher Anteil der weiblichen Bevölkerung systematisch unterdrückt wird?

Hier ignoriert man den Widerspruch und redet sich und den anderen ein, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Als Beweis dafür zeigt man emanzipierte Kopftuchträgerinnen in Talkshows.

Vermutlich werden die grünen Wortführer auch beim Umweltschutz eine elegante Brücke schlagen können. Die Vögel, die von den 25.000 Windmühlen laufend getötet werden, spielen ja erstaunlicherweise keine Rolle. Das war schon einmal anders. Unsere gefiederten und quakenden Brüder und Schwestern waren einmal heilig! Ein befreundeter Architekt hatte sich in den 90er-Jahren in München vor Gericht zu verantworten, weil bei der Bereinigung eines Baugrundstückes ein „adulter Laubfrosch“ getötet worden war.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Mir ist klar, dass man kein Omelett machen kann, ohne ein paar Eier zu zerschlagen. Zivilisation fordert ihre Opfer in der Tierwelt; Schlachtvieh und Wanderkröten müssen für uns dran glauben. Es ist nur verdächtig, mit welcher Geschwindigkeit und Kreativität die Windlobby Argumente findet, um alle Bedenken in Sachen Vogelschlag, Waldsterben und anderer noch gewaltigerer Naturschäden locker vom Tisch zu wischen.

Wird der Interessenkonflikt Energiewende/Naturschutz also den Ausbau von Windkraft und PV bremsen? Wohl kaum, denn die politischen und wirtschaftlichen Interessen sind so gewaltig, dass alle Gegenargumente durch eine gnadenlose PR-Walze erdrückt werden. Die guten alten Naturschützer werden kaum eine Chance haben. Die heiligen Kühe von gestern müssen denen von heute Platz machen.

Des Kaisers neue Kleider

Es ist einerseits zu erwarten, dass die Verteuerung der Energie die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland beeinträchtigen wird, andererseits sind die wachsenden Strompreise eine zusätzliche, direkte Belastung für die privaten Haushalte. Letzteres ist noch dazu eine Umverteilung von unten nach oben, denn der kleine Verbraucher finanziert die dicken Renditen, welche Wind- und Solarbetreiber kassieren.

Vielleicht wird diese finanzielle Zange, die am sensibelsten Körperteil, dem Portemonnaie, ansetzt, zu einer Revolution gegen die Energiewende führen – so wie einst der erhöhte Bierpreis in Bayern. Man wird dann empfinden, dass man sich den Luxus alternativer Energie nicht mehr leisten kann, und man wird auf den weiteren Ausbau von Wind und PV verzichten.

So zwingend diese Argumente sind, so ist dennoch zu befürchten, dass sie im ideologischen Mainstream untergehen, dass sich das Volk die Energiewende als wunderbare Sache verkaufen lässt, so wie man ihm einst die neuen Kleider des Kaisers verkauft hat.

(Ende des Buchauszugs)


Und nun ein Vorschlag

Von der Politik kommen ja derzeit mehr oder weniger intelligente Vorschläge zum Energiesparen: Frieren für den Frieden, Duschen nur bei Bedarf, Zähneputzen mit kaltem Wasser. Ich hätte da auch einen Beitrag: Warum nehmen wir nicht die diejenigen zuerst vom Netz, welche für die Zerstörung unserer Kraftwerke verantwortlich sind?


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VOLLE FAHRT IN DEN BLACKOUT – VIDEO 1 — thinkagain

Der Lotse ist ein Nautiker mit praktischer Erfahrung, der seine Gewässer so gut kennt, dass er Schiffe sicher über Untiefen und vorbei am übrigen Verkehr geleiten kann. Er erklärt dem  Kapitän, dass er beim jetzigen Kurs mit einem Riff kollidieren wird, das in einiger Entfernung deutlich sichtbar wird.


Er erklärt ihm auch, dass bei der Trägheit seines Schiffes volles Ruder nach Steuerbord nötig ist, um das Schiff noch zu retten. Der Kapitän bleibt gelassen. Er holt sich über Funk noch eine zweite Meinung, und zwar von einem Berater, der noch nie zur See gefahren ist. Der empfiehlt den Kurs zu halten. Für den Fall, dass etwas schief ginge bietet er dem Kapitän gute Argumente an, dass nicht er schuld war, sondern dass  externe Faktoren zur Kollision geführt haben – etwa der niedrige Wasserpegel, verursacht durch Klimawandel.

Ein erfahrener Lotse in Sachen Energie ist Manfred Haferburg. Er wurde kürzlich vom  Sächsischen Landtag an Bord geholt, um bei der Navigation des Schiffs mit dem Namen  „Deutschland“ zu helfen. In seiner  Stellungnahme zeigt er, dass man seit einiger Zeit mit voller Fahr auf das Riff „Blackout“ zusteuert, auf den Zusammenbruch der Stromversorgung für Deutschland.

Wir wissen nicht, ob die Mächtigen willens sind, oder in der Lage, den Kurs noch zu ändern. Auf jeden Fall fahren wir auf ein Desaster zu, welches die jüngsten politischen Katastrophen, die wir erleben mussten, weit in den Schatten stellen würde.

In dieser Situation müssen Sie verstehen wohin die Reise geht. Dazu haben wir in den vergangenen Monaten einige Videos gedreht, welche die wichtigsten Aspekte der Elektrizitätsversorgung anschaulich erklären. Informieren Sie sich, was man von Stromspeicher, Wärmepumpe, Wasserstoff, Kernfusion, etc. realistischer Weise erwarten kann.

Inhalt der Videos stammt vom Kernphysiker Dr. Hans Hofmann-Reinecke, gestaltet wurden sie von Thomas Punzmann und gesprochen von Gabriele Bock, deren Stimme ihnen vielleicht aus Funk und Fernsehen bekannt ist.

Hier das Video zum Thema 1:Stromspeicherung


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