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THINK-AGAIN — DAS SUCHEN HAT EIN ENDE

Bild: John-Mark Smith/Unsplash

DANKE

dass Sie immer wieder nach alten Artikeln fragen, die nicht mehr im Blog auftauchen.

Das ist ein Kompliment.

An diesem Wochenende können Sie durch sämtliche Artikel scrollen, die jemals in THINK-AGAIN.ORG erschienen sind. Sicher ist etwas darunter, was Sie gerne (noch einmal) lesen möchten. 

  • Die 8 jüngsten Artikel finden Sie, ganz normal, hier und jetzt auf dem Blog
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    Artikel mit einem waren besonders beliebt
  • Die Artikel von 1 – 40, in oliver Schrift, gibt es auch gesammelt im Buch „Grün & Dumm – Reloaded“ bei Amazon.

HIER ALLE ARTIKEL VON THINK-AGAIN.ORG
SEIT NOVEMBER 2019

hierEVENT 201
Probelauf für die Corona Pandemie
16.Jan.21
hier WER RETTET DIE WISSENSCHAFT
Die Leopoldina als Vasall der Politik
08.Jan.21
hier DAS WEB UND DAS KLIMA
Braucht das Surfen zu viel Strom?
31.Dec.20
hier FREUNDSCHAFT
Chilenische Abenteuer mit einem guten Freund
26.Dec.20
hier EIN QUANTENSPRUNG ZU WEIHNACHTEN
Was Sie schon immer wissen wollten
19.Dec.20
hier EIN NEUER HEILAND
Das Virus im Video: Bedrohung und Erlösung
12.Dec.20
hier FÖRDERN OHNE ZU FORDERN
Die Verwöhnung der deutschen Startups
05.Dec.20
hier MARVEL FUSION
Die kleine Sonne auf Erden in Oberbayern
28.Nov.20
hier BATACLAN 2015
Politiker sollten handeln, nicht protestieren
14.Nov.20
57QUAL DER WAHL
Wenn der Wähler dem Herzen folgt
07.Nov.20
56THERANOS
Junge Hochstaplerin legt alte Profis aufs Kreuz
31.Oct.20
55LUFTTAXI
Ein teures Flugobjekt, das am Boden klebt
24.Oct.20
54DER MEERESSPIEGEL IN AFRIKA
Auf Safari nach der Erderwärmung
17.Oct.20
53FALSCH POSITIV
Weder Hunde noch Corona-Tests sind unfehlbar
10.Oct.20
52LOGIK DES MISSLINGENS
Das Versagen der Politik in komplexen Systemen
03.Oct.20
51VERGIFTETE ZAHLEN BEI DER KVN
Corona in NRW: Propaganda statt Information
26.Sep.20
50MOORBURG
Das sauberste Kraftwerk: Frei zum Abriss 
19.Sep.20
49HER MIT DEN INGENIEURINNEN
Wie Technische Unis um Frauen werben
12.Sep.20
48DEUTSCHLANDFUNK
Numerische Analphabeten am Mikrophon
05.Sep.20
47CONCORDE
Zu gut für die Welt: Der Sturz einer Göttin
29.Aug.20
46AUSWANDERN, ABER RICHTIG
Es gibt eine Alternative: Lichtjahre weg von Mutti 
22.Aug.20
45WHITE CRIMES
Black Crimes in Südafrika
08.Aug.20
44ENDE DER MODELLE
Mutter Erde und ihre Pelzmäntel
01.Aug.20
43DAS KLIMA UND SEINE RISIKEN
Wiw schlimm? …und wie wahrscheinlich?
25.Jul.20
42CORONA STATT KLIMA
2020 Keine Klimakonferenz: “eppur si muove”
18.Jul.20
41DEUTSCHLAND IM ROLLSTUHL
Wasserstoff ist nicht die Lösung
11.Jul.20
40FRAUENQUOTEN
Piloten nach Quoten: Keine gute Idee
04.Jul.20
39HALTUNG STATT LEISTUNG
Die Talfahrt der deutschen Akademia
27.Jun.20
38WASSERSTOFF, DER NEUE WAHN
Wie die Milchmädchen uns retten sollen
20.Jun.20
37DUBIOSE MODELLE
Klima / Corona: haben Computer die Antwort?
13.Jun.20
36EIN AMERIKANISCHER DRACHEN
Dragon 2 macht die USA wieder zur Space Nation
06.Jun.20
35AKW PHILIPPSBURG ZERSTÖRT
Die Taliban den Buddha / die Grünen das AKW
30.May.20
34DIE ANGST VOR DEM ATOM
… isst die Seele auf – und auch den Verstand
23.May.20
33KERNFUSION – DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT
Es klappt einfach nicht, jedenfalls nicht auf Erden
10.May.20
32NACHHILFE IM SCHWEINESTALL
Veterinäre sind die besseren Seuchenmanager
03.May.20
31ENDLAGER AFRIKA. KEIN PROBLEM
Ein “natürlicher” Kernreaktor in Gaboon
25.Apr.20
30TRÜGERISCHE ZAHLEN
Der systematische Betrug durch die Medien
17.Apr.20
29DIE KRISE DIE KEINE WAR
Y2K: Vor 20 Jahren sollte die Welt untergehen
10.Apr.20
28ENERGIEWENDE AM HIMMEL
E-Flugzeuge – ein Thema für grüne Journalisten
04.Apr.20
27WIR ALLE SITZEN IM SHUTTLE
Was Challenger und Corona gemeinsam haben
29.Mar.20
26DAS GUTE SCHLECHTHIN
Plastik ist nicht nur “böse”
21.Mar.20
25
24URSACHEN DER ARMUT
Der Wohlstand hat Ursachen, nicht die Armut
15.Mar.20
23
22DIE NEUE ZEITRECHNUNG
Windmühlen statt Kreuze und Greta statt Jesus
29.Feb.20
21GERUCHLOS, FARBLOS, UNSCHULDIG
Wo ist das CO2 wenn man es braucht?
21.Feb.20
20NUMERISCHE ANALPHABETEN
Sie begreifen die Milliarden nicht, aber geben sie aus
15.Feb.20
19SEID IHR NICHT ALLE EIN BISSCHEN GRETA?
Kaum zu glauben, dass die Wende gescheitert ist
08.Feb.20
18CARGO LIFTER
Ein Luftschiff als Luftnummer
02.Feb.20
17ATLANTROPA
Total nachhaltig: ein Staudamm bei Gibraltar
25.Jan.20
16MEHRHEIT UND WAHRHEIT
Machenschaft zerstört die Wissenschaft
18.Jan.20
15DIAMANTEN, APARTHEID, MANDELA
Impressionen aus Südafrika 
12.Jan.20
14CO2 – DER VERGEBLICHE KAMPF
UN Klimakonferenz: das jährliche Murmeltier
08.Jan.20
13WOHIN MIT DEM MÜLL?
Das Peoblem mit dem strahlenden Abfall
04.Jan.20
12STROMLOS IN AFRIKA
Blackout: Erfahrungen aus Südafrika
28.Dec.19
11SCHNEE AM KILIMANDSCHARO
Die grotesken Prognosen der Klimajünger
23.Dec.19
10KOPF UND HERZ
Wer soll die Entscheidungen treffen?
16.Dec.19
09ZENOS PARADOXON
Darf man sagen, das es Zensur gibt?
16.Dec.19
08WILLKOMMEN BEI DEN MILCHMÄDCHEN
Photovoltaik: Absurder geht es nicht
12.Dec.19
07DEUTSCHLAND UND DER “IRAN NUCLEAR DEAL”
Die besondere Verantwortung für Israel
11.Dec.19
06WARTEN AUF JOHN GALT VON AYN RAND
Eine Roadmap für Deutschlands Verfall
09.Dec.19
05WAS IST LOS MIT DER BOEING MAX?
Wenn der Kobold ins Steuer greift
09.Dec.19
04GRETA IN AFRIKA – VOR 150 JAHREN
Wie ein Teenager sein Volk ruinierte
08.Dec.19
03E = MC2 – DIE BERÜHMTESTE GLEICHUNG
Viel zitiert, kaum kapiert, endlich verständlich
07.Dec.19
0205.Dec.19
01EUROPA – VEREINT UND ORIENTIERUNGSLOS
Das Galileo GPS-System: so navigiert Europa
09.Nov.19

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THINK-AGAIN — EVENT 201 – DIE WIRKLICHKEIT VORWEG GENOMMEN -published 16.01.2021

Bild: http://www.centerforhealthsecurity.org/event201/

Im Oktober 2019 trafen sich in New York hochkarätige Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus aller Welt, um Entscheidungsprozesse in einer internationalen Notlage zu simulieren. Sie wurden als Krisenmanager mit einem Szenario konfrontiert, welches der aktuellen Corona Krise erstaunlich ähnelte. Würde man aus dieser Simulation für die Wirklichkeit lernen?


Ein Spiel mit der Zukunft

Für den 18. Oktober 2019 hatte das Johns Hopkins Center for Health Security, in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum und der Bill and Melinda Gates Foundation eine gutes Dutzend Auserwählte in das Hotel Pierre am Central Park in New York eingeladen. Auf sie wartete eine Veranstaltung mit dem Namen Event 201 .

Die Teilnehmer waren “Versuchskaninchen”, die in einem Rollenspiel die Mitglieder eines „Pandemic Emergency Board (PED)“ verkörpern sollten. Sie kamen aus aller Herren Länder und waren im wirklichen Leben höhere Manager in unterschiedlichen Organisationen. Sie sahen sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal.

Unter ihnen war auch ein deutscher Teilnehmer, Herr Martin Knuchel, „Head of Crisis, Emergency & Business Continuity Management Lufthansa Group Airlines” (…wie auch immer das auf Deutsch heißen mag).

Die brasilianischen Schweine

Keiner von ihnen war vorab über die Aufgaben informiert worden, die sie zu meistern hätten; sie erfuhren vor Ort zum ersten Mal über den Inhalt des Rollenspiels:

Es handelte sich um eine durch ein Corona Virus verursachte Pandemie, die in Brasilien ausgebrochen war und sich inzwischen weltweit verbreitet hatte.

Hier das Szenario im Detail:


Der Ausbruch eines neuartigen Coronavirus, das von Fledermäusen auf Schweine und dann auf Menschen übertragen wird, führt zu einer schweren Pandemie. Der Erreger und die Krankheit ähneln SARS, allerdings ist auch Übertragung durch Kranke mit nur milden Symptomen möglich.

Die Seuche tritt zuerst in brasilianischen Schweinefarmen auf, greift aber dann rasch um sich. In den Slums südamerikanischer Megastädte kommt es explosionsartig zu einer Epidemie. Per Flugzeug gelangt das Virus in den Rest der Welt. Einige Länder können sich zwar zunächst wehren, doch schließlich setzt sich die Seuche überall durch.

Es zeigt sich, dass Im ersten Jahr auf keinen Fall ein Impfstoff verfügbar sein wird; es gibt nur ein antivirales Medikament, welches zwar den einzelnen Patienten hilft, die Ausbreitung der Krankheit jedoch kaum bremst.

In den ersten Monaten der nun weltweiten Pandemie verdoppelt sich die Zahl der Fälle jede Woche und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Notlage verschlimmert sich von Tag zu Tag.

Zu Ende der Simulation, nach 18 Monaten, sind 65 Millionen Todesfälle zu beklagen. Wegen einer gewissen Durchseuchung verlangsamt sich jetzt die Ausbreitung des Virus, er wird aber bleiben, bis es einen wirksamen Impfstoff gibt oder bis 80-90% der Weltbevölkerung exponiert wurden.

Ab diesem Zeitpunkt handelt es sich dann um eine endemische Kinderkrankheit.


Die Tatsache, dass erste Fälle von Covid-19 nur zwei Monate nach dieser Simulation tatsächlich auftraten, und dass das Szenario der späteren Wirklichkeit so frappierend ähnlich war, gab natürlich Anlass zu Fragen und Spekulationen. Die Veranstalter verneinen jedoch irgend eine frühere Kenntnis von dem realen Covid 19 Virus und der kommenden Seuche gehabt zu haben.

Ein internationales Rollenspiel

Das Event war aus jeder Perspektive perfekt ausgestaltet und organisiert. Die Gastgeber hatten weder Geld noch Mühen gescheut, um eine täuschend echte Simulation zu schaffen. Die Vorbereitung muss Monate in Anspruch genommen haben, das Event selbst wurde an einem Tag abgewickelt.

Es begann mit dem ersten „Emergency Meeting“, in dem die Teilnehmer über die Situation gebrieft wurden. Hier wurde dann auch das Problem der internationalen Verteilung von medizinischen Materialien, etwa Impfsoffen diskutiert.

Es folgten zwei weitere Sitzungen, die jeweils nach mehreren simulierten Wochen stattfanden, im Hotel aber jeweils nach einer Kaffeepause. Diese informierten über den aktuellen Stand der Pandemie und behandelten die Themen Reisen und Handel sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.

Die Moderation hatte ein echter Experte der Johns Hopkins Universität, die auch andere Fachleute zu bestimmten Themen zu Wort kommen ließ, um die Teilnehmer mit der notwendigen fachlichen Information zu versorgen.

Die Sitzungen wurden auf Video mitgeschnitten. Springen Sie im ersten Segment auf 14:20, wenn Sie sich die einleitenden Worte der Gastgeber sparen wollen. Der Zuschauer vergisst nach ein paar Szenen, dass alles ein Rollenspiel ist. Die eingeblendeten TV Ausschnitte sind simuliert, und auch den Sender GNN gibt es nicht, zumindest nicht in dieser Aufmachung. Ab und zu kommen Sekretärinnen ins Bild, die Teilnehmern einen Zettel zuschieben, was irgendwie störend wirkt. Aber auch das gehörte zu dem Spiel. Auf den Zetteln standen dann so Dingen wie „Die Seuche hat jetzt auch in Borneo erste Opfer gefordert“.

Es ist frappierend, mit welcher Präzision dieses Szenario dem späteren Ernstfall gleicht und es ist erstaunlich, wie hilflos und unprofessionell die meisten Regierungen reagierten, obwohl der ungefähre Lauf der Ereignisse vorherzusehen war.

Ratschläge für die Wirklichkeit

Die Simulation führte zu Empfehlungen für Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die hier zusammengefasst sind.

Wir wissen nicht, ob unsere politischen Entscheidungsträger diese Empfehlungen kannten, meines Wissens spielte Event 201 niemals eine Rolle im öffentlichen Diskurs. Auf jeden Fall widersprach das Handeln unserer Entscheidungsträger einigen der Empfehlungen ganz massiv.

Hier einige der Empfehlungen, zusammengefasst in meinen Worten. Ich überlasse es meinen geschätzten Lesern, diese mit der politischen Wirklichkeit zu vergleichen.

  • Kontinuität der Wirtschaft muss trotz Krankheit und trotz Gegenmaßnahmen garantiert sein. Andernfalls würde ein ökonomischer Dominoeffekt zu galoppierender Inflation, Armut und gesellschaftlicher Instabilität führen.
  • Reisen im Inland und ins Ausland müssen möglich sein, so wie üblich. Grenzen dürfen nicht aus Panik geschlossen werden.
  • Die Bevölkerung muss zuverlässig informiert werden und persönliche Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen. Das ist wirksamer als Vorschriften und Verbote.
  • Entscheidungen müssen von seriösen, respektablen Persönlichkeiten kommen.
  • Länder mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie müssen die Wirksamkeit ihrer Vorgehensweisen vergleichen und von einander lernen.

Der Unterschied

Bei aller Perfektion des Event 201, trotz aller Sorgfalt bei der Schaffung eines realistischen Szenarios, konnte ein zentraler Faktor nicht simuliert werden: die Moral der Entscheidungsträger. Im Rollenspiel war es wohl das oberste Ziel jeden Teilnehmers, eine gute Figur zu machen. Dazu schlug er möglichst intelligente und wirksame Maßnahmen zur Lösung der Probleme vor.

In der Realität aber ist die Zielsetzung eine andere. Oberste Priorität hat die Frage: ist diese Entscheidung nützlich für mich persönlich? Wie kann meinem Feind maximaler Schaden zugefügt werden? Kann man mich später zur Rechenschaft ziehen?

In dieser Kaskade der Prioritäten spielt die Suche nach der optimalen Lösung für die Bevölkerung nur vorgeblich und in Worten die wichtigste Rolle, nicht aber in den Taten.

Aber auch abgesehen davon: eine optimale Lösung für alle zu finden ist wesentlich anspruchsvoller, als die eigenen Interessen zu verteidigen. Zu sagen, „das passt mir nicht“ erfordert weder Intelligenz noch Moral. Einen Beitrag zu leisten, der für die Allgemeinheit größten Nutzen bringt, nicht aber für den Entscheider selbst, das erfordert hinsichtlich Ethik und Klugheit einen Typ von Menschen, der am Aussterben ist.

THINK-AGAIN

WER RETTET DIE WISSENSCHAFT?

Bild: unsplash.com/@kmitchhodge

Wir werden gerade Zeugen des Verfalls eines wichtigen Pfeilers unserer Kultur: der Wissenschaft. Das hat nicht nur Folgen für die Erforschung von Kosmos und Atom, es betrifft unsere Existenz insgesamt, denn die intellektuelle Disziplin, zu der die Wissenschaft erzieht, ist das Garn aus dem die wohl größte Errungenschaft der Menschheit gewebt wurde: die westliche Zivilisation. Erleben wir also deren Untergang?


Amateur und Profi

Wissenschaft ist eine anspruchsvolle Sache. Da gibt es zwar populär-wissenschaftliche Literatur, die dem Amateur die Illusion vermittelt, er könne mitreden, aber tatsächlich hat er keinen Schimmer von professioneller Wissenschaft.

Hier ein Beispiel aus anderem Metier: Ich bin in München aufgewachsen, war vom zehnten Lebensjahr an jeden Winter im Gebirge und hielt mich für einen guten Schifahrer. Eines Tages nahm mich der Sohn unseres Gastwirts mit auf die Piste.

Wir standen an einem steilen und eisigen Hang und ich überlegte, ob ich da wohl heil runter käme. Mein Begleiter fuhr schon mal los, senkrecht bergab, mit lässigen Bewegungen und zog sich während der Schussfahrt die Handschuhe an und setzte die Mütze auf; dafür hatte er auch noch Zeit.

Das raubte mir meine Illusionen und zeigte mir den Unterschied zwischen Amateur und Profi. Ein kleiner Trost war, dass der Mann später die „Streif“, das Rennen am Hahnenkamm gewonnen hat.

Werfen wir jetzt einen Blick auf professionelle Wissenschaft, und zwar nicht Soziologie oder Genderkunde, sondern Physik, wo der Unterschied zwischen Amateur und Profi ebenso deutlich ist wie  beim Schifahren.

Kritik und Selbstkritik

Da gibt es zunächst die Unterscheidung zwischen experimenteller und theoretischer Physik. Letztere sucht nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, welche die Natur beschreiben. Ein krönendes Beispiel, Einsteins Feldgleichung von 1916, ist hier abgebildet: .

Das ist theoretische Physik, und wie Sie sehen ist deren Sprache die Mathematik. Aus dieser Gleichung folgt – wenn auch nicht auf ersten Blick ersichtlich – dass es Gravitationswellen geben muss. Die zu finden ist nun Aufgabe der Experimentalphysik. Der Nachweis gelang dann genau hundert Jahre später.

In gigantischen Anlagen wurde gemessen, wie sich der Raum im Rhythmus besagter Wellen zusammenzog und ausdehnte, und zwar über eine Länge von mehreren Kilometern um weniger als ein Tausendstel des Durchmessers eines Atomkerns. Das ist verdammt wenig und es gibt viele Effekte, die solch eine Messung stören oder das gesuchte Ereignis vortäuschen könnten; etwa eine Harley Davidson, die Gas gibt. So grübeln die Experimentalphysiker Tag und Nacht, wo sie sich irren könnten, wo sie sich vielleicht selbst belügen. Es ist ein Marathon der Selbstkritik, bei dem auch Kritik von außen willkommen ist.

Und was bekommen wir für diese Anstrengungen?

Wissenschaft schafft Wissen, nicht Maschinen oder Reichtum. Dennoch hat es immer wieder zufällige „Spin Offs“ von praktischem Nutzen gegeben, etwa das Internet oder die Mikroelektronik. Aber das ist eine andere Geschichte.

Meister und Gesell

Physik kann man an unseren Hochschulen studieren. Das ist notwendig, denn es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen. Die erste Phase der Ausbildung führt zum „Diplom“ (heute „master“), das entspricht bei Handwerkern dem Gesellen. Dazu muss der Kandidat seine Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit beweisen, indem er ein anspruchsvolles „Gesellenstück“, eine Diplomarbeit abliefert.

Nun kann er versuchen, neue Entdeckungen zu machen, und wenn die dann wichtig genug sind gibt es dafür die Doktorwürde. Die genießt auch außerhalb von Akademia ein gewisses Prestige, und so versucht der eine oder andere, die beiden begehrten Buchstaben vor dem eigenen Namen zu erschleichen –  ohne Hang zur Wissenschaft zu haben oder die dafür notwendige intellektuelle Disziplin. Dabei wird mancher allerdings ertappt.

Es sieht so aus, dass solche Kandidaten und Kandidatinnen überproportional im politischen Umfeld zu finden sind. Aber warten Sie, es kommt noch schlimmer.

Der Papst, der sich selbst krönte

Es war einmal ein Mann, der bewarb sich um das höchste Amt der USA, aber er verlor die Wahl gegen George W. Bush. Da beschloss er Gelehrter zu werden. Es war ein kleiner Schritt für den Politiker, aber ein enormer Schaden für die Wissenschaft.

Al Gore machte sich über Nacht zum Papst in Sachen Global Warming – nicht durch fachliche Kompetenz, sondern durch perfekte Propaganda. Sein Film „An Inconvenient Truth“ war ein riesiger Erfolg, sowohl an der Kasse als auch bei der Verbreitung seiner politischen Botschaft.

Ab jetzt war die Klimawissenschaft mit dem Virus der Politik infiziert. Der ist tödlich, denn in der Wissenschaft geht es um Wahrheit, in der Politik aber um Mehrheit. Als Folge davon ist heute eine sachliche Untersuchung der Physik der Erdatmosphäre nicht mehr möglich.

Weltweit entstanden jetzt Institutionen, welche die Unterstützung der Mächtigen genießen und dafür pseudo-wissenschaftliche Rechtfertigungen derer Politik liefern. Solche Arbeit ist nicht von Selbstkritik geprägt, sondern von der Hexenjagd auf externe Kritiker, die ihren Schwindel aufdecken könnten. Aber Selbstkritik wäre hier dringend notwendig, denn die zu messenden Effekte sind so schwach, dass man sich leicht selbst zum Narren halten kann, insbesondere, wenn man neben der Wissenschaft noch eine andere Agenda hat.

Wir folgen der Wissenschaft

Die Politisierung der Wissenschaft hat beim Thema Corona von der ersten Sekunde an logische Entscheidungen verhindert. Die Kanzlerin verteidigt zwar ihren zick-zack Kurs mit der Aussage „wir folgen der Wissenschaft“ – aber welcher? Da gibt es etwa den Berliner Christian Drosten und den Amerikaner John Ioannidis, deren Erkenntnisse stark divergieren. Welcher Wissenschaft folgt man also?

Die deutschen Politiker ignorieren konsequent den US Experten. Als fachliche Amateure bzw. Laien missbrauchen sie ihre Macht, um zu entscheiden, welcher Wissenschaftler Recht hat! Als Folge davon fehlt seit zehn Monaten eine wirksame Strategie, um der Lage Herr zu werden.

Die selbsterklärten Experten hantieren mit „Fallzahlen“, die eher die Häufigkeit der Tests und deren Fehlerquoten wiedergeben, als die Durchseuchung der Bevölkerung.

Gibt es denn keine Dachorganisation, welche die Wissenschaft vor solch fataler Einmischung schützt?  Gibt es keinen „TÜV“, der hier Ethik und Qualität garantiert? Welcher die Unabhängigkeit von der Politik sicherstellt?

Wo bleibt die Rettung?

Gut, da gibt es die Nationale Akademie der Wissenschaften, genannt Leopoldina, gegründet 1652, die sich folgender Aufgabe verschrieben hat:

(Die Leopoldina) „… bearbeitet unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen aus wissenschaftlicher Sicht, vermittelt die Ergebnisse der Politik und der Öffentlichkeit und vertritt diese Themen national wie international.“ (Fettdruck vom Autor)

Unter den knapp 2000 Mitgliedern gibt es viele ältere, erfahrene Professoren (darunter den Ehemann der Kanzlerin), denen eine gewisse  Dekadenz in Deutschlands Wissenschaft aufgefallen sein müsste. Schon beim Klima, aber insbesondere jetzt bei Corona hätten da die Alarmglocken läuten müssen.

Das aber war nicht der Fall. Statt Merkels Aussage „Wir folgen der Wissenschaft“ öffentlich zu kritisieren, denn de facto folgt sie bestenfalls einem – durchaus umstrittenen – Wissenschaftler, gab die Leopoldina Anfang Dezember folgenden Text heraus:

„Um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurückzuerlangen, empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der Ad-hoc-Stellungnahme „Coronavirus-Pandemie:

Die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown nutzen“ ein zweistufiges Vorgehen. Die Rahmenbedingungen Weihnachtsferien in Bildungseinrichtungen und eingeschränkter Betrieb in vielen Unternehmen und Behörden bieten die Chance, in der Eindämmung der Pandemie ein großes Stück voranzukommen…“

Der Text hört sich weniger nach sachlich-wissenschaftlicher Analyse an, als nach einem Statement, das der Sprecher des Kanzleramts hätte diktieren können.

Die andere Seuche

Das ist nicht gut so. Es scheint, wir leiden noch unter einer anderen Seuche, weit gefährlicher als Corona. Es ist der grassierende politische und kulturelle Nihilismus, der wie Termitenbefall das Bauwerk unserer westlichen Errungenschaften zerstört. Der Verlauf dieser Krankheit wurde vor hundert Jahren durch Oswald Spengler als „Der Untergang des Abendlandes“ prophezeit, und kürzlich von Douglas Murray in seinem Buch „The Strange Death of Europe“ beschrieben.

Können wir uns denn dagegen nicht wehren? Gibt es denn keinen Impfstoff gegen diese Pandemie?

Eines ist sicher: Die Leopoldina liefert ihn nicht.

THINK-AGAIN

DAS WEB UND DAS KLIMA

Während Sie mit dem Tablett auf den Knien und einer Tasse Cappuccino in der Hand auf dem Sofa sitzen und einen Artikel des Blogs „Think-Again“ lesen, spielt sich hinter den Kulissen eine digitale Großveranstaltung ab. Dabei wird viel Strom verbraucht, mehr als Sie vielleicht glauben. 


Schadet das Internet dem Klima?

Ich frage Sie jetzt nicht, ob Sie manchmal im Internet surfen. Und so lange Sie bei THINK-AGAIN oder ACHGUT unterwegs sind ist das völlig in Ordnung. Aber ich habe den Verdacht, dass Sie noch in ganz andere Regionen streunen; dass bei der Hausarbeit ein Musik-Stream im Hintergrund läuft und Sie sich abendfüllende Filme in HD genehmigen.

Haben Sie sich jemals überlegt, wie viel Elektrizität dabei verbraucht, wie viel CO2 produziert wird? Vielleicht sind Sie ja sonst energiebewusst; vielleicht protestieren Sie gegen elektrische Zahnbürsten und stellen die Waschmaschine auf 30° ein, machen sich aber andererseits über all die Kilowattstunden, die Sie im Web verbraten keine Gedanken.

Dazu möchte ich Ihnen jetzt die Fakten präsentieren, vorher aber ein paar Begriffe klären.

Ein IQ-Test

Der Verbrauch eines elektrischen Gerätes wird in Watt angegeben. Die gute alte Glühbirne brauchte 60 Watt, eine neue 10 Watt, ist aber genauso hell. Ein vernünftiger Staubsauger zieht sich neben dem Staub vom Teppich auch noch 1500 Watt = 1,5 Kilowatt (kW) aus der Steckdose rein, etwa so viel wie ein Wasserkocher. Diese Zahlen beschreiben die „Leistung“ und sind eine Kenngröße jeden elektrischen Gerätes.

Wenn Sie also jemandem erklären, dass Ihr Computer 100 Watt verbraucht, und der fragt dann: „pro Stunde oder pro Tag?“ dann stellen Sie dem eine Gegenfrage: „Wieviel PS hat dein Auto?“ Der antwortet dann ganz stolz: „180 PS, ich hab den Turbo“. Dann fragen Sie dagegen: „180 PS? Ist das pro Stunde oder pro Tag?“.

Wenn Sie eine Stunde lang die Leistung von ein kW aus der Steckdose ziehen, dann haben Sie eine Kilowattstunde (kWh) an „Energie“ verbraucht und müssen 0,30 € dafür bezahlen. Leistung mal Zeit ergibt Energie. Wenn Sie diese Unterscheidung beherrschen, dann sind Sie klüger als die meisten Politiker, die bei dem Thema oft unfreiwillig ihren zweistelligen IQ offenbaren.

Zur Sache

Ich unterstelle Ihnen jetzt, dass Sie beim Surfen moderne Hardware wie Smartphone oder Tablett einsetzen. Der Schnelllade-Adapter für die Geräte holt sich etwa 15 Watt aus der Steckdose. Wie viel ist das pro Tag? Das ist die falsche Frage, denn Sie laden ihre elektronischen Lieblinge ja während der Nacht. Da ist der Akku dann nach einer Stunde wieder voll.

Eine Stunde lang haben wir also 15 Watt aus der Leitung geholt, macht 0,015 kWh. Wenn Sie das 30 mal im Monat machen, dann gibt das rund eine halbe Kilowattstunde. Im Vergleich zu Ihrem typischen monatlichen Gesamtverbrauch von, sagen wir, 350 kWh können wir das getrost vergessen. Und auch wenn zusätzlich noch diverses Gerät der im Hause ansässigen Minderjährigen geladen wird bleibt der Verbrauch dennoch sehr niedrig.

You Ain’t Seen Nothin‘ Yet

„Was soll dieser Artikel also?“, werden Sie jetzt protestieren „So viel Text, nur um mir zu erklären, ich bräuchte mir um den Stromverbrauch beim Surfen keine Sorgen zu machen? Die hab ich mir eh nie gemacht!“

Warten Sie, Sie haben noch nicht alles gesehen. Während Sie, mit dem Tablett auf den Knien und einer Tasse Cappuccino in der Hand auf dem Sofa sitzen, und einen Artikel auf der Website „Think-Again“ lesen wollen, spielt sich hinter den Kulissen eine digitale Großveranstaltung ab.

Beim Anklicken des entsprechenden Links erzeugt Ihr Tablett eine kurze Botschaft, die über den Wi-Fi Router in der Zimmerecke und das Modem – das ist das Kästchen gleich daneben – in eine Glasfaser eingespeist wird. Von hier geht es zum professionellen Computer Ihres Internet Service Providers.

Dieser Computer schaut sich die Botschaft an. Er erkennt, wohin die Reise gehen soll, schickt die Sache weiter an einen regionalen Datenverteiler und von dort geht es zu einem der großen deutschen Datenzentren, vielleicht in der Nähe von Frankfurt. Letzteres ist durch Kabel mehr oder weniger direkt mit dem Rest der Welt verbunden.

Ihr Auftrag wird jetzt in die Stadt Orem geschickt, rund 8.400 km westlich von Frankfurt im US Staat Utah. Dort lagert das Blog „Think-Again“ im Datenzentrum von BLUEHOST, einem der großen amerikanischen Web-Anbieter. Das Zentrum ist eine größere Anlage, deren Ausdehnung etwa vergleichbar ist mit dem Volkswagenwerk in Wolfsburg.

Hier wird Ihre Botschaft dann gelesen und Ihr Wunsch wird erfüllt. Der angeforderte Artikel von Think-Again wird gesucht, gefunden und auf gleichem Weg, aber in der anderen Richtung, auf die Reise geschickt, sodass er schließlich vor Ihren Augen auf dem Tablett erscheint.

Tatsächlich werden Ihre Botschaft bzw. der gewünschte Artikel nicht in einem einzigen Paket transportiert, sondern sie werden in viele kleine Päckchen zerteilt, die selbstständig und auf unterschiedlichen Wegen zu ihrem Bestimmungsort gelangen, um sich dort dann spontan wieder zusammenzusetzen – und das auch noch in der richtigen Reihenfolge. Damit das funktioniert hängt an jedem Päckchen ein „Zettel“ mit seiner Destination, ähnlich wie an unseren Koffern beim Fliegen. Allerdings ist im Web dieser Zettel oft größer als das Stück „Gepäck“ an dem er hängt.

Sie werden verstehen, dass der ganze Vorgang dann schon mal ein oder zwei Sekunden dauern kann. Seien Sie also nicht ungeduldig, wenn Sie warten müssen; vielleicht ist ja gerade eines Ihrer Päckchen im Unterseekabel südlich von Grönland in einen Stau geraten.

Die Gretchenfrage

Das Bearbeiten und Versenden der Daten über größere Entfernungen benötigt Energie und zwar außerhalb Ihres Wohnzimmers. Da werden irgendwo Kilowattstunden verbraten, die niemals auf ihrer Stromrechnung stehen. Ein Maß dafür sind die verbrauchten kWh pro Gigabyte Datenmenge.

Eine Londoner Firma fand heraus, dass 2017 durchschnittlich 1,8 kWh pro Gigabyte Datenmenge verbraucht wurden. Wenn Sie sich also ein zweistündiges HD Video reinziehen, dann laden Sie bei der Gelegenheit 4GB herunter und verbrauchen 4 x 1,8 kWh = 7,2 kWh. Eine typische Website hat dagegen nur um die 2 MB, kostet also ganze 0,0036 Kilowattstunden. Surfen Sie also lieber auf Think-Again oder Achgut, statt sich zum x-ten Mal einen alten „James Bond“ anzuschauen.

Die oben erwähnten Experten haben auch ausgerechnet, dass pro Jahr durch das Internet weltweit 416,2 Terawattstunden (TWh) verbraucht würden. Das entspricht drei Vierteln des jährlichen deutschen oder 5% des weltweiten Stromverbrauchs.

Kann man die Zahlen glauben?

Seit sich jegliche Industrie (außer in China) vor den sehr mächtigen und wenig kompetenten Klima- Aposteln rechtfertigen muss, werden Verbrauchszahlen von den Betreibern nicht an die große Glocke gehängt. Die Forderung nach dem „Sustainable Web“ hängt wie ein Damoklesschwert über Netflix, Google, Facebook und Co. Die versuchen also den Ball flach zu halten, betonen die Nachhaltigkeit ihrer Energiequellen und pflanzen symbolische Solarpanels neben ihre gigantischen „Hyperscale Data Centers“.

Derzeit gibt es weltweit rund 500 dieser Zentren, die jeweils Zehntausende von Servern, also individuelle Computer beherbergen. Falls so ein Server, wild geschätzt, 500 Watt verbraucht, dann kommen wir auf „Zig“ Megawatt für solch ein Zentrum. Das lässt die oben erwähnten „416,2 TWh“ plausibel erscheinen, wobei ich die Zahl hinter dem Komma nicht ganz ernst nehmen würde.

Das Paradoxe ist nun, dass auf den Server Farmen 50% der Leistung dazu gebraucht wird, die Hitze zu beseitigen, welche die anderen 50% erzeugen. Diese Situation kann man entschärfen, wenn man sich in kalten Gegenden ansiedelt. Und so ist aus Island ein beliebter Standort für Server Farmen geworden, so wie auch Norwegen – dort nördlich des Polarkreises. Zudem haben beide Länder jede Menge Strom aus Wasserkraft bzw. auch aus Geothermie, aus erneuerbaren Quellen also.

Wie geht’s weiter?

Der Verkehr im Web, gemessen in Gigabyte, wird in den kommenden Jahren weiterhin „exponentiell“ wachsen. Der Löwenanteil kommt von dem Trend, dass Daten nicht mehr vom Benutzer auf dem eigenen Gerät gespeichert werden, sondern in der „Cloud“ eines der riesigen Datenzentren.

Zwar wird der spezifische Energieverbrauch kWh / GB durch Fortentwicklung und weitere Miniaturisierung der Hardware abnehmen, aber diese Einsparung wird durch das enorme Wachstum des Datenverkehrs locker überrollt.

Derzeit werden neue Hyperscales mit einer Rate von weltweit 50 bis 100 pro Jahr gebaut. Eines der größten Europas ist gerade in Frankfurt entstanden, mit einem Bedarf von geschätzten 70 MW elektrischer Leistung. Zum Vergleich: der durchschnittliche Verbrauch eines deutschen Haushalts beträgt 0,35 Kilowatt. Nach Adam Riese verbraucht besagtes Datenzentrum so viel Strom  wie 200.000 Haushalte bzw. 400.000 Einwohner.

Vorreiter Deutschland?

Diese Computerfarm alleine hat also den CO2-Fußabdruck einer richtigen Großstadt! Darf man das hinnehmen? Hier könnte Deutschland ein weiteres Mal Vorbild für den Rest der Welt sein. So wie man heute den Kraftwerken in Philippsburg und Moorburg den Garaus macht, so könnte man es vielleicht morgen mit dem Datenzentrum in Frankfurt tun.

Als ersten Schritt könnte man sich allerdings auch einen „sanften“ Eingriff vorstellen. Neben dem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ könnte ein „Netzwerkklimaschutzgesetz“ verabschiedet werden, welches die Nutzung des Webs nur durch„systemrelevante“ Anwender zulässt. Und was systemrelevant ist, das wird, wie gehabt, durch spezielle NGOs entschieden.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wieso dieses riesige Zentrum genau in Frankfurt gebaut wurde, wo doch der Strom in Deutschland so teuer und flatterhaft ist, und die Bevölkerung so grün und unerbittlich. Die Antwort: der deutsche Cloud-Kunde hat ein besseres Gefühl, wenn seine wichtigen und sensitiven Daten in Computern  gespeichert werden, die auf deutschem Boden stehen.

Das soll mir mal jemand erklären.

“Think-Again” wünscht seinen Lesern ein erfreuliches  2021! Vielleicht wird es ja das Jahr, in dem Sie “Follower” werden oder auch, ganz unbürokratisch, die Seite für großzügige Spender aufsuchen.

THINK-AGAIN

SZENEN EINER FREUNDSCHAFT

An diesem zweiten Feiertag, liebe Leserin, lieber Leser, möchte ich Sie für ein Paar Minuten in ein anderes Land und in eine andere Zeit entführen; in eine Welt, die nicht von Angst, fake news  und Pessimismus geprägt ist, sondern von Freundschaft und Lebensfreude.


Hoch in den Anden

Männer interessieren sich für Ideen und Frauen interessieren sich für Männer, so wird jedenfalls behauptet. Das können dann recht ausgefallene Ideen sein, etwa in uralten Autos in möglichst hohe Berge zu fahren, um dort einen Salar zu überqueren, wo das Spritzwasser die Zündung lahmlegt und man endlich etwas zu reparieren hat.

Diese Idee kam von meinem Freund Gerd. Wir hatten uns 1978 in Chile kennengelernt, und besagte Fahrt, zu der er mich eingeladen hatte, war im Oktober 2018. Beim Wiedersehen in Santiago bestätigten wir uns mit knappen Worten, dass wir uns gar nicht verändert hätten, und gingen erst mal zum Golfspielen.

Die Rally, ein paar Tage später, war ein Projekt des „Club de Automóviles Antiguos de Chile“, der vor 50 Jahren von Gerd ins Leben gerufen worden war und welcher ein Zuhause für 100 Oldtimer ist, viele älter als ihre Eigentümer, aber oft besser erhalten. Gerd und ich waren in einem 1932 Chrysler Type 70 unterwegs; die Zahl steht für die Höchstgeschwindigkeit – in Meilen, bitte.

Alles war hervorragend geplant und organisiert. Bequeme Etappen wechselten mit solchen, die durchaus eine Herausforderung für Fahrer und Material waren.

Die Erdkrümmung

So etwa die Strecke von Uyuni in Bolivien nach Colchane, hoch in den chilenischen Anden gelegen. Wenn Sie einmal einen Film über das Ende der Menschheit drehen sollten, nehmen Sie das Dorf Uyuni als Kulisse und engagieren Sie die Bewohner als Statisten – trostloser geht es nicht. Nicht weit weg gibt es allerdings ein unvergleichliches Naturspektakel: ein riesiger ausgetrockneter Salzsee, der größte seiner Art. Angeblich bildet er die ebenste Fläche auf unserem Planeten – wenn man von der unvermeidlichen Erdkrümmung mal absieht.

Das Ganze liegt in 3600 m Höhe, was die menschlichen Sinne zusätzlich benebelt. So sind wir also, insgesamt vierzehn Autos, mit 70 mph über die angeblich perfekteste Oberfläche des Universums gedonnert, ab und zu aufgeweckt durch Schlaglöcher und Pfützen.

Am anderen Ufer angekommen ging es dann, zwar auf festem Boden, aber auf kaum erkennbaren Pfaden zum Zielort. Bald verschwand jegliche Spur und wir kämpften uns durch verkehrstechnisches Neuland. Ich kann mich allerdings gut an die Fahrtrichtung erinnern: genau West, denn die Sonne schien uns, flach stehend, voll in die Augen. Und das blieb auch so, bis die Nacht kam.

Im Blindflug unterwegs

Im Schein des Abendlichtes konnte man wunderbar die Salzkristalle beobachten, die sich auf der Windschutzscheibe gebildet hatten und die mit dem Staub eine strategische Allianz eingingen, um uns den Blick auf die Fahrbahn vollends zu verwehren. Unser Vehikel kam ja aus der Steinzeit, und mangels Scheibenwascher waren wir jetzt im Blindflug unterwegs.

Um zu überleben steckten wir unsere Köpfe durch das offene Seitenfenster, jeder auf seiner Seite. Gerd fuhr und ich rief ihm zu, wenn auf Steuerbord ein Felsblock oder ein Abgrund drohten. Diese Methode stellte sich bald als zu langsam heraus und so ergriff ich mit der linken Hand ebenfalls das Steuer, um Hindernissen auf meiner Seite auszuweichen. Am Klavier würde so etwas vierhändig heißen, wir fuhren zweihändig. Es war die Hölle, aber es hat Spaß gemacht!

Seines Glückes Schmied

Mein Freund Gerd zeichnet sich dadurch aus, dass er angesichts Schwierigkeiten und Risiken das gesetzte Ziel nicht aufgibt und die eigene Erschöpfung ignoriert. Das ist die Tugend, die für den Erfolg in allen Aspekten seines Lebens so entscheidend ist, nach dem Motto: „Such dir die schwerste Last, die du noch heben kannst, nimm sie auf deine Schultern und trage sie!“

Gerd bürdet sich Verantwortungen auf, die ein halbes Dutzend Durchschnittskerle gemeinsam nicht tragen könnten. Zunächst trägt er natürlich Verantwortung für seine Familie, auch für die erweiterte. Dann ist da die „Pastelería Mozart“, das in ganz Chile berühmte Konditorei­unternehmen, vor einem halben Jahrhundert gegründet und beständig gewachsen.

In einem der Geschäfte kam es Anfang der 90er Jahre zu einer bemerkenswerten Begegnung. Eine Kundin betrat den Laden und bei ihrem Anblick flüsterte Gerd den Verkäuferinnen zu: „A ella no se sirve – Die wird nicht bedient“. Nach ungeduldigem Warten verließ sie dann etwas frustriert das Geschäft. Es handelte sich um Margot Honecker, die sich nach der Wende in Chile abgesetzt hatte.

Die Hexen von Salamanca

Gerd und ich hatten uns beim Segelfliegen kennengelernt und so spielte die Luftfahrt oft eine Rolle in unseren Unternehmungen. Hier eine Episode aus dem Anfang unserer Pilotenkarriere.

In Chile gibt es nicht allzu viele Städte und nach ein paar Tagen hat man deren Namen im Kopf, es sind etwa zwei Dutzend. Einer davon ist Salamanca, gut 300 Kilometer nördlich von Santiago. Dieses Detail wird später von Bedeutung sein. Der Ort liegt in der Nähe der Panamericana, wobei das kein Verdienst ist, denn das trifft auf jede Stadt in Chile zu. Das Land ist ja nur 100 Kilometer breit und die berühmte Straße führt vom hohen Norden bis zum Ende im extremen Süden. Das sind dann allerdings 5000 Kilometer.

Salamanca hat auch einen Flugplatz, und ähnlich wie man in New York oder Paris von JFK oder Charles de Gaulle spricht, so hat auch dieser Platz seinen Namen: „Las Brujas“, „Die Hexen“. Im Juni 1980 flogen Gerd und ich mit unseren Freundinnen – Maria Teresa und Isabel – genau dort hin. Wir waren damals Mitte dreißig, also in dem Alter, in dem man unkaputtbar ist, und wir waren frischgebackene Piloten mit insgesamt hundert Stunden Flugerfahrung.

Die Maschine war eine Piper Cherokee ähnlichen Alters wie die Piloten, mit ein paar tausend Stunden mehr Flugerfahrung. Gerd und ich hatten die Maschine gemeinsam gekauft, und es war unser erster Trip mit Passagieren.

Flug und Landung in Las Brujas waren problemlos, ebenso der Stadtbummel und der Kaffee. Den Rückflug nach Santiago aber mussten wir uns aus dem Kopf schlagen, denn die Berge hatten sich inzwischen in Wolken gehüllt. Zwar haben die Gipfel der Anden bei Salamanca nur 2000 Meter, aber sie sind dennoch hart und unerbittlich.

Nun gab es in Salamanca ein Hotel, in dem man die Nacht sicher und bequem verbringen konnte, in der Hoffnung, dass der nächste Tag freundlicher wäre. Wo war also das Problem? Das lag bei den Eltern von Maria Teresa. Zwischen ihnen und Gerd bestand der unausgesprochene Vertrag, dass die Tochter vor Mitternacht unversehrt und unbescholten im Elternhaus zu sein hatte. Das war eine heilige Konvention und sie war nicht verhandelbar. Wollte er sich nicht alle Chancen als Schwiegersohn verspielen, so musste jetzt eine Lösung gefunden werden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle einfügen, dass Maria Teresa eine äußerst anmutige Komposition aus Charme, Intelligenz und elementarer Schönheit ist. Auf einer Skala von Null bis zehn würde sie irgendwo zwischen zwölf und fünfzehn landen. Für Gerd stand also einiges auf dem Spiel.

Warum haben wir nicht einfach den Zug nach Santiago genommen? Willkommen in der Pampa. Einen Zug nach Santiago gab es genauso wenig wie Uber oder Mobiltelefone. Aber es gelang dennoch nach einigen Stunden, ein Auto dingfest zu machen, welches uns für eine astronomische Summe die 300 km nach Santiago fahren würde.

Wir kamen schließlich noch rechtzeitig zu Hause an und die Ehre und die Ehe waren gerettet. Ja, Tere und Gerd haben natürlich geheiratet.

Tuco und Tico

Es war eine der Eskapaden, die uns beiden im Fliegerclub die Spitznamen „Tuco y Tico“ einbrachten. Das sind zwei liebenswerte Tukane – tropische Vögel – aus einem Comic, die dauernd Unfug machen und doch jedes Mal davonkommen, wenn auch mit zerrupften Federn.

Gerd lief im Club auch unter dem Label „Gringo“. Das ist bei Latinos die generische Anrede für jeden, der aus der zivilisierten Welt kommt. Der Name kann, wie so vieles in Chile, sowohl freundliche als auch verächtliche Hintergedanken in sich bergen.

Gerd aber war im Club sehr beliebt und genoss die aufrichtige Anerkennung der chilenischen Kumpel. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn die erste Reaktion, die ein Deutscher erfährt, ist nicht ohne Ressentiments. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Deutschen bessere Autos bauen als die Chilenen, aber mehr noch damit, dass sie mit ihrem etwas höheren Körperwuchs und „ojos azules“ eine gewisse Aufmerksamkeit seitens der chilenischen Weiblichkeit auf sich ziehen. Das war bei Gerd durchaus gegeben.

Ansonsten haben Deutsche in Chile denselben Ruf wie überall auf der Welt: ordentlich, humorlos, trinken Bier und sind gute Fußballer. Dazu kommt, dass man ihnen, nicht zu Unrecht, Naivität unterstellt. Dieser Charakterzug wird recht treffend durch die typisch deutschen Witzfiguren „Fritz y Otto“ wiedergegeben. Kostprobe gefällig?

Fritz und Otto kommen in die Hölle und müssen zwischen der deutschen und der chilenischen Abteilung wählen. Man gesteht ihnen eine Woche Probezeit zu: einer darf in die deutsche, der andere in die chilenische. Danach treffen sich beide zum Erfahrungsaustausch: „Also bei uns in der deutschen Hölle werden wir um fünf Uhr geweckt, dann gibt’s ein Bad in siedendem Öl, 100 Peitschenhiebe und anschließend Behandlung mit glühenden Mistgabeln. Und wie war’s bei dir, in der chilenischen Hölle?“ „Ach, im Prinzip genauso, nur dass die Teufel immer verschlafen, nie wird man pünktlich geweckt. Das Öl ist gerade mal lauwarm und der Typ, der uns auspeitschen soll, gibt sich keine Mühe. Ich komm lieber auch in die deutsche Abteilung!“

Weihnachtsüberraschung

Was ich besonders an meinem Freund Gerd schätze ist, dass er nie angestrengt wirkt und immer noch Luft hat für ein Extra an Charme und Stil. Dazu eine kleine Geschichte, wiederum aus der Luftfahrt. Ich war mit meiner Freundin und zwei ihrer Kinder im Flugzeug unterwegs und es gab ein Problem mit dem Motor. Das ist kein angenehmes Gefühl, schon gar nicht, wenn man solch kostbare Fracht an Bord hat. Ich versuchte, auf einem Feld zu landen, und machte drei Kreuzzeichen, als wir heil am Boden waren. Nach einiger Zeit erschien ein Reiter, der eine Einladung vom Besitzer der Hacienda brachte. Es wäre das erste Mal, dass ein Flugzeug bei ihm gelandet sei. Der Aufforderung kamen wir gerne nach.

Aber irgendwie mussten wir jetzt nach Hause kommen, und so rief ich Gerd an und bat ihn, uns da rauszuholen. „Por supuesto“ war die Antwort, selbstverständlich. Nach drei Stunden lästiger Autofahrt war er da, freundlich lachend, und hatte noch jede Menge Weihnachtsmänner aus Schokolade mitgebracht – als Geschenke für die Kinder unserer freundlichen Gastgeber. Auch daran hatte er gedacht. Es war nämlich ausgerechnet Heilig Abend.

THINK-AGAIN

EIN QUANTENSPRUNG ZU WEIHNACHTEN

Ich möchte Ihnen gerne zu Weihnachten all das erklären, was Sie schon immer wissen wollten, aber sich nicht getraut haben zu fragen. Jetzt werden Sie erfahren, was das Wörtchen „warum“ bedeutet, was ein Quantensprung ist und was nun wirklich die kleinsten Teilchen sind.

Warum?

Fast so berühmt wie Albert Einstein war in den USA der Physiker Richard Feynman. Er war bekannt dafür, dass er die kompliziertesten Dinge ganz einfach erklären konnte.

Ein Journalist wollte das auf die Probe stellen und fragte ihn in einem Interview, warum sich zwei Magneten manchmal abstoßen und manchmal anziehen würden. Aber anstatt über Magnetismus zu reden, klärte Feynman den Mann über die Bedeutung des Wortes „warum“ auf. Das ging etwa so:

Ein Kind kommt nach Hause und erfährt, dass Tante Minnie im Krankenhaus ist. „Warum?“ fragt das Kind. „Weil die Ambulanz sie da hin gebracht hat“. „Warum?“ – „Weil sie sich die Hüfte gebrochen hat.“ „Warum?“ – „Weil sie ausgerutscht ist und hingefallen.“ „Warum?“ – „Weil es kalt war und der Weg vereist.“

An diesem Punkt wird das Kind vermutlich aufhören zu fragen, denn es ist selbst schon mal auf Eis ausgerutscht. Das überraschende Phänomen, nämlich dass Tante Minnie nicht da ist, wurde also erklärt durch die alltägliche Beobachtung, dass Eis glatt ist. Diese Tatsache ist allgemein akzeptiert und das „warum“ hat damit ein Ende.

Das heißt natürlich keineswegs, dass allgemein bekannt ist, „warum“ Eis glatt ist. Man weiß nur, „dass“ es so ist. Die Wissenschaft nun hinterfragt auch die alltäglichsten Dinge und versucht Gesetzmäßigkeiten zu finden, die möglichst viele unterschiedliche Phänomene gemeinsam erklären.

Feynman machte dem Reporter dann klar, dass die Kraft zwischen den Magneten auf der elektromagnetische Wechselwirkung beruht, und dass letztere auch die Ursache dafür sei, dass sein Arm, trotz Schwerkraft, auf der Armlehne des Sessels liegen bleibt und nicht darin versinkt.

Wir wissen nicht, ob der Journalist mit der Antwort zufrieden war, aber auf jeden Fall hatte er jetzt gelernt, dass man wissen sollte warum man fragt, bevor man fragt „warum“.

Willkommen bei den Quanten

Die Theorie des Elektromagnetismus kann also viele unterschiedliche Phänomene erklären: sowohl die Magneten als auch die Armlehne.

Eine andere wichtige physikalische Theorie beschreibt das Verhalten von Gegenständen unter dem Einfluss der Gravitation: etwa den Lauf des  Mondes um die Erde oder den Fall eines Apfels vom Baum. Das wird auch als Newtonsche Mechanik bezeichnet, weil sie von jenem im 17. Jahrhundert entwickelt wurde.

Mit diesen beiden Theorien kann man schon eine ganze Menge erklären, aber noch nicht alles.

Sicherlich haben Sie schon einmal den Begriff „Quantensprung“ gehört. Etwa dass jemand sagt, die Entdeckung von Penicillin sei ein Quantensprung für die Medizin gewesen. Der hat dann zumindest nichts von Physik verstanden. Und zwar deswegen:

Vor gut hundert Jahren zerbrach man sich den Kopf, wie wohl die Atome funktionieren. Die sind ja so ähnlich aufgebaut wie das Sonnensystem: in der Mitte eine schwere Masse, der Atomkern. Um ihn kreisen, wie Planeten, die Elektronen. Was lag da näher, als die ganze Sache mit Newtons Physik zu beschreiben, die sich ja am Himmel schon so gut bewährt hatte. Insbesondere lag das nahe,  weil die Anziehungskräfte zwischen Sonne und Planeten, ebenso wie zwischen Kern und Elektronen, mit dem Quadrat der Entfernung abnehmen.

Aber da war die Ähnlichkeit dann zu Ende. Man fand heraus, dass die Elektronen in allen Atomen auf ganz bestimmten Bahnen laufen, während sich die Planeten bei der Schöpfung des Universums diejenige Bahn um die Sonne ausgesucht haben, der ihnen gerade gefiel.

Aber nicht nur bei Atomen, bei allen Objekten die so winzig klein sind fand man heraus, dass sie sich nicht kontinuierlich verändern können, sondern dass ihnen nur ganz bestimmte Zustände zur Verfügung stehen. Ein Apfel im Garten etwa durchläuft bei seinem Fall zum Boden unendlich viele verschiedene Zustände; seine Höhe über Grund nimmt k0ntiunuierlich ab. Wären unsere Apfelbäume aber so winzig klein wie Atome, dann würde der Apfel auf einer Leiter vom Baum steigen, und jede Sprosse wäre ein anderer „Quantenzustand“ und jeder Schritt abwärts ein „Quantensprung“.

Ein Quantensprung ist also die kleinst-mögliche Veränderung, die ein atomares oder sub-atomares Gebilde ausführen kann. Mit solch einem Vergleich würden wir dem Penicillin und seinem Entdecker sehr Unrecht tun, denn das war ein gigantischer Schritt vorwärts.

Die allerkleinsten Teilchen

Die Spielregeln für Atome und Co, genannt Quantenmechanik, wurden vor 100 Jahren entdeckt und sie waren eine gewaltige Bereicherung der Physik über Mechanik und Elektromagnetismus hinaus. Es gab aber, und es gibt immer noch Geheimnisse.

Die alten Griechen dachten, dass wenn man Materie, etwa ein Stück Eisen, in immer kleinere Stückchen teilt, dass man dann irgendwann an einen Punkt kommt, wo das Teilen sein Ende hat. Diese kleinsten, unteilbaren Fragmente nannten sie Atome.

Damit lagen sie einerseits ganz richtig, denn das kleinste Stück Eisen, das es gibt, ist tatsächlich ein Eisen-Atom. Das allerdings kann man dann noch weiter teilen, wobei diese Bruchstücke dann allerdings nicht mehr „aus Eisen“ sind.

Wie oben schon erwähnt besteht ein Atom ja aus Elektronen und dem Kern, und der Kern seinerseits ist aus Neutronen und Protonen zusammengesetzt. Sind das denn nun endlich die allerletzten kleinen Teilchen, sind das die ultimativen Bausteine des Universums oder sind die selbst noch teilbar?

Dieser Frage hat man viele Überlegungen gewidmet und man hat gigantische Maschinen gebaut, so genannte Beschleuniger, um die Sache im Experiment zu untersuchen. Und was hat man gefunden? Mehr als man wollte. Man hat heute einen ganzen Zoo voller mehr oder weniger exotischer Individuen, von denen man annimmt, dass sie unteilbar sind.

Für diesen Zoo hat man eine Gehege gebaut, das so genannte „Standard Modell“, welches 17 Käfige hat für die vermutlich 17 verschiedenen Elementarteilchen. An dieser Stelle eine bedauerliche Nachricht: Protonen und Neutronen, die Bausteine der Atomkerne, sind nicht dabei. Sie bestehen ihrerseits aus drei echten Elementarteilchen, den so genannten „Quarks“.

Das zumindest ist der heutige Stand der Kenntnis. Aber die Wissenschaftler in der Teilchenphysik sind immer offen für neue Ideen und neue Teilchen, denn sie wurden ja immer wieder von der Wirklichkeit überrascht. Das ist ganz anders als bei den Klimaforschern, die sich noch nie geirrt haben, deren Behauptungen in Stein gemeißelt sind, und die daher jegliche Kritiker mit Acht und Bann strafen.

Schnell genug?

Ein Zoo kann verwirrend sein. Da stößt man etwa auf eine Riesenfledermaus vom Amazonas, direkt daneben schläft ein Stachelschwein und im Tümpel versteckt sich ein Waran. Im Teilchenzoo herrscht ein ähnliches Durcheinander. Hier ein Beispiel, das Ihnen zeigen soll, wie bizarr es da zugeht.

Die Teilchen haben, wie jegliche Materie, eine Masse. Dank Einsteins Gleichung E = mc2 wissen  wir, dass die Masse zunimmt, wenn sich ein Gegenstand schnell bewegt, weil die Bewegungsenergie selbst Masse hat. Und wenn wir uns der Lichtgeschwindigkeit nähern könnten, das sind ziemlich genau eine Milliarde km/h, dann würde die Masse unendlich groß.

Und dennoch gibt es Teilchen, die genau mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind. Die haben auch Masse, die allerdings nur aus ihrer Energie besteht. Deswegen können diese Kandidaten nicht langsamer werden, sie sind immer mit einer Milliarde km/h unterwegs.

Während Sie gerade lesen treffen Unmengen dieser Teilchen auf Ihren Körper, einige davon in Ihre Augen, landen dort auf der Netzhaut und werden von Ihrem Nervensystem letztlich als Buchstaben in einem Text über Physik interpretiert. Es sind Photonen, Lichtteilchen, die ganz legitim mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind.

Man bemüht sich natürlich, alle Bewohner dieses Zoos unter einen Hut zu bringen. Man versucht zu verstehen, „warum“ es genau diese Teilchen gibt und keine anderen. Dazu wurde die Quantenfeld-Theorie erfunden. Hier hat der eingangs erwähnte Physiker ganz wesentlich beigetragen, unter anderem die berühmten Feynman-Diagramme, von denen eines diesen Artikel ziert.

Diese Theorie hat übrigens behauptet, dass es ein Schwergewicht unter den Teilchen geben müsste, das noch nie jemand beobachtet hat, namens „Higgs Boson“. Das war 1964. Ein halbes Jahrhundert lang musste man mit den kompliziertesten Apparaturen nach dem Teilchen forschen, bis man es endlich fand. Es ist ein Triumph für die Wissenschaft, wichtig genug, dass auch die Tagespresse davon berichtete.

Bei der nervenaufreibenden Suche fiel sicher auch einmal ein Fluch wie: „Wo versteckt es sich denn, das gottverdammte Teilchen.“ Daraus machten Journalisten dann das „Gottesteilchen“.

Die Entdeckung dieses Higgs Bosons hat vorerst keine Konsequenzen für das alltägliche Leben, es ist nur eine wichtige Ergänzung zur existierenden Kollektion der Elementarteilchen; etwa so wie es ein australischer Wombat  im Zoo der Tiere wäre.

The Theory of Everything

Da haben wir uns jetzt einige sehr erfolgreiche physikalische Theorien angeschaut. Aber eine einzige Theorie, die alles beschreibt, das wäre noch schöner, das wäre der Heilige Gral der Physik. Aber auch wenn man diese Weltformel fände ginge das Fragen trotzdem weiter: „Und warum sieht diese Formel nun genau so aus und nicht anders?“

An dieser Stelle hilft dann die Feststellung eines anderen genialen Physikers weiter. Der Entdecker der „Unschärferelation“, Werner Heisenberg erkannte:

“Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten

Ihr

Hans Hofmann-Reinecke

THINK-AGAIN

EIN NEUER HEILAND

Bild: unsplash.com/@wistomsin

Just zur Adventszeit sind im Internet Beiträge aufgetaucht, in denen das Virus zur Menschheit spricht. Falls das Ernst ist und nicht Satire, so ist es Zeugnis einer sehr bedenklichen psychologischen Entwicklung, welche die Gesellschaft im Jahr 2020 durchgemacht hat.


Das Virus spricht zu uns

Zur Adventszeit 2020 ist ein neuer Heiland erschienen, dem in den modernen Medien gehuldigt wird. In seiner unendlichen Weisheit urteilt er über die Menschheit und weist ihr den richtigen Weg. Er ist einerseits der Gottvater des Alten Testaments, der straft und Opfer fordert, andererseits der freundliche Retter, der es gut mit uns meint. Sein Name ist Corona.

Es gibt da mehrere Beiträge im Web, von denen ich Ihnen ein besonders gelungenes vorstellen möchte. Im Original benutzt das Virus die italienische Sprache, vielleicht um vom Papst besser verstanden zu werden. Hier ist die deutsch synchronisierte Version. Ich möchte Sie bitten, sich das anzuschauen.

Ich glaube, dass dieser Film in den fünf Minuten sehr viel über die heutige Zeit aussagt und dass Anthropologen, etwa im Jahre 2100 ihn mit viel Interesse analysieren werden. Lassen Sie uns einen Sprung in die Zukunft machen und diesen Experten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Ein historisches Dokument aus 2020

Den Vorspann über den bescheidenen Autor wollen wir nicht ernst nehmen. Fest steht: Er und der Produzent des Videos wollen sich nicht zu erkennen geben, aus welchem Grund auch immer. Am Ende aber erfahren wir zumindest den Namen des Regisseurs.

Der hat handwerklich gute Arbeit geleistet, sei es nun, dass alles, inclusive der Musik, aus archiviertem Material zusammengeschnitten ist, oder dass auch eigene Filmaufnahmen gemacht wurden. Das Endprodukt macht den Eindruck routinierter Arbeit, so wie ein gelungenes Commercial (auch wenn die Video Qualität dieser Kopie schlecht ist).

Die zentrale Aussage ist, wie bei jeder Werbung, einfach und deutlich: Wir haben uns am Planeten und am Leben versündigt. Corona ist einerseits die gerechte Strafe, aber andererseits auch die Chance für einen Neuanfang.

Das ist alles 100% Mainstream-Narrativ und wird unseren Wissenschaftlern aus vielen anderen Aufzeichnungen längst bekannt sein. Andere, eher finstere Aspekte des Zeitgeistes aber verbergen sich unter der Oberfläche. Lassen Sie uns die gemeinsam mit unseren Anthropologen aufdecken.

Die Wahrheit unter der Oberfläche

Zunächst muss man sich fragen, wie jemand auf die Idee kommt, den Erreger für eine Atemwegsinfektion zu vergöttlichen. Das Ding kann immerhin tödlich sein. Unser Bestreben muss sein, das verdammte Virus zu beseitigen und immun dagegen zu werden – weg damit und zurück zum normalen Leben.

Stellen Sie sich vor, wir wären im Krieg, der, ähnlich wie das Virus, willkürlich seine Opfer an der Front und unter der Bevölkerung fordert. Jemand käme nun auf die Idee, ein Maschinengewehr wie einen Heiland zu den Menschen sprechen zu lassen. Man würde versuchen, den Krieg als guten Lehrmeister darzustellen, auf dessen Gegenwart wir uns für die nächste Zeit einstellen müssen, dem man aber auch eine gute Seite abgewinnen kann. Das MG würde sagen: „Ich werde hart zu euch sein, vielleicht zu hart, und ich werde Menschenleben von Euch fordern…“

So etwas würden wir 2020 als ekelhafte Kriegspropaganda ablehnen, als Manipulation durch ein totalitäres Regime. Das Virus aber darf vergöttert werden. Unsere Anthropologen von 2100 könnten zu dem Schluss kommen, dass die damalige Zeit von totalitären Tendenzen geprägt war und dass die Bevölkerung sich leicht von Politikern verführen ließ. Das wäre Punkt 1 ihrer Diagnose.

Die wahre Ursache

Das Video betont, wie tiefgreifend das Virus unser Leben derzeit verändert, und dass das noch eine ganze Weile so bleiben könnte.

Das ist eine groteske Lüge.

Es ist nicht das Virus, welches unser Dasein verändert und behindert, es sind die vermeintlichen Maßnahmen zu seiner Eindämmung. Es sind die willkürlich und hektisch verordneten Gesetze, die tief in unser Leben eingreifen, deren gesundheitlicher Nutzen aber fraglich ist. Statistiken und die Analysen von Fachleuten geben Anlass zur Annahme, dass ohne Lockdown und ohne Masken die Pandemie auch nicht mehr Opfer gefordert hätte (siehe auch hier).

Unser Leben wäre normal weiter gegangen; man hätte bestenfalls im Büro, so wie früher bei der alljährlichen Grippewelle gefragt: „Kommt der Peter heute oder ist der noch krank?“

Der enorme, für manche Menschen existenzielle Schaden, den die Maßnahmen verursachen, der ist gewiss; der Nutzen ist mehr als fraglich.

Diese Verdrehung der Tatsachen durch die Regierung und die Leichtgläubigkeit der Bevölkerung wird die Anthropologen verwundern. Vielleicht werden sie fragen, ob es solche Situationen auch in der Vergangenheit schon gegeben hat. Auf jeden Fall wird Leichtgläubigkeit und Neigung zu Hysterie als Punkt 2 in ihrer Diagnose erscheinen.

Keine Männer

Der aufmerksame Zuschauer wird bemerkt haben, dass im Video die Frauen dominieren. Männer haben Rollen als Statisten oder Bösewichte, die ihre Freundin malträtieren, sich gegenseitig prügeln oder ihr Schwarzgeld zählen. Auch unseren Anthropologen wird das nicht entgehen, und sie werden das interpretieren als generelle „Misandrie“, als Feinseligkeit gegenüber allem Männlichen.

Es mag zwar sein, dass es böse und schlechte Männer gibt, vielleicht sogar mehr als böse und schlechte Frauen. Das Männliche an sich aber ist die eine Hälfte der Polarität, welche Ursprung des Lebens ist. Es gibt da keine bessere oder schlechtere Hälfte, die eine ist ohne die andere sinnlos. Wer das Männliche verteufelt, der verteufelt das Leben, und eine Gesellschaft, die von solch einem Zeitgeist erfüllt ist, hat wenig Zukunft und keine freudvolle Gegenwart.

Als Punkt 3 halten die Anthropologen also fest: Misandrie und Feindschaft gegenüber dem Leben.

The Great Reset

Wir lernen das Virus im Video nicht persönlich kennen, aber seine Stimme aus dem Off und seine Worte kennzeichnen es als unnachsichtigen Kerl, der es gut meint. Er ist ein „Good Guy“, mit dem man sich aber besser nicht anlegt. „Ich werde euch in eure Häuser einsperren, damit ihr zur Besinnung kommt. Ich will, dass ihr mit allem aufhört, was ihr tut…“, das verlangt er von uns.

Das hört sich verdammt nach „Great Reset“ an. Und hier outet sich das Virus als megaloman, bzw. die Person tut es, die das Virus als Sprachrohr benutzt, die Leute, die das Video in Auftrag gegeben haben. Sie scheinen tatsächlich zu glauben, man könne die Welt anhalten, um sie dann nach ihrem geheimen Masterplan neu anlaufen zu lassen. Das ist der blanke Größenwahn; das ist nicht einmal den Bösewichten in den James Bond Filmen gelungen.

Und unsere Wissenschaftler notieren als Punk 4: Größenwahnsinnige Machtpersonen hinter den Kulissen.

Die Quintessenz

Die beiden Anthropologen addieren nun all die soziologischen und psychologischen Merkmale auf, die sie dem kurzen Film entnehmen konnten:

Manipulation durch die Regierenden, Misandrie, Lebensfeindlichkeit, Hysterie, Megalomanie –  und sie schütteln sehr besorgt die Köpfe. „Das hört sich alles nicht gut an. Wie sieht es denn heute in der Region aus?“ fragt der eine.

„Diese Probleme sind so gut wie verschwunden. Es gibt allerdings einen neuen Konfliktpunkt: zwei Drittel der Bevölkerung will Arabisch als Landessprache“.

„Ach tatsächlich? Und nur noch ein Drittel will Deutsch?“

„Nein – Türkisch“.

think-again — FÖRDERN OHNE ZU FORDERN

Der Bundestag hat entschieden, dass ab 2021 größere Summen für die Finanzierung von Unternehmensgründungen – genannt „Startups – zur Verfügung gestellt werden. Wird damit in Deutschland ein zweites Silicon Valley entstehen?


Feindbild Unternehmer

Die aktuelle Weltanschauung ist geprägt von Heldinnen wie Greta: voller guter Absicht, aber ohne Verständnis für Zusammenhänge. Personen, die nicht wissen, was Wirtschaft ist und nicht erkennen, dass sie selbst ein Teil davon sind, sehen in Unternehmern nur Ausbeuter, welche auf Kosten anderer Profit machen und dabei die Umwelt zerstören. Im Geiste dieser Zeit wird die Leistung von Gründern kaum honoriert.

Die Gründung von Unternehmen ist jedoch Voraussetzung für jegliche Zivilisation. Es ist  der Start eines Spiels, bei dem alle gewinnen: Verbraucher, Arbeiter, Banken, Finanzamt und der Unternehmer selbst. Durch den systematischen Einsatz von Ressourcen wird etwas erzeugt, was von Nutzen für die Gemeinschaft ist. Der Einzelne wird davon befreit, seinen persönlichen Bedarf selbst schaffen zu müssen. Er braucht sich nicht mehr das Wasser zum Trinken aus dem Fluss zu holen, er muss nicht nach Ratten oder Fischen jagen, um seinen Proteinbedarf zu decken, und er braucht seine Schuhe nicht aus Baumrinde zu schnitzen.

Er dreht stattdessen den Wasserhahn auf und geht in den Supermarkt. Unternehmertum ist nichts anderes, als die intelligente Organisation der Nutzung von Ressourcen zum Wohle der Menschheit.

Willkommen im Kongo

Wie sähe eine Welt ohne Unternehmer aus? Dazu gibt es dramatische Fallbeispiele, etwa den Kongo: zwei Millionen Quadratkilometer, wo in der Erde jede Menge wunderbarer Dingen wie Kupfer, Kobalt und Diamanten schlummern (und vielleicht auch Kobolde). Klima und Boden sind wohlwollend, sodass man anpflanzen könnte was man will, und an jungen, starken Arbeitskräften mangelt es auch nicht. Eine riesige natürliche Autobahn aus Wasser durchzieht das Land, ideal für den Transport von Personen und Waren.

Und es ist das ärmste Land der Welt, mit geschätzten €500 Bruttosozialprodukt pro Kopf jährlich. Warum?

Die politische korrekte Erklärung für die Misere lautet: Ausbeutung durch den weißen Mann. Dieses Argument aber verliert an Logik, je länger die Kolonialzeit zurück liegt.

Die nächste Erklärung ist Korruption. Die Eliten aller Subsahara Staaten zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie Privilegien, die ihnen für ihre politischen Aufgaben zugestanden werden, gnadenlos zur persönlichen Bereicherung missbrauchen. Aber ist das nur in Afrika so? Es gibt andere  Länder, in denen die Wirtschaft trotz Korruption funktioniert.

Warum also ist der Kongo so arm? Warum macht das Land nichts aus all den Schätzen, die vor den Augen und unter den Füßen liegen? Weil es niemanden gibt, der die intelligente Nutzung von Ressourcen zum Wohle der Menschheit organisiert! Mit anderen Worten: Es gibt keine Unternehmer. Afrika hat viel Tradition, etwa in kriegerischen Dingen, aber anders als im Rest der Welt gibt es keinerlei Tradition in Sachen Unternehmertum.

Dieses Problem konnte bisher auch nicht durch Abermilliarden an so genannter Entwicklungshilfe gelöst werden. Im Gegenteil: den Geldsegen, den man über dem Kontinent ausgeschüttet hat, haben sich flinke NGOs und Regierungschefs geteilt. So wurden Faulheit und Korruption belohnt, die elementare unternehmerische Erfahrung aber, nämlich „Erfolg durch harte Arbeit“, wurde verhindert. Deswegen haben heute die ärmsten Länder der Erde die reichsten Regierungschefs, aber keine ehrlichen Unternehmer.

Kein Klima für Startups

Vom Kongo an die Spree, wo die deutsche Regierung gerade den „Zukunftsfonds“ ins Leben gerufen hat; einen Topf mit zehn Milliarden, gefüllt durch die öffentliche Hand, aber auch offen für private Investoren. Das Geld soll ab Januar 2021 für Firmengründungen zur Verfügung stehen, vorzugsweise in der Hauptstadt, unter dem Motto „Innovation made in Germany“.

Die deutsche Politik hat in den vergangenen Jahren ja alles getan hat, um privates Unternehmertum zu behindern. Hohe Steuern, horrende Sozialabgaben, unnötige Regularien, träge Bürokratie und die höchsten Strompreise weltweit haben dafür gesorgt, dass ehemals sehr erfolgreiche Branchen ausgewandert oder verschwunden sind. Das ist nicht der Boden, auf dem Neugründungen gedeihen, die dann im internationalen Wettbewerb bestehen sollen. In den vergangenen Jahren haben ganze acht Startups in Berlin die Milliarden Dollar Schwelle erreicht, im Vergleich zu London mit 36 und Silicon Valley mit 128.

Der erwähnte Goldregen aus dem Zukunftsfonds, einer Entwicklungshilfe in Sachen Hitech, soll diese Situation nun ändern und tüchtige Unternehmer und erfolgreiche Startups schaffen. Geht das denn? Erinnern Sie sich an den Kongo. Vielleicht zieht der Geldsegen auch hier flinke Profiteure an, etwa Agenten, die Firmengründer bei der Beschaffung von Mitteln aus dem Zukunftstopf beraten und dann selbst von dem Segen etwas abbekommen.

Und auch die vermeintlichen Gründer werden schnell erkennen, wie man an Geld kommt, ohne ein Produkt zu haben, das sich verkaufen lässt. Sie lernen, dass man mit weniger Anstrengung aber der richtigen politischen Haltung, dank großzügiger Förderung durch den Staat überleben kann.

Das aber wäre genau das falsche Training für werdende Unternehmer. Schwimmen lernt man nur ohne Schwimmgürtel.

Der Genius Loci

Und noch etwas. Da gibt es so etwas wie den „Genius Loci“, den typischen Geist der einem Ort innewohnt. Berlin etwa ist „arm aber sexy“. Vielleicht haben Sie auch beobachtet, wie nach dem Umzug aus Bonn dieser Geist das Wesen der deutschen Regierung gefärbt hat –  wobei ich mir bei dem zweiten Attribut nicht so sicher bin.

Berlin ist, wirtschaftlich gesehen, ein Parasit. Ohne den Länderfinanzausgleich und die Geldströme, die durch die Regierungsgeschäfte in die Stadt gesogen werden könnte die Stadt nicht überleben. Ist das der geeignete Nährboden für Unternehmensgründungen? Dafür gäbe es eine bessere Scholle, etwa im Süden und Westen des Landes, wo die Geldströme Richtung Hauptstadt erarbeitet werden. Aber für diese spießigen und sparsamen Tüftler hat man dort nur Verachtung übrig.

Man scheut sich, an die Tradition der sehr erfolgreichen deutschen Unternehmensgründungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert anzuknüpfen. Stattdessen orientiert man sich lieber an den Startups Kaliforniens und bedient sich auch deren Vokabulars.

Fake it Until You Make it

Es mag durchaus ein interessanter Versuch sein, gewisse Gepflogenheiten vom Silicon Valley zu imitieren, nach dem Motto „Fake it until you make it“. Aber entsteht deswegen in Berlin eine kritische Masse an Unternehmern? Im Valley etwa ist es üblich, gescheiterte Projekte nicht in einen Mantel des Schweigens zu hüllen und in der Versenkung verschwinden zu lassen, sondern sie werden mit Saus, Braus und Party beerdigt. Und um aus den gemachten Fehlern zu lernen gibt es dann eine Vorlesung zum „Fuck Up“ des Jahres, zum Champion unter den Blindgängern.

So etwas gefällt den Berlinern und man macht das jetzt auch an der Humboldt Uni. Im Silicon  Valley wäre die entsprechende Vorlesung vermutlich an der Stanford University.

Und hier enden die Möglichkeiten einer Imitation. Stanford liegt im World Ranking der Universitäten unter den ersten drei, Humboldt auf Platz 117. Und diese Zahlen charakterisieren nicht nur die Hochschulen, sondern in gewisser Weise auch die Qualität ihrer Absolventen.

Der Raketentreibstoff

Mit Geld alleine kommt eine Startup nicht in die Höhe, da braucht sie noch andere Zutaten. Der  Treibstoff für Raketen hat ja auch mehrere Komponenten. Auf jeden Fall braucht es eine sehr gute fachlich – technische Kompetenz, Disziplin, Kreativität und Beharrlichkeit. Sie sagen nun, solche Tugenden seien total von gestern? Mag schon sein, aber gestern war Deutschland auch noch ein Land mit blühender Wirtschaft, und nicht nur technologisch führend, sondern auch im Fußball. Jetzt liegt die Quittung für Jahrzehnte ideologischer, leistungsfeindlicher und technophober Politik vor uns.

Es hat sich gezeigt, dass Regierungen besonders dann sehr großzügig Geld ausgeben, wenn es um das Kaschieren von Fehlern in ihrer Politik geht. So will man jetzt mit viel Geld schicke Startups aus dem Boden stampfen und mit Slogans wie „Innovation made in Germany“ eine Zugehörigkeit zu technologischer Weltklasse vorspiegeln.

Sicherlich werden wir dann in einiger Zeit eine telegene junge Unternehmerin in den Talkshows sehen, die vom grandiosen Erfolg ihrer Firma schwärmt, der dank des Zukunftsfonds und der wunderbar innovativen Stimmung in der Hauptstadt möglich wurde. Aber dass an der Spree ein zweites Silicon Valley entsteht, daran habe ich meine Zweifel.

Das „fake It“ ist zwar durchaus vorstellbar, das „make it“ aber nicht unbedingt.

KERNFUSION AUF BAYRISCH — THINK-AGAIN

In Oberbayern wird sich vielleicht schon bald eine Firma ansiedeln, die ein neues Verfahren zur atomaren Kernfusion verwendet, um total saubere Energie zu erzeugen. Ist das technikfeindliche Deutschland, wo gerade die Atomenergie abgeschaltet wird, der richtige Standort dafür? Und warum soll es jetzt klappen, wo man doch schon seit Jahrzehnten mit gigantischem Aufwand, aber vergeblich an der kontrollierten Kernfusion arbeitet?


Der neue Porsche

Sicherlich sind Sie beim Blättern in Illustrierten schon über attraktive Lotteriegewinne gestolpert – ein Porsche etwa, neuestes Modell, Farbe und Ausstattung nach Wunsch. Gemeinsam mit Ihrer Liebsten überlegen Sie Farbkombinationen: Dunkelblau mit cremefarbenen Sitzen, oder vielleicht lieber knallrot und schwarz? Vor Ihrem inneren Auge können Sie das deutlich sehen. Was Sie nicht sehen können ist die Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million, mit der das Auto Ihnen gehören wird.

Ähnlich attraktive Angebote machen derzeit diverse Startups. Sie versprechen unerschöpfliche, saubere Energie aus Kernfusion. Was sie nicht verraten ist die Wahrscheinlichkeit, mit der das gelingen wird.

Eine dieser Firmen plant, sich im bayerischen Penzberg anzusiedeln; dort soll das Wunder der kontrollierten Kernfusion wahr werden. Der Name der Firma: Marvel Fusion.

Ich schlage vor, wir schauen uns das mal an.

Wege auf den Vulkan

Es besteht kein Zweifel, durch Verschmelzen von Atomkernen kann beliebig viel Energie erzeugt werden – die Sonne macht uns das ja täglich vor. Auf Erden müssen wir allerdings eine Nummer kleiner anfangen, und da wird’s schwierig.

Atomkerne sind positiv geladen, sie stoßen sich gegenseitig ab, und zwar umso mehr, je näher sie sich kommen. Wenn sie sich aber ganz nahe sind, wenn sie sich berühren, dann setzt plötzlich eine starke Anziehungskraft ein, sie verschmelzen und enorm viel Energie wird frei.

Stellen Sie sich einen klassisch geformten Vulkan vor. Je höher oben, desto steiler ist der Hang. Es wäre verdammt schwierig eine Bowling-Kugel vom Fuß des Vulkans bis zum Gipfel zu rollen, aber wenn Sie das schaffen, dann fällt sie in den Krater und stürzt jetzt völlig mühelos in Richtung Mittelpunkt der Erde. Und bei diesem Fall wird ein Vielfaches der Energie frei, die bergauf verbraucht wurde.

So ist das mit der Kernfusion, an deren praktischer Nutzung man sich seit Jahrzehnten die Zähne ausbeißt. Man muss den kleinen Bowling-Kugeln, den Atomkernen, so viel Energie geben, dass sie den mühsamen Weg durch die gegenseitigen Abstoßung überwinden; wenn das aber gelingt, dann bekommt man ein mehrfaches an Energie zurück.

Gigantische Projekte dazu laufen bei ITER in Frankreich (siehe auch hier) und bei NIF in Kalifornien; bisher ohne Erfolg.

Man versucht es dort mit den Wasserstoff-Isotopen Deuterium und Tritium, die man auf viele Millionen Grad erhitzt. Dabei werden einige Atomkerne so schnell, dass sie die erwähnte Abstoßung überwinden und tatsächlich verschmelzen. Die allermeisten Kerne aber sind zu langsam, um nahe genug an einen Partner zu kommen, sie werden umsonst erhitzt.

Das ist so, als würden Sie eine Ladung von einer Million Bowlingkugeln gegen den Abhang des besagten Vulkans schleudern und hoffen, dass wenigsten ein oder zwei oben ankommen. Dabei vergeuden Sie mehr Energie, als die wenigen Treffer erzeugen, die in Krater fallen.

Zu gut um wahr zu sein

Die erwähnte Marvel Fusion – und ein paar andere Startups – versuchen es mit einem neuen Verfahren. Jetzt sollen Kerne von Wasserstoff, auch Protonen genannt, mit Kernen des chemischen Elements Bor verschmelzen. Letztere haben fünf Protonen und meistens sechs Neutronen, macht insgesamt 11 Teilchen. Daher wird dieser Kern B11 abgekürzt. Die Reaktion zur Verschmelzung mit dem zusätzlichen Proton heißt dann „HB11“, wobei das „H“ für Wasserstoff steht.

Dabei entsteht vorübergehend ein Gebilde aus sechs Neutronen und sechs Protonen, das explosionsartig in drei Fragmente zerfällt. Diese Fragmente, es sind Kerne des Elements Helium, bestehen aus je zwei Neutronen und zwei Protonen, wobei letztere elektrisch geladen sind.

Das ist eine praktische Sache, denn schnell fliegende elektrische Ladungen kann man dazu überreden, ihre Bewegungsenergie direkt in Elektrizität umzuwandeln. Man spart sich also den Umweg über Hitze, Dampf, Turbinen und Generatoren, und auch die bösen Kühltürme braucht man nicht mehr.

Was also fehlt noch? Warum haben wir nicht längst diese neuen Wundermaschinen?

Der Zauberstab

Muss denn bei HB11 nicht auch die elektrische Abstoßung zwischen den Atomkernen überwunden werden? Aber Hallo, das erwähnte Bor hat immerhin fünf elektrische Ladungen im Kern, und entsprechend größer sind die Kräfte. Mit Aufheizen, so wie man es bei der herkömmlichen Kernfusion versucht, geht da gar nichts. Aber mit Hilfe eines Zauberstabs könnte es klappen.

Dieser Zauberstab ist ein bestimmter Typ von Laser. Der wird nun nicht etwa benutzt, um das Material aufzuheizen, das fusionieren soll, sondern er erzeugt extrem starke elektromagnetische Felder, in denen einige Kerne so beschleunigt werden, dass sie mit anderen verschmelzen.

Im Gegensatz zu ganzen Ladungen von Bowlingkugeln, die gegen den Abhang des Vulkans geschleudert werden, schießt man jetzt mit Kanonen in Richtung Krater. Das ist erheblich effizienter.

Besagte Laser – gewissermaßen die Kanonen – sind aber erst seit Kurzem verfügbar, und das hat den aktuellen HB11-Hype ausgelöst.

Kommt die Rettung aus Bayern?

Marvel Fusion hat nun ein Team von Experten gebildet, die mit Hilfe des neuen Zauberstabs ein richtiges Kraftwerk entwickeln wollen. Man hat die Stadt Penzberg ersucht, ein Areal von rund 3ha im „Nonnenwald“, für die notwendigen Bauten zur Verfügung zu stellen. Penzberg liegt rund 40km südlich von München im schönen Alpenvorland. Wird das klappen?

Politik in Bayern ist nicht weniger grün als im restlichen Deutschland, mit anderen Worten, alles ist entweder sehr gut (Mutti und Maske) oder sehr böse (Trump und Atom). Es wird für Marvel Fusion schwierig sein, die neue Kernfusion als gut zu verkaufen, aber man tut alles, um zu zeigen, dass sie zumindest nicht böse ist. Man schlägt die Trommeln des Zeitgeistes.

In der PR der Firma stehen daher der CO2-lose Betrieb und die Freiheit von jeglicher Atomgefahr, wie Radioaktivität, Bomben und Explosionen, im Vordergrund. Und auch der TÜV Süd hat schon seinen Segen dazu gegeben.

Auf ihrer Präsentation für die Stadt Penzberg zeigt Marvel Fusion sehr prominent Bilder der geplanten Gebäude im Nonnenwald. Das ist sicher nicht das Wesentliche und es erinnert an die eleganten Bilder der Traglufthalle, welche die Firma Cargolifter einst im Norden Deutschlands hinstellte. Dort konnte man zwar das versprochene Luftschiff nicht bauen, aber immerhin die Halle, in der es gebaut worden wäre.

Chancen und Risiken

Bei der übertriebenen Rücksicht auf die kleinlichen Ängste des Zeitgeistes geht der Blick für die Proportionen natürlich verloren. Es geht hier ja um ein Projekt von epochaler Bedeutung. Wenn die Sache klappt, dann haben wir den heiligen Gral der Energieerzeugung auf Erden. Da ist es egal, was der TÜV Süd dazu sagt und es ist egal, ob Marvel Fusion in der Cafeteria Plastikbecher verwendet. Sollte man nicht erst einmal die Chancen betrachten, bevor man mit dem Mikroskop nach Risiken sucht?

Das Ziel des Projektes rechtfertigt jeden Aufwand. Die Frage ist nur, ob dieses Ziel auch erreicht wird, und ob ausgerechnet Marvel Fusion die Firma ist, die das schafft.

Die haben nun Meilensteine gesetzt, welche den Weg zum Ziel aufzeigen. Bis Ende 2023 soll eine Anlage stehen, in der die besagten Laser den HB11 Prozess durchführen, ohne dass man dabei schon Energie erntet. Das hört sich nicht unrealistisch an, vorausgesetzt, dass die riesigen Mengen an Strom für den Betrieb der Laser zur Verfügung stehen. Da muss sich Penzberg was einfallen lassen, denn mit Windmühlen allein wird das nicht klappen.

Bis Ende 2028 soll dann eine Anlage stehen, die immerhin 100 Megawatt liefert und die als Modell für große industrielle Kraftwerke dient. Nach 2030 will man dann im Gigawatt-Maßstab ins Netz einspeisen.

Diese beiden letzteren Meilensteine nun sind extrem sportlich, aber wir wollen den Forschern keine unlauteren Absichten unterstellen, sondern eher, dass der notwendige unternehmerische Optimismus da etwas mit ihnen durchgegangen ist.

Fazit

Wir leben in einer Zeit, in der Startups wie Marvel Fusion relativ leicht Investoren finden. Nun neigen solche Gründer dazu, mehr zu zeigen als sie haben – so geht Marketing. Es kommt auch vor, dass sie schließlich die eigenen üppigen Versprechungen selbst glauben. Da ist es nun wichtig, dass unter den Geldgebern kompetente Entscheider sind, welche die Logik eines Vorhabens und dessen Fortschritt realistisch beurteilen können; die rechtzeitig die Reißleine ziehen, falls nötig. Ist das nicht der Fall, dann kommt es zu Skandalen wie um die amerikanischen Hochstaplerin Elizabeth Holmes mit Theranos (sie auch hier) oder beim bayerischen Lufttaxi (siehe auch hier).

Die Kompetenz der Entscheider muss primär auf fachlichem Gebiet liegen; wer das beherrscht, der hat allemal die kognitiven Fähigkeiten, um auch die Finanzen zu verstehen. Umgekehrt ist das nicht der Fall. Gibt es in der Politik solche Experten?

Unsere Minister zitieren gerne die enorme Komplexität ihres Aufgabengebietes, die es unmöglich macht, überall Experte zu sein. Dafür haben sie Berater.

Berater haben nun ein gutes Gespür dafür, was der Auftraggeber gerne hören möchte. Letzterer muss also zumindest die Qualifikation haben, um zu erkennen, wem er in sachlicher und ethischer Hinsicht vertrauen kann. In Sachen Corona ist das ganz sicher nicht der Fall.


TAGEBUCH EINES MAGIERS — THINK-AGAIN

Die Gegenwart ist geprägt von „Fake News“, wo man uns durch geschickte Rhetorik in die Irre führen will. Es bleibt aber nicht aus, dass so mancher dabei dem eigenen Trug auf den Leim geht. Personen, die weder sich noch anderen etwas vormachen, sind heute in Politik und Wirtschaft selten.  Von genauso einem Mann aber, und den Erfolgen seiner Integrität, handelt das „Tagebuch eines Magiers“. Es öffnet den Blick hinter die Kulissen von big Business und in die Seele des Magiers selbst. Es geht um wahre Geschichten aus den vergangenen 25 Jahren, auch wenn Sie vielleicht manches nicht für möglich halten.
Unten nun ein kurzer Einblick in das Buch und hier bekommen Sie das ganze Werk.


(… ein paar Seiten aus dem Projekt „Piroska“, wo der Magier alles zeigen musste, aber letztlich Erfolg hatte.)
Der Stall des Augias
Sein Schicksal führte Herkules zu einem König namens Augias, der weit und breit der reichste war. Ihm gehörte das Land Elis, im westlichen Peleponnes gelegen. Sein Vermögen umfasste unter anderem 3000 Rinder, die sich prächtiger Gesundheit erfreuten, obwohl sie in einem Stall lebten, der seit dreißig Jahren nicht gereinigt worden war. Es war nun an Herkules, diesen Stall zu säubern. Mit Hilfe einer kleinen Kopfrechnung konnte er leicht abschätzen, welches Arbeitspaket hier auf ihn zukam: 3000 Rinder × 30 Jahre × 365 Tage × … Es war eine unvorstellbare Menge an Mist und Jauche, um die es sich hier handelte, die auf konventionellem Wege kaum zu beseitigen war. Und ein Detail blieb bisher noch unerwähnt: Die Aufgabe musste innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein; das machte die Sache nicht einfacher.
Wie ist das Projekt nun ausgegangen? Wir werden zu gegebener Zeit darauf zurückkommen. Das Land Elis gibt es auf jeden Fall noch heute, allerdings ist es jetzt eine griechische Provinz mit 160.000 Einwohnern. Die Zahl der Rinder ist unbekannt. Gut 1000 Kilometer nördlich von Elis liegt Budapest, Standort der Piroska Inc.
Es war 7:00 Uhr morgens, mein erster Tag im neuen Job. Am Empfang begrüßte mich die Sekretärin, die für mich bestimmt worden war und die mir verriet, dass die Manager erst später kämen. Das gab mir Zeit, mich auf den operativen Ebenen der Firma umzusehen, sowohl personell als auch räumlich. Ich ging in die nächste Werkhalle, deren Tür offenstand.
Es kam mir vor, als wäre ich in einen Horrorfilm gestolpert, dessen Zusammenhänge und Handlung ich nicht erkennen konnte, da ich den Anfang verpasst hatte. Zunächst war da ein brutaler Lärm. Ich brauchte Zeit um herauszufinden, was die Ursache war. Der weite Raum war gefüllt mit Menschen, die laut und grob redeten. Sie standen in Gruppen oder einzeln. Es war für mich nicht erkennbar, ob auch Menschen zuhörten, ob es Gespräche gab oder ob nur Laute geäußert wurden. Nach ein paar Minuten begann ich, die eine oder andere Silbe aus dem Krach zu identifizieren.
Dank meines ungarischen Großvaters väterlicherseits konnte ich manches sogar verstehen. So wurde mir klar, dass die Mehrzahl der wahrgenommenen Wortfetzen zu Schimpfworten gehörte. Ob diese an andere Personen gerichtet oder nur spontane Äußerungen des Unmuts waren, konnte ich nicht erkennen. Eines war sicher: Mir galten sie nicht.
Denn das Erstaunlichste an der Situation war, dass niemand in dieser Halle, weder Mann noch Frau, die geringste Notiz von mir nahm. Dabei musste ich unter diesen Hunderten Gestalten in undefinierbaren Kitteln oder abgetragener Straßenkleidung eigentlich auffallen wie ein Pinguin im Hühnerstall. Ich trug einen gepflegten Anzug mit Hemd und Krawatte, so wie immer. Aber ich streifte wie durch ein Heer von Federvieh, ohne dessen Gackern und Flattern im Geringsten zu beeinträchtigen.

Ein surrealistischer Film
Endlich fand ich in dieser Unwirklichkeit einen ersten gemeinsamen Nenner: Dreck. Der ganze Raum war ein einziger Mülleimer. Der Boden war übersät mit Zigarettenkippen und leeren Pappbechern, auf Maschinen lagen ölverschmierte Lumpen und auch hier die allgegenwärtigen Pappbecher, aus denen noch ein Rest Kaffee verschüttet war.
An einem Treppenabsatz auf dem Weg in die nächsthöhere Etage erkannte ich endlich die Quelle der Pappbecher: ein Kaffeeautomat, umringt von noch mehr rauchenden, fluchenden und trinkenden Menschen. Tatsächlich war es im Treppenhaus noch gedrängter als in der Werkhalle. Ich fragte nach den Managern; für Logistik, Qualitätssicherung, Instandhaltung, alles Personen die in solch einer Arbeitsumgebung anwesend sein müssten. Man antwortete, knapp und emotionslos, dass die später kämen. Ihre Büros waren tatsächlich noch leer.
Immerhin, der Kaffeeautomat mit seiner Funktionalität als unerschöpflicher Quelle von Bechern und Heißgetränk hatte mich einen Schritt in die Realität zurückgeholt. Ich dehnte meine Erkundung auf andere Räumlichkeiten aus und entdeckte eine weitere Corporate Identity von Piroska, neben dem Dreck: Es gab keine einzige geschlossene Tür. Auch die Zugänge nach draußen, zum umgebenden Grundstück waren offen und ich konnte sehen, wie die Fertigware – Motorverkleidungen für die eleganten Fahrzeuge der verschiedenen Nobelmarken – friedlich im Oktoberregen lag und wie sich in den Vertiefungen der Teile kleine Pfützen gebildet hatten.
Inzwischen war es 8:00 Uhr geworden und von den Vorgesetzten noch immer keine Spur. So setzte ich meine Expedition fort. Durch weitere offene Türen und durch menschenleere Räume gelangte ich schließlich an einen Ort, der allen Anzeichen nach eine Damentoilette war. Auch hier die Türen offen, die Brille der Installation lag auf dem Boden, auf dem auch größere Mengen menschlicher Exkremente zu finden waren. Ich bringe zwar wenig Erfahrung in Sachen Damentoiletten mit, unterstelle aber, dass die nicht überall so aussehen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass bei Piroska auch fahrendes Volk vom ungarischen Land arbeitete, das mit einer anderen sanitären Infrastruktur aufgewachsen ist.
Angrenzend waren Umkleideräume. Die Tradition der offenen Türen setzte sich hier fort. Und wenn für einen Spind kein Schlüssel zur Hand war, dann wurde der mit einem Fußtritt geöffnet, den die Tür nicht mehr vergessen hat. In der Umkleide der Herren übrigens, ein paar Türen weiter, herrschte fröhliches Treiben. Halbbekleidete Männer spielten Karten und waren guter Dinge, obwohl sie zwischen Bergen aus Schmutz und Unrat saßen.
Wozu im alten Griechenland, im Reich des Königs Augias, 3000 Rinder dreißig Jahre gebraucht hatten, das war bei Piroska Inc. 300 Menschen in drei Jahren gelungen.
 
Die Zigarette
Es war inzwischen Freitag, mein dritter Tag im Werk. Der sollte nun den erwähnten Themen Ordnung, Disziplin und Sauberkeit gewidmet sein. Bei Piroska wurde in drei Schichten gearbeitet. Meine erste Belehrung um 14:00 Uhr galt den versammelten Arbeitern der Früh und Spätschichten, die zweite richtete sich um 20:00 Uhr an die Nachtschicht.
Meine Ansprache war in Deutsch und ich nahm einen Dolmetscher zu Hilfe. Es wäre wohl auch auf Ungarisch gegangen, aber ich hätte dann grammatikalische Fehler gemacht wie ein Achtjähriger. Die Folge davon wäre gewesen, dass mich meine Zuhörer in ihrem Unterbewusstsein als Kind erlebt und nicht ernst genommen hätten. Das war das Letzte, was ich jetzt brauchen konnte!
Ich machte also mehr als deutlich, dass die aktuelle Unordnung nicht länger akzeptiert würde und dass jegliche Disziplinlosigkeit arbeitsrechtliche Konsequenzen hätte.
Ich verlas eine Liste von Missetaten, welche sofortige Kündigung und Hausverbot zur Folge hätten: das Entfernen vom Arbeitsplatz, das Rauchen außerhalb des Pausenraumes, das Aufsuchen der Umkleideräume ohne Genehmigung des Schichtleiters, das Tragen von iPods und noch einiges andere. Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen bei Piroska noch nie so etwas gehört hatten. Man folgte meinen Ausführungen total emotionslos, so wie ich das aus jenem surrealistischen Rundgang durch die Firma bereits kannte.
Es gab weder Fragen noch Proteste. Eine Atmosphäre von Ungläubigkeit und Entsetzen hatte sich ausgebreitet. Das bestärkte mich darin, dass meinen deutlichen Worten noch deutlichere Taten folgen mussten. Der Belegschaft war eine starke und bittere Medizin in hoher Dosis verabreicht worden und es war wichtig, dass sie die auch schlucken würde.
Gegen 23:00 Uhr in dieser Nacht mache ich einen Rundgang, zunächst ums Gebäude. Ich will sehen, welche Wirkung meine Rede auf die Nachtschicht gehabt hätte. Da glimmt in der Ferne ein orangerotes Licht auf, mal stärker, mal schwächer. Was könnte das wohl sein? Ist es ein fernes Leuchtfeuer, das Schiffe in Küstennähe vor Untiefen und Felsen warnt? Vielleicht ein verirrtes Glühwürmchen? All das ist wenig plausibel. Ich gehe der Sache auf den Grund. Ich schleiche mich in der totalen Finsternis an die magische Glut und erkenne das Unglaubliche: Das Glimmen gehört zu einer Zigarette und die Zigarette gehört zu einem Mitarbeiter der Instandhaltung.
Ich frage ihn, ob er weiß, dass Rauchen auf dem Firmengelände ein Kündigungsgrund ist. Ich tat das auf Ungarisch, was ihn sichtlich erschreckte. „Mach ich bestimmt nicht wieder; so eine Zigarette ist doch nichts Schlimmes.“ Ich erkläre ihm, es käme darauf an, wann und wo man seine Zigarette raucht und dass er entlassen sei. Ich nehme ihm die Schlüssel zum Maschinenraum ab, begleite ihn in die Umkleide, damit er seine Klamotten holt, dann geht’s zur Pforte mit der Botschaft, dass der Mann ab sofort Hausverbot habe. Auf der Straße zündet er sich eine Zigarette an und verschwindet schließlich im nächtlichen Dunkel.
Ich fühle mich wie Garry Cooper in High Noon. Meine Haltung ist aufrecht, mein Schritt ist ruhig, meinem Auge entgeht nichts. Und so setze ich die Patrouille fort.
Schon erwische ich einen anderen, der in einer dunklen Ecke der Halle qualmt. Auch für ihn ist es der letzte Tag in der Firma. Ein Mitarbeiter der Reinigungsfirma wird beim Klauen ertappt: Hausverbot, sofort. Zwei Frauen prügeln sich am Arbeitsplatz, Männer spielen Karten in der Umkleide, drei weigern sich zu arbeiten: Ich bin unerbittlich. Von Freitag bis Sonntagabend gibt es insgesamt 15 Entlassungen.
Es war die Hölle, aber es hat Spaß gemacht.

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