Schlagwort-Archive: ZEITPUNKT

Zwischen da und dort — ZEITPUNKT

http://www.zeitpunkt.ch/zwischen-da-und-dort

«Das erste Mal» – wann immer wir eine Grenze überschreiten, schenkt uns das Leben eine neue Erfahrung. Aber auch das Gegenteil – ein Hindernis – lehrt uns viel über uns selber. Die Grenzwissenschaften könnten daher die Menschheit ein schönes Stück weiterbringen.

Sind wir schon dort? (Bild: Hieronymus Bosch)

Was sind die Momente der Wahrheit in einem Leben? Wenn wir Grenzen überwinden und etwas zum ersten Mal tun. Der erste Schultag vielleicht, bestimmt der erste Kuss und der erste Sex, eine grosse Reise, Promotion, Heirat oder Kinder. Noch stärker sind unsere Erfahrungen, wenn wir an Grenzen stossen: eine Liebe nicht erwidert wird, wenn wir eine Stellung verlieren oder eine schwere Krankheit uns die Zukunft nimmt.

Solche Ereignisse befördern uns an einen neuen Ort im Leben, in einen neuen Abschnitt. Was vor kurzem noch «dort» war, wird durch die Entwicklung unseres Bewusstseins zu einem neuen Hier und Jetzt.

Wer die Qualität solcher Ereignisse beobachtet, wird bald feststellen, dass es vor allem die Begegnung mit dem Tod ist, die uns menschlicher und oft in einem tieferen Sinn lebendiger macht. Die Erzählungen über die Überwindung schwerer Krankheiten und die Dankbarkeit über die daraus folgenden Erfahrungen füllen eine ganze Bibliothek. Eine kleine Abteilung dieser Bibliothek ist den Nahtoderfahrungen gewidmet. Es sind Momente, in denen sich ein ganzes Leben zu einem einzigen Augenblick verdichtet und sich eine Tür zu einer anderen Welt öffnet. Wie wirklich ist sie?
Seit der österreichisch-amerikanische Arzt Peter Safar 1957 das Buch «ABC of Resuscitation» über die Rettung von Patienten mit Herzstillstand durch Herzmassage veröffentlichte, ist der Tod auch für die Wissenschaft kein abrupter Übergang mehr, sondern ein Prozess. Seither haben sich die Methoden der Reanimation beträchtlich verbessert; der Tunnel zwischen Leben und Tod – den viele Patienten mit dieser Erfahrung beschreiben – ist länger geworden.

Einen wichtigen Anstoss zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Phänomen der Nahtoderfahrung (NTE) lieferte 1975 der Bestseller «Life After Life» des amerikanischen Psychiaters Raymond Moody. Die zentralen, immer wieder beobachteten Elemente einer NTE sind gemäss Moody: ein überwältigendes Gefühl von Freiheit und Wohlbefinden; der Eindruck, sich ausserhalb des Körpers zu befinden; der Eindruck, durch eine Dunkelheit zu schweben und ein goldenes Licht wahrzunehmen; Begegnung mit einem «Wesen aus Licht», und/oder Erfahrung einer anderen, schönen Welt.

Nahtoderfahrungen stellen die traditionelle Wissenschaft vor ein grosses Problem. Sie geht davon aus, dass Geist nur im Gehirn entstehen kann und es daher nach einem Hirntod keine Wahrnehmung mehr geben dürfte. Moody wurde vorgeworfen, seine Studie hätte empirische und logische Fehler und er hätte die Erkenntnisse über Halluzinationen nicht berücksichtigt. Anderen Forschern ist es gelungen, bei Epilepsie-Patienten durch Stromstösse ausserkörperliche Wahrnehmungen zu provozieren. Aber ist das ein Beweis, dass es ein vom Körper unabhängiges geistiges Wesen nicht gibt? Nein. Der Versuch beweist einzig, dass Stromstösse bei Epilepsie-Patienten aus­serkörperliche Wahrnehmungen hervorrufen können.

Die Existenz eines vom Körper unabhängigen Geistes ist die grosse Grenze der heutigen Wissenschaft. Anstatt diese Hypothese seriös zu beforschen, verwendet sie ihre Energie auf den Nachweis, dass NTEs vom (bereits toten) Gehirn produziert werden. Befürworter der Geist-Hypothese werden in die Esoterik verbannt, mit deren Erkenntnissen man sich gar nicht zu befassen braucht. Dies ist dem niederländischen Kardiologen Pim van Lommel (*1943) passiert, der von der Wochenzeitung Zeit als «Fraktionsvorsitzender der spirituellen Fraktion» bezeichnet wurde. Als Notfallmediziner führte er mit Kollegen ab 1988 eine Studie mit 344 Überlebenden eines Herzstillstandes durch – 62 mit einer NTE –, die 2001 in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde. Ergebnis: Es gibt keine medizinischen, pharmakologischen oder psychologischen Faktoren, die Ursache oder Inhalt einer NTE erklären.
«Obwohl bei einer NTE das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, haben Patienten diese aussergewöhnlichen Erlebnisse», erklärt Pim van Lommel, Autor des Bestsellers «Endloses Bewusstsein» (Patmos, 2009), im Gespräch mit dem Zeitpunkt. «Das kann nur bedeuten, dass unser Bewusstsein nicht im Gehirn entsteht. Gegen diese Hypothese wehren sich allerdings viele meiner Kollegen, weil es nicht in ihr wissenschaftliches Konzept passt. Mehr als 95 Prozent der Wissenschaftler sind überzeugt, dass das Bewusstsein ein Produkt unseres Gehirns ist. Würde ihre Hypothese stimmen, wären NTEs unmöglich.»

Aufgrund seiner Erfahrungen ist Pim van Lommel überzeugt, dass Bewusstsein bereits vor der Geburt existiert und nach seinem Tod fortbesteht. Die Hirnzellen fungierten dabei als eine Art Empfangsmodul des Bewusstseins – «ähnlich wie ein Mobiltelefon, das aus den elektromagnetischen Feldern genau jene Anrufe herausfiltert, die für uns bestimmt sind». Was die Entwicklung der Wissenschaft betrifft, ist Pim van Lommel gelassen: «Ein Paradigmenwechsel in der Wissenschaft findet statt.» Es braucht eben seine Zeit, Grenzen zu überwinden.

_______________

Mehr zum Schwerpunktthema «da | dort» in Zeitpunkt 160

 

24. April 2019
von:

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.

Zwischen zwei Trapezen – Zeitpunkt

http://www.zeitpunkt.ch/zwischen-zwei-trapezen

Editorial zur Ausgabe 161 «loslassen | dranbleiben»

Liebe Leserinnen und Leser

Wir sitzen im dunklen Zirkuszelt und schauen gebannt in die Höhe. Im Lichtkegel fliegt locker und kraftvoll ein Artist an seinem Trapez hin und her. Ihm gegenüber schwingt ein zweites und wir wissen: Er wartet auf den richtigen Moment und wird hinüberfliegen. Sobald er losgelassen hat, halten wir die Zeit für die Länge eines Gedankens an – und stellen fest, dass wir uns alle irgendwie zwischen zwei Trapezen befinden.

Das Alte haben wir innerlich schon losgelassen. Wir glauben nicht mehr daran, leben aber immer noch danach. Das Neue ist in Sicht, doch haben wir es schon gepackt? Nicht nur als Individuen, auch als ganze Menschheit, so scheint mir, sind wir zwischen zwei Trapezen. Der Materialismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen – Geld, Konsum, Wissenschaft, Normen – hat seine Strahlkraft weitgehend verloren. Und das Neue ist auch schon da, wenn auch nicht für alle sichtbar. Das ist der magische Moment zwischen den Trapezen, in dem alles möglich ist. Wenn wir zu lange am Alten hängen bleiben, verlieren wir den Schwung für das Neue. Wenn wir aus Mangel an Mut und Zuversicht den Zeitpunkt verpassen – und es kann im Grunde immer nur «jetzt» sein – stürzen wir ab.

Zwischen zwei Trapezen befindet sich auch der Zeitpunkt. Nach 27 Jahren als Magazin ist es Zeit für ihn, die Form zu ändern und sich auf das Wesentliche zu beschränken: den mutigen Flug ans nächste Trapez, die grosse Umwälzung oder auf neudeutsch: die Revolution, die wir und die Welt so dringend brauchen. Der Zeitpunkt wird ab dem kommenden August vierteljährlich und in Buchform erscheinen, gründlicher, wesentlicher, kräftiger. Die Bärte müssen endlich brennen, wenn die Fackel der Wahrheit durch das Gedränge getragen wird. Das Aktuelle, die Hinweise und die Angebote zur Vernetzung pflegen wir auf der Website; die Essenz konzentrieren wir in einer Form, die man auch bei sich haben kann, wenn man nicht auf Linie – pardon: nicht online – ist.

Das wird bestimmt nicht nach jedermanns Gusto sein, obwohl ich natürlich hoffe, dass möglichst viele Zeitpunkt-Freunde den Flug ans nächste Trapez wagen. Damit das Loslassen vom alten Zeitpunkt leichter fällt, erscheint Ende Juni eine Sammlung der besten Texte aus 27 Jahren. Dann heisst es definitiv: dranbleiben am Neuen.

30. APRIL 2019 
VON: 

   

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.

Veränderungen beim Zeitpunkt

… Damit beginnt für mich nach 27 Jahren Magazin-Journalismus eine neue Zeit, ohne Pflichtstoff, ohne Management und ohne Sitzungen, dafür umso mehr Klarheit und Klartext.

«In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt», schrieb George Orwell. Ich hoffe, dass ich dem nachleben kann.

Herzlich

Christoph Pfluger, Herausgeber


Die Zeitpunkt-Kleinanzeigen: Hier finden Sie Ausgefallenes, Nützliches und Aufbauendes, angeboten von der Zeitpunkt-Community. Viel Vergnügen beim Stöbern!

Und hier finden Sie die guten Adressen von Webshops, für Ihre Gesundheit, sanften Tourismus, zur Horizonterweiterung.

Aktuelle Hinweise

Gesundheit für alle – Perspektiven des kubanischen Weges
Sonntag, 5. Mai: 16:00 – 17:30 Uhr, im Glaspalast auf dem Kasernenareal, Zürich. Infos


Nationale Kundgebung gegen 5G in Bern
Am 10. Mai 2019 von 18.30–20.30 Uhr findet eine nationale Kundgebung «STOP 5G» auf dem Waisenhausplatz in Bern statt. 5G ist eine Bedrohung für das Leben. Dies geht klar hervor aus bisherigen Erfahrungen mit 2G, 3G, 4G, WLAN… sowie aus einer Vielzahl unabhängiger wissenschaftlicher Studien! Infos


Informationsveranstaltungen zur Trinkwasser-Initiative
Die heutige industrielle Lebensmittelproduktion ist von Importfutter, Antibiotika und Pestiziden abhängig.
Sie hat einen grossen Einfluss auf die Qualität unserer Gewässer und unseres Trinkwassers sowie auf die Biodiversität, das Klima und die Luft.  Und natürlich auf die Gesundheit und die Ernährungssicherheit von uns Menschen. Mit unserer Initiative wollen wir erreichen, dass die jährlichen Milliarden an Subventionen nur noch in eine gesunde, nachhaltige und trinkwasserfreundliche Landwirtschaft investiert werden.
Die Trinkwasser-Initiative führt in zahlreichen Schweizer Städten Informationsveranstaltungen durch:
14. Mai 2019 in Bern, 15. Mai 2019 in Basel, 22. Mai 2019 in Zürich. Anmeldung

Globalisierte Finanzmärkte – eine Bedrohung der Demokratie?
Vortrag von Philipp Wehrli. 14. Mai 2019 19:30 – 21:00
Restaurant Obergass, Schulgasse 1, 8400 Winterthur. Infos


«Wenn das Leben siegt, wird es keine Verlierer geben»
Weltweit stehen Menschen auf und schützen, was ihnen heilig ist: das Wasser, die Menschenrechte, das Leben. Die Lakota-Indianer von Standing Rock starteten unter dem Motto „Defend the Sacred“ eine Bewegung, die weltweit AktivistInnen inspiriert. Eine Basisstation dieser globalen Bewegung ist das Heilungsbiotop 1 Tamera in Portugal.
LaDonna Bravebull Allard, Mit-Initiatiantin des indianischen Widerstandes von Standing Rock und Sabine Lichtenfels, Friedensaktivistin, Mitgründerin von Tamera kommen nach Zürich, um das Heilige zu verteidigen.
24. Mai, 19.00 Uhr: Grosse Abendveranstaltung „Defend the Sacred“ im Offenen St. Jakob am Stauffacher in Zürich. Vortrag mit Ladonna Bravebull Allard, Standing Rock, USA,  und Sabine Lichtenfels, Tamera, Portugal
25. Mai, 10.00 bis 17.30 Uhr: „Defend the Sacred“ Tagesworkshop in der Wandellust, Zürich, mit Sabine Lichtenfels, Ladonna Bravebull Allard, Benjamin von Mendelssohn und Martin Winiecki: „Defend the Sacred – und die Versöhnung der Geschlechter“ Info und Anmeldung info@zaeme.ch

Kurz bevor es Legende werden konnte, wird das Kühlbuffet «Olga» aus dem «Milano Nord» in Burgdorf verkauft. «Olga verfügt über alles, was man für eine Bar, ein Restaurant oder eine Cafeteria benötigt:
• Kühlschubladen und Kühlfächer
• 2 Spülen
• Bier-Zapfbereich und Gläserdusche
• Kühlwanne
• Geschirrspüler Hobart
Olga ist 6m lang und hat ein edles Finish aus Schiefer und eine Abdeckung aus schwarzem Glas. Das Baujahr ist 2009, schweizer Qualität von Schmocker Interlaken. Der Zustand ist sehr gut. der Neuanschaffungspreis war hoch, aber der Verkäufer Paul Hasler lässt mit sich reden: mail@utopien.com
Infos (pdf)

Lebensziel, Berufung und Beruf
Wochenend-Workshop in Zürich mit Thomas Diener
Den Mut zu entwickeln, von der eigenen Vision, den eigenen Träumen und Bedürfnissen auszugehen. Die Zuversicht zu erarbeiten, diese zu verwirklichen. Die Möglichkeiten entdecken, sie umzusetzen: An den FairWork-Wochenend-Seminaren erarbeiten Sie die Grundlagen dazu.
24. – 26. Mai 2019
25. – 27. Oktober 2019
Infos

Bücher für die nächste Welt


«Frau-Sein allein genügt nicht» die ungekürzten Erfahrungen von Leila Dregger als Aktivistin für Frieden und Liebe

«Unverblümt», die aphoristische Denkprosa von Erwin Schatzmann, die auch in kleinen Häppchen enorm anregend wirkt

Wenn Sie noch ein paar Argumente für die Energiewende brauchen:
«Die Macht der schwachen Strahlung», Cornelia Hesses eindrücklich illustrierte Schilderung von dem, was uns die Atomindustrie verschweigt

«Das nächste Geld», für das ich selber meine ganze Schreibkunst mobilisiert habe, um Sie aus den zehn Fallgruben des Geldsystems zu führen.
Manchmal ist es hilfreich, die Probleme zu kennen, bevor sie einem auf den Kopf fallen.

«Das AntWort – die Wahrheit des Absurden», das Buch von Anton Brüschweiler hat einen guten Start erlebt. Rund 600 Exemplare dieser humoristischen Textsammlung haben in den letzten Wochen Leser gefunden. Hier können Sie in dem Buch blättern. Die edition zeitpunkt hat vom Autor die Erlaubnis, dieses Buch ausdrücklich auch als Lektüre für das stille Örtchen anzupreisen. Wenn das keine Empfehlung ist!

Geld-Magazin, Österreich:
«Christoph Pfluger ist wohl eines der besten Bücher zum Thema ‹Geld› gelungen. Wer es liest, versteht, was Sache ist.»

Christoph Pfluger: Das nächste Geld – die zehn Fallgruben des Geldsystems und wie wir sie überwinden. 2. rev. Aufl., 2016. 252 Seiten, Fr. 23.-/€ 21.- (hier bestellen)

Veränderungen kann man nicht bestellen,
aber die Anregungen dazu.

Wer den Zeitpunkt für ein Jahr abonniert, bezahlt, was er will. (Hier bestellen).

Den Zeitpunkt verschenken: (Bestellformular für Geschankabos)

Schnupperabo (3 Ausgaben für Fr. 20.–, null Risiko), Bestellformular

Postadresse:

Zeitpunkt

Werkhofstrasse 19

Solothurn 4500

Switzerland

Add us to your address book

Adresse definitiv löschen
Adresse ändern

Der Zeitpunkt auf Facebook mit vielen zusätzlichen Hinweisen.

Das Monster in ihr

http://www.zeitpunkt.ch/das-monster-ihr

Darüber reden will niemand, zu gross ist das Tabu. Dabei ist jedes vierte Opfer häuslicher Gewalt in der Schweiz ein Mann.
(Foto: Klaus Petrus)

Irgendwann hörte Daniel L.*, Mitte vierzig und Elektriker von Beruf, auf, mit seinen Kumpels darüber zu reden. Der eine sagte bloss: «Sei doch froh, dann liebt sie dich noch», der andere scherzte: «Vielleicht solltest du in ein Haus für geschlagene Männer», ein dritter murrte: «Der würd ich’s aber zeigen!». Auch sein bester Freund, ein wenig beschämt, meinte: «Kannst du dich denn nicht wehren?» Nein, dachte Daniel L., kann ich nicht. Will ich nicht. Oder sollte ich?

Daniel L. ist kein Einzelfall. In der Schweiz ist jedes vierte Opfer häuslicher Gewalt männlich. Darüber geredet wird kaum. Was die wenigen Statistiken, die bisher vorliegen, auch zeigen: In den meisten Fällen ist psychische Gewalt wie Erniedrigung, Drohung oder Erpressung im Spiel, ausgelöst etwa durch Eifersucht der Ehefrau, wie in Daniels Fall. Und wie in Daniels Fall fühlen sich die betroffenen Männer oft als Versager, weil sie nicht das darstellen, was die Gesellschaft offenbar von ihnen erwartet: richtige Kerle, die sich wehren können, und keine Memmen, die alles über sich ergehen lassen. Offenbar entspricht das Bild des Mannes als Opfer von Gewalt, die von Frauen ausgeht, in unserer Gesellschaft nicht dem herkömmlichen Rollenverständnis – genauso wenig wie dasjenige der Frau als Gewalttäterin.

Darin sieht Sieglinde Kliemen eine der Hürden in der Bewältigung dieser Art der häuslichen Gewalt. «Die betroffenen Männer fühlen sich häufig nicht ernstgenommen. Sie trauen sich nicht, ihre Erfahrungen anderen mitzuteilen oder Hilfe aufzusuchen – und bleiben allein.» Kliemen ist seit Juli vorletzten Jahres Leiterin des Männerhauses «Zwüschehalt» in Bern, hierzulande nach Luzern und Aargau erst die dritte Institution dieser Art. Das stattliche Gebäude der Gesamtkirchgemeinde Bern bietet auf zwei Stockwerken vorübergehend Platz für zwölf gewaltbetroffene Männer, mit eigenen Zimmern, einem Aufenthaltsraum, mit Küche und einem Garten. Zum Schutz der Betroffenen wird die Adresse geheim gehalten.

Sieglinde Kliemen, Leiterin des Männer- und Väterhauses in Bern: «Männer werden leicht zu Tätern.» (Foto Klaus Petrus)

Auch Daniel L. war vor einem Jahr für einige Wochen dort. Tagsüber ging er zur Arbeit, die Abende verbrachte er im Männerhaus und redete mit Sieglinde Kliemen über seine Situation. Die meiste Zeit aber blieb er auf dem Zimmer und wollte einfach seine Ruhe. «Ich kam hier an und von mir fiel eine tonnenschwere Last. Als ich mich dann langsam erholte, mochte ich nicht die ganze Zeit Probleme wälzen, ich sehnte mich nach Normalität.» Genau dafür sei der «Zwüeschehalt» der richtige Ort, sagt Kliemen. Oft seien die Männer, die bei ihr anrufen, einfach erschöpft, sie wüssten nicht mehr weiter. «Es geht zuerst darum, sich wieder in Sicherheit zu fühlen.»

Sicherheit, Ruhe und Anonymität – dies sind die Grundpfeiler des Männerhauses. Darüber hinaus werden die Betroffenen in ihrem Alltag begleitet und beraten. Je nach Situation müssen die Männer nämlich mit Ämtern reden, wie etwa bei einer Scheidung, die eingereicht wird, was oft viel Papierarbeit erfordert. Oder sie müssen sich, sofern sie Anzeige erstatten, mit den Behörden in Verbindung setzen. Nach dem Grad der Betreuung richtet sich denn auch der Tarif für die Unterkunft im Männerhaus, der zwischen 35 und 120 Franken pro Nacht liegt. Bei diesem doch niederschwelligen Angebot ist das Haus auf Spenden angewiesen, um die Miete, den Unterhalt und das Personal zu bezahlen. Öffentliche Gelder erhält der Trägerverein «Zwüschehalt» bisher nicht.

Manchmal kommen die Männer mit ihren Kindern, weshalb die Kindes- und Erwachsenenschutz Behörde (KESB) eingeschaltet werden muss. Im Gegensatz zu anderen Männerhäusern nimmt der «Zwüschehalt» auch Väter auf, sofern diese das Obhutsrecht für ihre Kinder haben. Auch Daniel L. brachte Tochter Julia* mit. Er fürchtete, seine Frau würde dem Kind etwas antun. Zweimal habe sie in ihrer Wut gedroht, sich selbst und Julia umzubringen, das habe er ernst genommen. Weil seine Ehefrau immer mehr Kontrolle über sein Leben hatte – sie überwachte sein Handy, seine Emails, sein gesamtes soziales Umfeld –, plante er den Weggang aus der gemeinsamen Wohnung bis ins letzte Detail. Nachdem er schon wochenlang mit der Dargebotenen Hand, dem Sorgentelefon 143, in Verbindung stand, packte er am Tag X die Koffer mitsamt Reisepässen, brachte seine Frau zur Arbeit und fuhr, ohne jede weitere Nachricht, ins Männerhaus. Dort angekommen, meldete er sich bei seiner Frau, was zu grossem Aufruhr führte, denn diese hatte bereits eine Vermisstmeldung aufgegeben. Am Ende war die Polizei involviert, die Opferhilfe, Anwälte, das ganze Programm also.

Fast immer reagieren die Frauen heftig, wenn ihre Männer im «Zwüschehalt» Schutz suchen, sagt Sieglinde Kliemen. Was auch damit zu tun habe, dass in gewaltgefährdeten Beziehungen häufig krasse Abhängigkeiten bestünden. Tatsächlich trennen sich die meisten Männer nur vorübergehend von ihren Partnerinnen oder Familien. Für diese Männer wird der «Zwüschehalt» tatsächlich bloss zu einem Zwischenhalt auf ihrem Weg zurück in die Beziehung. Umso wichtiger sei die Auseinandersetzung mit Mustern, die sich in Beziehungen festsetzen, sagt Kliemen. Solche Muster sind ein Stückweit zwar normal, können aber zu problematischen Ausprägungen führen – und eben oft auch zu Gewaltausbrüchen, physisch wie psychisch. In solchen Fällen sei eine gewisse Distanz unabdingbar. «Solange die Betroffenen, ob nun die Männer oder ihre Frauen, emotional noch stark involviert sind, ist es schwierig für sie zu kooperieren. Stattdessen versuchen sie sich abzugrenzen oder zu wehren und geraten so in die alten Machtspiele. Und jeder weiss: Macht entsteht letztlich aus Ohnmacht.»

Auch Daniel L. kehrte nach wenigen Wochen mit Julia zu seiner Frau zurück. Sie hätten viel geredet, seien aufeinander eingegangen. Und doch, sagt Daniel rückblickend, sei er skeptisch geblieben und habe damit gerechnet, dass sie in die alten Muster zurückfallen: seine Frau, die sich in ihre Eifersuchtsattacken hineinsteigert, und er, der sich zurückzieht und alles über sich ergehen lässt. Manchmal macht sich Daniel Vorwürfe deswegen. «Vielleicht hätte ich mich einfach mehr wehren müssen.» Schon immer haben die anderen auf ihm herumgetrampelt, erzählt er. In der Schule habe man ihn regelmässig vermöbelt, im Militär sei er mit Maschinenfett eingeschmiert worden, und seine erste Frau, manisch-depressiv, habe ihn regelrecht geplagt. «Irgendwie ziehe ich das an».

Daniel sollte recht behalten. Schon wenige Wochen später fing seine Frau wieder damit an, seine Emails zu durchstöbern und ihn mit ihren stundenlangen Fragen wach zu halten. Als er zu ihr sagte: «Deine Kontrolle zerstört mein Vertrauen, nimm dich in Acht, sonst bin ich endgültig weg», und sie daraufhin bloss meinte: «Typisch, beim erstbesten Streit suchst du das Weite, du Versager», da schrie er sie an: «Jetzt halt du mal das Maul!» Nein, beteuert Daniel L., zugeschlagen habe er nie. «Diesen Gefallen werde ich meiner Frau nicht tun, ich würde mich damit doch bloss auf ihr Niveau herablassen, niemals.» Was nicht immer einfach sei, wie Sieglinde Kliemen sagt.

«Gewalt provoziert oft genug Gegengewalt – und das ist immer eine schlechte Lösung». So beruhen, statistisch gesehen, 70 Prozent aller Fälle von häuslicher Gewalt auf gegenseitiger Gewalt. Schon deswegen greife diese strikte Unterscheidung zwischen Opfer und Täter viel zu kurz, und zwar sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Zwar arbeitet die Verwaltung oder Polizei mit diesen Kategorien, weswegen Kliemen nicht in der Betreuung, aber in ihrer administrativen Tätigkeit oft gezwungen ist, die betroffenen Menschen entweder in Opfer oder aber in Täter einzuteilen. Die Wirklichkeit sei aber viel komplexer. Am Ende, sagt Kliemen, ist deshalb der Einzelfall entscheidend. Das stört sie auch an Debatten wie #metoo. Ohne Zweifel würden damit wichtige und auch notwendige Diskussionen angestossen. Doch bestehe auch die Gefahr, dass die einseitige und oft eben auch unzulässige Dichotomie zwischen Opfern und Tätern zusätzlich zementiert werde.

Er habe es wirklich versucht, sagt Daniel. Doch seine Frau habe nicht lockergelassen und immer weiter gebohrt. Wieder einmal habe ihre Eifersucht sie zerfressen. Da wurde ihm eng auf der Brust, er bekam keine Luft mehr, musste erbrechen, konnte nicht mehr schlafen. So kehrte Daniel L. ins Männerhaus zurück. Für wie lange, das weiss er noch nicht. «Ich liebe meine Frau, noch immer liebe ich sie. Aber nicht dieses Monster in ihr.»

*Name der Redaktion bekannt.

Zwischen zwei Trapezen

http://www.zeitpunkt.ch/index.php/zwischen-zwei-trapezen

Editorial zur Ausgabe 161 «loslassen | dranbleiben»

Liebe Leserinnen und Leser

Wir sitzen im dunklen Zirkuszelt und schauen gebannt in die Höhe. Im Lichtkegel fliegt locker und kraftvoll ein Artist an seinem Trapez hin und her. Ihm gegenüber schwingt ein zweites und wir wissen: Er wartet auf den richtigen Moment und wird hinüberfliegen. Sobald er losgelassen hat, halten wir die Zeit für die Länge eines Gedankens an – und stellen fest, dass wir uns alle irgendwie zwischen zwei Trapezen befinden.

Das Alte haben wir innerlich schon losgelassen. Wir glauben nicht mehr daran, leben aber immer noch danach. Das Neue ist in Sicht, doch haben wir es schon gepackt? Nicht nur als Individuen, auch als ganze Menschheit, so scheint mir, sind wir zwischen zwei Trapezen. Der Materialismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen – Geld, Konsum, Wissenschaft, Normen – hat seine Strahlkraft weitgehend verloren. Und das Neue ist auch schon da, wenn auch nicht für alle sichtbar. Das ist der magische Moment zwischen den Trapezen, in dem alles möglich ist. Wenn wir zu lange am Alten hängen bleiben, verlieren wir den Schwung für das Neue. Wenn wir aus Mangel an Mut und Zuversicht den Zeitpunkt verpassen – und es kann im Grunde immer nur «jetzt» sein – stürzen wir ab.

Zwischen zwei Trapezen befindet sich auch der Zeitpunkt. Nach 27 Jahren als Magazin ist es Zeit für ihn, die Form zu ändern und sich auf das Wesentliche zu beschränken: den mutigen Flug ans nächste Trapez, die grosse Umwälzung oder auf neudeutsch: die Revolution, die wir und die Welt so dringend brauchen. Der Zeitpunkt wird ab dem kommenden August vierteljährlich und in Buchform erscheinen, gründlicher, wesentlicher, kräftiger. Die Bärte müssen endlich brennen, wenn die Fackel der Wahrheit durch das Gedränge getragen wird. Das Aktuelle, die Hinweise und die Angebote zur Vernetzung pflegen wir auf der Website; die Essenz konzentrieren wir in einer Form, die man auch bei sich haben kann, wenn man nicht auf Linie – pardon: nicht online – ist.

Das wird bestimmt nicht nach jedermanns Gusto sein, obwohl ich natürlich hoffe, dass möglichst viele Zeitpunkt-Freunde den Flug ans nächste Trapez wagen. Damit das Loslassen vom alten Zeitpunkt leichter fällt, erscheint Ende Juni eine Sammlung der besten Texte aus 27 Jahren. Dann heisst es definitiv: dranbleiben am Neuen.

Massenmigration – Megatrend — ZEITPUNKT

http://www.zeitpunkt.ch/index.php/massenmigration-megatrend

Wem nützt das Geschäftsmodell des globalen „freien“ Personenverkehrs, wenn die Fluchtursachen ignoriert werden?
Flüchtlinge Zeitpunkt Migration
Migranten in Spielfeld an der österreichisch-slowenischen Grenze. (Bild: cc Michael Gubi, flickr)

Migration ist ein Zeichen von Ungleichheit, Armut, Angst und Not. Deshalb ist es seltsam, dass Migration von den meisten Medien und von sich sozial deklarierenden Menschen und Parteien positiv dargestellt wird.
Wird Armut überwunden (Ziel 1 der UNO-Agenda 2030), kann auch Migration abnehmen. Migration wird aber – wie wir sehen werden – auch von der UNO gefördert. Die Förderung von Migration widerspricht Ziel 1, Ziel 2 (kein Hunger) und Ziel 16 (Frieden und Gerechtigkeit) der UNO-Nachhaltigkeits-Agenda 2030.

Seit der Flüchtlingskrise von 2015 ist die Migration für Bürger/innen ein heiss diskutiertes und damit auch ein spaltendes Thema. Es gibt Leute, die unbegrenzte Migration zulassen möchten und andere, die Mauern bauen wollen. In UNO- und WEF-Gremien wurde beschlossen, dass die neoliberale Globalisierung der offenen Grenzen für Waren und Kapital um den freien Personenverkehr erweitert werden soll. Dies bedeutet, dass Arbeitskräfte und Konsument/innen – in Form von Männern, Frauen und Kindern – sich ohne Grenzen bewegen können. Es bedeutet aber auch den totalen Konkurrenzkampf um die knappen Arbeitsplätze.

Am 10. Dezember 2018 (Tag der Menschenrechte) wurden der Migrations- und der Flüchtlingspakt von den meisten UNO-Mitgliedsstaaten in Marrakesch unterzeichnet.Migration wird als ökonomischer Segen deklariert, der nebenbei auch noch Menschenrechte stärken soll. Der „Global Compact for Migration“ ist ein „soft law“ und kann ohne mühsame Volksabstimmung von Ministern unterschrieben werden. Daraus entsteht dann „Völkerrecht“. Der Migrationspakt soll nicht verbindlich sein, obwohl der Begriff „Verpflichtung“ wiederholt vorkommt. Die Schweiz hat den Migrationspakt (noch) nicht unterschrieben, da das Parlament den unterzeichnungswilligen Aussenminister zurückgepfiffen hat.

Sowohl WEF wie auch UNO und EU begrüssen den Wachstumsmotor der wandernden Massen.

Dass Migration uns noch lange beschäftigen wird, ist garantiert. Der damalige Chef der internationalen Organisation für Migration (IOM) sprach schon 2014 am WEF von Migration als Megatrend. Er sprach von einer Milliarde Migranten global. Sowohl WEF wie auch UNO und EU begrüssen den Wachstumsmotor der wandernden Massen.

Bei Begegnungen mit Menschen aus Europa, Indien oder Afrika konnte ich immer wieder feststellen: Die meisten Menschen möchten am liebsten dort sein, wo sie verwurzelt sind – und zwar in Würde! An vielen Orten ist aber ein würdiges Leben immer weniger möglich. Warum eigentlich? Was sind die Ursachen von Migration und warum werden sie nicht abgebaut, sondern sogar verschärft (Gewalt, Freihandel)? Ist es wirklich damit getan, „Refugees Welcome“ auf Plakate zu kritzeln und „Wir schaffen das“ zu verkünden? Wer ist eigentlich „wir“?

Solange höchstens Symptome angepackt werden, muss man das Flüchtlings- und Migrationsdrama genauso wie das Finanz- und Schuldendrama als eine sich zuspitzende Katastrophe bezeichnen.

Die Fluchtursachen (Kriege, Ausbeutung) sind seit 2015 genau so wenig angepackt worden, wie die Ursachen der Finanzkrise von 2008. Das Wort „Krise“ ist allerdings unpassend. Solange höchstens Symptome angepackt werden, muss man das Flüchtlings- und Migrationsdrama genauso wie das Finanz- und Schuldendrama als eine sich zuspitzende Katastrophe bezeichnen. Falls wir weiterhin akzeptieren, was uns die Eliten vorgaukeln, dann fliegt uns der soziale Frieden um die Ohren – schneller und heftiger als uns lieb sein kann.
MigrationspaktAnalyse von Jürgen Fritz.
Definition Flüchtling, Migrant/in, Asylsuchende/r

Jahr 2000: UN Replacement-Migration, UNO Bestanderhaltungs-Migration Wer dieses bald 20-jährige UNO-Dokument liest, dem wird bewusst, dass Massenmigration seit längerem geplant wird. Ziel der UNO Abteilung für Bevölkerungsfragen ist es, der Schrumpfung der arbeitsfähigen Bevölkerung (15 – 64 Jahre) in europäischen Ländern entgegenzuwirken und zwar von aussen mittels Einwanderung. Für Deutschland wird eine Einwanderung von rund 500‘000 Menschen pro Jahr gefordert. Dass Deutschland mit einer schrumpfenden Bevölkerung ökologisch und sozial wesentlich besser dastehen würde, scheint diesen UNO-Funktionären nicht in den Sinn zu kommen.

Die UNO hat offenbar vergessen, warum sie gegründet wurde – nämlich für ein friedlicheres Zusammenleben. Die Forcierung der Massenmigration führt genau zum Gegenteil. Offenbar steht auch für die UNO ewiges Wachstum über der Lebensqualität, dem sozialen Frieden und dem Umweltschutz. Warum wird ausgeblendet, dass durch Automation gar nicht mehr so viele Arbeitskräfte gebraucht werden? Warum ist die gewaltige und unnütze Überproduktion kein Thema? Die durch Förderung der Migration fehlenden Arbeitskräfte in den Heimatländern der Migranten (Brain Drain), scheint die UNO-Manager auch kaum zu interessieren! (siehe Pressemitteilung der UNO)

George Soros stellt Forderungen an die EU

Im Oktober 2015 hat George Soros klargemacht, was die EU zu tun hat. Sie muss jährlich eine Million Flüchtlinge aufnehmen und 15‘000 Euro pro Flüchtling bezahlen. Für die USA oder die Saudis hat er keine konkreten Forderungen, obwohl vor allem sie wegen ihren Angriffskriegen für das grosse Elend verantwortlich sind. Wer ist Herr Soros? Er ist kein gewählter Politiker und trotzdem kann er vor dem EU-Parlament seine Pläne vortragen. Durch Wetten und Spekulationen konnte er das ergattern, was andere verloren haben – auch 2008. Und nun tritt er als Philanthrop auf. Soros betreibt durch seine Open Society Foundation viele NGOs, die mit den Zielen der US-Demokraten (die weder menschen- noch naturfreundlich sind) fast deckungsgleich sind. Soros ist auch beim WEF seit Jahren Stammgast. https://www.welt.de/debatte/kommentare/article147061754/George-Soros-Pl…

WEF und EU-Kommission nehmen Einfluss auf die UNO

Das WEF – als Plattform der 1000 reichsten transnationalen Unternehmen – befürwortet den Global Compact for Migration zu hundert Prozent: „Der Migrationspakt wird alle Länder direkt bevorteilen“ steht auf der WEF-Seite. 2012 bis 2014 erarbeitete eine WEF-Arbeitsgruppe mit dem Namen „Global Agenda Council on Migration“ (GAC) in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission ein Papier mit dem Namen „The Business Case for Migration“. Dieses Papier wurde im Mai 2013 in der UNO vorgestellt, um Migration schmackhaft zu machen: Migration ist gut fürs Geschäft; Wer Zuwanderung begrenzen will, ist ein Problem, weil das der Wirtschaft schadet. Das WEF hat eine öffentlich-private Koalition zur Förderung der Migration gebildet. Dass der „Global Compact for Migration“ vom WEF voll unterstützt wird, erstaunt also nicht.

Am WEF 2014 erklärt der damalige Chef der IOM (International Organization for Migratoin) William M. Swing dass Migration 1. unvermeidlich, 2. notwendig und 3. sehr erwünscht ist (Youtube, ab Minute 30). Swing redet von einer Milliarde Migranten, er spricht von einem „Megatrend“ und zwar mehr als ein Jahr, bevor die europäische Flüchtlingskrise von 2015 die meisten Europäer/innen überraschte. (Global Agenda Council) (Migration als Business-Case)

Wie kam es zum plötzlichen Anstieg an Migrant/innen nach Europa im Jahr 2015? Mit welchen Kosten/Gewinnen ist zu rechnen?
27.6.2015: Das UNHCR (Hochkommissariat für Flüchtlinge) schlägt Alarm, weil das Geld in den riesigen Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Syriens (Türkei, Libanon, Jordanien) immer knapper wird. Auch Deutschland hat seine versprochenen Beiträge nicht bezahlt. Da es nicht genug zu essen gab, waren die Flüchtlinge gezwungen, weiterzuwandern. Gemäss UNHCR sind dies die Gründe für den Anstieg der Flüchtlingszahlen auf der Balkanroute und übers Mittelmehr.

5.9.2015: Kanzlerin Merkel beschliesst, Flüchtlinge auch ohne Grenzkontrolle nach Deutschland einreisen zu lassen und sichert syrischen Flüchtlingen ein Bleiberecht zu. Dass dies eine Sogwirkung auslöste, liegt auf der Hand. Kein Wunder, wollten die meisten Migranten nach Deutschland. Dieser Entscheid hat dazu geführt, dass auch Kriminelle und Terroristen ohne Probleme nach Deutschland einwandern konnten.

Tal-Mina Zeitpunkt Flüchtlinge
3 Millionen Menschen könnte die klimatisierte Zeltstadt Tal Mina in der Nähe von Mekka aufnehmen. (Bild: screenshot youtube/epochtimes)

Natürlich muss man sich fragen, warum auch Deutschland die relativ bescheidenen Beiträge an das UNHCR nicht bezahlte, um die unmittelbare Not zu lindern und um die Flüchtlinge in der Nähe ihrer Heimat betreuen zu können. Man muss sich aber auch fragen, warum die Flüchtlinge nicht von ihren arabischen Geschwistern aufgenommen wurden. In der Nähe von Mekka zum Beispiel steht eine luxuriöse Zeltstadt für 3 Millionen Menschen bereit. Es gab aber kein „Refugees Welcome“ vom saudischen König. Also wandern die Notleidenden Richtung kaltes Europa und da muss auch Notgeld mobilisiert werden.

Prof. Dr. Hans-Werner Sinn berechnet die durchschnittlichen Kosten pro Migrant in Deutschland: Bis zum Lebensende muss mit 450‘000€ gerechnet werden. Für ihn ist es klar, dass die meisten Einwanderer Sozialhilfeempfänger bleiben werden. Deutschland beherbergt im Moment – konservativ gerechnet – 1.5 Millionen Migrant/innen was zu Kosten von über 670 Milliarden € führt. Und das ist erst der Anfang. (Bericht «Wochenblick»)

An diesem Geld ist natürlich eine riesige (private) Asylindustrie interessiert. Die Schweiz delegiert z.B. die Betreuung der Migranten der privaten ORS Service AG. Sie gehört unter anderem der Barclays Bank (gemäss ETH die einflussreichste Bank auf Erden) und ist bereits in vier Ländern tätig. Dass Banken an Kriegen massiv mitverdienen, ist bekannt. Nun gibt es auch noch Millionengewinne für die Nebeneffekte von Kriegen und Ausbeutungen.

Es ist also wahr, was WEF und UNO sagen: Migration ist gut fürs Geschäft – für das private Geschäft – müsste man hinzufügen. Für Gemeinschaften wie Deutschland hingegen wird die Belastung täglich extremer. Die zwei Billionen Euro Schulden werden also massiv zunehmen: Geförderte Migration destabilisiert Länder und macht sie noch erpressbarer. Dass die Milliarden von Euro in Afrika viel wirksamer, sinnvoller und zukunftsfähiger wären, kann sich jede/r selbst ausrechnen.

Junge Männer

Journalisten machen am liebsten Bilder von flüchtenden Familien. In Realität sind aber vor allem junge Männer auf dem Weg nach Europa unterwegs. Körperlich kräftige Menschen schaffen es am ehesten nach Europa. Diejenigen also, die es am nötigsten hätten (Frauen, Kinder, Gebrechliche), bleiben im Kriegsgebiet oder im Flüchtlingslager zurück, das häufig schlecht ausgestattet ist. Migration hat also dazu geführt, dass in Europa mehr Männer als Frauen leben. Für Deutschland bedeutet dies, dass etwa eine Million Männer keine Frau finden können. Das führt bei Einheimischen und bei Einwanderern zu Frust. Dieser Frust ist explosiv.

Kriege: primäre Flüchtlingstreiber

Seit 2001 wird von der „Wertegemeinschaft NATO“ (Ursula von der Leyen) ein Krieg nach dem andern vom Zaun gerissen. Hat dadurch der Terrorismus abgenommen? Kann mit Uranmunition, Streubomben und Drohnen Frieden gewonnen werden? 2011 wurde das reichste Land Afrikas durch die NATO (primär durch Frankreich, England und die USA) in Schutt und Asche gebombt. Präsident Gaddafi hat am 30.4.2011 – kurz bevor er ermordet wurde – die Europäer davor gewarnt, dass ein unkontrollierter Flüchtlingsstrom nach Europa kommen werde, falls die NATO Libyen zerstöre. Berlusconis Italien hat Libyen jedes Jahr Milliarden bezahlt, damit die Massenmigration in Schach gehalten werden konnte. 2008 sprach Human Rights Watch (HRW) von einem schmutzigen Deal und prangerte die Misshandlung von Gefangenen in libyschen Gefängnissen an. Völkerrechtswidrige Kriege der NATO/USA werden aber von HRW praktisch nie verurteilt.

Dass Kriege Flüchtlinge „produzieren“, versteht jedes Kind. Deshalb muss es erste Priorität sein, Kriege zu verhindern (Einhaltung der UNO-Charta Art. 2, Gewaltverbot), Kriegsmaterial-Exporte zu verbieten und alle Kriegsverbrecher zu verurteilen. Wie so häufig werden die Kleinen verurteilt während die ganz Grossen (Clinton, Gore, Bush, Cheney, Blair, Obama, Clinton, Sarkozy, Trump etc.) nicht einmal vor ein Tribunal kommen. „Fluchtursachen“ ist seit 2015 ein geflügeltes Wort. Frau Merkel wird als Menschenfreundin bejubelt, weil sie 2015 Hunderttausende von Menschen unkontrolliert hat einwandern lassen. Doch es gibt noch andere Seiten von Frau Merkel: Deutschland als viertgrösster Waffenexporteur, hat die Rüstungsexporte in den Nahen Osten von 2013 bis 2016 verdoppelt und will auch das eigene Kriegsbudget bis 2024 (auf 80 Milliarden) verdoppeln.
Auch die „humanitäre Tradition“ der Schweiz ist schwer zu vermitteln, wenn Waffen in Bürgerkriegsgebiete exportiert werden! Dagegen läuft zurzeit eine Unterschriftensammlung.

Ungerechter Handel und verweigerte Familienplanung führen zu immer mehr Elend. Dies fördert Massenflucht

Die Schuldenberge nehmen Jahr für Jahr zu. Wenn Länder für private Banken nicht mehr kreditwürdig sind, dann „hilft“ der IWF (Internationaler Währungsfond). Diese „Hilfe“ wird mit Strukturanpassungsprogrammen gewürzt, die z.B. die Privatisierung von lukrativen Staatsbetrieben vorsieht. Es kann sich um Hafenanlagen, Erdölfelder, Kupferminen oder um die Wasserversorgung handeln. Die Forderungen des IWF kann auch zu höheren Steuerlasten führen. Wer verschuldet ist, ist erpressbar und machtlos. Dies gilt auch für diejenigen, die offiziell an der Macht sind. Seit der Finanzkrise von 2008 haben die Schulden der Staaten und der Zivilbevölkerung massiv zugenommen. Die Experten und Politiker haben die versprochenen Ursachenbehandlungen nie angepackt. Auch die Entwicklungshilfe hat versagt. Die Schere zwischen Arm und Reich, war noch nie so extrem wie zurzeit. „Partnerschaftsabkommen“ zwischen Industrie- und Entwicklungsländern führen zusätzlich dazu, dass den Einheimischen die Lebensgrundlagen entzogen werden. Wer weniger Fluchtgründe will, engagiert sich bei der Konzernverantwortungs-Initiative.
Ein Bericht von Urs P. Gasche auf infosperber behandelt die (subventionierte) Ausbeutung Afrikas durch die Industrieländer und macht auf das verweigerte Menschenrecht auf Familienplanung (fast alle Hilfswerke ignorieren es) aufmerksam. Die Afrikanische Bevölkerung soll sich also weiterhin alle 30 Jahre verdoppeln, was die meisten Hilfsindustrie-Experten nicht kümmert. Gasche empfiehlt echte Ursachenbehandlung.

Schlussgedanken

Einer der bekanntesten Flüchtlinge ist der Dalai Lama. Im Tibet sind die Einheimischen eine Minderheit, weil seit den 1960er Jahren die chinesische Führung dafür sorgte, dass immer mehr Chinesen einwanderten. Als ich 1985 in Tibet war, hatten die Einheimischen bereits nichts mehr zu entscheiden. Tibeter/innen wurden ähnlich behandelt, wie die indianische Urbevölkerung in den USA, oder die Aborigines in Australien. Seien wir uns bewusst, dass dies auch bei uns passieren kann. Der Dalai Lama sagte schon 2016 in einem FAZ- Interview bezüglich Migranten: „Es gibt zu viele jetzt.“ Er gehe „auch aus moralischer Sicht“ davon aus, „dass Flüchtlinge nur zeitlich begrenzt aufgenommen werden sollten“. Und weiter: „Deutschland kann kein arabisches Land werden … Deutschland ist Deutschland.“ Am 12.9.2018 besuchte der Dalai Lama Schweden. In Malmö sagte er: „Empfangt sie (die Flüchtlinge), helft ihnen, bildet sie aus … aber letztendlich sollten sie nach Hause, um ihr eigenes Land zu entwickeln.“ Die Empfehlungen des Dalai Lama sollten wir ernst nehmen, bevor es zu spät ist. Deshalb sind alle aufgerufen, gegen die als alternativlos deklarierte Umsiedlungsstrategie von WEF, EU, und UNO aufzustehen. Wir – also Du und ich – müssen uns dafür einsetzen, dass die gewalttätigen Ursachen von Migration (Kriege, ungerechter Handel, Ausbeutung) enden, damit Menschen dort in Frieden leben können, wo sie (auch kulturell) verwurzelt sind. Kommen wir nochmals auf den Anfang zurück: Migration ist ein Zeichen von Armut und Elend. Deshalb ist es wichtig, die Ursachen von Flucht und Migration zu bekämpfen. Nur so kann die Lebensqualität von uns allen gewährleistet werden.

Die Flüchtlingshelfer Doku: https://www.youtube.com/watch?v=nsCBN4sHHSA
Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission aus dem Jahr 2009 berechnet, dass die EU noch über 3 Milliarden(!!!) Migrant/innen (3 x Afrika) aufnehmen kann.

Er hat den Datenschutz in Europa erstritten — ZEITPUNKT

http://www.zeitpunkt.ch/er-hat-den-datenschutz-europa-erstritten

Er hat den Datenschutz in Europa erstritten

Chapeau für Maximilan Schrems
(Foto: Wikimedia)

Er ist natürlich nicht der einzige Jurist, der sich für die gerechte Sache einsetzt, anstatt für die Interessen zahlender Kunden. Aber der 31-jährige Österreicher Maximilan Schrems ist einer, den sich mancher Anwalt zum Vorbild nehmen dürfte. Schon während seines Studiums in Wien befasste sich Schrems vorwiegend mit IT-Recht und Datenschutz. Der Groschen ist vermutlich während eines Auslandsemesters in Kalifornien gefallen, wo er Vertreter von Facebook traf.

2011 reichte er beim irischen Data Protection Commissioner (DPC) 16 Anzeigen gegen Facebook wegen Datenmissbrauchs ein. Die irische Datenschutzbehörde ist ein zahnloser Tiger, was neben der eklatanten Steuervorteile der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass Facebook, Google und Apple dort ihren Europasitz haben. Der DPC mauerte, wo er konnte, und Schrems zog seine Klagen wegen Aussichtslosigkeit zurück. Aber er gab nicht auf. 2013 reichte er neue Klagen aufgrund der Erkenntnisse aus dem Prism-Skandal ein, die schliesslich vom irischen High Court dem Europäischen Gerichtshof zur Entscheidung vorgelegt wurden. Dieser kam 2015 zum Schluss, dass das sog. Safe-Harbour-Abkommen aus dem Jahr 2000 ungültig sei. Dieses die Verarbeitung sensibler Daten auch ausserhalb der EU vor, wenn gewisse Regeln eingehalten würden – was offensichtlich nicht zutraf.

Dies führte zur «Datenschutzgrundverordnung» (DSGVO) der EU, die seit Mai 2018 angewendet werden muss, bzw. müsste. Denn die Verordnung wird von den Datenkraken umgangen, ist Schrems überzeugt. Unter anderem sieht sie ein «Koppelungsverbot» vor, nach dem man Dienstleistungen nicht mehr davon abhängig machen darf, ob ein Nutzer seine Zustimmung zur Datennutzung abgibt. Schon am ersten Tag hat er deshalb Beschwerden gegen Facebook und Co. eingebracht. Die Höchststtrafe liegt bei über einer Milliarde euro.
Europa kann froh sein, dass es von so hartnäckigen Menschen wie Maximilian Schrems und seinen Kolleginnen und Kollegen vom «Europäischen Zentrum für digitale Rechte» bevölkert wird. Sie machen mit Spenden den Job, für den eigentliche unsere Regierungen bezahlt werden.

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.

Zürich psst! –ZEITPUNKT

http://www.zeitpunkt.ch/zuerich-psst

Die lauteste Stadt der Schweiz kann auch still. Ganz besonders in der Woche vom 23. bis 30. Juni 2019. Dann finden in Zürich über 60 kostenlose öffentliche Veranstaltungen zum Thema Stille statt. Darunter sind geführte Spaziergänge, Meditations- und Bewegungsangebote, Klangerlebnisse und Filme.
(Bild: Sir Robin)

Was haben eine Glühwürmchen-Pirsch, eine Kontemplation und der Drehtanz der Derwische gemeinsam? «Die Suche nach Stille, beziehungsweise die Suche nach dem, was in der Stille erfahrbar wird», sagt Tanja Gentina, Projektleiterin derVeranstaltungswoche «Stilles Zürich» vom 23. bis 30. Juni 2019. Mit dieser wolle der Verein «Stilles Zürich» einen Kontrapunkt setzen zu der Getriebenheit und dem Getöse der Stadt. Aus den Erfahrungen von Zur-Ruhe-Kommen und Gewahrsein sollen sich positive Impulse für die Besucherinnen und Besucher und die Stadt entfalten.

Stille Wege und Orte entdecken

Über 60 verschiedene Veranstaltungen laden dazu ein, poetisch, erkundend und mit allen Sinnen das Thema Stille zu erleben. Sie werden kostenlos von rund 40 Organisationen und Personen aus Zürich angeboten, darunter Kirchgemeinden, Meditationsschulen, Stadtführerinnen, Bewegungslehrer und Kunstschaffende. «Wer in Zürich im Bereich Stille wirkt, kann ein Angebot einreichen und sich vernetzen. Die Besucherinnen und Besucher wiederum erhalten die Gelegenheit, innere und äussere Wege und Orte der Stille zu entdecken und gemeinsam zu pflegen», erklärt Tanja Gentina.
Doch was meint der Verein genau mit ‹Stille›? «Uns geht es weniger um Lärmfreiheit als um Entschleunigung und Innehalten», sagt Tanja Gentina. «Um die positive Wirkung von Stille, um ein friedliches Miteinander und den Dialog von Personen verschiedener Glaubensrichtungen.»

Erste Schweizer Woche der Stille

Zürich ist die erste Stadt, die in der Schweiz still wird. In Deutschland werden schon seit einigen Jahren «Wochen der Stille» angeboten, so in Freiburg, Frankfurt und Wiesbaden.
Initiiert wurde die Veranstaltungswoche «Stilles Zürich» von der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nach dem Erfolg der Pilotwoche im Juni 2017 mit über 700 Besucherinnen und Besuchern wurde der Verein Stilles Zürich gegründet, der «Stilles Zürich» alle zwei Jahre durchführen will.

Programm und Informationen: www.stilles-zuerich.ch

Wenn nur Härte wirkt — ZEITPUNKT

http://www.zeitpunkt.ch/wenn-nur-haerte-wirkt

Die Strategie der Nulltoleranz ist sehr effizient in der Verbrechensbekämpfung. Sie wird nur nicht für alle gleich angewendet.
Illustration: ron&joe

Auch wer New York City nicht mag, muss anerkennen, dass sie sich in 25 Jahren von einer hochgefährlichen, zugemüllten Stadt zur sichersten Metropole der USA gemausert hat. Das will zwar nicht viel heissen. Die Schweiz mit knapp derselben Bevölkerungszahl verzeichnet achtmal weniger Morde – 45 im Gegensatz zu 335 in New York. Aber der Wandel der Stadt ist erstaunlich.

Begonnen hat die Trendwende mit der 1982 veröffentlichten «Broken-Windows-Theorie» der US-Sozialforscher James Q. Wilson und George L. Kelling. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen urbanen Verwüstungen und Kriminalität und erklärten, ein zerbrochenes Fenster müsse schnell wieder repariert werden, um weitere Delinquenz zu verhindern. Ihre Studie befasste sich zwar nicht mit den Ursachen der Verlotterung, und sie gilt unter Soziologen auch als «unterkomplex». Aber sie entfaltete Wirkung.

Schwarzfahrer wurden bis zu fünf Tage in Polizeigewahrsam genommen. Das ist zwar keine Gefängnisstrafe, aber gefühlt vermutlich gleichwertig.

Daraus entwickelte sich die polizeiliche Nulltoleranz-Strategie, bei der jedes Vergehen konsequent geahndet und auch bei Regelverstössen unterhalb der Straftatengrenze eingeschritten wird, z. B. bei aggressivem Betteln oder Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Das Konzept wurde unter dem neuen republikanischen Bürgermeister Rudy Giuliani 1994 mit harten, öffentlichkeitswirksamen Massnahmen in den heruntergekommenen U-Bahnen eingeführt. Schwarzfahrer wurden bis zu fünf Tage in Polizeigewahrsam genommen. Das ist zwar juristisch keine Gefängnisstrafe, aber gefühlt vermutlich gleichwertig. Mit ständigen Kontrollen bekämpft wurden auch der illegale Waffenbesitz und der Drogenhandel. Die Absicht war, den Drogenhandel durch Verfolgung der Kleindealer von unten auszudünnen. Der sog. «beer and piss»-Erlass stellte das Betteln in öffentlichen Verkehrsmitteln und das Pinkeln im öffentlichen Raum unter Strafe. Und im Rahmen der «Operation Sound Trap» wurden überlaute Motorräder, Pkws mit dröhnender Musik etc. aus dem Verkehr gezogen.
Das Konzept erforderte z. T. schärfere Gesetze, schnellere Verfahren und deutlich mehr Polizeipersonal mit erweiterten Kompetenzen. Wer auch kleine Verstösse ahnden will, kann nicht lange fackeln.

Die Härte gegen aussen hatte für die Polizei auch Härte gegen innen zur Folge. Mit detaillierten Statistiken wurden die einzelnen Polizeibezirke einem Wettbewerb unterstellt. Die Chefs der Bezirke mussten ihre Leute besser kontrollieren und über Fälle in ihrem Verantwortungsbereich umfassend Auskunft geben können. An den wöchentlichen Meetings werden noch heute einzelne Bezirkschefs zufällig ausgewählt und vor den 150 Teilnehmern gegrillt. Wer die Details zu einzelnen Verbrechen nicht kennt, wird – ganz amerikanisch – versetzt oder gefeuert.

Die unzimperlichen Massnahmen waren nicht unumstritten, aber erfolgreich. Viele Stadtgebiete, in die sich die Polizei vorher nicht mehr wagte, wurden sicherer. Die Bewohner begannen, sich wieder für ihre Nachbarschaften zu interessieren. Und die Zahl der jährlichen Morde sank von 2000 auf nunmehr 335. Heute ist New York die sicherste Metropole der USA. Am anderen Ende der Statistik befindet sich Chicago, das zwar viel härtere Waffengesetze hat, sie aber nicht durchsetzt. Chicago als drittgrösste Stadt der USA mit 2,3 Mio. Einwohnern zählt 763 Morde im Jahr, mehr als die beiden grössten Städte New York (8,5 Mio.) und Los Angeles (3,9 Mio.) zusammen. (welt.de: Warum Chicago in Gewalt versinkt und New York lebt)

Das Beispiel New Yorks machte weltweit Schule. Viele Polizeiverantwortliche pilgerten an den Hudson River, fuhren mit auf Streife, liessen sich die Statistiken erklären und nahmen an den gefürchteten Rapporten teil. Aber wirklich durchsetzen konnte sich die harte Linie in Europa nicht. Beispielhaft dafür ist die Nulltoleranz-Strategie des Berliner Senats gegenüber Drogenkonsumenten im Görlitzer Park von 2015. Die Strategie wackelte schon am ersten Tag, als ein junger Mann wegen Besitzes von 0,117 Gramm Gras vor Gericht gebracht, aber nicht verurteilt werden konnte, weil das Bundesverfassungsgericht den Besitz geringer Mengen für den Eigengebrauch von der Strafe ausgenommen hatte. Dieses richtungsweisende Urteil war natürlich schon vor der lautstarken Ankündigung der Nulltoleranz-Strategie bekannt.

Trotz des Erfolgs in New York City ist die Nulltoleranz-Strategie nicht unumstritten. Kurt Mühler, Professor für Soziologie an der Uni Leipzig und u. a. Experte für abweichendes Verhalten, bestreitet nicht, dass damit die Kriminalität gesenkt werden könne. Die Frage sei vielmehr, zu welchem Preis dies geschehe, z.B. in Form von Einschränkung der Handlungsfreiheit und der demokratischen Rechte. (Kurt Mühler: Zum Einfluss der Wahrnehmung von Unordnung auf das Sicherheitsempfinden)
«Unangemessene Härte kann Frustration aufbauen, was sich früher oder später in auffälliger Form manifestiert», sagt der Luzerner Rechtssoziologe Umberto Hollenweger auf Anfrage. Es brauche in der Gesellschaft «Platz für Verspieltheit». Hollenweger ist Gründer der ersten Rechtspermanence der Schweiz, die rund um die Uhr Hilfe bei juristischen Problemen und Rechtskurse für Laien anbietet.

Den Schwierigkeiten bei der Umsetzung zum Trotz wird für immer mehr Regelverstösse die Nulltoleranz gefordert. Ein paar Beispiele:
• «Nulltoleranz für Belästigung in der Badi» kündigte die Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher im April 2018 an.
• «Nulltoleranz für gefälschte Arzneimittel» soll nach Ansicht des neugegründeten schweizerischen Verbandes für die Verifizierung von Arzneimitteln SMVO gelten.
• «Nulltoleranz … gegen sexuelle Übergriffe und Missbrauch» forderte das Eidg. Departement des Äusseren im Oktober an einer Konferenz der OECD.
• «Nulltoleranz gegenüber radikalem Islam in der Schweiz», SVP-Delegiertenversammlung vom Oktober 2017.
• «Nulltoleranz gegenüber Täterinnen und Tätern», Fachstelle für häusliche Gewalt der Polizei des Kantons Thurgau.
In allen diesen Fällen fehlen den Forderungen entweder die breite Akzeptanz, oder die Mittel zur Durchsetzung: Überwachung, Personal und schnelle Verfahren. Ist dies der Grund, warum die Polizeibehörden auf die Frage, wo in der Schweiz eine Null-Toleranz-Strategie umgesetzt wird und mit welchen Regeln und Erfahrungen, ausgesprochen wortkarg reagieren. Die Konferenz der Sicherheitsdirektoren, zuständig für den politischen Entscheid, verwies an die Konferenz der Polizeikommandanten. Deren Medienstelle liess ausrichten, sie könne die Frage nicht beantworten.

Nulltoleranz ist offenbar eher etwas, das gefordert, angekündigt oder angedroht, aber nicht umgesetzt wird. Von Ausnahmen abgesehen, funktioniert sie vermutlich auch nicht wirklich. Zum Einen müsste sie für alle gleich angewendet werden, also nicht nur für Schwarzfahrer in der U-Bahn, sondern auch für Steuerhinterzieher auf den Teppichetagen. Und zum Anderen weiss man aus der Wirtschaft, dass die Vermeidung jedweder Fehler teuer ist und die Motivation hemmt. Das Schöne an den Fehlern ist ja, dass man aus ihnen lernen kann.

Mehr zum Thema «weich | hart» in Zeitpunkt 159

 

22. MÄRZ 2019 
VON: 

   

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.