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Gesundheitsgefahren — Zeitpunkt

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Eine Warnung vorweg: Ich gefährde Ihre Gesundheit!

Die WHO hat soeben die Impfkritiker in die Liste der zehn grössten Bedrohungen der Weltgesundheit aufgenommen, zusammen mit Luftverschmutzung, Krebs, Antibiotikaresistenz oder Pandemien. Ich stehe vielen Impfungen kritisch gegenüber, weil sie im Gegensatz zu Medikamenten ziemlich unwissenschaftlich geprüft werden.

Man erkrankt beispielsweise nicht an Masern, stirbt dafür früher an einer anderen Krankheit.

Während Medikamente ihre Wirkung in placebo-kontrollierten Doppelblindstudien unter Beweis stellen müssen, genügt bei Impfungen  eine Erhöhung der Antikörper im Blut der Geimpften.Die Wirkung wird nicht getestet. Tatsache ist: Die beiden einzigen Studien der WHO über die langfristige Wirksamkeit (die jahrelang unter Verschluss gehalten wurden), zeigen zwar beide eine erhöhte Widerstandskraft gegen die Krankheiten, gegen die geimpft wurde, aber eben auch eine erhöhte Mortalität der Geimpften gegenüber den Ungeimpften. Man erkrankt beispielsweise nicht an Masern, stirbt dafür früher an einer anderen Krankheit. Solange nicht seriöse Wissenschaft eingeführt wird, bleibe ich also kritisch und nehme das Risiko auf mich, als Gesundheitsgefahr eingestuft zu werden. (Mehr dazu in ZP 123 «Impfen und die Optimierung des Angstniveaus») Seien Sie vorsichtig, falls Sie überhaupt weiterlesen wollen. Denn jetzt geht es nicht um eine Kinderkrankheit, sondern um Revolution.

Wer sechzig Jahre oder älter ist, kann sich noch an die Kulturrevolution (1966 bis 1976) erinnern. Universitäten und Schulen in China blieben ein Jahr lang geschlossen und jugendliche rote Garden zogen durchs Land und zerstörten alles, was nach traditioneller Kultur aussah: Bilder, Bücher, Musikinstrumente. Künstler, Intellektuelle und Funktionäre wurden gnadenlos verfolgt und in aller Öffentlichkeit gequält, ermordet oder für Jahre in Arbeitslager geschickt.

Es genügte der leiseste Verdacht; wer einen «Volksfeind» auch nur kannte, war selber einer. Mit der von ihm verordneten Anarchie stellte Mao seine Macht wieder her, die durch das katastrophale Ergebnis seiner Wirtschaftsreform geschwächt war. 45 Millionen Hungertote hatte der «Grosse Sprung nach vorn» (1958 bis 1961) gefordert. In den Führungsgremien hatten Pragmatiker wie Deng Xiaoping die Mehrheit übernommen, die von der Kulturrevolution alle weggefegt wurden.

Das Ziel der Kulturrevolution war nicht die Demokratisierung, obwohl sie mit der Macht der Massen spielte. Ihr Ziel war die Beseitigung aller kritischen Stimmen durch Kräfte, die zwar von der Spitze der Pyramide kontrolliert wurden, aber jenseits des geltenden Rechts agierten.

Was sind die Parallelen zum heutigen Westen? Die Globalisierung hat die Grenzen ihres Nutzens längst überschritten. Sie hat sich auf ein Konzept zum Erhalt und Ausbau neofeudaler Strukturen reduziert und hinterlässt auch im Westen nicht nur «gefühlte Verlierer». Was die Menschen auf die Strasse treibt, ist reale Ungerechtigkeit und echte Perspektivlosigkeit.

Was die Kritiker sagen, spielt kaum eine Rolle und ob es wahr ist, schon gar nicht.

Und was tut der Apparat der Eliten? Er denunziert die Kritiker links und rechts des Mainstreams als Populisten, Russland-Versteher, Verbreiter von Fake News oder Verschwörungstheorien und verweigert ihnen eine Plattform in den «Qualitätsmedien», die sich heute in den meisten Ländern in wenigen Händen befinden. Was die Kritiker sagen, spielt kaum eine Rolle und ob es wahr ist, schon gar nicht. Verbindet man die Macht der Massenmedien mit den Kontrollmöglichkeiten der Datenkraken und der Geheimdienste, ergibt sich eine Kulturrevolution, mit der die herrschenden Eliten den Zusammenbruch ihres Wirtschafts- und Demokratiemodells zu verhindern versuchen.

Wie schamlos dabei vorgegangen wird, zeigt das Beispiel der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Tulsi Gabbard aus Hawaii, des ersten hinduistischen und samoischen Mitglieds des US-Repräsentatenhauses und Kritikerin der imperialen Politik der USA. Am 1. Februar verbreitete das TV-Netzwerk NBC eine Geschichte, nach der Gabbards Kandidatur von Russland unterstützt werde, wie eine Analyse der sozialen Medien ergeben hätte.

Was der Bericht verschwieg: Die Analyse stammte von einer Firma namens «New Knowledge», die sechs Wochen zuvor dabei erwischt worden war, falsche russische Roboteraccounts auf Facebook und Twitter installiert zu haben. «Wir orchestrierten eine ausgeklügelte Operation unter falscher Flagge mit der Idee, dass die Kampagne (des republikanischen Senatskandidaten in Alabama) in den sozialen Medien von einem russischen Botnet verstärkt werde», heisst es in einem internen Bericht von New Knowledge, den die New York Times veröffentlichte. New Knowledge steht auch hinter «Hamilton 68», einem Monitor russischer Internetaktivitäten, der von den Qualitätsmedien gerne zitiert wird. (Mehr dazu: The Mainstream Media’s Smearing of Tulsi Gabbard, Truthdig)
Zusammengefasst: New Knowledge fabriziert falsche russische Bots, misst ihre Aktivität mit einem eigenen (unbekannten) Algorithmus, veröffentlicht sie und denunziert damit missliebige Politiker.

Die Kulturrevolution von heute ist also etwas komplizierter als die von Mao Zedong, und die Gegenmassnahmen haben auf dieser Seite keinen Platz mehr. Ich schliesse deshalb mit einem Zitat des Ausnahmeintellektuellen Noam Chomsky: «Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung machen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.»

Weiche Macht — Zeitpunkt

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Weiche Macht

Nichts ist mächtiger, als Feindschaften hinter sich zu lassen.

Harte Macht prägte viele tausend Jahre lang die Geschichte und war das Kennzeichen männlich geprägter Gesellschaften. Weiche Macht löst Konflikte im Umgang mit Natur und Mensch anders. Sie sucht das Gemeinsame und löst die Widersprüche ohne Kampf auf. Sie kann die harte Macht besiegen.

Weich ist nicht gleich schwach, so viel wusste ich bereits. Aber dass Weichheit eine Macht sein kann, machten mir die Bücher zweier wunderbarer Frauen bewusst: «Mit sanfter Macht» von Scilla Elworthy und «Weiche Macht» von Sabine Lichtenfels. Letztere schreibt: «Weiche Macht ist ein Ordnungsprinzip, dem sich auf Dauer auch die härtesten Männer fügen, wenn sie merken, dass es darin keine Rache, keine Bestrafung und keine Hintergedanken gibt. Weiche Macht ist ein Prinzip der Evolution, das sofort in Kraft tritt, wenn sich das Prinzip des Vertrauens durchsetzt.»

Seit damals schaue ich bei vielen Ereignissen anders hin:
Eine biegsame Jungtanne übersteht den Orkan, während ringsum Betonpfeiler zu Bruch gehen.
Ein Mensch kann einen Eisenturm zum Einstürzen bringen, indem er ihn in Schwingung versetzt.*

Macht hat einen schlechten Ruf – aber wir brauchen sie, um zu helfen
Ich habe Ähnliches erlebt: Im Kampfsport unter Frauen war ich die beste in der Übung, mit schierer Kraft mein Gegenüber niederzuringen – bis eine viel ältere Kollegin mich einfach nur zart umarmte, und mir so meine ganze Körperkraft und Entschlossenheit raubte. Ich mag zwar stärker gewesen sein, sie aber war mächtiger. Kann diese Macht helfen, eine humanere Kultur aufzubauen?
Macht hat einen schlechten Ruf. Als Aktivisten sind wir auf der Seite der Ohnmächtigen und Unterdrückten. Aber um ihnen zu helfen, brauchen wir Macht: Nicht gegen etwas oder jemanden, nicht die harte Macht.
Harte Macht prägte viele tausend Jahre lang die Geschichte. Ihr Kerngeschäft war das Brechen von Widerständen: Ob in Eroberungszügen oder Religionskriegen, in Erziehungsmethoden, in der Technik oder im Umgang mit der Natur. Harte Macht war das Kennzeichen männlich geprägter Gesellschaften.

Die harte Macht mit weicher Macht besiegen
Wer aber das Brechen von Widerständen für männlich hält, liegt falsch. Männer die das glauben, brauchen weibliche Solidarität und Unterstützung, um die weichen, kraftvollen, schützenden und umsichtigen Männer zu werden, die wir uns alle wünschen. Weiche Macht bekämpft nicht den Gegner, sondern bezieht ihn ein. Politischer Widerstand im Sinne der weichen Macht bedeutet, uns vor Augen zu führen, dass auch wir uns in der Lage des «Gegners» befinden könnten.
Es macht also keinen Sinn, ihn zu verurteilen oder persönlich anzugreifen. Vielmehr sollten wir uns fragen: Was haben wir gemeinsam?

Nichts ist radikaler, als die Feindschaft hinter uns zu lassen
Neben einem klaren Nein – z.B. gegen eine Waldrodung – steht dann ein Ja. Steht die Frage: Wie muss das Ziel aussehen, damit es auch den Gegnern zugutekommt, so dass sie nachgeben können, ohne ihr Gesicht zu verlieren? Wie kann man der Industrie (der Polizei, der Politik) vermitteln, wie sehr auch sie z.B. von alternativen Technologien profitieren? Mit diesen Prinzipien arbeitet Scilla Elworthy seit Jahrzehnten erfolgreich.
Für radikale Aktivisten sind das herausfordernde Gedanken. Aber was ist radikaler (im Sinne von «an die Wurzel gehend»): Den Feind zu vernichten oder das Konzept der Feindschaft hinter uns zu lassen?

Zurückschlagen oder weglaufen?
Weiche Macht taugt auch zur Verteidigung gegen Angriffe. Schlage ich zurück oder laufe ich panisch weg, schüre ich die Energie des Angreifers. Doch ich kann Angriffen – sei es vom politischen Gegner oder vom Liebespartner – ausweichen wie ein Schwan. Ich muss mich nicht mit dem identifizieren, was der andere in mir angreift. Die Wut des anderen läuft ins Leere, wenn ich keine Angriffsfläche biete. Anschliessend kann man sich wieder als Menschen begegnen.

Die Macht der Resonanz
Weiche Macht ist die Macht der Resonanz. In der Physik ist Resonanz das «Mitschwingen eines Körpers mit einem anderen». Das bedeutet: Wir verschliessen uns nicht vor dem Gegenüber oder dem Widerstand, sondern öffnen uns, nehmen ihn – hinter seinen Masken und seinem Emotionalkörper – wahr. So gehen wir in Resonanz mit seiner Wahrheit.
Eine Gesellschaft, der dies bewusst ist, die das berücksichtig, im Schulsystem, in der Konfliktlösung, im Umgang mit Natur und Mensch, ist eine Kultur der weichen Macht.

Sabine Lichtenfels: Weiche Macht – Perspektiven eines neuen Frauenbewusstseins und einer neuen Liebe zu den Männern. Meiga Verlag, 2018, CHF 19.60.

Scilla Elworthy: Das weibliche Prinzip, Droemer Verlag, 1999, CHF 8.–.

 

Mehr zum Thema «weich | hart» in Zeitpunkt 159

Die Sonne bringt es an den Tag — Zeitpunkt

http://www.zeitpunkt.ch/die-sonne-bringt-es-den-tag

Aus Sonnenlicht Wärme zu gewinnen, ist viermal effizienter als Photovoltaik. Warum hat die Wirtschaft dieses grosse Potenzial bisher nicht genutzt?
Immer ein Ereignis: das erste selbst gebackene Brot. Im Hintergrund der Konzentrator, der das Sonnenlicht bündelt und in den Ofen schickt. (Foto: Solar Fire ­Concentration Oy)

Solarkochkisten waren der Hit der frühen Umweltbewegung. Die Garzeit für ein Risotto betrug zwar Stunden. Und wenn Wolken aufzogen, gab es das Mittagessen erst abends. Heute sind Kochkisten Museumsstücke aus der Urzeit des Solarzeitalters.

Aber etwas bleibt: Solarthermie, die Gewinnung von Wärme aus Sonnenlicht, ist mehr als viermal effizienter als die teure Photovoltaik. Das ist vor allem in Gebieten mit viel Sonne, wenig Geld, unsicherer Stromversorgung oder wenig Brennstoff ein entscheidender Vorteil. Also in den meisten Gebieten der Erde.

Das hat auch der Solothurner Bauernsohn Urs Riggenbach erkannt. Er war 16 Jahre alt, als er an einem Vortrag am örtlichen Gymnasium von der Möglichkeit erfuhr, die Matura an einer Einrichtung der «United World Colleges» (UWC) zu machen. Er kam nach Hause und eröffnete seinen erstaunten Eltern, er würde die letzten beiden Jahre an einem College in Indien absolvieren, was er nach einigen Diskussionen und mithilfe eines Stipendiums auch durchsetzte. Mit einer UWC-Matura kann man überall studieren, nur in der Schweiz sind Zusatzprüfungen nötig.

Also entschied sich Urs Riggenbach für ein Studium am «College of the Atlantic» in Bar Harbour in Maine, USA, an dem man ausschliesslich «Humanökologie» studieren kann. Ein solcher Abschluss hat bei den Personalchefs zwar keinen grossen Marktwert, dafür kann man sein Curriculum weitgehend selber bestimmen. Von Astrophysik über Solararchitektur bis zum Bierbrauen ist ungefähr alles möglich, solange sich genügend Studenten dafür interessieren und ein Dozent gefunden werden kann. Das College of the Atlantic wurde 1969 von lokalen Unternehmern und Friedensaktivisten gegründet, hat rund 300 Studentinnen und Studenten und wurde in einem Ranking des Magazins US News and World Report soeben als eine der innovativsten und wertvollsten («best value») Schulen der USA bezeichnet.

Nach vier Jahren Studium entschied sich Urs Riggenbach in seiner Abschlussarbeit den Bau einer Solaranlage für das Rösten und Mahlen von Landwirtschaftserzeugnissen in Nepal zu konzipieren. Als er dort 2012 auf Probleme stiess und nach Lösungen googelte, traf er auf den Finnen Eerik Wissenz, der schon einige Jahre an denselben Aufgaben tüftelte und zufälligerweise gerade in Indien war. Die beiden trafen sich, und es entstand weit mehr als nur eine Freundschaft.

Man muss den Leuten vor Ort zuerst zeigen, wie man mit der Technologie ins Geschäft kommt und erst dann eine lokale Produktion für den Bau der Geräte aufbauen.

Als erstes bauten sie auf dem Bauernhof der Eltern in Solothurn einen verbesserten Prototyp, der das Sonnenlicht über speziell angeordnete Spiegel sammelt und zum Backofen, Kochherd oder Röster leitet und Temperaturen bis zu 350 Grad und mehr erreicht. Damit konnten sie ein Crowdfunding über mehrere Tausend Dollar und Pilotprojekte in Haiti, Kenia, Tansania verwirklichen. Diese wurden zudem durch Sponsoren und Zuschüsse von gemeinnützigen Organisationen wie der Autodesk Foundation unterstützt. Die Pilotprojekte ergaben, dass der wirksamste Weg zur Verbreitung der Technologie über Kleinunternehmen, Bäckereien, Röstereien und Restaurants führt, die damit Geld und Energie sparen, einen direkten finanziellen Nutzen erzielen und erst noch CO2 reduzieren können.
Ein weiteres Ergebnis: Man muss den Leuten vor Ort zuerst zeigen, wie man mit der Technologie ins Geschäft kommt und erst dann eine lokale Produktion für den Bau der Geräte aufbauen. Ein besonderer Moment der zweiwöchigen Workshops sei jeweils der Tag, an dem die Teilnehmer mit ihren Backwaren auf den Markt gingen und mit selbst verdientem Geld wieder zurückkämen, erzählt Urs Riggenbach.

Solar concentration Zeitpunkt Wissenz Riggenbach
Junge Pioniere: Erik Wissenz, Urs Riggenbach

Getragen wird die «GoSol»-Initiative von der Firma «Solar Fire Concentration Oy» in Tampere/Finnland. Das neunköpfige Team besteht aus jungen Leuten aus Finnland, Kanada, Grossbritannien, Frankreich, Vietnam, Kenia und der Schweiz.
Bis jetzt wurden die Einrichtungen jeweils von GoSol-Leuten gebaut, allerdings mit vor Ort erhältlichem Material. In einem nächsten Schritt sollen die Geräte in Zusammenarbeit mit lokalen Hilfswerken vor Ort hergestellt werden. Ihre Konstruktion ist relativ einfach, entscheidend sind die Berechnungen. Die Anlagen amortisieren sich in weniger als 18 Monaten.

Den grössten finanziellen Nutzen erzielt sie in Gebieten mit der grössten Abholzung und den höchsten Preisen für Holzkohle.

Enormen Schub erfuhr das Projekt durch die Zusammenarbeit mit den internationalen Hilfswerken «World Vision» und «Plan International», die die Technologie auf breiter Basis einsetzen wollen. Den grössten finanziellen Nutzen erzielt sie in Gebieten mit der grössten Abholzung und den höchsten Preisen für Holzkohle. Grossen Bedarf sieht Urs Riggenbach auch in Flüchtlingslagern. Dort legen die Bewohner immer grössere Strecken zurück, um noch an etwas Holz zum Kochen zu kommen. «Forest Trends», eine Organisation, die Naturschutzprojekte finanziert, will die Technologie auch bei Urwaldvölkern einführen, die 60 bis 80 Prozent der Regenwälder nachhaltig bewirtschaften, aber von Abholzung durch Konzerne und Regierungen bedroht sind. Mit den Sonnenöfen sollen nachhaltig geerntete Waldprodukte getrocknet, geröstet und veredelt werden, damit die Wertschöpfung bei den Indigenen bleibt und ihre Position auch wirtschaftlich gestärkt wird.

2018 hat GoSol die Pilotphase abgeschlossen. Die Technologie funktioniert, und man weiss auch, wie man sie unter die Leute bringt. Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Kleingeld. Um welches zu finden, sind der GoSol-Gründer Eerik Wissenz und Urs Riggenbach, sein Chief Operating Officer, im Herbst nach San Francisco gereist und haben ihre Projekte an Konferenzen und Anlässen für Sponsoren und Investoren vorgestellt. In diesem Frühling soll es richtig losgehen.

Die ersten Autos fuhren noch mehrheitlich elektrisch, eine Technologie, die erst jetzt wieder für die Mobilität entdeckt wird. Solarthermie, wie sie GoSol entwickelt hat, hätte schon vor hundert Jahren das Verbrennen von Holz ersetzen können.
Warum die Sonnenwärme von der Wirtschaft bis jetzt nicht entdeckt wurde, weiss auch Eerik Wissenz nicht. Deshalb hat er einen Essay ausgeschrieben, der diese Frage beantworten soll. Vielleicht bringt es die Sonne an den Tag. Vielleicht hat es einfach an den jungen Leuten gefehlt, die daraus nicht ein Geschäft für sich, sondern einen Mehrwert für den Planeten machen wollen.

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.

375’000 Menschen fordern starkes EU-Recht für sauberes Wasser — Zeitpunkt

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Ein Bündnis zahlreicher europäischer Umwelt- und Naturschutzverbände hat in den letzten Monaten für eine breite Beteiligung an einer öffentlichen EU-Konsultation zum EU-Wasserrecht geworben.
(Bild:pixabay)

Der Schutz unseres Wassers braucht starke EU-Vorgaben: Mit dieser Botschaft haben sich in den letzten Wochen 375’386 Bürgerinnen und Bürger EU-weit an die Europäische Kommission gewandt und den Erhalt der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der dort festgeschriebenen Ziele gefordert. Damit ist die Konsultation eine der erfolgreichsten Bürgerbeteiligungen in der Geschichte der Europäischen Union. Mit 167.302 abgegebenen Stimmen war Deutschland Spitzenreiter in der EU-weiten Bürgerbeteiligung.

Die WRRL gilt als Herzstück der Gesetzgebung, um Flüsse, Seen und Küstengewässer einschließlich ihrer Tier- und Pflanzenvielfalt sowie das Grundwasser europaweit zu schützen. Derzeit sind nur 8,2 Prozent der deutschen Gewässer in einem guten Zustand (EU-weit 40 Prozent). Damit ist die Bundesrepublik weit davon entfernt, das vor 19 Jahren EU-weit beschlossene Ziel zu erreichen und bis spätestens 2027 alle Gewässer in einen guten Zustand zu bringen.

Landwirtschaft, Verkehr oder Industrie müssen nach Ansicht der Umweltverbände zur Einhaltung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet werden, um Gewässer beispielsweise vor zunehmenden Nitratbelastungen zu schützen. Die derzeitige Reformrunde der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) auf EU-Ebene muss dazu genauso beitragen wie die erneute Novellierung des Düngerechts in Deutschland.

Voraussichtlich im Herbst 2019 wird die EU-Kommission eine Auswertung der Konsultation vorlegen. Eine Entscheidung über die Zukunft der Gesetzgebung wird im ersten Halbjahr 2020 erwartet.

Infoveranstaltungen der Trinkwasser-Initiative

Die Trinkwasser-Initiative führt in zahlreichen Schweizer Städten Informationsveranstaltungen durch:
22. März 2019 in Zürich
03. April 2019 in Olten
17. April 2019 in Basel
25. April 2019 in Uesslingen
14. Mai 2019 in Bern
15. Mai 2019 in Basel
22. Mai 2019 in Zürich

Anmeldung hier: https://www.initiative-sauberes-trinkwasser.ch/veranstaltungen/

Ist China auf dem Weg zu einer ökologischen Zivilisation? — Zeitpunkt

http://www.zeitpunkt.ch/ist-china-auf-dem-weg-zu-einer-oekologischen-zivilisation

Ist China auf dem Weg zu einer ökologischen Zivilisation?

Wenn die ökologische Vision von Präsident Xi Jinping mehr als Rhetorik ist, könnte dies tiefgreifende Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit haben.
Von Samuli Waegelein – Eigenes Werk, CC BY 3.0

Stellen Sie sich einen Präsidenten der Vereinigten Staaten vor, der eine „ökologische Zivilisation“ fordert, die die „Harmonie zwischen Mensch und Natur“ sicherstellt. Und stellen Sie sich weiter vor, er erklärt, dass „wir als Menschen die Natur respektieren müssen, ihren Wegen befolgen und sie beschützen müssen“, und dass seine Regierung einen „einfachen, maßvollen, ökologischen und kohlenstoffarmen Lebensstile fördern, und übermässigen Konsum verhindern möchte.“

Träumen Sie weiter, würden Sie vermutlich sagen. Denn selbst in den fortschrittlichsten, westeuropäischen Ländern ist es schwierig, einen politischen Führer zu finden, der so etwas sagt.

Der Führer der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, Xi Jinping aus China, gab diese Erklärungen in seiner Ansprache an den Nationalkongress der Kommunistischen Partei im Oktober ab. Er führte darüber hinaus seine Pläne zur Schaffung einer  „ökologischen, kohlenstoffarmen Kreislaufwirtschaft“ aus, zur „Förderung der Aufforstung“, „Stärkung der Erhaltung und Wiederherstellung von Feuchtgebieten“ und „Einstellung und Bestrafung aller Aktivitäten, die die Umwelt schädigen“. Er erklärte, dass er eine ökologische Zivilisation aufbauen möchte, von der kommende Generationen profitieren werden.

Es ist einfach, das alles als politische Propaganda abzutun. Aber könnte es nicht vielleicht auch sein, dass die ökologische Vision von Xi einen Ausblick auf eine hoffnungsvolle Zukunft ist?

Transformative Vision

In der Tat handelt es sich um die Art von neuem Denken, die viele Umweltschützer gefordert haben. Und das ist auch einigen führenden Denkern nicht entgangen.

David Korten, ein weltbekannter Autor und Aktivist, hat vorgeschlagen, die Vision von Ecological Civilization auf einen globalen Kontext auszudehnen, einschließlich der Anerkennung der Eigenrechte der Natur, der Übertragung des Eigentums an produktiven Vermögenswerten von transnationalen Konzernen auf Nationalstaaten.

Die traditionelle chinesische Kultur wurde auf einer Weltsicht gegründet, die auf einem inhärenten Netz der Verbindung zwischen Mensch und Natur beruht. In einem solch größeren historischen Kontext ist es nicht überraschend, dass diese Vision der „Harmonie zwischen Mensch und Natur“ von China ausgehen könnte.

Wie ich in meinem Buch The Patterning Instinct: Eine Kulturgeschichte der Suche der Menschheitnach Sinn“  nachgezeichnet habe ,  beruht die traditionelle chinesische Kultur auf einem Weltbild, das – anders als das westliche Denken – den Menschen nicht als ein von der Natur getrenntes Wesen versteht, sondern als  Teil der Natur. Die frühen chinesischen Philosophen glaubten, dass der Sinn des Lebens darin besteht, nach Harmonie mit der Natur zu streben, während die Europäer einen Weg beschritten haben, der auf die „Eroberung der Natur“ abzielt und die Welt als Maschine wahrnimmt. Eine Sichtweise die inzwischen global geworden ist.

Xis Rhetorik scheint außerdem einen realen Hintergrund zu haben. Zwei Monate vor dieser Rede gab China bekannt, dass es sein bisheriges Solarstromziel für 2020 mehr als verdoppelt hat, nachdem es 2016 bereits mehr als doppelt so viele Solarkapazitäten wie jedes andere Land installiert hatte. China ist auch auf dem Weg, seine Windkraftziele zu übertreffen wird bald mehr Kapazität haben als ganz Europa.

Bei Elektroautos ist China weltweit führend und verkauft jeden Monat mehr als Europa und die USA zusammen.

Infolgedessen hat China vor kurzem den Plan zum Bau von mehr als 150 Kohlekraftwerken vorübergehend gestoppt. Darüber hinaus verfügt China über das weltweit umfangreichste Netz von Hochgeschwindigkeitszügen und unterstützt das Konzept einer Kreislaufwirtschaft, in der die Abfallprodukte aus industriellen Prozessen für andere Prozesse aufbereitet werden.

Industrielle Lawine

Einige Beobachter sind dennoch keineswegs davon überzeugt, dass China auf dem Weg zu einer ökologischen Zivilisation ist.

Zum einen scheinen die Menschenrechtsverletzungen seiner autoritären Regierung mit dem Konzept einer ökologischen Zivilisation unvereinbar zu sein. Damit sich China wirklich in diese Richtung bewegen kann, müsste Xi bereit sein, Entscheidungsbefugnisse und -freiheiten an die Bevölkerung zu übertragen. Die  jüngsten Änderungen der Verfassung, die Xi lebenslänglich an der Macht halten, geben Anlass zur Sorge.

Zum anderen beruht das politisch-ökonomische System Chinas , wie der Ökonom Richard Smith argumentiert , auf der Notwendigkeit, Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Konsum noch weit mehr zu maximieren als der Westen. Es wird erwartet, dass Chinas BIP in einem Jahrzehnt das der USA übertrifft. Das Land befindet sich in einer frühen Phase der Fülle an rekordbrechenden industriellen Megaprojekten in einer Größenordnung, die unglaublich ist, einschließlich der Seidenstraßen-Initiative, eines riesigen Infrastruktur- und Handelsprojekts, das mehr als 60 Länder in Europa, Asien und Afrika umfasst.

Diese industrielle Lawine ist mit hohen Kosten für die Umwelt in China und der Welt verbunden. Smith weist darauf hin, dass China bei weitem der weltgrösste Verbraucher fossiler Brennstoffe ist. Es ist auch der weltweit größte Holzimporteur. Dies sind nur einige der Entwicklungen, die Smith zu folgender Schlussfolgerung veranlassen: „Xi Jinping kann eine ökologische Zivilisation schaffen oder er kann eine reiche Supermacht aufbauen. Beides gleichzeitig geht nicht.“

Zwischen Himmel und Erde

Oder kann er es doch?  Es besteht ein dringendes Bewusstsein, dass das anhaltende Wachstum des globalen BIP die Zivilisation bis zum Zusammenbruch führt. Es zeichnen sich Bewegungen ab, die zu „Degrowth“ und anderen Ansätzen einer stabilen Wirtschaft führen.

Das künftige Wirtschaftswachstum in der Nähe von Chinas historischem Tempo ist unhaltbar. Was wäre, wenn China, sobald es seinen Status als führende Weltmacht wiedererlangt hat, seine Vitalität vom anhaltenden Konsumismus in die Steigerung der Lebensqualität umleitet? Könnte es sein, dass Xi Jinping mit seiner Vision einer ökologischen Zivilisation die Saat dieser zukünftigen Metamorphose sät?

Vor tausend Jahren brachte der chinesische Philosoph Zhang Zai in einem Aufsatz, die seine Verbundenheit mit dem Universum zum mit folgenden Worten zum Ausdruck:

„Der Himmel ist mein Vater und die Erde ist meine Mutter, und ich, ein kleines Kind, finde mich eng zwischen ihnen platziert. Was das Universum erfüllt, betrachte ich als meinen Körper; Was das Universum lenkt, betrachte ich als meine Natur. Alle Menschen sind meine Brüder und Schwestern. Alle Dinge sind meine Gefährten.“

Ist es also möglich, dass China die tief in seiner Kultur verankerte Anerkennung der Einheit mit der Natur dafür nutzen wird, um einem globalen System den Todesstoß zu versetzen, das den Wachstumswahn gigantischer transnationaler Unternehmen immer weiter nährt? Könnte es eine neue Ethik der Nachhaltigkeit als philosophische Grundlage für eine echte ökologische Zivilisation erschaffen? Die Antwort auf diese Fragen wird nicht nur Auswirkungen auf das künftige Wohlergehen Chinas haben, sondern für das Wohlergehen der ganzen Menschheit.

Quelle: cc 3.0, insenia.com

Globalisierung der Friedenskräfte — Zeitpunkt

http://www.zeitpunkt.ch/globalisierung-der-friedenskraefte

Globalisierung der Friedenskräfte

Gegen die Gewalt der Konzerne hilft nur eine Globalisierung der Gewaltlosigkeit, findet der indische
Friedensaktivist Rajagopal P.V.
P.V. Rajagopal, Aktivist für die Rechte der kastenlosen Ureinwohner, hat schon Märsche mit hunderttausenden Teilnehmern organisiert. Foto: Barbara Schnetzler

In Indien herrscht ein «stummer Krieg». Mit diesen Worten beschreibt der arabische TV-Sender Al Jazeera den seit vierzig Jahren laufenden Bürgerkrieg zwischen der Regierung und den Ureinwohnern, den Adivasi.

Begonnen hat die Auseinandersetzung noch unter britischer Herrschaft. Mit dem «Forest Conservation Act», einem Gesetz zum Schutz des Waldes, wurde der Streifen, der von Nepal durch den Subkontinent nach Süden führt, als Besitz des Staates ausgeschieden, heute als «Red Corridor» bekannt. Die rund 90 Millionen kastenlosen und meist analphabetischen Adivasi merkten erst etwas davon, als sie von ihrem Land vertrieben wurden, um Platz für Tigerreservate und Bergbauprojekte zu schaffen.

Entweder durften sie ihre angestammten Gebiete nicht mehr betreten, um Platz für teure Safaris in Geländewagen zu schaffen, oder ihre Umwelt wurde von den Bergbaukonzernen förmlich zerstört. So sieht es jedenfalls der indische Friedensaktivist und Bürgerrechtler Rajagopal P.V., Gründer der Adivasi-Bewegung «Ekta Parishad».
2015 organisierte er den «Jansatyagraha», einen Marsch über 350 Kilometer nach Delhi mit 75 000 TeilnehmerInnen, um die verletzten Rechte der Urbevölkerung und Landlosen wiederherzustellen. Der Marsch endete vorzeitig mit einer Vereinbarung über die Landrechte, die allerdings wenig später bereits gebrochen wurde.

Tatsache ist: Im Roten Korridor bildeten sich zur Selbstverteidigung und aus Hilflosigkeit viele bewaffnete Gruppen gegen die Gewalt der Konzerne und der Regierung, die diesen das Land zur Nutzung abgetreten hat. «Die Bergbaukonzerne hinterlassen eine zerstörte und verschmutzte Landschaft», sagt Rajagopal im Gespräch mit dem Zeitpunkt. «Es ist eine Art Krieg gegen die Umwelt und gegen die Menschen.» Gegner in diesem Bürgerkrieg seien nicht nur die bewaffneten Gruppen, sondern alle, die sich für Umweltschutz, Bürgerrechte und Landrechte einsetzen. Sie würden als Anti-Nationalisten und als Terroristen bezeichnet und als solche bekämpft. Den NGOs wird der Zugang zu ausländischen Hilfsmitteln verwehrt.

Es ist aber nicht nur dieses indische Problem, das Rajagopal zu einem grossen Marsch von Delhi an die UNO in Genf motiviert, sondern die ähnlich gelagerten Konflikte zwischen Konzernen und Einheimischen in vielen Ländern der Erde. Ob Bolivien, Kongo, Indonesien oder Indien, die Probleme sind überall ähnlich: eine Regierung, die den Konzernen Vorrechte gegenüber der einheimischen Bevölkerung gewährt und diese Vorrechte mit Gewalt durchsetzt.

Gewaltfreiheit und Armutsbekämpfung sind die grossen Themen des «Jai Jagat», des grossen Marsches, der im kommenden Herbst in Delhi starten und ein Jahr später in Genf ankommen soll. Die Forderungen des Marsches: Die Regierungen sollen Ministerien für Frieden einrichten und mit Mitteln versehen; die Regierungen sollen neue Regeln für ihr Gewaltpotenzial prüfen, z. B. wenn sie Wasserrechte verleihen. Der Marsch soll ferner die sozialen Bewegungen zu einem Weg der Gewaltfreiheit motivieren. In Europa wird der Jai Jagat zu einem Sternmarsch aus vielen Ländern. Rund um Gandhis 150. Geburtstag am 2. Oktober 2020 treffen sich in Genf rund 5000 Aktivist zu einer Reihe von grossen Veranstaltungen, u. a. auch mit der UNO.

Um für den Grossanlass zu werben, weilte Rajagopal P.V. im letzten Herbst in Europa, sprach mit Abgeordneten des Europaparlaments, den Bürgermeistern von Grenoble, Lyon und Paris und mit Aktivisten aus verschiedenen Ländern.
Zur Schweiz hat er besondere Verbindungen. Sein «Centre for Socio-Cultural Interaction» (CESCI) in Südindien, wo viele Bürgerrechtsaktivisten von Ekta Parishad ausgebildet werden, wird von einem schweizerischen Förderverein unterstützt. Der Förderverein CESCI ist es auch, der mit Unterstützung des Zeitpunkt und der friedenskraft.ch ein Training in Gewaltlosigkeit organisieren will. Beim Förderverein laufen auch die Fäden für die Unterstützung des Jai Jagat zusammen.

Weitere Informationen: Förderverein CESCI, Postfach, 8000 Zürich. www.cesci.ch/de-ch/jaijagat.aspx.
Postkonto: 80-220210-4

 

12. FEBRUAR 2019 
VON: 

   

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.

Chapeau für Medea Benjamin von Codepink — Zeitpunkt

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Chapeau für Medea Benjamin von Codepink

Unermüdlicher Einsatz für den Frieden und das Gewaltverbot der UNO
Medea Benjamin vor den Delegierten der OAS am 24. Januar 2019. (Bild: Democracy Now)

Es begann im November 2002 mit einer Mahnwache gegen den drohenden Irakkrieg. Vier Monate standen Medea Benjamin (*1952) und vier Frauen jeden Tag in der Winterkälte vor dem Weissen Haus. Die Aktion erregte so viel Aufsehen, dass sich schliesslich 10’000 Frauen (und einige Männer) beteiligten und daraus die von Frauen getragene Friedensorganisation «Codepink» entstand, die sich gegen den US-amerikanischen Militarismus, für Frieden und Menschenrechte und für einen sozialen Einsatz der Steuergelder einsetzt.

Am 24. Januar diesen Jahres drang die pink gekleidete Medea Benjamin in den Saal, wo gerade der US-Aussenminister Mike Pompeo zu den Delegierten der Organisation amerikanischer Staaten OAS über Venezuela sprach und die Regierung von «Ex-Präsident Maduro» als «illegitim» bezeichnete. Benjamin hielt ein Transparent in die Höhe und forderte die Delegierten auf, einen Coup in Venezuela nicht zu unterstützen. «Dies wird nur zu noch mehr Gewalt führen. Schaut, was die USA in all den Jahren in Lateinamerika angerichtet haben.» Applaus. Dann wurde sie von Sicherheitskräften abgeführt. (Bericht und Interview von Democracy now)

Codepink-Polizisten überbringen John Bolton zuhause die Anklageschrift wegen wiederholten Verstössen gegen das Gewaltverbot der UNO. Der US-Sicherheitsberater liess sich von Security-Leuten abschirmen. (Bild: Codepink)

Zwei Wochen später überbrachten acht als Polizisten gekleidete Codepink-Frauen dem US-Sicherheitsberater John Bolton eine Anklageschriftin der er verschiedener Kriegsverbrechen bezichtigt wird, u.a. auch der Kriegsdrohung gegen Venezuela, ein Verstoss gegen Art. 2 der UNO-Charta. (Bericht von Codepink)

Medea Benjamin hat zwar zehn Bücher geschrieben, darunter das wichtige «Drone Warfare: Killing by Remote Control», aber sie war immer auch eine Frau der Tat. Sie erreichte u.a. wesentliche Verbesserungen in den Fabriken von Nike, Kompensationszahlungen an die Angehörigen unschuldiger Opfer von Drohnenangriffen und organisierte die erste internationale Konferenz zur Gefahr bewaffneter Drohnen. Chapeau!

www.codepink.org

Chapeau für Vital Burger — Zeitpunkt

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Chapeau für Vital Burger

Von der Wasserrebellion zur Völkerverständigung

Bekannt geworden ist Vital Burger (*1964) 2006 als Gründer der Wasserrebellen von Emmenbrücke. 2006 hätte die Wasserversorgung von Emmen als erste der Schweiz privatisiert werden sollen – sämtliche Parteien am Ort waren dafür. Vital Burger, der mehrere Jahre in Los Angeles lebte und wusste, was  das bedeutete, lancierte mit Freunden eine Gemeindeinitiative, um die Wasserversorgung in öffentlicher Hand zu behalten. Und gewann, ohne einen Franken Geld für Werbung. Die Zürcher, die die Teilprivatisierung vor kurzem ablehnten, hätten nur nach «Zurich» in Kalifornien schauen müssen, sagt er .Die kleine Ortschaft wurde 1911 von der Wasserversorgung von Los Angeles buchstäblich trockengelegt.

2011 gründete Vital Burger den Freundeskreis Schweiz-Iran, um das Verständnis zwischen den Ländern zu fördern, die mehr gemeinsam haben, als viele wissen. Mohammad Mossadegh, der als iranischer Premier die Ölindustrie verstaatlichte und 1953 von den britischen und amerikanischen Geheimdiensten gestürzt wurde, war iranisch-schweizerischer Doppelbürger. Der Freundeskreis organisiert kulturelle Veranstaltungen in der Schweiz und Bildungsreisen in den Iran.

Mit Journalistenvisum und Videoausrüstung reiste Vital Burger 2016 frei durch Syrien und stellte fest, dass das Land ausserhalb der Rebellengebiete viel friedlicher war, als man nach den Medienberichten vermuten musste. Hingehen ist besser als nur darüber sprechen, sagte er sich und fand mit der christlichen Gemeinde aus Kfarbou Helferinnen und Helfer, mit denen er seither drei Gruppenreisen durch Syrien organisierte. Eine vierte beginnt an Ostern.

Um gegen Big Brother gewappnet zu sein, gründete er mit Freunden den Verein Enigmabox,der als einziger Hersteller einer äusserst starken und automatischen Internet -Verschlüsselungstechnik weltweit zum Zwecke der Transparenz den Source-Code vollständig offen legt.

Unbeirrbar eigene Wege zu gehen, scheint schon immer das Motto von Vital Burger gewesen zu sein. Er ist nicht nur Rechtsanwalt und Ökonom (lic. oec. HSG), sondern auch Helikoptermechaniker, -Instruktor und -Inspektor. Im Alter von 20 Jahren hatte er seinen ersten Helikopter und lernte prompt die Korruption kennen. So wollte ein damaliger Nationalrat und Baudirektor 50’000 Franken für eine permanente Landeerlaubnis auf einem innerschweizer Flugplatz. Burger lehnte ab. Solche Burger braucht das Land.

www.schweiz-iran.ch • www.schweiz-syrien.ch • www.enigmabox.net

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.

Der heilige 5Gral — Zeitpunkt

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Der heilige 5Gral

Ein Strahlen-Tsunami ist im Anzug. Die totale Vernetzung braucht ein Mobilfunknetz, das 100-mal mehr Daten 33-mal schneller transportiert. Die Gesundheitsrisiken sind erheblich.
(Bild: © Shutterstock)

«Fortschritt heisst Vernetzung. Und Vernetzung heisst 5G», schreibt die Swisscom auf ihrer Website. Aber wem soll der Fortschritt denn nützen? Filme, die grössten Dateien im privaten Mobilfunkverkehr, kann man sich heute schon praktisch in der ganzen Schweiz auf dem Smartphone angucken, und die Reduktion der Reaktionszeit mit 5G «von heute 25 bis 35 Millisekunden auf einige wenige Millisekunden Verzögerung» (Swisscom) ist für den menschlichen Anwender nicht wahrnehmbar. Seine eigene Reaktionszeit liegt um Faktoren höher. Wozu braucht das Funknetz einen Turbo?

Nötig ist 5G gemäss Swisscom, weil das Datenvolumen im Mobilnetz enorm gestiegen ist (mit Zuwachsraten von jährlich 115 um 55 Prozent in den letzten sechs Jahren). Zudem können sich neu bis zu einer Million Geräte pro Quadratkilometer einloggen. Nötig sei diese Kapazität für die Steuerung selbstfahrender Autos, zur Darstellung virtueller Realitäten, für sogenannte «smart grids» und für das Internet der Dinge. Für die beiden letzteren Anwendungen gibt es aber neuere Netzwerktechnologien, wie das low-power wide-area network (LPWAN), über das problemlos Sensoren abgerufen oder Geräte gesteuert werden können. Und bis die selbstfahrenden Autos komplett von Netzwerken gesteuert und innert Millisekunden bremsen müssen, dauert es noch eine Weile. Schliesslich haben diese Autos einen eigenen Bordcomputer. Und in einer «Smart City» für dumme Menschen, in der alles bestrahlt und gesteuert wird, werden wir wohl hoffentlich nie leben müssen.

Es ist noch keineswegs klar, ob 5G nicht ein Fortschritt ist, wie es DDT, Kernspaltung oder Genmanipulation einmal waren.

Die 5G-Technologie ist eine Art heiliger Gral der Mobilfunk-Konzerne. Noch bevor die technischen Standards feststehen, ist um seine Eroberung ein Wettlauf ausgebrochen, der für uns und vor allem für unsere Gesundheit teuer werden könnte. Die Technologie kann nämlich nur eingesetzt werden, wenn die Grenzwerte markant erhöht werden. Die heutigen Grenzwerte gehen noch davon aus, dass eine Gefahr durch Mobilfunkstrahlung erst bei einer Erwärmung des Gewebes besteht. Weil sie sich nur auf thermische Wirkungen beziehen, sind sie höchst umstritten. Unabhängig finanzierte Studien stellen in aller Regel eine signifikante Gefährdung fest, während von der Industrie gesponserte Studien die Unbedenklichkeit bestätigen, wie das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Bern schon vor Jahren festgestellt hat. Zudem behauptet die Swisscom, die schweizerischen Grenzwerte seien zehnmal tiefer als die europäischen. Doch das trifft nur für einzelne Länder und bestimmte Situationen zu.

Der Bundesrat könnte die in einer Verordnung festgelegten Grenzwerte von sich aus erhöhen. Aber das ist nach der ständerätlichen Ablehnung einer Motion zur Erhöhung der Grenzwerte vom vergangenen März politisch heikel. Noch-Bundesrätin Doris Leuthard hat deshalb ein Expertengremium gebildet, von dem sie sich vermutlich einen positiven Entscheid erhofft. Aber die Sache ist damit noch längst nicht vom Tisch. Der Ständerat hat nämlich mit seinem (knappen) Entscheid eine erstaunliche Sensibilität für die Gesundheitsfrage und die Risiken einer ungeprüften Technologie bewiesen – auch ohne Druck einer Massenbewegung. Zudem ist im Nationalrat eine Motion von Yvette Estermann (SVP) hängig, die fordert, die Grenzwerte nicht zu erhöhen. Wenn ihr der Nationalrat zustimmt, können die Experten ihre Termine vorerst streichen.
Verwaltungsintern ist nicht mit Widerstand gegen eine Erhöhung zu rechnen. Die Bundesverwaltung sei mit der Sache «etwas überfordert», meinte Nationalrat Thomas Hardegger (SP/ZH), Kopräsident der Parlamentarischen Gruppe nichtionisierende Strahlung, Umwelt und Gesundheit an ihrer Tagung vom 14. November 2018 in Olten. Es seien mehrere Departemente vom Geschäft betroffen, zudem sei das Bundesamt für Umwelt «systematisch untergewichtet».

Die 5G-Technologie hat Konsequenzen, die wir alle zu spüren bekommen werden. Das 5G-Netz arbeitet mit deutlich höheren Frequenzen, 3,5 bis 28 Gigaherz, anstatt der bisher üblichen 0,8 bis 2,8 Gigaherz. Dies erfordert wesentlich mehr Antennen – ca. alle 100 Meter – und sie müssen tief angebracht werden, um all die Autos, die nicht mehr allein bremsen können, zu erreichen. «Gigaherz», die Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener, hat die von Ericsson, dem Hersteller der Sendeanlagen veröffentlichten Daten ausgewertet und schreibt: «Die elektrische Feldstärke beträgt nach 25 m Distanz 61 V/m (Volt pro Meter). Das ist dort, wo die ersten Nachbarhäuser stehen und bisher ein Grenzwert von 5 resp. 6 V/m galt.» Aber weil die Wellenlängen kürzer sind, können die Strahlen das Mauerwerk nicht mehr durchdringen.

«Wenn das [vom Gesetz vorgesehene] Vorsorge-Primat fällt, hat der Tsunami keine Grenzen», sagt der Allgemeinmediziner Bernhard Aufdereggen, Elektrosmog-Experte der AefU

Es braucht also auch in normalen Wohnungen einen Booster in Fensternähe, um noch telefonieren zu können. Die kürzeren Wellenlängen betreffen auch die Mobiltelefone. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU ) befürchten deshalb erhöhte Risiken für Hautkrebs. «Wenn das [vom Gesetz vorgesehene] Vorsorge-Primat fällt, hat der Tsunami keine Grenzen», sagt der Allgemeinmediziner Bernhard Aufdereggen, Elektrosmog-Experte der AefU.

«5G unterscheidet sich … nicht grundsätzlich von älteren Technologien wie 3G oder 4G», heisst es wahrheitswidrig auf der «Community»-Website der Swisscom (Motto: «Kunden helfen Kunden») zum Thema 5G-Strahlung und Gesundheit. «Die Erkenntnisse aus den zahlreichen Studien zu UMTS- und/oder LTE-Signalen» seien «daher auch prinzipiell auf 5G anwendbar». Aber das kann man zur Zeit gar nicht wissen, da es noch keine Studien zur Gesundheitsgefährdung der Mobilfunkstrahlung mit mehr als 1,8 Gigaherz gibt.
Wir wollten von der Swisscom wissen, welcher Kunde diesen Eintrag verfasst hat und welche Belege es für die Behauptung gibt und erhielten folgende Antwort: «In einem ersten Schritt – mit den im 2019 versteigerten Konzessionen – wird 5G in ähnlichen Frequenzen betrieben wie 4G oder 3G – es handelt sich also um bekannte und nicht um neuartige Signale. Deshalb sind die vorhandenen Studien hier aussagekräftig, denn die Wirkung auf den Organismus ist dieselbe.» Die Swisscom hat den Eintrag offenbar selber verfasst und sie verschweigt, dass 5G nur mit den alten Frequenzen betrieben wird, bis die neue Infrastruktur bereit ist.

Mit der Wahrheit braucht man es nicht so genau zu nehmen – die technischen Details sind für Laien schwer verständlich. Gigaherz hat ein erstes Baugesuch der Swisscom für eine 5G-Antenne unter die Lupe genommen und gegenüber den Herstellerdaten eine 23-mal geringere Sendeleistung festgestellt. Kommentar des Gigaherz-Präsidenten Hans-U. Jakob: «Swisscom versucht die Anwohner mit folgendem Trick zu täuschen: Anstatt 64 Strahlenkeulen pro Sektor flunkern sie den Anwohnern vor, es gebe nur eine einzige Keule. … Hier muss doch selbst dem blutigsten Laien auffallen, dass da bei 5G gelogen und betrogen wird, dass die Balken krachen.»

Ob es laut genug kracht, dass es den über sieben Millionen Laien in der Schweiz tatsächlich auffällt, ist allerdings zweifelhaft. Elektrosmog hat politisch nicht Konjunktur, obwohl die durch Elektrosmog bedingten Störungen frappant zunehmen und mittlerweile jeder dritte Mensch in der Schweiz Schlafstörungen beklagt. 5G wird uns als allgemeiner Fortschritt verkauft, obwohl er nur wenigen nützt und noch keineswegs klar ist, ob es nicht ein Fortschritt ist, wie es DDT, Kernspaltung oder Genmanipulation einmal waren.

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Petition: «Schutz vor hochfrequenter Strahlung in Kinderkrippen und Kindergärten»

Der Verein «Schutz vor Strahlung» fordert für Kinderkrippen und Kindergärten den Verzicht auf WLAN und den Einsatz elektrosmog-reduzierter Telefone.
Industrieunabhängige Studien belegen, dass hochfrequente Strahlung von Mobiltelefonen, schnurlosen Geräten und WLAN ein Gesundheitsrisiko darstellt, vor allem für Kleinkinder im Wachstum: Kinder weisen eine höhere Strahlenaufnahme auf, da Haut und Knochen dünner sind: Im Kopf ist die Strahlenaufnahme im Vergleich zu einem Erwachsenen doppelt so hoch, im Knochenmark bis um das Zehnfache (!) höher. Durch das Wachstum findet häufige Zellteilung statt. Während der Teilung sind Zellen besonders angreifbar.

Forderungen der Petition
1. WLAN: keine Nutzung von WLAN in Kinderkrippen und Kindergärten. Kabelgebundene Lösungen statt WLAN.
2. DECT-Telefone: keine Nutzung von DECT-Telefonen. Ausgenommen sind DECT-Telefone, die im Standby-Betrieb strahlungsfrei sind.
3. Babyphone: Es sollten nur elektrosmogreduzierte Geräte zum Einsatz kommen, die weder mit WLAN noch mit dem DECT-Standard betrieben werden.
4. Aufklärungsmassnahmen zur Strahlenreduktion für Pädagogen und Eltern.
Andere Länder haben bereits gehandelt: WLAN ist in Einrichtungen für Kleinkinder in Israel, Frankreich und auf Zypern gesetzlich verboten.
https://schutz-vor-strahlung.ch

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Nützliche Adressen:
Dachverband Elektrosmog

9016 St. Gallen
www.funkstrahlung.ch
Gigaherz, Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener
3150 Schwarzenburg
www.gigaherz.ch

IGE Interessengemeinschaft für Elektrobiologie
6285 Retschwil
www.spini.ch
Die IGE bietet einen «Lehr­gang Elek­tro­bio­lo­gie». Beginn: 9. April 2019

Bürgerwelle Schweiz
CH-8133 Esslingen
www.buergerwelle-schweiz.org

diagnose:funk
4055 Basel
www.diagnose-funk.ch
Schutz vor Strahlung Schweiz
https://schutz-vor-strahlung.ch

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. „Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen“.