Die Impfgegner und die asozialen Trittbrettfahrer

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Die Tagelöhner des 21. Jahrhunderts

http://www.zeitpunkt.ch/die-tageloehner-des-21-jahrhunderts

Wie in München Arbeitssuchende aus Südosteuropa unter Brücken schlafen und aus dem sozialen Netz fallen.
Heimat der Tagelöhner: die Corneliusbrücke in München. (Foto: rudolf Stumberger

Wer wissen will, wie Freiheit ohne Gleichheit aussieht, der kann das unter der Münchner Corneliusbrücke tun. Diese überquert in der Stadtmitte die Isar, die steinernen Brückenpfeiler reichen bis in das trockene Hochwasserbecken hinein. Dort wohnen Ismet (47), Valentin (53) und Kasimir (43), die Tagelöhner des 21. Jahrhunderts. Sie sind aus Bulgarien nach München gekommen, auf der Suche nach Arbeit. Zwar haben sie nach EU-Recht die Möglichkeit, in Deutschland zu arbeiten. Eine Wohnung können sich aber die wenigsten von ihnen leisten. Deshalb hausen sie unter der Brücke, schlafen auf herbeigeschleppten Matratzen. Auf einem Tisch aus dem Sperrmüll steht eine Blumenvase. «Ich bin hier verloren», sagt Kasimir und zeigt seine Plastiktüte mit Pfandflaschen. Sein Verdienst, wenn es sonst keine Arbeit gibt. Auf der Unterseite des Brückenbogens haben die Männer mit Klebeband einen Zeitungsausschnitt angebracht. «Tod eines Obdachlosen», lautet die Überschrift. Es geht um Hristo Vankov, bis vor kurzem noch einer von ihnen. Der 57-Jährige hat das Leben auf der Strasse nicht überlebt, er starb an seiner Diabeteserkrankung.

Auf dem «Tagelöhnerstrich» warten die Männer aus Südosteuropa, bis sie jemand um Arbeit anheuert.

«Bayern ist das Paradies», verkündete der bayerische Ministerpräsident auf dem Parteitag der CSU im Dezember 2017. Im Freistaat herrscht zu diesem Zeitpunkt eine Arbeitslosigkeit von 2,9 Prozent, was praktisch als Vollbeschäftigung gilt. Die Wirtschaft boomt und junge Erben müssen sich nicht mehr zwischen Porsche und Eigentumswohnung entscheiden. Doch das Paradies des konservativen Ministerpräsidenten ist das Paradies des Neoliberalismus: Den leistungslosen Vermögen aus Erbschaft und den leistungslosen Einkommen aus Kapital stehen die Löhne der Abhängigen gegenüber, die sich als U-Bahn-Fahrer, Paketzulieferer, Verkäuferin oder Kellner abschuften. Wo man sich auf der Belle-Etage der Stadtresidenzen im Lichte des Reichtums und Wohlstands sonnt, herrscht am Fusse der gesellschaftlichen Leiter die Dunkelheit sozialer Verwundbarkeit. Deutschland habe wieder ein Mass der sozialen Ungleichheit wie im Jahre 1913, heisst es in einer Untersuchung von Forschern um den französischen Ökonomen Thomas Piketty. Mitten im 21. Jahrhundert kehrt also das 19. Jahrhundert zurück: Mit Bettlern, die an Häuserecken kauern und ihre Beinstümpfe herzeigen. Mit Tagelöhnern, die ab morgens sechs Uhr auf Arbeit hoffen. Mit Menschen, die auf den Gittern von Heizungsschächten schlafen.

Deutschland als bevorzugtes Ziel
Acht Uhr morgens an der Ecke Landwehr- und Goethestrasse in München: Es ist ein kalter Tag und während die Gemüsehändler ihre Ware ausladen, stehen an der Ampel ein Dutzend Männer und wärmen ihre Hände an den Pappbechern mit Kaffee. Hier ist der sogenannte Tagelöhnerstrich, Menschen aus Bulgarien und Rumänien warten, bis sie jemand für einen Job anheuert. Als Putzkraft oder für Bauarbeiten. Hier sind die Tagelöhner des 21. Jahrhunderts ein paar Stunden sichtbar, dann verschwinden sie wieder im Getriebe der Stadt.
Die meisten stammen aus Pasardschik, einer Stadt mit knapp 70 000 Einwohner in Zentralbulgarien. Und wie die meisten gehören sie der türkischsprachigen Minderheit an. «Ich will arbeiten und Geld verdienen», sagt einer, der schon drei Jahre in München lebt. Es ist ganz einfach: Zuhause gibt es keine Arbeit, und wenn, dann für knapp eineinhalb Euro die Stunde. In Deutschland kann man in drei Monaten so viel verdienen wie in Bulgarien in einem Jahr. Wenn es von den Temperaturen her noch geht, schlafen die meisten im Freien: In Parks, unter Brücken, in Hauseingängen, in alten Autos. Wenn Schnee fällt, gehen die Tagelöhner in das Winterquartier, in die Bayernkaserne, draussen im Norden am Rande der Stadt.
Deutschland ist für die südeuropäischen Arbeitsemigranten das bevorzugte Ziel. Derzeit leben in und um München rund 13 000 Bulgaren und knapp 18 800 Rumänen, viele davon in prekären Verhältnissen. Zwar gilt für die beiden EU-Länder die Arbeitsfreizügigkeit, doch das soziale Netz für diese Menschen aus der Armutszuwanderung, wie es im Fachjargon heisst, ist löchrig. Zum Beispiel bei der gesundheitlichen Versorgung.

Harte Arbeit, kein Lohn
Zuflucht finden die Arbeitssuchenden in dem Beratungscafé der Arbeiterwohlfahrt. Dort helfen Mitarbeiter beim Ausfüllen von Formularen, vermitteln medizinische Hilfe und bieten kostenlose Deutschkurse an. Hier können sich die Männer ausruhen, einen Tee kochen, die Toilette benutzen. Neben Integrationskursen der Volkshochschule bietet die Agentur für Arbeit einmal pro Woche eine Beratung in der Muttersprache der Arbeitssuchenden an.

Wo man sich in der Belle-Etage im Lichte des Reichtums und Wohlstands sonnt, herrscht am Fusse der gesellschaftlichen Leiter die Dunkelheit sozialer Verwundbarkeit.

Ismet und Valentin von der Corneliusbrücke treffen sich heute im Beratungscafé mit Lisa Riedner. Sie kümmert sich mit der Initiative Zivilcourage um die Menschen aus Südeuropa. Die junge, engagierte Frau spricht sogar ein wenig Türkisch, neben dem Bulgarischen die Sprache der Minderheiten. Bei dem Beratungstermin heute geht es um den ausstehenden Lohn von Ismet und Valentin. Beide sind von einem Subunternehmen für eine Baustelle im Norden von München angeheuert worden. Eine Woche haben sie dort gearbeitet, aber Geld haben sie bisher nicht gesehen. Jetzt soll Lisa Riedner mit ihnen auf die Baustelle fahren und mit der Bauleitung reden, damit sie ihren Lohn bekommen. Ausserdem wollen sie das noch ausstehende Geld für ihren verstorbenen Freund Hristo Vankov abholen, auch er hatte vor ein paar Wochen auf der Baustelle gearbeitet. Sein Schicksal zeigt: Sterben ist auch eine Frage der sozialen Absicherung. Einige Monate vor seinem Tod hatte sich der 57-jährige Bulgare mit Hilfe der Initiative Zivilcourage sogar einen kleinen juristischen Sieg errungen: Er hat sich mit einer Klage einen Platz im Obdachlosenheim erkämpft.

Kampf um Platz in Obdachlosenheim
Eigentlich haben alle Obdachlose einen Anspruch auf einen Schlafplatz. Dazu müssen sie aber nachweisen, dass sie in den Heimatländern über keine Wohnung verfügen. So will es eine Dienstanweisung des Münchner Sozialreferats von 2016. Darin heisst es: «Das Vorhandensein einer Wohnung wird vermutet, wenn eine Anschrift bzw. ein Wohnsitz im ausländischen Nationalausweis eingetragen ist.» Entkräftet werden könne diese Vermutung durch eine entsprechende Kündigungsbestätigung des Vermieters.
Derartige Dokumente wollte die Münchner Wohnungslosenhilfe sehen, bei der Vankov wegen einer Aufnahme in eine Notunterkunft vorsprach. Die hatte er aber nicht. Mit Unterstützung der Initiative Zivilcourage klagte er schliesslich vor dem Verwaltungsgericht. Das entschied am 9. August, dass die Stadt ihm einen Platz in einer Notunterkunft zur Verfügung stellen müsse. Für seine Einlassung, er verfüge in Bulgarien über keine Wohnung, spreche, so das Gericht in dem Urteil, «dass sich der Antragsteller trotz seiner schlechten gesundheitlichen und finanziellen Lage kaum seit mindestens sieben Jahren in München aufhalten würde, wenn er in Bulgarien ein funktionierendes soziales Netzwerk zur Verfügung hätte». Vorrang habe, dass Vankov nicht «ohne Obdach und schutzlos den Witterungsbedingungen ausgesetzt» sei. Die Unterbringung war allerdings befristet bis 1. Oktober.
Den Termin hat Vankov nicht mehr erlebt. Er starb zwei Wochen davor an seiner Krankheit in Bulgarien. Er war dabei, die nötigen Dokumente aufzubringen. «Zusammenhänge zwischen seinem Tod, der langjährigen Obdachlosigkeit und dem Ausschluss von sozialen Leistungen inklusive der Krankenversicherung liegen meiner Meinung nach auf der Hand», ist Lisa Riedner von der Initiative Zivilcourage überzeugt.
Jetzt steht sie auf der Baustelle in Feldmoching, um für die Rechte von Ismet und Valentin einzustehen. Zuerst versuchen sie den Vorarbeiter zu finden, der ihnen die Arbeit beschafft hat – vergebens. Auch den Namen der Subfirma, die sie angeworben hat, wissen die beiden Bulgaren nicht. Nur, dass der Mann «Theo» heisst.
Schliesslich gehen sie in das Büro der Bauleitung. Der anwesende Ingenieur hört sich die Forderung der beiden Arbeitsmigranten an, Lisa Riedner übersetzt und sagt auch schon mal resolut: «Das Beste wäre, sie würden den Männern jetzt ihren Lohn auszahlen!» Der Bauleiter hört sich das an, danach gehen sie zusammen auf die Baustelle und die Männer zeigen, wo sie welche Arbeiten verrichtet haben. Immerhin wird jetzt klar, welcher Subunternehmer in der Schuld steht. Der Bauleiter verspricht, er werde sich an die Firma wegen des fehlenden Lohns wenden, das könne aber ein paar Tage dauern. Für heute bleibt den Männern aus Bulgarien nichts anderes übrig, als wieder nach Hause zu fahren, unter die Corneliusbrücke. Doch diesmal geht die Geschichte gut aus. Eine Woche später schreibt Lisa Riedner per Mail: ­«Ismet hat mir gestern berichtet, dass der Subunternehmer ihm und seinen Freunden das geforderte Geld ausgezahlt hat.»

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Mehr zum Schwerpunktthema «reich | arm» in Zeitpunkt 155

In Versuchung – der falsche Weg?

http://www.zeitpunkt.ch/versuchung-der-falsche-weg

Versuchungen aller Art gibt es bekanntlich im praktischen Leben, in der Seele und überall in Stadt und Land. Die Versuchung ist bedeutend mehr als nur ein Versuch, sie durchzieht das Leben in der Tiefe und weckt neue Gedanken, nicht nur gute, auch gefährliche.
(Illustration: ron&joe)

Darum klingt die spirituelle Ansprache «und führe uns nicht in Versuchung» im Vaterunser nach einem grundlegenden Bedürfnis im Bereich der Orientierung unserer Lebensplanung. Aber die Anrede der göttlichen Autorität, uns ja nicht auf den falschen Weg zu schicken, enthält die Annahme, dass die Versuchung gar nicht unbedingt unserer eigenen Leichtfertigkeit entspringen muss, sondern von höchster Seite in uns zu dringen vermag. Erstaunlich, dass im zentralen christlichen Gebet eine solche Unterstellung enthalten sein soll. Papst Franziskus hat in diesem Sinn eine wichtige Anregung gegeben.

Die Vaterunser-Bitte «und führe uns nicht in Versuchung» sei in dieser Formulierung keine gute Übersetzung. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um dann zuzusehen, wie er falle. Diese Textkritik passt gut zur protestantischen Freiheit, die Bibel in aktueller Sprache neu zu gestalten. Wie wäre es daher mit der Formulierung »und führe uns in der Versuchung»?

Nicht die Versuchung ist der problematische Schritt und schon gar nicht die göttliche Kraft steht dahinter, sondern der Umgang mit den neuen Gedanken, die in der Versuchung stecken, ist entscheidend, der Weg, der uns in kreativer Richtung weiterführt, von Gott geleitet und begleitet.

Der Weg ist wichtig und die innere oder äus­sere Führung auf diesem Weg wird entscheidend sein. Sie muss nicht autoritär wirken, so wie die Begleitung unserer nächsten Schritte nicht herrschaftlich sein muss. Darum verbindet sich die veränderte Übersetzung des Unser-Vaters mit einer weiteren Kontrolle der biblischen Textvorgaben. Muss Gott die königliche Herrscherrolle erfüllen? Ist Jesus nicht Bruder, ist Gott nach den Vorschlägen der geschlechterneutralen Bibelübersetzung nicht Vater und Mutter zugleich? Die liturgische Prägung der Gottesdienste und Gebete im Sinn von «der Herr sei mit euch» wäre ebenfalls im Sinn des Heiligen Geistes zu korrigieren. Die göttliche Kraft soll mit uns sein – in Stadt und Land und auf allen unseren Wegen. Sie soll uns anregen, Versuche zu wagen und dabei falsche Wege zu vermeiden. Die Spiritualität des befreienden Gebets wird uns dabei begleiten.

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Dieter Olaf Schmalstieg ist Theologe, Autor und Journalist und war zuletzt Chefredaktor des Sämann, der Zeitung der evang.-ref. Kirche des Kantons Bern, heute reformiert.

20. MAI 2018 
VON: 

  

Bereits 50’000 Unterschriften für die Initiative gegen Tierversuche

http://www.zeitpunkt.ch/bereits-50000-unterschriften-fuer-die-initiative-gegen-tierversuche

Die Sammelfrist läuft noch bis 3. April 2019.

Für die eidg. Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» wurden bereits 50’000 Unterschriften gesammelt. Das Initiativkomitee und der Trägerverein IG Tierversuchsverbots-Initiative CH bestehen aus unabhängigen Privatpersonen und sind darum auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Allmählich gelingt es, diese für die Initiative zu mobilisieren. Die Sammelfrist läuft noch bis 3. April 2019.

Vor über 20 Jahren wurde zuletzt über Tierversuchsverbote abgestimmt. Der massgebliche Unterschied zu heute besteht darin, dass der wissenschaftliche Wert von patientenorientierten, tierversuchsfreien Ersatzmethoden transparenter ist.
Die Initiative profitiert genauso von der Tatsache, dass Tierversuche katastrophal schlechte Voraussagen für die Verhältnisse beim Menschen liefern.  Ganz nach dem polnischen Zitat: «Auch eine kaputte Uhr zeigt zwei Mal am Tag die richtige Zeit an.»

Jedes Jahr müssen Medikamente zurückgezogen oder Beipackzettel korrigiert werden, da in der Praxis am leidenden Menschen unvorhersehbare z.T. schwere, manchmal sogar irreversible Nebenwirkungen auftreten. Weil Individuen sehr unterschiedlich sind, die Abklärungen zur Patientenverträglichkeit sich aber am Durchschnitt orientieren, ist medizinische Behandlung heute oft wie eine Lotterie. Die wesentliche Verantwortung resp. den Schaden trägt jedoch immer der Patient.

Warum gelingt die Umstellung?
Die von den Initianten gewünschte Umstellung wird längst nicht so radikal verlaufen, wie sich dies einige Menschen vorstellen. Der Initiativtext gewährleistet: Alles was bisher am Markt ist und keine weiteren Tierversuche braucht, darf bleiben. Die Initiative schreibt nicht vor, welche Art von Heilung die Patienten haben sollen, sie verlangt einzig, dass Heil- und Linderungseingriffe anhand plausibler Überlegungen, ethisch wie wissenschaftlich gute Aussichten auf Erfolg haben müssen, bevor Patienten irgendwelchen Restrisiken ausgesetzt werden.

Der Unterschriftenbogen und weitere Informationen sind auf tierversuchsverbot.ch zu finden.

Anwalt der Bienen

http://www.zeitpunkt.ch/anwalt-der-bienen

Achim Willand kämpft vor dem Europäischen Gerichtshof für ein Verbot schädlicher Pestizide. Das Urteil dürfte weitreichende Folgen haben.
Achim Willand
aurelia-stiftung.de

Viele Juristen hätten sich nach dem Studium wohl anders entschieden. Vor allem in der Wirtschafts- und Finanzwelt locken hohe Gehälter. Zu den Topverdienern gehören Juristen, die Pestizid-Hersteller wie Bayer oder BASF vertreten. Achim Willand hat sich dennoch für die andere Seite entschieden, setzt sich für Umwelt und Natur ein. Aktuell kämpft er für ein europaweites Verbot bienenschädlicher Mittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Nicht gerade ein Thema, mit dem Berufsanfänger Karriere machen können, oder wie es Willand ausdrückt: «Wer als angehender Anwalt im Bewerbungsgespräch sagt, er habe sich schon im Studium auf die Bienen spezialisiert, ist schnell draussen.»

Der 54-Jährige hat es trotzdem versucht und ist heute ein bekannter Umweltrechtler. Das Spektrum seiner Klienten reicht von NGOs über Unternehmen und Behörden bis hin zu Ministerien. Seit 1997 ist der promovierte Jurist für die Berliner Kanzlei Gassner, Groth, Siederer & Coll. tätig, die auf Umwelt- und Energiethemen spezialisiert ist. Willand selbst ist Experte für Landwirtschaft, Lebensmittel, Altlasten und Wasserrecht. Vor allem aber ist er ein Spezialist in Sachen Bienen.

Aufsehen erregte ein Verfahren, das Willand mit seinem Team bis vor den Europäischen Gerichtshof trug. Es war der Fall des Hobby-Imkers Karl-Heinz Bablok, der nicht hinnehmen wollte, dass sein Honig Spuren von gentechnisch verändertem Mais enthielt – und so zu einem Produkt wurde, das viele Verbraucher ablehnen. 2011 gewannen sie das Verfahren. Belasteter Honig muss seitdem gekennzeichnet werden und darf nur mit gesonderter Zulassung in den Handel, betroffene Imker haben ein Recht auf Schadenersatz. Ein bahnbrechendes Urteil. Gentech-Mais wird hierzulande nicht mehr angebaut.

Sein aktueller Fall hat Willand erneut nach Luxemburg, an den Europäischen Gerichtshof geführt. Nur gehört er diesmal nicht zu den Klageführern, sondern sitzt an der Seite der beklagten EU-Kommission, als eine Art moralische Unterstützung und in Vertretung einiger Imkerverbände.

Angestossen haben das Verfahren Bayer, BASF und Syngenta. Die Agrarkonzerne klagen dagegen, dass die EU 2013 den Einsatz mehrer bienenschädlicher Pestizide teilweise verboten hat. Darunter drei Mittel aus der Gruppe der Neonicotionoide, deren Einsatz im Freiland die EU nun sogar ganz verbieten will, weil sie als eine der Ursachen für das Bienensterben gelten. Ein Urteil ist für den 17. Mai angekündigt. Die EU-Länder entscheiden bereits an diesem Freitag über ein umfassendes Verbot.

«Im Verfahren geht es um die wichtige Frage, ob die EU Pestizide trotz gültiger Zulassung vom Markt nehmen kann, wenn die Schädlichkeit nicht bewiesen ist, sondern nur ein begründeter Verdacht besteht», sagt Willand. Der Druck auf die EU ist gross, verliert sie das Verfahren, drohen milliardenschwere Schadenersatzforderungen, und für die Kommission dürfte es in Zukunft viel schwieriger werden, gefährliche Produkte aus dem Verkehr zu ziehen. Auch Willand spürt den Druck, Agrarkonzerne sind anspruchsvolle Gegner. Doch er hat sich über die Jahre ein Netzwerk von Experten und Wissenschaftlern aufgebaut. Innere Gelassenheit holt er sich beim Klavierspielen. Ausserdem reitet der Vater von zwei Kindern gern.

Für Umweltthemen habe er sich schon während seiner Schulzeit in Hamburg interessiert, sagt er. Als in den Achtzigerjahren bekannt wurde, dass auf der stillgelegten Mülldeponie Georgswerder im Stadtteil Wilhelmsburg hochgiftige Dioxine und Pflanzenschutzmittel lagerten, beteiligte er sich an den Protesten. Den eigenen Berufsstand betrachtet er auch kritisch: «Juristen produzieren Geist, oft genug Kleingeist.»

#EFAIL; „Schutzranzen“; und – Überraschung! – die Datenschutzgrundverordnung

digitalcourage
Newsletter vom 25.05.2018 – online lesen und teilen

panische E-Mails, gereizte Diskussionen auf sozialen Netzwerken – ganz Europa ist in heller Aufregung, denn seit heute gilt die Datenschutz-Grundverordnung. Wir bleiben ruhig und fragen lieber danach, was die neuen Regeln für Verbraucher.innen bringen. Wir haben die Betroffenenrechte unter die Lupe genommen und erklären, wie Du sie wahrnehmen kannst.


Inhalt

1. Neuen Datenschutz richtig nutzen!
2. „Schutzranzen“: Neue Version, alte Probleme
3. Medienpädagogik: Häufig gestellte Fragen und Antworten
4. Nicht kirre machen lassen: E-Mail-Verschlüsselung lohnt sich weiterhin
5. Termine

1.  Neuen Datenschutz richtig nutzen!

Ein Recht auf Auskunft oder Löschung gab es schon vorher. Was ist neu? Die Auskunft ist jetzt noch leichter: Betroffene können sich immer an die Datenschutzbehörden an ihrem Wohnsitz wenden, egal, in welchem EU-Land das Unternehmen sitzt. Welche Betroffenenrechte es gibt und auf welchen Artikel man sich berufen muss, haben wir hier aufgeschrieben:

https://digitalcourage.de/blog/2018/neuen-eu-datenschutz-nutzen

2.  „Schutzranzen“: Neue Version, alte Probleme

Wir fordern seit Januar, dass Tests mit „Schutzranzen“ an Grundschulen abgebrochen werden. Wolfsburg hat das Projekt auf Eis gelegt, die Stadt Ludwigsburg hält daran fest, die GPS-Tracker kostenlos in Grundschulen zu verteilen. Bei diesem Konzept sollen sich andere Verkehrsteilnehmer.innen trackbar machen, wenn sie nicht überfahren werden wollen. Ihre Standortdaten landen dann in Echtzeit in der „Cloud“.

Jetzt behauptet „Schutzranzen“, man habe die Ortungsfunktion entfernt. Richtig ist: Eltern haben keinen Zugriff mehr auf den Standort ihres Kindes. Aber: Der Standort der Kinder wird weiterhin auf die Unternehmens-Server übertragen.

In einem Blogpost erklären wir ausführlich, warum auch die neue Version von „Schutzranzen“ technisch untauglich, pädagogisch falsch und gesellschaftlich gefährlich ist:

https://digitalcourage.de/blog/2018/schutzranzen-wir-warnen-vor-der-neuen-version

3.  Medienpädagogik: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Darf ich Fotos von Schüler.innen machen? Wie erkenne ich (Cyber-)Mobbing und was kann ich dagegen tun? Unsere Arbeitsgruppe Pädagogik hat häufig gestellte Fragen gesammelt und gibt Antworten sowie Links zu weiteren Quellen.

https://digitalcourage.de/blog/2018/faq-fuer-schulen

Wer mehr zum Thema Medienpädagogik erfahren will, kann sich auch auf der neuen Übersichtsseite umschauen. Dort gibt es Grundlegendes und Aktuelles rund um Datenschutz für Jugendliche, Eltern und Lehrer.innen.

https://digitalcourage.de/kinder-und-jugendliche

Hier Digitalcourage und die AG Pädagogik mit einer Spende unterstützen!

https://digitalcourage.de/spenden

4.  Nicht kirre machen lassen: E-Mail-Verschlüsselung lohnt sich weiterhin

Mitte Mai ging eine große Aufregung durch die Medien wegen einer #EFAIL genannten Sicherheitslücke in einigen E-Mail-Programmen. Diese betrifft nur HTML-E-Mails, die Bilder und Links automatisch nachladen. Mit großem Aufwand könnte ein Angreifer diese Lücke ausnutzen, um verschlüsselte E-Mails aus der Ferne zu lesen. Einige Medien empfahlen daraufhin, PGP oder E-Mail nicht mehr zu nutzen.

Das ist Quatsch. Ein lesenswerter Text der US-amerikanischen Bürgerrechtsorganisation ACLU erklärt, warum manche Sicherheitsexperten mit solchen Ratschlägen das Kind mit dem Bade ausschütten. Der Text gibt außerdem aktuelle Hinweise zum sicheren Einsatz von E-Mail und Verschlüsselung. Darum haben wir ihn ins Deutsche übersetzt:

https://digitalcourage.de/2018/05/21/e-mail-verschluesselung-und-sicherheitsnihilismus

5.  Termine

• 5.6.2018 (Do): Linux-Install-Party der Hochschulgruppe in der Uni Bielefeld https://digitalcourage.de/hsg
• 28.6.2018 (Do), 18 Uhr: Verleihung der Ehrennadel der Stadt Bielefeld an Rena Tangens und padeluun, Altes Rathaus, Rochdale-Saal
• 7.7.2018 (Sa): Demo gegen das geplante Polizeigesetz NRW, Düsseldorf • 21.–24.9. (Fr–Mo): Freedom not Fear 2018 in Brüssel. Das Treffen für Aktvist.innen für Datenschutz und Grundrechte aus ganz Europa. Barcamp und Besuch im EU-Parlament.
https://www.freedomnotfear.org/ Twitter: https://twitter.com/fnf_eu Anmerkung: Die Finanzierung von Freedom not Fear ist noch nicht gesichert, deshalb ist dieser Termin noch nicht 100%ig. Es fehlen einige Tausend Euro. Wir freuen uns über Unterstützung!

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Play button Was ist diese EU überhaupt…sind WIR da überhaupt Mitglied?

Nutzlos, gefräßig und von niemandem gebraucht oder gar gewollt … aber alle machen mit! … von einer EG — zur EWG — zur EU! Da fällt mir doch gerade das Junker Zitat wieder ein: . . Und weil es eben kein großes Geschrei gibt, wir weitergemacht Schritt für Schritt ! „DSGVO“ Warum […]

über Was ist diese EU überhaupt…sind WIR da überhaupt Mitglied? — ddbnews.wordpress.com